Mit dem Hund zu spielen, stärkt die Beziehung zwischen Tier und Besitzer – so ist es in vielen Ratgebern zu lesen. Eine Studie bestätigt nun, wie förderlich gemeinsames Spiel ist. Training allein stärke die Bindung nicht, berichtet das Forschungsteam im Fachjournal "Royal Society Open Science". Spielen sei ein wirkungsvolles und leicht umsetzbares Mittel zur Verbesserung der emotionalen Nähe.
Der Versuch zeige, dass sich die emotionale Bindung zum Hund in nur vier Wochen durch ein paar Minuten zusätzliches Spielen pro Tag verbessern kann, sagte Hauptautorin Lina Roth von der Universität Linköping. Wichtig sei, ein Spiel zu finden, auf das der Hund positiv reagiere.
Rangeln, Tauziehen, Jagen
"Einfach nur einen Ball zu werfen, reicht nicht aus", erklärte Roth auch. Es gehe um soziale Interaktion, etwa beim Tauziehen, Herumtollen, sich gegenseitig jagen, Verstecken spielen, balgen. Für einen Effekt sei kein langes Spiel nötig, einige Minuten ab und an genügten.
"Heutzutage wechseln viele Hunde mitten in ihrem Leben das Zuhause", sagte Roth. Bei Hunden aus dem Tierschutz erlebe man das für den Aufbau einer Beziehung wichtige Sozialisierungsfenster in der frühen Lebensphase des Welpen nicht. Spielen stelle eine sehr gute Möglichkeit dar, auch mit erwachsenen Hunden noch eine gute Beziehung aufzubauen.
Für die Studie füllten Besitzer erwachsener Hunde einen Fragebogen dazu aus, wie sie die Beziehung zu ihrem Tier erleben. Dann wurden die mehr als 400 Mensch-Hund-Paare in drei Gruppen eingeteilt: Eine spielte über vier Wochen mehr als gewöhnlich, eine trainierte verstärkt mit Belohnungen in Form von Leckerlis und eine behielt als Kontrollgruppe den bisherigen Umgang bei. Anschließend beantworteten die Besitzer den Fragebogen erneut.
Was denkt der Hund darüber?
Demnach ließ sich die emotionale Bindung zum Hund durch eine Verlängerung der Spielzeit verbessern. Bei den beiden anderen Gruppen zeigte sich keine Veränderung. "Die Studie zeigt vor allem, wie die Besitzer die Beziehung erleben, und kann nicht viel über die Erfahrungen der Hunde aussagen", geben die Forschenden dabei zu bedenken.
Die Besitzer in der Spielgruppe hätten aber berichtet, dass ihre Hunde eine positivere Einstellung zu ihren Besitzern zu entwickeln schienen und selbst mehr Initiative zum Spielen ergriffen. Frühere Studien hätten zudem ebenfalls gezeigt, dass Hunde sich besser fühlen, wenn sie spielen und Zeit mit ihren Besitzern verbringen dürfen.
Lebenslanges Spiel ist eine seltene Eigenheit
Viele Tiere spielen vor allem in ihrer Kindheit gern und ausgiebig. Dabei werden später benötigte Bewegungsabläufe – etwa für die Jagd oder den Kampf mit Artgenossen – geschult. Soziale Interaktionen und Hierarchien werden erlernt, auch Balz- und Paarungsverhalten können spielerisch erprobt werden. Nur bei wenigen Tiergruppen wie Primaten und Delfinen spielen auch die erwachsenen Gruppenmitglieder noch oft.
"Hunde zeigen zwar individuelle Unterschiede in ihrer Verspieltheit, unterscheiden sich aber von den meisten anderen Arten dadurch, dass sie ihr ganzes Leben lang bereitwillig mit Menschen spielen", heißt es in der Studie. Vermutet werde, dass die lebenslange Verspieltheit eine aus der Domestizierung hervorgegangene Anpassung ist, die dazu dient, die emotionale Bindung zum Menschen zu stärken.