Der Klimawandel setzt dem grönländischen Eisschild massiv zu: Steigende Luft- und Wassertemperaturen lassen die Oberfläche immer länger und intensiver schmelzen, Schmelzwasser fließt über Flüsse und Gletscherspalten bis an den Untergrund und beschleunigt den Abfluss der gewaltigen Eismassen Richtung Küste.
Satellitendaten zeigen, dass Grönland seit den 1990er‑Jahren stetig an Eismasse verliert und der jährliche Verlust sich zeitweise mehr als verdoppelt hat. Das trägt inzwischen deutlich zum globalen Meeresspiegelanstieg bei und gilt als möglicher Kipppunkt im Klimasystem. Dunkler werdende Oberflächen – etwa durch Staub und Algenbewuchs – verringern zusätzlich die Reflexionskraft des Eises, sodass mehr Sonnenenergie aufgenommen wird und ein sich selbstverstärkender Schmelzprozess in Gang kommt.
Für die Menschen vor Ort bedeutet das schwindende Eis einen tiefgreifenden Wandel ihrer Umwelt: Küstenlinien verändern sich, Meereis bildet sich später und ist dünner, traditionelle Jagd‑ und Reiserouten werden unsicher oder unpassierbar und die tausende Jahre alte Schlittenhund-Tradition wird gefährdet.
Wo der Eisschild am Boden auftaut und instabil wird, geraten nicht nur Siedlungen und Infrastruktur durch Erosion, Erdrutsche oder Überschwemmungen unter Druck, auch das kulturelle Wissen, das über Generationen an eine verlässliche Eislandschaft geknüpft war, verliert seine Grundlage – mit direkten Folgen für Selbstbestimmung, Ernährungssicherheit und die gelebte Freiheit, sich in der vertrauten Umgebung sicher zu bewegen.