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Aquakultur Studie: Farmlachs verursacht jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe

Zuchtlachs in Norwegen
Norwegen ist mit mehr als einer Million Tonnen jährlich der weltgrößte Produzent von Zuchtlachs
© Andrey Armyagov / shutterstock
Hohe Todesraten, problematische Futtermittel, Umweltbelastung: Aquafarming verursacht enorme versteckte Kosten – die Experten nun erstmals beziffert haben

Lachs aus Aquakultur wird oft als gesundes und umweltschonendes Nahrungsmittel verkauft. Doch das Image trügt. Das zeigt eine neue Studie des Londoner Thinktanks Just Economics. Demnach summierten sich die Kosten, die durch die Produktion weltweit entstehen, allein im Zeitraum zwischen 2013 und 2019 auf mehr als 41 Milliarden Euro.

Die versteckten Kosten des Aquafarmings setzen sich laut dem Report zu rund 60 Prozent aus Kosten zusammen, die auf der Seite der Betreiber entstehen. Dazu zählen die Autoren hohe Verluste bei den Tieren, vor allem durch den Befall mit Seeläusen. Die Parasiten ernähren sich von der Haut ihrer Wirte – und sind in Aquafarmen mit ihrer hohen Besatzdichte ein großes Problem. Allein in den schottischen Fischfarmen sind die Todesraten durch Seelaus-Befall zwischen 2002 und 2019 von drei auf 13,5 Prozent angestiegen. Hinzu kommen stetig ansteigende Kosten für die Bekämpfung der Parasiten.

Weitere 40 Prozent der Kosten entstehen auf der Seite der Natur und der Allgemeinheit. Die Autoren nennen als Beispiele die Verschmutzung der Gewässer durch Kot, Futtermittel und Medikamente, Auswirkungen auf den Klimawandel durch die Verwendung von Regenwald-Soja in Futtermitteln und durch den Transport per Flieger. Und, drittens, den Verlust von Fischpopulationen durch die Futtermittelgewinnung.

Fischfang für Aquafarmen zulasten von Entwicklungsländern

Rund ein Fünftel der weltweiten Fangmengen, so schätzen Experten, gehen heute in die Herstellung von Fischmehl und Fischöl – und 70 Prozent davon landen als Futter in Fischfarmen. Da der Futter-Fisch oft in Gewässern vor den Küsten von Entwicklungsländern gefangen wird, fehlt er hier als Nahrungsmittel und zum Erwerb eines Lebensunterhalts. Als Beispiel nennt der Report die Sardinenfischerei vor der Küste Westafrikas.

Verschärft werden die Konflikte durch eine steil ansteigende Nachfrage: Allein Schottland plant, seine Farmkapazitäten bis 2030 zu verdoppeln, Norwegen will seine Produktion bis 2050 sogar verfünffachen. Schon heute ist Farmlachs der am schnellsten wachsende Sektor der Nahrungsmittelwirtschaft. Den Markt teilen Betriebe in nur vier Staaten weitgehend unter sich auf: Chile, Norwegen, Kanada und Schottland.

Schlüssel sind alternative Futtermittel und verringerte Besatzdichten

Um die Kosten und die negativen Folgen des Aquafarmings zu verringern, so die Autoren, sei es entscheidend, Futter aus Wildfisch durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen, etwa Omega 3-haltige Öle aus Algen. Solche Futtermittel seien schon heute verfügbar. Zum anderen müssten die Besatzdichten reduziert und wo möglich Fische gezüchtet werden, die nur wenig oder gar nicht zusätzlich gefüttert werden müssen.

Die Autoren sehen die Verbesserung der Zuchtbedingungen zwar vorrangig als Aufgabe der Industrie – weisen aber darauf hin, dass Konsumenten bereit sein sollten, mehr Geld für nachhaltig produzierten Lachs auszugeben. Und ihn seltener auf den Tisch zu bringen.


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