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Norwegen Fleisch von Walen endet im Hundefutter

Walfleisch an Bord eines norwegischen Walfängers: Das skandinavische Land ignoriert das seit 1986 geltende, internationale Verbot des kommerziellen Walfangs
Walfleisch an Bord eines norwegischen Walfängers: Das skandinavische Land ignoriert das seit 1986 geltende, internationale Verbot des kommerziellen Walfangs
© Michael Tenten/IMMCS/dpa
In der norwegischen Bevölkerung schwindet die Akzeptanz der Walfängerei – und die Lust am Walfleisch. Das soll nun an Hunde verfüttert worden sein

Trotz internationaler Proteste macht Norwegen weiter mit der Jagd auf Wale. Doch weil die Akzeptanz und die Nachfrage in der Bevölkerung schwindet, wird das Fleisch der bedrohten Meeressäuger nun auch als Hundefutter verkauft. Das berichtet die Walschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC).

Nach Angaben von WDC haben norwegische Walfänger allein in diesem Jahr fast 600 Zwergwale getötet. Doch offenbar schwächelt die Nachfrage. Wie WDC berichtet, hat Hopen Fisk, ein Fischereiunternehmen mit Sitz auf den Lofoten, im August sechs Tonnen Walfleisch an ein Tourismusunternehmen verkauft. "Green Dog Svalbard" bietet Touren mit Schlittenhunden auf Spitzbergen an. Genehmigt wurde die Lieferung von der norwegischen Umweltbehörde.

Fleisch von bedrohten Walen landet nicht nur als "Delikatesse" in norwegischen Lebensmittelgeschäften. Es wird auch exportiert, an Hunde verfüttert – oder einfach weggeworfen
Fleisch von bedrohten Walen landet nicht nur als "Delikatesse" in norwegischen Lebensmittelgeschäften. Es wird auch exportiert, an Hunde verfüttert – oder einfach weggeworfen
© Rob Lott / WDC

In einem Interview mit dem norwegischen Nachrichtendienst NRK bestätigte ein Manager von Hopen Fisk die Lieferung. Demselben Bericht zufolge wurde nur ein Drittel der in der Jagdsaison 2021 bisher erzeugten 600 Tonnen Walfleisch an Lebensmittelgeschäfte verkauft. Wie aus dem NRK-Bericht hervorgeht, ist es zudem gängige Praxis, Teile von Walen, darunter auch Fleisch und Speck, einfach ins Meer zu kippen.

Walfleisch wird auch auf hoher See entsorgt

"Während die Welt verzweifelt darüber berät, wie das Artensterben und der Klimakollaps verhindert werden können," kommentiert Astrid Fuchs, Kampagnenleiterin bei WDC, "erlaubt Norwegen die Schlachtung von Walen für Hundefutter." Dass das Fleisch teilweise sogar einfach weggeschmissen werde, setze diesem Irrsinn die Krone auf.

Wale spielen nicht nur im Ökosystem Meer eine unverzichtbare Rolle. Sie sind auch für den Kohlenstoffkreislauf im Meer von großer Bedeutung, indem sie Kohlenstoff binden.

Nach Ansicht der Walschützer*innen steht die Vermarktung und staatliche Subventionierung von Wal-Produkten im Widerspruch zu Konsumtrends: Während die Walfangindustrie und die norwegische Regierung behaupten, die Nachfrage im Inland steige, zeigen Umfragen einen rückläufigen Trend. Einer aktuellen, repräsentativen Studie zufolge essen nur noch zwei Prozent der befragten Norweger*innen häufig Walfleisch – im Jahr 2019 waren es noch vier. Die junge Generation lehnt die Jagd auf Wale und Walfleischprodukte überwiegend ab.

"Seit Jahren versucht die norwegische Regierung, den Walfang profitabel zu machen, indem sie Subventionen für seine Förderung gewährt", sagt Siri Martinsen, Tierärztin bei Norwegens größter Tierschutzorganisation NOAH. "Dass Zwergwale als Hundefutter enden, zeigt das Scheitern dieser Strategie".

Die Internationale Walfangkommission hatte schon 1986 ein weltweites Verbot für den kommerziellen Walfang verhängt. Norwegen weigert sich jedoch, das Verbot anzuerkennen und hat seit 1997 – zu kommerziellen Zwecken – mehr als 14.000 Zwergwale getötet. Allein am 12. September 2021 töteten Walfänger bei den Färöer-Inseln mehr als 1400 Weißseiten-Delfine. Bilder des Gemetzels sorgten weltweit für Empörung.


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