Äthiopien Wildkaffee: vom Urwald ins Dreisternerestaurant

Vor gut 20 Jahren wurde der erste Container mit äthiopischem Wildkaffee nach Deutschland verschifft. Inzwischen verdienen Tausende Kleinbauern an der Köstlichkeit - und schützen die Regenwälder, in denen Coffea arabica seinen Ursprung hat. Wir verhelfen den Menschen vor Ort zu Nutzungsrechten unterstützen die Vermarktung der wilden Bohne. Denn wer Armut bekämpft, hilft auch dem Wald

Hintergrund des Projekts

Das ehemalige Königreich Kaffa im Südwesten Äthiopiens ist im Besitz eines einzigartigen natürlichen Schatzes: In seinen Regenwäldern liegt der Ursprung des Arabica-Kaffees (Coffea arabica). Daher stammen auch die Namen für das Getränk: Kaffee, coffee, café…  Bis zu 5.000 Varietäten der Pflanze haben Wissenschaftler in Kaffa ausgemacht - eine genetische Ressource von unschätzbarem Wert für die gesamte Welt. Denn wild wachsender Kaffee ist resistent gegen Krankheiten, die die Monokulturen der Kaffeeplantagen heimsuchen können (mehr dazu in einer GEO-Reportage auf arte: "Wo der wilde Kaffee wächst").

Aber: In Kaffa ist der Wald bedroht.

Nur noch 200.000 Hektar primärer afromontaner Regenwald sind erhalten, und auch sie sind in ihrer Existenz bedroht. Nicht anders als im ganzen Land: Ende der 1960er Jahre waren noch 40 Prozent Äthiopiens von dichtem Wald bewachsen - inzwischen ist dessen Anteil auf etwa zwei Prozent geschrumpft. Denn der Druck auf die Wälder steigt überall: Die Bevölkerung Äthiopiens wächst nach Schätzung der Weltbank jährlich um 2,6 Prozent.  Rund 80% der Menschen sind Kleinbauern, die als Selbstversorger buchstäblich „von der Hand in den Mund“ leben. Armut zwingt sie, neue Felder anzulegen und dafür Bäume zu roden.

Vor gut 20 Jahren bemerkte der damalige Geschäftsführer des Regenwaldvereins, Reiner Klingholz, bei einer Recherchereise in die Region Kaffa, dass die Menschen dort für ihren Bedarf wilde Kaffeekirschen aus dem Wald rösteten. Und nicht die für den Handel bestimmten Zuchtsorten aus ihren Gärten. Der Wildkaffee schmecke einfach besser, sagten sie. Klingholz pflichtete ihnen bei - und überlegte: Ließe sich der Wildkaffee auch außerhalb Äthiopiens als Spezialität vermarkten, hätten die Bauern nicht nur mehr Einkommen, sondern auch einen lukrativen Grund, den Regenwald zu schützen. Mithilfe unseres Vereins wurden Kooperativen und Vermarktungswege aufgebaut. Vertrieben durch unseren Partner Original Food, ist der Wildkaffee aus Kaffa in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich.

Inzwischen konzentrieren wir uns darauf, lokaler Waldnutzergruppen zu gründen. Sie erhalten staatlich verbriefte Rechte, "ihren" Wald nachhaltig zu nutzen, zugleich schützen sie ihn und forsten Lücken wieder auf. Das Konzept dieses "partizipativem Waldmanagement" (PFM) funktioniert: Während in der Region in den letzten Jahren mehr als ein Fünftel des Waldes Ackerland gewichen ist, sind die PFM-Gebiete intakt. 

Das Projektgebiet 

Kaffa ist Teil der „Southern Nations, Nationalities and People’s Region“, eine der neun ethnischen Regionen Äthiopiens. Das Wirtschaftszentrum von Kaffa ist die sich rasant entwickelnde Stadt Bonga
Kaffa ist Teil der „Southern Nations, Nationalities and People’s Region“, eine der neun ethnischen Regionen Äthiopiens. Das Wirtschaftszentrum von Kaffa ist die sich rasant entwickelnde Stadt Bonga
© Ben Tepfer

Ziele des Projekts

  • Dauerhafter Schutz des Regenwaldes, Erhalt seiner Tier- und Pflanzenarten sowie seiner genetischen Ressourcen
  • Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Region Kaffa durch den Export von Wildkaffee nach Europa
  • Armutsbekämpfung und Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort

Die Projektidee von „GEO schützt den Regenwald“: Die Vermarktung von wild wachsendem Kaffee führt zum dauerhaften Schutz des Regenwaldes, weil dieser zu einer Einkommensquelle wird. Dann liegt es im Interesse der Anwohner, den Wald zu erhalten - zu ihrem eigenen Nutzen.

