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Hormone Warum manche Hunde aggressiver sind als andere Artgenossen

Aggressiver Hund
Aggressiv, devot, ängstlich? Das Verhalten von Hunden hängt mit ihren Hormonen zusammen
© MEDIAIMAG - Adobe Stock
Wie sich ein Hund in bestimmten Situationen verhält, hat nicht nur mit dessen Erziehung oder Umwelteinflüssen zu tun. Auch zwei Hormone könnten dabei eine Rolle spielen

Hunde sind grundsätzlich hochsoziale Wesen, nicht ohne Grund gelten sie als bester Freund des Menschen. Der Wunsch nach sozialen Kontakten und Kooperation liegt den Vierbeinern in den Genen. Durch ihre Abstammung vom Wolf fühlen sie sich im gut funktionierenden "Familienrudel" besonders wohl. Isolation hingegen macht viele Hunde krank und führt zu Verhaltensstörungen.

Dennoch kann sich das freundliche, offene Wesen eines Hundes auch ändern. Freundliches Wedeln mit der Rute, begeistertes Bellen und aufgeregtes Hecheln kann in so mancher Situation schnell in Knurren oder Zähnefletschen umschwenken – manchmal innerhalb von Sekunden. Ein amerikanisches Forschungsteam unter der Leitung des Veterinärmediziners Dr. Evan MacLean wollte verstehen, wieso diese Verhaltensänderung bei manchen Hunden schneller auftritt als bei anderen.

Oxytocin und Vasopressin beeinflussen das Verhalten

Das Forschungsteam testete die Reaktion unterschiedlicher Hunde verschiedener Rassen auf mehrere Stimulanzien und maß deren Vasopressin- und Oxytocin-Spiegel vor und nach der Exposition. Die eine Hälfte der Hunde galt als aggressiv, die andere nicht.

In ihrer Studie, deren Ergebnisse die Forschenden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Frontiers in Psychology" veröffentlichten, kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Hormone Oxytocin und Vasopressin das Verhalten eines Hundes maßgeblich mit beeinflussen.

Begleithunde, die vom Menschen gezielt wegen ihres ruhigen Gemüts gezüchtet werden, haben MacLean und Kollegen zufolge einen deutlich höheren Oxytocinspiegel als ein durchschnittlicher Vierbeiner. Oxytocin zählt zu den Glückshormonen und ist auch als "Kuschelhormon" bekannt. Es wirkt als Neurotransmitter direkt im Gehirn, löst positive Gefühle aus und steigert das Wohlbefinden.

Hunde, die Artgenossen gegenüber deutlich aggressiver auftreten, weisen laut den Forschenden hingegen eine höhere Vasopressinkonzentration auf. Vasopressin ist wie Oxytocin ein Hormon des Hypophysenhinterlappens des Gehirns, das soziale Verhaltensweisen wie Dominanz und Aggression steuert.

Einen Haken gibt es allerdings: Es ist nicht ganz klar, ob der hohe Vasopressinspiegel tatsächlich Auslöser der Aggression ist oder ob – andersherum – das Vasopressin während aggressiven Verhaltens im Körper eines Hundes vermehrt ausgeschüttet wird.

Die Biologin Sue Carter, die am Kinsey Institute der Indiana University arbeitet und an der Studie mitgewirkt hat, bekräftigte jedoch gegenüber National Geographic: "Dies ist die erste Studie, die Vasopressin und Aggression bei Hunden untersucht hat und die Arbeit eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten."

Aggressionen, mit denen sich Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer überfordert fühlen, zählen zu den Hauptgründen, weshalb Hunde in Tierheime abgegeben werden. Aggressive Verhaltensweisen und deren Ursprünge zu verstehen, kann daher ein Schlüssel für eine erfolgreiche Erziehung und ein konfliktfreies Miteinander sein – für Mensch und Tier.

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