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Umweltbundesamt Gute Noten und Sorgenkinder: So steht es um die Umwelt in Deutschland

In seinem zweijährlichen Bericht "Daten zur Umwelt" analysiert das Umweltbundesamt den Zustand der Umwelt in Deutschland - aber auch die Ziele der Umweltpolitik
In seinem zweijährlichen Bericht "Daten zur Umwelt" analysiert das Umweltbundesamt den Zustand der Umwelt in Deutschland - aber auch die Ziele der Umweltpolitik
© travelview/Shutterstock
In ihrer aktuellen Bestandsaufnahme "Daten zur Umwelt 2020" sehen die Experten des Umweltbundesamts neben bekannten Problemfeldern auch positive Trends in Deutschland

Wie geht’s der Umwelt in Deutschland? Wo steht die Umweltpolitik? Diese Fragen beantwortet das Umweltbundesamt (UBA) in seinem aktuellen Bericht “Daten zur Umwelt“. Für ihren Überblick wählten die Experten insgesamt 30 wichtige Themenfelder – so genannte Indikatoren – aus. Gute Noten für Deutschland gibt es laut UBA bei drei Themenfeldern: Energiewende, Grünland und Rohstoffproduktivität.

Immer mehr klimaneutraler Strom

Der Anteil von Wind-, Sonnen- und Wasserkraft am gesamten Energieverbrauch lag laut UBA im Jahr 2020 mit 19,6 Prozent sogar deutlich über dem anvisierten Anteil von 18 Prozent. Sieht man sich nur den Stromsektor an, ergibt sich sogar ein noch positiveres Bild: Im Jahr 2017 wurde im Erneuerbare-Energien-Gesetz ein Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch bis zum Jahr 2025 auf 45 Prozent zu steigern. Dieses Ziel wurde schon im vergangenen Jahr überschritten. Damit rückt das Ziel einer komplett klimaneutralen Stromversorgung bis zur Mitte des Jahrhunderts in greifbare Nähe.

Verlust von Wiesen und Weiden gestoppt

Einen positiven Trend sieht das UBA auch beim Grünland. Weiden und Naturgebiete mit Gräsern und Wildkräutern sind nicht nur wichtig für die Artenvielfalt von Insekten und Vögeln. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie Kohlendioxid aus der Atmosphäre in Form von Kohlenstoff speichern. Das Ziel, den Grünflächen-Schwund ab 2012 zu stoppen, sei erreicht worden, so das UBA, die Fläche sogar leicht gestiegen. Wichtig sei nun aber, den positiven Trend durch eine Reform der EU-Agrarpolitik zu sichern und zu stärken.

Rohstoffe werden effizienter eingesetzt

Einen Erfolg sehen die UBA-Experten auch bei der effizienten Verwendung von Rohstoffen. Hinter der etwas sperrigen Bezeichnung "Gesamtrohstoffproduktivität" verbirgt die Nutzung von Rohstoffen aus dem In- und Ausland im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). In den vergangenen Jahren konnte demnach mit immer weniger Rohstoffen mehr BIP erwirtschaftet werden. Zwei Wermutstropfen: Der Rohstoffverbrauch ist – absolut gesehen – in Deutschland immer noch zu hoch. Und die anvisierte Effizienzsteigerung von jährlich 1,6 Prozent ist laut UBA zu niedrig angesetzt.

Die Problemfelder sind alte Bekannte

Wenig überraschend sind die Problemfelder von Umwelt und Umweltpolitik in Deutschland. So gibt es laut UBA immer mehr heiße Tage mit gesundheitlichen Belastungen für die Menschen in Deutschland, und die Artenvielfalt nimmt weiter ab. Auch die Belastung von Menschen durch Verkehrslärm haben die UBA-Experten rot angemarkert – ebenso wie den Energieverbrauch des gesamten Verkehrs.

Auch Flüsse und Grundwasser sind aus Sicht des UBA weiterhin Sorgenkinder: So seien nur sieben Prozent aller Fließgewässer in Deutschland in einem ökologisch guten Zustand; und an fast 16 Prozent aller Messstellen wird der Grenzwert für die Nitratbelastung des Grundwassers überschritten. Schuld daran ist die industrielle Tierproduktion - und ein zu hoher Fleischkonsum in Deutschland.

Der Chef der Behörde, Dirk Messner, hatte jüngst in einem Interview darauf hingewiesen, dass der Fleischkonsum in Deutschland halbiert werden müsse. Das würde nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch der menschlichen Gesundheit nützen.


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