Was einleuchtend klingt, ist allerdings nicht einfach umzusetzen: In Äthiopien gehört der Wald dem Staat. Um ihn dauerhaft nutzen zu können, brauchen die Anwohner Eigentumsrechte für die Waldgebiete. Den Weg dahin weist das innovative Konzept der „Partizipativen Waldbewirtschaftung“ (PFM, nach dem Englischen „Participatory Forest Management“). Und die geht so: Die am Wald lebenden Bürger schließen eine Vereinbarung mit der lokalen Regierung, diese gibt ihnen das Recht und die Sicherheit, Wildkaffee und andere Waldprodukte kontrolliert nutzen zu können. Der PFM-Vertrag versetzt zudem die Waldnutzer*innen in die Lage, Siedler und Holzdiebe fernzuhalten und sich gegen Investoren durchzusetzen, die staatliche Lizenzen für die Umwandlung von urtümlichem Wald in Kaffeeplantagen beantragen.

Und wie kommt der Kaffee nun in Ihre Tasse? Bereits seit 2003 ist Original Food Partner in unserem Projekt und vermarktet den Wildkaffee in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Heute werden jährlich bis zu 250 Tonnen Wildkaffee exportiert, 48 Kooperativen tragen dazu bei. Die Bohnen von Original Food schafften es in die Regale des Berliner Kaufhauses KaDeWe auf die Karte des Dreisternerestaurants "Schwarzwaldstube" in Baiersbronn.

Die „Kafa Forest Coffee Farmers Cooperatives’ Union" (FU) unser Partner vor Ort: Sie vertritt die lokalen Kooperativen und exportiert den Wildkaffee. Die Projektaktivitäten realisiert ein dreiköpfiges Team von Spezialisten, die langjährige Erfahrung in der Umsetzung von partizipativer Waldbewirtschaftung haben.

Abebe Magnecho, Leiter der Farmers Union (li.),  neben ihm Tamiru Haile (Leiter des PFM-Teams), und die PFM-Experten Negash und Asres Ademe
Abebe Magnecho, Leiter der Farmers Union (li.),  neben ihm Tamiru Haile (Leiter des PFM-Teams), und die PFM-Experten Negash und Asres Ademe
© Eva Danulat

Unser Projektpartner Original Food, ansässig in Freiburg, importiert den Wildkaffee und zahlt der "Kafa Forest Coffee Farmers Cooperatives’ Union" Premium-Preise. Nach dem erfolgreichen Aufbau der Handelskette werden inzwischen bis zu 300 Tonnen Wildkaffee pro Jahr nach Deutschland verschifft.

Der Kaffee ist gemäß der EU-Ökoverordnung vom Institut für Marktökologie (IMO) als „Bioprodukt aus Wildsammlung“ zertifiziert. Die IMO-Expert*innen führen jährliche Kontrollbesuche in allen zertifizierten Kooperativen durch. Ein Fairtrade-Zertifikat, das sich an den Standards der Fairtrade Labelling Organizations (FLO) orientiert, attestiert außerdem faire Handelsbedingungen.

Zertifizierungen und Logos des „Kaffa“-Wildkaffees
Zertifizierungen und Logos des „Kaffa“-Wildkaffees
© Original Food

Zu unseren früheren Projektpartnern gehörten: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), Kraft Foods, Aid by Trade (späterer Name: FSAF)

Aktivitäten

Innovative Waldbewirtschaftung durch die Anwohner (PFM)

Der Erhalt des Regenwaldes von Kaffa ist nur mit Unterstützung von Waldanwohner*innen möglich, die Nutzungsrechte bekommen und sich im Gegenzug zum Schutz des Waldes verpflichten. Seit 2007 fördert „GEO schützt den Regenwald“ die Umsetzung des PFM-Konzepts. Und zwar wie folgt: Gemeinsam mit den Waldanwohner*innen und politischen Akteur*innen plant und koordiniert das lokale Projektteam die präzise definierten Schritte bis zur Umsetzung. Das kann Monate, ja sogar mehrere Jahre dauern. Denn es sind Feldstudien notwendig, um zum Beispiel folgende Fragen zu beantworten:

  • Wie groß ist die Waldfläche, wo liegen deren Grenzen?
  • Welche Waldressourcen gibt es in dem Gebiet – Kaffee, Honig, Baumaterialien, Gewürze, Viehfutter, Arzneipflanzen - und in welcher Menge?
  • Wie viele Menschen nutzen diese Ressourcen, zu welcher Jahreszeit, mit welcher Intensität?
  • Bestehen Konflikte zwischen den Nutzer*innen?

