Milch-Kartons und Co. Verbraucherschützer warnen vor vermeintlich "grünen" Verpackungen

Nachhaltigkeit kommt an. Das haben auch die Hersteller von Konsumprodukten verstanden. Doch die Grenze zum Greenwashing ist schnell überschritten. Das zeigt eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
Milchverpackung

Aussagen zur Nachhaltigkeit von Verpackungen sind nicht standardisiert - und führen oft zu Greenwashing, beklagt die Verbraucherzentrale NRW

Immer mehr Hersteller werben mit „grünen“ Verpackungen: Die Bio-Milch kommt im Papp-Look daher, Verbundverpackungen sind „mit 65 Prozent weniger Kunststoff“ hergestellt. Solche Versprechen, das zeigt jetzt eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, verwirren Verbraucher – und führen dazu, dass Verpackungen falsch entsorgt werden.

Für ihre Untersuchung hatten die Verbraucherschützer Probanden gebeten, insgesamt 60 Verpackungen mit „nachhaltiger“ Aufmachung und entsprechenden Texten zu bewerten. Bei der Mehrzahl der Testpersonen fiel die Bewertung positiver aus als bei den Fachleuten der Verbraucherzentrale.

Beispiel Bio-Milch: Der Papp-Look suggeriert einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Doch recycelbar ist die Verpackung darum nicht. Sie verursacht sogar zusätzliche Probleme bei der Mülltrennung, weil sie irrtümlich zum Altpapier sortiert wird. Es handelt sich nämlich um Verbundmaterial mit einer innenseitigen Kunststoffbeschichtung. Die Verpackungen gehört also in den Gelben Sack. Weil die Materialien nicht getrent werden können, wird sie einer „thermischen Verwertung“ zugeführt – also verbrannt.

Auch Extra-Verpackungen mit Öko-Look, etwa bei Zahnpasta-Tuben, kritisieren die Verbraucherschützer. Denn die zusätzliche Verpackung ist kein ökologischer Mehrwert, sondern eine überflüssige Ressourcenverschwendung.

Problematische Aussagen auf den Verpackungen

Kritisch sehen die Experten auch die Verwendung selbstverständlicher Aussagen wie „Recycelbare Verpackung“. „Gesetzlich sind Verpackungen grundsätzlich so herzustellen“, sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW, „dass sie wiederverwendbar oder -verwertbar sind“.

Die Verbraucherzentrale kritisiert zudem, dass es bei den Nachhaltigkeits-Aussagen zur den Produktverpackungen keine Standards gebe. Verbraucher seien bei der Bewertung auf sich selbst gestellt. „Dabei kommt es sowohl zu ,Greenwashing‘-Effekten als auch zu fehlerhafter Entsorgung“, sagt Philip Heldt.

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Lob gab es demgegenüber für einige Drogerieprodukte. Verpackungen aus mehr als 90 Prozent Altplastik böten einen tatsächlichen ökologischen Mehrwert, so die Experten. Auch „social plastic“ bewerten sie positiv – sofern es glaubwürdig erläutert und mit weiterführenden Links unterfüttert werde. Social Plastic besteht aus Kunststoffen, die oft von der örtlichen Bevölkerung gesammelt und dem Recycling zugeführt werden.

Unterdessen steigt die Menge des Verpackungsmülls in Deutschland kontinuierlich. Im Jahr 2018, so meldet das Umweltbundesamt, erreichte das Verpackungsmüll-Aufkommen der privaten Endverbraucher mit fast 19 Millionen Tonnen einen historischen Höchststand.

Tipps

  • Das Wichtigste ist die Vermeidung von Verpackungsabfällen: Unnötige Verpackungen werden auch nicht dadurch ökologisch, dass sie aus Recyclingmaterial bestehen.
  • Ob eine Verpackung laut Aufdruck „recycelbar“ ist oder nicht, sagt wenig darüber aus, ob sie tatsächlich recycelt wird.
  • Entscheidend ist der Hinweis, dass und wie viel Altmaterial in die Herstellung geflossen ist. Und dass die Materialen sich ggf. leicht voneinander trennen lassen.
  • Achten Sie auf eine fachgerechte Entsorgung im Gelben Sack, Altpapier oder Restmüll.