Heimliche Stromfresser Standby-Verluste immer höher – trotz strengerer Vorgaben

Geräte im Standby-Modus verbrauchen immer weniger Strom. Trotzdem tragen sie kaum zu einem geringeren Stromverbrauch in Deutschland bei. Aus einem einfachen Grund
Standby

Verräterisches Lämpchen: Hier wird gerade Strom verbraucht

Am Gerät leuchtet ein Lämpchen? Es summt dezent oder fühlt sich warm an? Und das, obwohl es aus ist? Solche Zeichen deuten auf den Standby-Modus hin. Denn auch wenn Laptop, Fernseher, elektrische Zahnbürste, Drucker, WLAN-Router oder Waschmaschine nichts machen, verbrauchen sie Strom. Und das gar nicht mal so wenig. So genannte Leerlaufverluste beziffert das Umweltbundesamt (UBA) auf „mindestens 22 Milliarden kWh pro Jahr“. Das entspricht der Leistung von zwei mittelgroßen Kernkraftwerken wie dem AKW Emsland mit einer Produktion von elf Milliarden kWh jährlich.

Kosten, die jeder zahlt

Wohl jeder hat solche versteckten Stromfresser im Haus oder im Büro. Und wir alle zahlen Jahr für Jahr „mindestens vier Milliarden Euro“ (UBA) für das süße Nichtstun. Das Portal co2online rechnet vor, dass in einem durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt die Stromkosten bis zu 20 Prozent der Stromrechnung ausmachen. Kein Wunder - summiert sich doch die Leistungsaufnahme der Geräte im Standby auf bis zu 50 Watt. Wer solche Verbraucher konsequent ausschalte, so co2online, könne bis zu 115 Euro jährlich sparen.

Mit 15 Watt im Leerlauf liegen Stereoanlagen ganz vorn auf der Liste der nutzlosen Verbraucher – gefolgt von LCD-Fernseher (14 Watt), Mini-Hifi-Anlage (11 Watt), PC, Monitor, Drucker und DVB-T-Receiver (jeweils 10 Watt). Meist sind es gerade die älteren Geräte, die unnötig viel Strom verbrauchen. Denn schon seit 2010 gilt eine neues EU-Gesetz, die sogenannte Ökodesign-Richtline, die den Verbrauch im Standby auf 0,5 Watt begrenzt.

Die Experten des UBA rechnen über den Daumen damit, dass sich durch die neuen Vorgaben der private Stromverbrauch um mehr als sechs Milliarden kWh jährlich verringern lässt. Das entspräche einer Einsparung von 1,2 Milliarden Euro – und fast vier Millionen Tonnen vermiedenem Kohlendioxid.

Mehr Verbrauch trotz strengerer Vorgaben

Insgesamt gesehen, ergibt sich allerdings ein ernüchterndes Bild. Denn die Standby-Verluste in Deutschland sinken trotz der strengeren Anforderungen an die Hersteller nicht – sondern steigen. Nach einer Prognose des UBA wird der Stromverbrauch durch Leerlaufverluste von 8,8 (2005) auf 9,2 Terawattstunden (2020) anschwellen. Schuld daran ist die schiere Zahl der Geräte: Es werden immer mehr, nicht nur in Deutschland. Einer Studie zufolge könnte die Summe der Standby-Verbraucher in der EU von 2,4 Milliarden (2005) auf fast 3,3 Milliarden (2020) anwachsen.

Die Empfehlungen an die Verbraucher bleiben dieselben:

  • Wenn Sie unsicher sind, wer wie viel verbraucht, leihen Sie sich z.B. von einer Energieberatungsstelle der Verbraucherzentrale kostenlos ein Messgerät.
  • Achten Sie beim Kauf darauf, dass Geräte möglichst energieeffizient sind und per Schalter ganz vom Netz trennen lassen. Bei der Auswahl hilft die App ecoGator.
  • Sicher abstellen lassen sich heimliche Verbraucher nur, indem wir sie vom Netz trennen. Ideal dafür sind schaltbare Steckerleisten. Ferngesteuerte Steckdosen sind zwar praktisch – verbrauchen aber selbst Strom.