Pudelmischlinge wie der Labradoodle gelten gemeinhin als kinderlieb, leicht erziehbar und anpassungsfähig – kurzum: als ideale Hunderassen für Einsteiger. Gerade bei Familien sind die Hunde deshalb sehr gefragte Haustiere. Doodle-Hunde – also Hunde, die durch die Kreuzung eines Pudels mit einer anderen Rasse entstehen – erleben seit einigen Jahren einen regelrechten Boom. Die Nachfrage nach den Designerhunden, besonders nach Welpen, ist groß. Bedingt hat diesen Boom vor allem ihr niedliches Aussehen, das an ein Kuscheltier erinnert, und die starke Verbreitung von Fotos und Clips in den sozialen Netzwerken.
Der Mythos vom "Besten aus zwei Rassen"
Ein Forschungsteam um Gina T. Bryson vom Royal Veterinary College in Großbritannien wollte aus diesem Grund die Frage klären, ob die beliebten Pudelkreuzungen tatsächlich die erhofften positiven Eigenschaften vereinen – oder ob es deutliche Unterschiede zu den Ausgangsrassen gibt. Ihre in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlichte Studie zeigt: die Mischlingshunde zeigen häufiger "unliebsame Verhaltensweisen" als ihre reinrassigen Elterntiere.
Die Forschenden hatten die drei häufigsten Pudelmischlinge in Großbritannien – Cockapoo, Labradoodle und Cavapoo – mit ihren Ursprungrassen Cocker Spaniel, Labrador Retriever, Cavalier King Charles Spaniel und Pudel in verschiedenen Verhaltenskategorien miteinander verglichen. Die Grundlage dafür bildete der standardisierte Fragebogen C-BARQ (Canine Behavioral Assessment and Research Questionnaire), der entwickelt wurde, um das Verhalten von Hunden umfassend zu bewerten und zu erforschen. Er gilt als ein etabliertes wissenschaftliches Instrument, um Hundeverhalten anhand von Angaben der Halter objektiv messbar zu machen.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten die Einschätzungen von insgesamt 9402 Hundebesitzerinnen und -besitzern zu den Verhaltensweisen ihrer Haustiere in Bezug auf Aggression, Angst, Trennungsprobleme, Trainierbarkeit und Anhänglichkeit aus. Von den 9402 Hunden waren 3424 Designer-Kreuzungen (Cockapoo, Labradoodle sowie Cavapoo) und 5978 reinrassige Vergleichshunde (beispielsweise Labrador Retriever, Cocker Spaniel oder Pudel). Alle Hunde waren jünger als fünf Jahre und schon als Welpen (im Alter von maximal 16 Wochen alt) übernommen worden.
Cockapoos, Cavapoos und Labradoodles im Detail
Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Die Doodle-Hunde zeigten insgesamt häufiger problematisches Verhalten als ihre Ursprungsrassen. In Einzelvergleichen schnitten die "Designerhunde" in 44,4 Prozent der Fälle schlechter ab als mindestens eine ihrer Elternrassen, aber nur in 9,7 Prozent besser – in 45,8 Prozent der Fälle gab es keinen Unterschied.
Cockapoos zeigten im Vergleich zu Cocker Spaniels und Pudeln in 16 von 24 Verhaltensskalen Unterschiede – und lagen bei allen 16 Skalen ungünstiger, etwa bei Aggression gegenüber Fremden und Halter, Hund-Hund-Konflikten, verschiedenen Ängsten, Trennungsproblemen, hoher Erregbarkeit und geringerer Trainierbarkeit.
Cavapoos unterschieden sich in zwölf von 24 Vergleichen von Cavalier King Charles Spaniel und Pudel, in elf davon zeigten sie mehr unerwünschtes Verhalten – vor allem mehr Aggression gegenüber Menschen und Hunden, mehr Angst und mehr Stress bei Trennung, während sie nur bei der Trainierbarkeit besser abschnitten als Cavaliers.
Labradoodles wirkten auf den ersten Blick "ausgeglichener": Gegenüber Pudeln zeigten sie bei sechs Skalen weniger problematisches Verhalten, etwa weniger Aggression, weniger Angst und weniger Trennungsprobleme. Im Vergleich zum Labrador Retriever schnitten sie aber bei fünf Skalen schlechter ab, zeigten etwa mehr Angst, mehr Trennungsprobleme, höhere Erregbarkeit und eine geringere Trainierbarkeit.
Damit stellen die Ergebnisse der aktuellen Studie die verbreitete Annahme infrage, dass Kreuzungen ein "gesundes Mittel" zwischen den Elternrassen darstellen – also weder besonders problematisch noch besonders unauffällig sind. Viele der Doodle-Kreuzungen zeigen der Fragebogenauswertung zufolge häufiger Verhaltensprobleme, besonders in Bereichen, die für den gemeinsamen Alltag entscheidend sind.
Falsche Vorstellungen bergen Risiken
Die Autorinnen und Autoren warnen aus diesem Grund, dass verbreitete Annahmen wie "Doodles sind besonders kinderfreundlich" oder "Doodle-Hunde brauchen kaum Training" derzeit nicht durch Daten gedeckt sind und im Gegenteil zu riskanten Fehlentscheidungen führen können – etwa einem höheren Bissrisiko bei Kindern, wenn Erziehung und Aufsicht vernachlässigt werden. "Diese neue Studie zeigt, dass es einfach nicht sicher ist, sich auf das niedliche Teddybär-Aussehen von Doodles zu verlassen und anzunehmen, dass sich diese Hunde wie Stofftiere verhalten. Der Schein kann trügen – auch bei Hunden", so Dan O’Neill, Professor am Royal Veterinary College und Mitautor der Studie.
Zugleich betonen die Forschenden aber auch, dass es um statistische Unterschiede zwischen Gruppen gehe und nicht um "gute" oder "schlechte" Einzelhunde: Erziehung, Haltungsbedingungen und Zuchtpraxis spielten immer eine zentrale Rolle bei der Entwicklung eines Hundes. Mit Verallgemeinerungen müsse man vorsichtig umgehen.
Gina T. Bryson bekräftigt in einer Mitteilung des Royal Veterinary College, wie wichtig realistische Erwartungen sind: "Unsere Studie unterstreicht, wie wichtig es für alle angehenden und derzeitigen Hundebesitzer ist, vor dem Kauf zuverlässige Informationsquellen zu konsultieren, um sich darüber zu informieren, was sie von verschiedenen Hunderassen, einschließlich Mischlingen, erwarten können. Die immense Beliebtheit von Pudelmischlingen lässt vermuten, dass diese Hunde uns noch lange begleiten werden." Wer sich nur auf Marketingversprechen verlasse, riskiere, dass Hund und Mensch nicht zueinander passen – mit der Folge von Frust, Verhaltensproblemen und im schlimmsten Fall mit der Abgabe des angeschafften Vierbeiners.
Die Forschenden plädieren deshalb dafür, Designerhunde wie eigenständige Rassen zu betrachten und nicht als "das Beste aus zwei Welten" zu vermarkten, die spezifischen Verhaltensprofile weiter zu untersuchen und künftige Halterinnen und Halter besser auf mögliche Verhaltensprobleme wie Angst, Aggression und Trennungsstress aufmerksam zu machen und vorzubereiten.