Wälder werden im Kampf gegen den Klimawandel immer wichtiger. Denn Bäume sind natürliche CO2-Abscheider: Durch die Photosynthese in ihren Blättern entziehen sie der Luft das klimaschädliche Gas, um es in ihrem Holz in Form von Kohlenstoff zu speichern – bis zu ihrem Lebensende und darüber hinaus.
Lange glaubten Forschende, dass Wälder diese Funktion in Zukunft sogar noch effektiver erfüllen könnten. Weil die Winter – zumindest in Mitteleuropa – milder werden, die Frostperiode später und das Frühjahr früher einsetzt. Messungen eines schweizerischen Forschungsteams zeigen nun: Wichtige Baumarten im Wald wachsen zwar über das Jahr gesehen länger – profitieren aber trotzdem nicht von den milden Temperaturen. "Es wurde angenommen, dass sich mit einer längeren warmen Jahreszeit negative Folgen des Klimawandels teilweise kompensieren lassen", sagt der Forstwissenschaftler Arun Bose in einer Pressemitteilung. Doch das sei leider nicht der Fall.
Mit hochpräzisen Messinstrumenten haben er und sein Forschungsteam das Wachstum der fünf häufigsten Baumarten der Schweiz an 48 verschiedenen Standorten gemessen. Das Ergebnis: "Über die letzten elf Jahre hat sich die Vegetationsperiode um mehrere Tage nach vorne verschoben", erklärt Bose. Gemeint ist damit der Zeitraum, in dem Bäume Photosynthese betreiben können. Auf den Holzzuwachs habe sich das aber nicht positiv ausgewirkt. Im Gegenteil: Zwischen 2012 und 2022 sei das jährliche Stammwachstum in vielen Beständen sogar zurückgegangen. Der Grund dafür sind zunehmende Hitze und Trockenperioden. Besonders Buchen, Weißtannen und Fichten litten demnach unter Wassermangel.
Stress im Wald durch Trockenheit
In deutschen Wäldern ist die Fichte schon lange ein Sorgenkind. Früher als schnell wachsender "Brotbaum" der Forstwirtschaft großflächig angepflanzt, zeigt sich heute, dass der Nadelbaum des Hoch- und Mittelgebirges mit den zunehmend trockenen und heißen Bedingungen im Tiefland nicht klarkommt. Aber auch andere Baumarten leiden: In Deutschland sind laut der Waldzustandserhebung 2024 vier von fünf Bäumen krank. Ein Grund dafür sind lang anhaltende Trockenperioden vergangenener Jahre.
Eichen und Kiefern wuchsen der schweizerischen Studie zufolge zwar gleich gut wie in den Vorjahren. Doch auch sie konnten von der verlängerten Vegetationsperiode nicht profitieren.
Zum Nachteil nicht nur für das Klima: Auch die Forstwirtschaft muss trotz längerer Wachstumsperioden unter dem Strich mit Erträgen rechnen, die im selben Maß schrumpfen, wie Dürreperioden im Klimawandel zunehmen.