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Segelschulschiff "Mafiaholz" auf der Gorch Fock? Jetzt hilft nur Transparenz

Der Stolz der Bundesmarine: Die Gorch Fock unter Segeln
Der Stolz der Bundesmarine: Die Gorch Fock unter Segeln
© zabanski/Adobe Stock
Wurde auf der Gorch Fock illegales Tropenholz verbaut? Umweltorganisationen erheben schwere Vorwürfe, die Behörden mauern. Wenn die Bundeswehr weiteren Imageschaden abwenden will, muss sie schnell aufklären

Die Gorch Fock, der strahlend weiße Dreimaster mit der goldenen Galionsfigur, ist für viele der Stolz der Bundesmarine. 1958 vom Stapel gelaufen, ist die Bark so etwas wie die Stahl und Holz und Segeltuch gewordene Sehnsucht nach einer Schifffahrt, die es schon lange nicht mehr gibt.

Doch der Nimbus der stolzen und friedlichen Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland ist dahin. Es scheint mittlerweile angebrachter, von einem Skandalschiff zu sprechen. Bei der feierlichen Rückkehr aus der absurd teuren Generalüberholung wurde die Gorch Fock in der Kieler Förde nun von Umweltverbänden mit Spruchbändern empfangen. Der Vorwurf: Das Teakholz aus Myanmar, das an Deck verbaut wurde, stamme aus illegalen Quellen.

Sowohl das Bundesverteidigungsministerium als auch die ihm unterstellten Behörden hätten die seit 2007 geltenden Beschaffungsrichtlinien des Bundes ignoriert, wie das Bündnis aus WWF, ROBIN WOOD, Deutsche Umwelthilfe (DUH), Rettet den Regenwald und der Waldzertifizierungsorganisation FSC erklärt. Diese Richtlinien sehen vor, dass bei Projekten des Bundes nur Holz mit Nachhaltigkeitsnachweis verwendet werden darf. "Das Teak der Gorch Fock wurde aus Myanmar importiert", erklärt Johannes Zahnen vom WWF, "obwohl lange bekannt ist, dass dort Raubbau betrieben wird und das geschlagene Holz meist illegal ist."

Restauriert mit billigem "Mafiaholz"?

Noch peinlicher: Die dem Landwirtschaftsministerium von Julia Klöckner (CSU) unterstellte Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung weigert sich nach Angaben der Umweltverbände "beharrlich", den gravierenden Vorwurf zu überprüfen. "Der Stolz der deutschen Marine wurde mit Mafiaholz restauriert", resümiert Johannes Zahnen, "und die Behörden drücken beide Augen zu."

Wenn Bundeswehr und Bundesmarine einen weiteren Imageschaden für die Truppe vermeiden wollen, bleibt ihnen nur noch: Transparenz.

Die Herkunft des Holzes muss zügig und lückenlos geklärt werden. Sollte sich herausstellen, dass das Burma-Teakholz tatsächlich illegal gerodet und importiert wurde, müssen nicht nur die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Es würde auch eine angemessene Kompensationszahlung fällig. Zum Beispiel an Umweltaktivist*innen in Myanmar, die bei ihrem Einsatz gegen die Holz-Mafia auch ihr Leben riskieren.

Das ist auf jeden Fall noch drin. Wie Noch-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bei der Rückkehr des Schiffes völlig richtig sagte: "Dieses kleine Stück Tradition und Emotion, das können wir uns und das sollten wir uns auch leisten." Deutschland sei ein reiches Land.


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