GEO schützt den Regenwald e.V.

Ecuador Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

In Kooperation mit dem Ökostromanbieter LichtBlick ist "GEO schützt den Regenwald e.V." bereits seit 2004 mit großem Erfolg aktiv - für Gemeindewälder und Einkommen verbessernde Projekte

Über die Region

Die Region Intag an der westlichen Flanke der Anden-Gebirgskette ist Teil der ecuadorianischen Provinz Imbabura. Die abgelegene Region liegt rund 150 Autokilometer – etwa fünf Stunden Fahrt mit dem Bus – nördlich der Landeshauptstadt Quito. Typisch für Intag ist der Bergnebelwald, ein besonders rares und schützenswertes Ökosystem. Die rund 14.000 Bewohner von Intag leben überwiegend von der Landwirtschaft und dem seit einigen Jahren einsetzenden Individualtourismus. Die Region grenzt an den "Cotacachi-Cayapas-Nationalpark (bis 2018, ein -“Ökoreservat"), der sich zwischen den Provinzen Esmeraldas und Imbabura von etwa 300 Meter auf mehr als 4.900 Meter ü.d.M. erstreckt. Mit den feuchten Bergregionen des Nationalparks teilt Intag zahlreiche bedrohte und gefährdete Tier- und Pflanzenarten, darunter den Brillen- oder Andenbär – die einzige Bärenart Südamerikas – sowie unzählige Orchideen- und Amphibienarten, die nur hier heimisch sind.

Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Karte der Projektregion Intag

Hintergrund des Projekts

Ecuador weist eine der höchsten Abholzungsraten in ganz Südamerika auf. Kahlschlag, Brandrodungen, Straßen- und Siedlungsbau sowie Bergbau bedrohen im Nordwesten des Landes die verbleibenden Reste des einst flächendeckenden Bergnebelwaldes. Kleinbauern brennen wertvollen Wald nieder, um neue Äcker oder Viehweiden zu gewinnen. Die Folgen: Der Regen lässt ganze Berghänge erodieren, der Boden kann kein Wasser mehr speichern und trocknet aus, Ernten verdorren, es kommt zu Erdrutschen. Gleichzeitig wird sauberes Trinkwasser knapp.

Regenwald, Intag

Blick auf das Waldschutzgebiet im Bezirk Cuellaje, Intag

Dauer

Ab Ende 2004 fortlaufend bis heute

Ziele

  • Schutz des Bergnebelwaldes
  • Förderung von umweltverträglichen Landbaumethoden
  • Verbesserung des Einkommens von Kleinbauern
  • Stärkung des Umweltbewusstseins
  • Umweltbildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Artenreicher Nebelwald bedeckt die Berghänge

Fortschritte

Seit Projektbeginn konnte das Team von DECOIN im Auftrag des Projekts Bergnebelwald-Flächen von 7.949,5 Hektar (Stand: Dezember 2019) erwerben, die nun Schutzwälder in Gemeindebesitz sind. Das entspricht einer Fläche von rund 79,5 Millionen Quadratmetern oder 11.134 Fußballfeldern! Im Auftrag des Projekts kauft DECOIN Waldflächen von privaten Landbesitzern. Durch notariellen Vertrag gehen die ehemaligen Privatwälder in Besitz von Bezirks- oder Gemeinderegierungen über, werden zu „Gemeindeschutzwäldern“. Die Bezirke oder Gemeinden verpflichten sich, die Waldflächen fortan zu erhalten und vor Bedrohungen jeder Art zu schützen: Der Bau von Straßen und Gebäuden ist ebenso verboten wie Jagen, Fischen, Baumeinschlag, Besiedlung, die Anlage von Äckern oder die Nutzung als Weideflächen.

Neben großen Gemeindeschutzwäldern in den Bezirken Cuellaje, Apuela und Peñaherrera hat DECOIN weitere Waldschutzflächen in García Moreno und Vacas Galindo sowie im Raum Rumayacu erworben. Durch den Schutz der Wälder wird der natürliche Lebensraum der vielfach bedrohten, heimischen Tier- und Pflanzenwelt erhalten, die Bodenerosion gemindert und die Trinkwasserversorgung der Anwohner gesichert.

