Im normalerweise so sonnenverwöhnten US-Bundesstaat Florida ist es derzeit ungewohnt kalt – so kalt, dass der "Sunshine State" seinem Namen kaum gerecht wird. Die Temperaturen sind in einigen Regionen auf nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt gefallen, nachts werden mancherorts Minusgrade verzeichnet. Und in der Tampa Bay könnte es sogar zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wieder schneien.
"Es regnet Leguane"
Für die in Florida zahlreich lebenden Grünen Leguane hat diese historische Kälte drastische Folgen: Die tropischen Reptilien können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren, sondern sind auf Wärme von außen angewiesen. Sinkt das Thermometer unter etwa zehn Grad Celsius, werden sie träge.
Bei weniger als etwa fünf bis sieben Grad Celsius können die Leguane in eine "cold‑stunned"-Starre fallen. Werden die Tiere in den Bäumen von dieser Kältestarre überrascht, verlieren sie den Halt – und fallen wie schwere Früchte zu Boden.
"Es regnet Leguane" meldeten regionale Fernsehsender und Nachrichtenportale jüngst – und zeigten Szenen von massenhaft herabgestürzten Kriechtieren, die reglos auf Straßen, Gehwegen und in Vorgärten liegen. Meist verletzen sich die Tiere dabei nicht ernsthaft.
Auf den ersten Blick wirken die Leguane dann wie tot, dabei ist die Kältestarre eher ein Überlebensmodus. Muskeln und Nerven funktionieren kaum noch, Atmung und Herzschlag laufen aber weiter. Die Leguane sparen so Energie, bis es wieder wärmer wird. Dann löst sich die Kältestarre auf.
Warnung vor unüberlegten Rettungen
Die Bilder der reglosen, teils vereisten Leguane lösen in sozialen Netzwerken Mitgefühl aus – doch Fachleute warnen davor, die Tiere unüberlegt retten zu wollen oder mit ins Haus zu nehmen. Denn wird es wieder milder, können viele Leguane sich von allein wieder aufrichten und in die Äste zurückklettern.
Zudem laufen Menschen Gefahr, von eingesammelten Leguane verletzt zu werden: Bei steigenden Temperaturen erwachen die Tiere aus ihrer Starre, können sich dann bedroht fühlen und deshalb beißen oder mit ihren kräftigen Schwänzen zuschlagen.
Die Naturschutzbehörde FWC rät Einwohnerinnen und Einwohnern, die erstarrte Leguane von ihren Grundstücken entfernen möchten, sich den Reptilien nur mit Schutzausrüstung zu nähern und sie in atmungsaktiven Säcken zu den offiziellen Sammelstellen zu bringen, sofern diese dafür eingerichtet wurden.
In Florida eine invasive Art
Grüne Leguane stammen ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Doch seit Jahren haben sich die Tiere als invasive Art in den Vorstädten von Miami, Fort Lauderdale oder Palm Beach breitgemacht. In Florida sind sie keine schützenswerte Seltenheit, sondern offiziell ein Problemfall: Die FWC führt sie auf einer Liste besonders schädlicher invasiver Arten. Die Tiere unterhöhlen Dämme und Uferböschungen, beschädigen Gärten und Infrastruktur und verursachen mitunter sogar Stromausfälle.
Herabfallende Leguane: Bilder mit Symbolkraft
Kaltlufteinbrüche in Florida sind kein neues Phänomen – doch Meteorologinnen beobachten, dass so genannte "arktische Ausbrüche" im Süden und Südosten der USA derzeit regional besonders heftig ausfallen können.
Für eine Art wie den Grünen Leguan, der sich an milde Winter gewöhnt hat und sich dank wärmerer Durchschnittstemperaturen stark ausbreiten konnte, kann die Kälte nun zur Achillesferse werden – ein Paradox, das zeigt, wie sensibel Ökosysteme auf die Kombination aus Klimawandel, Urbanisierung und eingeschleppten Arten reagieren.
So bekommt das Bild der herabfallenden Leguane Symbolkraft: Es steht für eine Natur, die sich an den Rändern des Menschenreichs eingerichtet hat – und in Zeiten extremer Wetterlagen buchstäblich den Halt verliert.