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Vogel des Jahres Warum der Wiedehopf eine Haube trägt

Wiedehopf
Der Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022. Er gehört zur Ordnungder Hornvögel, zu der auch die in den Tropen heimischen Nashornvögel zählen
© drakuliren / Adobe Stock
Der "Vogel des Jahres 2022" ist ein Exot unter den heimischen Vögeln. Sein gaukelnder Flug, die gemusterten Schwingen und vor allem die aufstellbare Federkrone machen den Wiedehopf einzigartig. Den Kopfputz setzt der Vogel vor allem dann ein, wenn es um Gefühle geht

Man kann ihn mit keinem anderen Vogel unserer Breiten verwechseln. Schon im Flug wirkt der drosselgroße Wiedehopf mit seinem rostbraunen Gefieder und den schwarzweiß gemusterten Flügeln einzigartig: Gaukelnd flattert er durch die Lüfte und wirkt dabei fast wie ein überdimensionierter Schmetterling.

Sobald er landet, stellt er meist kurz seine hübsche Federhaube auf. Auch sie ist dem Exoten unter den heimischen Vögel eigen. Und sie dient ihm im Grunde genommen immer dann, wenn es um Gefühle geht.

Im Winter zieht der Wiedehopf in den Süden

Wenn sich der Wiedehopf freut, wenn er Angst hat oder auch wenn er wütend ist: Sein Kopfputz signalisiert Artgenossen, dass Erregung im Spiel ist. Und nicht nur ihnen: Macht ein anderer Vogel, etwa ein Star, dem Wiedehopf eine Nistgelegenheit streitig, fächert der in Rage seinen Schopf auf. Und macht sich dadurch optisch größer als der Herausforderer.

Den Winter verbringt der wärmeliebende Vogel im westlichen Mittelmeerraum oder im Savannengürtel südlich der Sahara. Anfang April verschlägt es ihn dann teils wieder in unsere Gefilde, wo er offene Landschaften mit lockerem Baumbestand oder extensiv genutzte Wein- und Obstkulturen aufsucht.

Die Männchen suchen nun geeignete Brutplätze – zum Beispiel alte Spechthöhlen – und locken Weibchen mit einem dumpfen, an Rohrflöten erinnernden "Hup Hup Hup" an. Und da es sich um eine naturgemäß emotionale Angelegenheit handelt: auch wieder mit voll ausgefahrener Haube und zusätzlich aufgeplusterter Kehle.

Schlüpft die Angebetete in eines der dargebotenen Gemächer, sind die Bande zwischen Hopf und Hopfin geknüpft. Zumindest für eine Saison. Die bis zu zehn erst noch nackten Küken können schon nach wenigen Wochen ihre kleinen Federkrönchen aufstellen.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von "Wohllebens Welt".


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