Bauernproteste Wer das Umweltbundesamt diffamiert, löst noch kein Problem

Ob Nitrat im Grundwasser oder Feinstaub in der Stadtluft: Statt ein Problem anzugehen, wird immer öfter das Umweltbundesamt kritisiert. Damit muss Schluss sein
Bauernproteste

Immer mehr Bauern machen ihrem Unmut Luft. Doch das UBA ist der falsche Adressat

+++ Kolumne "Alles im grünen Bereich" +++

Es ist ein bisschen in Mode gekommen, das Umweltbundesamt zu kritisieren. So, als seien die Wächter der Umwelt und der menschlichen Gesundheit, als sei die Einhaltung von Grenzwerten und Fristen die Sache eines halbprivaten Thinktanks mit einer mindestens dubiosen, wenn nicht gar radikalen politischen Agenda.

Kaum etwas illustriert diese Haltung besser als ein Plakat, das heute auf einer Demo am Sitz der Behörde in Dessau-Roßlau gezeigt wurde. „UBA: -> Sabotagetruppe der Ökofaschisten“ war dort, an einen Trecker montiert, zu lesen. Auf Einladung der Initiative „Land schafft Verbindung“ demonstrieren heute nicht nur vor dem UBA, sondern auch in anderen deutschen Städten Landwirte mit Tausenden Traktoren.

Um was geht es? Schon lange sind die Nitratwerte im deutschen Grundwasser zu hoch. Ein systematisches Problem der Massentierproduktion, auf das Wasserversorger, Umweltverbände und UBA seit Jahren hinweisen. Ebenso wie die EU-Kommission: Deutschland verstößt seit dem Jahr 2008 ununterbrochen gegen die EU-Nitratrichtlinie. Jahr für Jahr werden an jeder fünften Messstelle die zulässigen Höchstwerte überschritten.

Folgerichtig verurteilte der Europäische Gerichtshof Deutschland im Jahr 2018 wegen der Verletzung der Richtlinie, es drohen seither saftige Strafzahlungen. Das Landwirtschaftsministerium wiederum will mit einer Düngeverordnung und strengeren Regeln für das Ausbringen von Gülle gegensteuern. Landwirte weisen das als Zumutung zurück, Umweltschützer kritisieren die Pläne als unzureichend.

Das Problem "wegmessen" funktioniert nicht

Schuld an den nach Brüssel gemeldeten schlechten Werten sind nach Meinung der Landwirte nicht etwa zu hohe Tierbestände. Sondern falsche oder ungerechte Messungen. Nach der Logik: Man muss nur dort messen, wo die Werte unauffällig sind – und schon ist das Problem gelöst.

Nach einer ähnlichen Logik entbrannte übrigens der Volkszorn, als es um mögliche Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten ging. Dieselfahrer sahen sich zu Unrecht durch das UBA diskriminiert, die korrekte Ermittlung der Feinstaub- und Stickoxid-Belastung wurde infrage gestellt, die Rolle des UBA als staatlicher Seismograf von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen in Zweifel gezogen.

Solche Manöver sind ebenso durchsichtig wie besorgniserregend. Weil sie – gegen den gesellschaftlichen Trend – nicht nachhaltige Lebensstile und Produktionsweisen konservieren sollen.

Peter Carstens
Kolumne
Alles im grünen Bereich
In seiner Kolumne schreibt GEO.de-Umweltredakteur Peter Carstens über das einfache, nachhaltige Leben, über Öko-Sünden, Greenwashing und richtig gute Ideen

Es ist richtig: Landwirtschafts- und Verkehrswende sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Verbraucher müssen mitziehen, ebenso wie der mächtige Einzelhandel, die Konzerne und die zuständigen Politiker. Das UBA aber benennt nur die Probleme, für deren Lösung Lasten gerecht verteilt werden müssen.

Statt das UBA anzugreifen, sollten die Landwirte, die hinter „Land schafft Verbindung“ stehen, mal ihr Selbstbild mit der Realität abgleichen. Auf der Homepage der Initiative ist zu lesen: „Wir Landwirte stehen für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und gesunde Lebensmittel, für eine klimaschonende Landwirtschaft und Tierwohl in unseren Ställen“. Schön wär’s.