Im PFM-Prozess werden die Gruppen der Nutzer*innen namentlich definiert, Leitungs- und Kontroll-Gremien gewählt. Das lokale PFM-Team bereitet die Anwohner*innen auf ihre Aufgaben, Rechte und Pflichten vor. Konflikte, oftmals dort, wo Waldgebiete an verschiedene Gemeinden grenzen, müssen gelöst, Pläne für Monitoring und Waldbewirtschaftung erstellt werden. Erst wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt sind, übergibt die Bezirksregierung in einem Festakt den Wald offiziell der künftigen PFM-Gruppe.

„GEO schützt den Regenwald e.V." finanziert das Expertenteam, sämtliche Aktivitäten zur Einrichtung neuer PFM-Gebiete. Daneben berät das Team auch weiterhin PFM-Gruppen, die in früheren Jahren gegründet worden sind.

Projektbegünstigter Bezabih Gebre mit seiner Familie
Projektbegünstigter Bezabih Gebre mit seiner Familie
© Tamiru Haile

Soziale Maßnahmen

Maßnahmen zur Einkommenssicherung und Verbesserung der Lebensbedingungen: Förderung der Kultur von Fruchtbäumen, Anschaffung von Schulmaterial, Baumaßnahmen in Dorfschulen.

Aufforstung von Lücken im Regenwald

Zum Waldschutz gehört in manchen PFM-Gebieten auch die gemeinschaftliche Wiederaufforstung von Lücken im Regenwald. Samen oder Setzlinge werden im Wald gesammelt und in gemeinsam errichteten Baumschulen gezogen.

Aufbau lokaler Vermarktungsstrukturen und nachhaltiges Marketing

Kleinbauern pflücken die reifen, wild wachsenden Kaffeekirschen und liefern sie an ihre örtliche Genossenschaft. Die Kooperative sorgt für die Sonnentrocknung der Kirschen und ist für deren Zwischenlagerung und Transport in das regionale Zentrum Bonga zuständig. Dort betreibt die „Kafa Forest Coffee Farmers Cooperatives’ Union“ (FU) eine Schälstation. Die FU kauft, verarbeitet, lagert und exportiert den Wildkaffee und sichert dessen Qualität.

Das Unternehmen Original Food importiert die Bohnen, lässt sie rösten und vermarktet sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Gemeinsam sichern die Partner den Kaffeepflückern ein geregeltes Einkommen. Zertifizierungen garantieren die Herkunft des Wildkaffees und faire Handelsbedingungen; zudem wird der Erhalt der Wälder dokumentiert.

Stand des Projektes

In den Anfangsjahren des Projektes war die partizipative Waldbewirtschaftung in Kaffa weitgehend unbekannt, entsprechend groß war die Skepsis. Längst jedoch sind es die Anwohner*innen selbst, die die Bedrohung des Waldes erkennen und die Farmers Union um Unterstützung bei der Umsetzung eines PFM-Prozesses bitten.

Mithilfe von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ konnten bis heute 54 PFM-Gebiete mit einer Gesamtfläche von rund 36.000 Hektar implementiert werden; die Zahl der begünstigten Waldnutzer/-innen beträgt 18.008 (Stand: Feb 2026), davon 7.931 FrauenSchätzungsweise 140 000 Menschen profitieren von unserem Projekt. 

Durch die partizipative Bewirtschaftung werden Gemeinderechte gestärkt, Konflikte zwischen Nutzern beigelegt und die Ausweitung der Ackerflächen verhindert. Dank der rechtlichen Grundlagen und des verbesserten Wissens um die Bedeutung des Waldes und seiner natürlichen Ressourcen können diese Flächen nun geschützt und nachhaltig genutzt werden.

Eine Karte zeigt die Waldverluste der letzten 20 Jahre
Seit 2001 sind rund 22 Prozent der Waldflächen zerstört worden (rot). Die von lokalen Waldnutzergruppen verwalteten Gebiete sind davon nicht betroffen
© GEOsdR
Mitglieder der partizipativen Waldnutzergruppe Tsige-Genet arbeiten in einer Baumschule und helfen bei der Aufzucht und Verteilung von "Wanza" (Cordia Africana)
Mitglieder der partizipativen Waldnutzergruppe Tsige-Genet arbeiten in einer Baumschule und helfen bei der Aufzucht und Verteilung von "Wanza" (Cordia Africana)
© Maheder Haileselassie

Neue Initiative: Bäume für Bildung

In manchen PFM-Gebieten forsten die Mitglieder Lücken im Wald auf. Samen oder Setzlinge stammen meist aus dem Wald und werden dann in gemeinschaftlich angelegten Baumschulen weiter gezogen. Allein 2020 haben die Mitglieder von 11 PFM-Gebieten 61.000 Bäume gepflanzt, 2021 wurden in zehn Gebieten 36.000 Bäume gesetzt, 2022 in 12 Gebieten mehr als 46.700 Bäume, 2023 in 12 Gebieten 39.710.

