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WWF-Report Ein Drittel aller Süßwasserfische in Gefahr – die Gründe sind vielfältig

Beluga-Stör
Große Süßwasserfische - hier der Beluga-Stör - sind weltweit besonders gefährdet
© Konstantin Zaykov / shutterstock
Das Artensterben in Flüssen und Seen schreitet schneller voran als in den Ozeanen. Unter anderem, weil das Wandern für viele Fischarten immer schwieriger wird

Die Artenvielfalt in Flüssen, Bächen und Seen schwindet – und zwar doppelt so schnell wie in Meeren oder Wäldern. Darauf weisen jetzt der WWF und 15 weitere Umweltschutzorganisationen in ihrem gemeinsamen Report „The World’s Forgotten Fishes“ hin.

Demnach sind 80 Süßwasser-Fischarten schon ausgestorben, 16 davon allein im vergangenen Jahr. Besonders betroffen sind wandernde Fischarten, die zur Nahrungssuche oder zur Fortpflanzung größere Strecken überwinden. Bei ihnen gingen die Bestände seit 1970 um 76 Prozent zurück; bei den großen Fischarten wie dem Beluga-Stör und Mekong-Riesenwels sind es sogar 94 Prozent.

Verschlechterung der Gewässerqualität sorgt für rapiden Rückgang

Die Gründe für diesen rapiden Rückgang, so der Bericht, seien nicht schwer zu identifizieren:

Entlang von Flüssen entstehen immer mehr Wasserkraftwerke und Staudämme, die die Zugrouten von wandernden Fischen versperren. Allein in der EU gebe es rund eine Million solcher Barrieren, die zum Beispiel Lachse und Heringe daran hindern, zu ihren Laichgründen zu gelangen. Tendenz: zunehmend.

Zudem werden immer mehr Überschwemmungsflächen entlang von Flüssen abgetrennt und bebaut. Das schadet nicht nur dem Hochwasserschutz. Denn solche Gebiete sind wichtige Laichplätze vieler Fischarten. Mehr als ein Drittel solcher Flächen seien weltweit in den vergangenen 50 Jahren zerstört worden, etwa durch Eindeichung und Bebauung. Und der Trend sei ungebrochen.

In trockenen Regionen wird darüber hinaus zu viel Wasser für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen entnommen. Rund 70 Prozent aller Entnahmen aus Flüssen und Seen gehen laut dem Report auf die Landwirtschaft zurück. Da der weltweite Nahrungsmittelbedarf in den nächsten Jahren weiter ansteigt – bis zur Mitte des Jahrhunderts um die Hälfte –, rechnen Experten auch mit einem entsprechend steigenden Wasserbedarf.

Auch Abwässer aus Industrie, Landwirtschaft und Haushalten setzen vielen Fischarten zu. Der Studie zufolge werden Flüsse und Seen jedes Jahr mit bis zu 400 Millionen Tonnen Abwässern geflutet – 80 Prozent davon gelangen vollkommen unbehandelt in die Natur.

Klimawandel lässt Flüsse austrocknen

Als weitere Stressfaktoren kommt neben der Überfischung und eingeschleppten Arten auch die voranschreitende Klimakrise hinzu: Das Abschmelzen der Gletscher in den Gebirgsregionen verändert die Ökosysteme flussabwärts, die Wassertemperaturen steigen. Viele Fischarten reagieren auf solche Veränderungen empfindlich – können aber nirgendwohin ausweichen.

Die Maßnahmen, um gegenzusteuern, so die Autoren des Berichts, seien allesamt bekannt – und erprobt: Als Beispiel nennen sie den nordamerikanischen Fluss Penobscot im US-Bundesstaat Maine. Nach dem Abriss zweier Staudämme seit 2012 ist der Maifisch, eine Heringsart, in den Fluss zurückgekehrt. Insgesamt wurden in den USA seit dem letzten Jahrhundert rund 1100 Dämme entfernt.


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