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Hawaii Seltenste Pflanze der Welt entdeckt - mit einem Fernglas

Cyanea heluensis
Cyanea heluensis – Die seltene Pflanze wird in einem botanischen Garten von Maui erforscht und vermehrt
© Hawai’i DLNR
Auf Maui, der zweitgrößten Insel Hawaiis, haben Forscher eine neue Pflanzenart entdeckt. Das Besondere daran: von dieser fand sich nur ein einziges Exemplar

Botaniker haben auf der hawaiianischen Insel Maui eine bislang unbekannte Pflanzenart entdeckt. Wie Hank Oppenheimer, Projektmanager beim Institut für Botanik an der Universität von Hawaii, im frei zugänglichen Wissenschaftsjournal "PhytoKeys" berichtet, entdeckte er die Pflanze mit seiner Mitarbeiterin Jennifer Higashino in den Schluchten des Mauna Kahalawa im West-Maui-Gebirge.

Den Fund machten die Forscher zwar bereits im Jahr 2010, doch erst Ende 2020 veröffentlichte Oppenheimer die Erstbeschreibung dieser neuen Pflanzenart.

Bislang fand sich nur ein einziges Exemplar der neuen Pflanzenart

Oppenheimer entdeckte Cyanea heluensis, als er die Berghänge in West Maui von Weitem mit einem Fernglas absuchte. Wegen ihrer weißen, sanft geschwungenen Blüten und der ungewöhnlichen Form ihrer Blätter fiel ihm die im Schatten wachsende Pflanze überhaupt erst auf.

Seit diesem ersten Fund unternahmen Botaniker zahlreiche Versuche, weitere Exemplare von Cyanea heluensis auf Maui zu finden - erfolglos. Dies macht die Erhaltung der bislang einzigen bekannten Pflanzen-Spezies umso bedeutsamer.

Um die gerade erst entdeckte Pflanzenart vor dem Aussterben zu bewahren, trugen Hank Oppenheimer und Jennifer Higashino eine spezielle Paste auf, um das Wachstum der Pflanze anzuregen und einen Ableger nehmen zu können. Der Ableger wurde erfolgreich in den botanischen Garten Olinda Rare Plant Facility von Maui transportiert, wo die Pflanze nun weiter erforscht und vermehrt wird.

Um seltene Pflanzenarten wie Cyanea heluensis zu erhalten, sind derlei Schutzmaßnahmen auf den hawaiianischen Inseln dringend erforderlich geworden. Besonders Ratten, neue Schneckenarten, Ziegen und Hirsche werden für seltene hawaiianische Pflanzenarten zunehmend zum Problem.

Die Tiere verschlingen die Früchte, Samen und Blätter, noch bevor überhaupt die Pflanzensamen verteilt werden können. Darüber hinaus bedrohen Erdrutsche an den steilen Berghängen das natürliche Pflanzenvorkommen.

"Dutzende einheimischer Pflanzen wie diese werden nur noch in Baumschulen am Leben erhalten“, sagt Matthew Keir, Botaniker beim Department of Land and Natural Resources in Hawaii: "Nur eine einzige Naturkatastrophe, zum Beispiel ein Hurrikan, kann zum Aussterben vieler seltener Pflanzen führen."

Botaniker vermuten, dass Cyanea heluensis durch Vögel bestäubt wird, die die Beeren der Pflanze fressen und dadurch deren Samen verbreiten. Viele auf den hawaiianischen Inseln verbreiteten Vogelbestände wurden jedoch in den letzten Jahrhunderten stark dezimiert oder gar ausgerottet, weshalb es womöglich an Bestäubern des neu entdeckten Gewächses fehlt. Hank Oppenheimer und Jennifer Higashino zählen Cyanea heluensis daher schon jetzt zu den vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten.


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