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Meppen Moorbrand: Bundeswehr will nun doch nicht für Klimaschäden zahlen

1000 Hektar Moor verbrennen im Herbst 2018 in der Nähe der Stadt Meppen. Auslöser war ein Raketentest im Auftrag der Bundeswehr
1000 Hektar Moor verbrennen im Herbst 2018 in der Nähe der Stadt Meppen. Auslöser war ein Raketentest im Auftrag der Bundeswehr
© Stephan Konjer/dpa
Bei einem Brand im Herbst 2018 auf einem Übungsplatz entwichen Hunderttausende Tonnen Klimagase. Die verantwortliche Bundeswehr kündigte an, den Schaden am Klima zu konpensieren. Doch heute will man davon nichts mehr wissen

Bei der Bundeswehr ist man stets um ein camouflagegrünes Image bemüht: Die Maßnahmen der Bundeswehr im Umwelt- und Naturschutz, so ist im Vorwort der Bundesverteidigungsministerin zum aktuellen Nachhaltigkeitsbericht der Truppe zu lesen, "leisten einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Entwick­lung in Deutschland". Das zeige der Bericht eindrücklich. Von kontinuierlich sinkenden Treibhausgasemissionen ist im Folgenden die Rede. Kein Wort über Meppen.

Auf einem Übungsgelände nahe der emsländischen Stadt war es nach einem Dürresommer im September 2018 zu einem katastrophalen Moorbrand gekommen. Bei einer Übung mit 70mm-Raketen waren Teile eines trockenen Moores in Brand geraten, ein Löschfahrzeug war nicht einsatzbereit. Die Glut wühlte sich durch den ausgetrockneten Moorkörper und konnte erst nach über einem Monat unter Kontrolle gebracht werden. 1000 Hektar verbrannten.

Dabei entstanden nicht nur offensichtliche Schäden am ökologisch wertvollen Ökosystem – es wurden auch gewaltige Mengen Treibhausgase freigesetzt: Der Bericht der Bundesrepublik an das UN-Klimasekretariat, veröffentlicht im Juli 2020, weist allein für den Moorbrand zusätzliche 637.000 Tonnen CO2-Äquivalente aus. Das sind alle Klimagase zusammen, umgerechnet in die Klimaschädlichkeit von CO2.

Wie das Onlinemagazin Klimareporter nun berichtet, sind dadurch die Klimagasemissionen der Bundeswehr des Jahres 2018 von den offiziellen 1,8 Millionen Tonnen auf 2,4 Millionen Tonnen angestiegen.

Kompensationsversprechen mangels "Rechtsgrundlage" gestrichen

Auf Druck von Öffentlichkeit und Umweltverbänden hatte die Bundeswehr zwar noch im selben Jahr erklärt, man werden den Schaden kompensieren. Wie das Bundesfinanzministerium mitteilte, seien nur noch "Art und Umfang" der Kompensation offen. Im Bundesverteidigungsministerium allerdings will man davon zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe nichts mehr wissen.

Auf eine Kleine Anfrage von Bundestagsabgeordneten vom April 2021 antwortet das Verteidigungsministerium auf die Frage, ob die Bundesregierung Ausgleichszahlungen plane: Man beabsichtige zwar, die Schutzgebiete wiederherzustellen. Doch für Ausgleichsmaßnahmen oder Ausgleichszahlungen an anderer Stelle gebe es keine Rechtsgrundlage.

Für die Bundeswehr eine lohnende Absage. Denn die Gesamtkosten des Brandes beziffert sie selbst mit 16,5 Millionen Euro. Versanschlagt man aber für eine Tonne CO2-Äquivalente die im Emissionshandel üblichen rund 48 Euro, beläuft sich allein der Klimaschaden auf 30 Millionen Euro.


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