Verbesserte Praktiken in der Landwirtschaft: Ökologischer Anbau nimmt zu, Brandrodung und Abbrennen der Felder nach der Ernte haben deutlich abgenommen. Diese Erfolge gehen im Wesentlichen  auf Radio-Spots in „Radio Intag“ und auf Plakate und Anzeigen zurück, sowie auf Berichte in der bis Januar/Februar 2012 alle zwei Monate erscheinenden Intag-Zeitung , die der Bevölkerung die Gefahren verdeutlichen.

Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Mit diesem Plakat ruft DECOIN die Intag-Bewohner auf, auf Plastiktüten zu verzichten

Etwa durch die Anschubfinanzierung für einen Laden in Otavalo zum Verkauf von Produkten aus der Intag-Region – wie Kaffee und andere landwirtschaftliche Produkte sowie Seifen und Kunsthandwerk – und den Aufbau einer Baumschule wird das Einkommen von Intag-Bewohnern nachhaltig verbessert.

Beispiele für Maßnahmen in den Bereichen Bewusstseinsförderung und Umweltbildung:

2005 bis heute: Lehrfahrten, die Produktion von Informationsmaterial zu Umweltthemen und Vortragsveranstaltungen in Gemeinden, Schulen und Jugendgruppen führen zur Stärkung des Umweltbewusstseins der Intag-Bewohner. Zu den behandelten Themen gehören: Bedeutung von Walderhalt und Wiederaufforstung; Folgen des Kupfertagebaus; Müllvermeidung; korrekte Müllentsorgung; Trinkwasserschutz.

2009/10: Buchspenden, Bücherregale und Geräte, darunter ein Filmvorführgerät („Beamer“) und ein Kopiergerät, kommen in der Bibliothek des Gemeindezentrums "Casa Palabra y Pueblo" in Apuela zum Einsatz.

2010/11: 500 Exemplare des Kinderbuches "El Gran Capoquero" (auf Deutsch: „Der Große Kapokbaum“) werden an Grundschulkinder der 4. und 5. Klassen im Intag verteilt. Daneben leistet das Projekt finanzielle Beihilfe zu den Transportkosten mehrerer Dutzend Schüler zu den drei weiterführenden Schulen („Colegios“) von Intag. Die hohen Transportkosten werden vom ecuadorianischen Staat nicht gedeckt und sind der Hauptgrund, weshalb viele Jugendliche im Intag auf den Besuch einer weiterführenden Schule verzichten müssen.

Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Grundschüler staunen über das Kinderbuch "El Gran Capoquero" („Der große Kapokbaum“)

2011 bis heute: Dank der Projektinitiative können fünf Waldschützer auf ihre künftigen Tätigkeiten als Hilfslehrer für den Umweltunterricht an Intag-Schulen ausgebildet werden. Die kanadische Lehrerin Angela Gómez erarbeitet hierzu im Jahr 2011 didaktische Materialien, führte ein zweitägiges Intensiv-Seminar in Nangulví durch und begleitet die Lehrer bei ihren ersten praktischen Trainingseinheiten an verschiedenen Grundschulen.

An zahlreichen Schulen halten die Umweltlehrer von DECOIN Vorträge und gestalten Unterrichtsblöcke . Zum Abschluss des Schuljahres findet praktischer Unterricht im Wald statt, auf Exkursionen in die Schutzgebiete der Gemeinden (s. a. Bildergalerie zum Projekt).

Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Auf Exkursionen in Waldschutzgebiete fällt das Lernen leicht

2015: Die "Weihnachtsspende" von LichtBlick geht zu gleichen Teilen an die Frauenkooperative von El Rosal und „Casa Palabra y Pueblo“. Die Kooperative El Rosal stellt Cremes und Shampoos aus Aloe Vera und anderen Naturstoffen der Region her, mit dem Ziel, die Ressourcen der Umgebung nachhaltig zu nutzen und alternative Einkommensquellen für die Familien der Gemeinde zu schaffen. Die Spendenmittel ermöglichen es der Kooperative, Geräte anzuschaffen, welche die Herstellung der Produkte erleichtern. Casa Palabra y Pueblo wiederum kann dank der zur Verfügung gestellten Gelder Infoprogramme für die Bevölkerung produzieren, die im Laufe des Jahres durch Radio Intag ausgestrahlt werden.

Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Germania Haro von der Kooperative El Rosal bei der Ernte von Aloe Vera

Unsere Partner

„GEO schützt den Regenwald e.V.“ arbeitet vor Ort mit der ecuadorianischen Graswurzelbewegung Defensa y Conservación Ecológica de Intag, kurz: DECOIN (www.decoin.org), zusammen, die 1995 gegründet wurde und sich für den Schutz der Bergregenwälder und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in der Region einsetzt. Seit seiner Gründung engagiert sich DECOIN stark  gegen Pläne für Kupfertagebau in der Intag-Region. In den 1990er Jahren plante das Unternehmen Mitsubishi aus Japan, dann Ascendant Copper aus Kanada im Intag Kupfererz abzubauen, was verhindert werden konnte. Der Widerstand geht weiter, denn seit einigen Jahren plant nun die ecuadorianische Bergbaugesellschaft ENAMI gemeinsam mit der chilenischen CODELCO – dem weltweit größten Kupferproduzenten - den Abbau von Kupfer im Bergnebelwald von Intag. Die Organisation hat zahlreiche Waldgebiete vor der Zersiedlung bewahrt. Denn im Auftrag des Vereins erwirbt DECOIN Waldflächen aus privater Hand, die in Besitz der jeweils ansässigen Gemeinden übergehen und durch diese unter Schutz gestellt werden. Die Gemeinden vor Ort beteiligen sich aktiv an den Projektplanungen und -Aktivitäten; sie verwalten die Schutzgebiete eigenverantwortlich und profitieren vom Erfolg der Maßnahmen in Landwirtschaft, Gewerbe und Tourismus.

Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Silvia Quilumbango, Präsidentin von DECOIN

Finanziert werden sämtliche Projektaktivitäten durch den 1998 gegründeten Energieversorger LichtBlick ( www.lichtblick.de). Das bundesweit tätige Unternehmen versorgt Privathaushalte und Gewerbebetriebe mit umweltfreundlich erzeugtem Strom und Gas. LichtBlick beweist seit Jahren, dass umweltfreundlicher Strom wettbewerbsfähig gegenüber Atom- oder Kohlestrom angeboten werden kann. Für jeden LichtBlick-Privatkunden schützt das Projekt monatlich einen Quadratmeter Regenwald – zwölf Quadratmeter pro Jahr. Mit steigenden Kundenzahlen vergrößert sich entsprechend die geschützte Waldfläche. Rund 650.000 private Gas- und Stromkunden von LichtBlick sorgen dafür, dass die Fläche des Waldschutzgebietes in der Intag-Region pro Monat etwa um die Größe von etwa 91 Fußballfeldern wächst.

Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Schirmherrschaft

Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft des renommierten Klimaforschers und ehemaligen Leiters des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, Prof. Dr. Hartmut Grassl. "Der tropische Regenwald ist nicht nur ein Hort der Biodiversität, sondern auch ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. Regenwaldschutz ist deshalb Klimaschutz", so Hartmut Grassl, "dieses Projekt könnte ein Vorbild für andere tropische Regionen werden."

Weitere Infos zum Projekt

Neuigkeiten aus der Intag-Region

Monatlich erhalten wir interessante Berichte und die neuesten Nachrichten aus der Region. Im nächsten Abschnitt geht es zum Archiv.

Walderhalt und Entwicklung in der Intag-Region, Imbabura

Carlos Zorrilla, Direktor von DECOIN

Lesen Sie hier unsere Berichte aus dem Intag

INTAG-Berichte
Jeden Monat gibt es neue Nachrichten aus dem Intag. Lesen Sie mehr über unsere Projekte und die Menschen, die sie begleiten und vor Ort leben.

"Wasser im Bergnebelwald"

Ein zehnminütiger Film des Ithaca-College, New York, gibt Einblick in die Faszination des Bergnebelwaldes und dessen Bedeutung für das Leben in der Intag-Region. Auf Spanisch mit englischen Untertiteln.

http://www.youtube.com/watch?v=rgm3nqBxbKM

Großartige Entdeckung im Bergnebelwald: der Olinguito

Link zur Vogelwelt der Intag-Region von Birdlife International:

Aufstand im Kupferwald - Ein Fotofilm von Elisabeth Weydt

In einem abgelegenen Tal im Norden Ecuadors verteidigen Bauern ihren Regenwald mit Gummistiefeln und Flugblättern. Wenn es ernst wird, sperren die Campesinos der Intag-Region schon mal 60 Paramilitärs in ihre Dorfkirche. So konnten sie bisher zwei transnationale Konzerne vertreiben. Jetzt will die Regierung selbst an das Kupfer unter der Erde von Intag. Und die Inteños ziehen vor Gericht.

Letzte Aktualisierung: Juli 2020