Daran sind stets dutzende PFM-Mitglieder beteiligt. Bezahlt werden sie für diese Arbeit nicht, denn sie ist Bestandteil der PFM-Vereinbarungen. Dennoch möchten wir diesen Menschen dafür etwas geben, was ihnen dringend fehlt: Hilfe für ihre Schulen. Das können Toiletten, ein Brunnen, ein neues Dach oder ein Fußboden sein, vielleicht auch Bücher. Für all das fehlen die Mittel; der Staat zahlt nur die Löhne für Lehrpersonal.

Unsere Projektpartner erleben immer wieder, dass der Zustand der Schulen die größte Sorge vieler PFM-Mitglieder ist. Und wir wissen aus der Forschung: Bildung – insbesondere von Mädchen – ist der Schlüssel zu Entwicklung und sinkenden Geburtenraten. Beides vermindert den Druck auf den Wald.

Mitglieder der Waldnutzergruppe Tsige-Genet forsten Lücken im Wald mit Cordia africana auf
Mitglieder der Waldnutzergruppe Tsige-Genet forsten Lücken im Wald mit Cordia africana auf
© Maheder Haileselassie

Um diese Hilfe zu finanzieren, erbittet der Verein Spenden. In Abstimmung mit den jeweiligen PFM-Gruppen, Gemeinden und Schulleitungen wird dieses Geld zu 100% in die lokalen Schulen investiert. 

Wir hoffen jedoch, dass genug Geld zusammenkommt, um auch große Investitionen wie Brunnen und Toiletten anzupacken. Gerade der Mangel an sanitären Anlagen führt dazu, dass viele Mädchen dem Unterricht fernbleiben.

So können wir zukünftig zwei Aspekte miteinander verknüpfen, die für den Erhalt der Kaffeewälder und die Zukunft ihrer Anwohner elementar sind: die Renaturierung degenerierter Waldflächen und eine bessere Bildung.

Wenn Sie diese Initiative unterstützen möchten, spenden Sie bitte unter dem Stichwort „Bäume für Bildung“.

Projektkoordinator Tamiru Haile (links) überreicht dem Farmer Alemayehu Haile einen gepfropften Mangobaumsämling
Projektkoordinator Tamiru Haile (links) überreicht dem Farmer Alemayehu Haile einen gepfropften Mangobaumsämling
© Maheder Haileselassie
Anwohner des PFM-Gebietes Yiga Girawa packen bei der Aufforstung „ihres“ Waldes mit an. Sie pflanzen 3.550 Setzlinge, knapp zwei Drittel davon Cordia africana, ein schnell wachsende heimische Art, die sich gut als Schattenbaum eignet
Anwohner des PFM-Gebietes Yiga Girawa packen bei der Aufforstung „ihres“ Waldes mit an. Sie pflanzen 3.550 Setzlinge, knapp zwei Drittel davon Cordia africana, ein schnell wachsende heimische Art, die sich gut als Schattenbaum eignet
© Tamiru Haile
Mitglieder des PFM-Gebietes Shomba Sheka legen eine Baumschule an. Hier wachsen inzwischen 6.000 Setzlinge der heimischen Arten Bersama absinica, Cordia africana, Ficus sur und Militia ferruginea
Mitglieder des PFM-Gebietes Shomba Sheka legen eine Baumschule an. Hier wachsen inzwischen 6.000 Setzlinge der heimischen Arten Bersama absinica, Cordia africana, Ficus sur und Militia ferruginea
© Tamiru Haile

Stand: Februar 2026

Video: GEO-Reporterin Ines Possemeyer und der schwedische Fotograf Johan Bävman besuchen das Wildkaffeegebiet Kaffa für eine GEO-Geschichte und werden filmisch begleitet. Sehen Sie hier einen kurzen Ausschnitt aus "Unterwegs in Äthiopien". Ines Possemeyer hat Anfang 2021 die Geschäftsführung des Vereins übernommen.

"Unterwegs in Äthiopien"
© Reiner Klingholz
"Unterwegs in Äthiopien"