Büffelmozzarella und Co. In diesen Lebensmitteln steckt unerwartetes Tierleid

Einige Produkte haben eine brutale Seite, die für Konsumenten auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Wir stellen sechs Lebensmittel vor, hinter denen sich überraschend viel Tierleid verbirgt
Büffelmozzarella, junger Büffel

Büffelmozzarella gilt als Delikatesse. Dass Tiere dafür leiden müssen, ist den wenigsten bewusst

In diesem Artikel
1. Büffelmozzarella
2. Stopfleber
3. Kaviar
4. Kaninchen
5. Eier
6. Milch

1. Büffelmozzarella

Echter Büffelmozzarella aus Italien gilt als Delikatesse, auch in Deutschland wird der Käse immer beliebter. Die Käsespezialität ist kostbar: Mozzarella di bufala campana kostet etwa viermal so viel wie der herkömmliche Kuhmilchmozzarella, zumal eine Büffelkuh nur knapp ein Viertel der Milchleistung einer normalen Milchkuh erbringt. Der Preis, den die Büffel dafür zahlen müssen, ist jedoch ungleich höher.

Denn um Milch zu geben, muss eine Büffelkuh jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die männlichen Tiere, die etwa die Hälfte der Kälber ausmachen, sind jedoch wertlos für die Büffelmozzarella-Produktion. Sie können keine Milch geben und das Büffelfleisch will kaum jemand kaufen - dabei ist das protein- und eisenreiche Büffelfleisch sehr gesund.

Die männlichen Büffelkälber werden daher nach etwa drei Wochen zum Schlachthof gebracht. Die Zahl der jährlich entsorgten Tiere ist sechsstellig. Doch viele männliche Kälber sterben bereits direkt im Betrieb, da sie verhungern und verenden. Das Töten der Tiere geht sogar so weit, dass ganze Büffel-Friedhöfe in der italienischen Region Kampanien entstanden sind. Die Züchter sparen sich auf diese Weise das Futter für die ersten Lebenstage und den Betrag für die Schlachtung im Schlachthof.

2. Stopfleber

Stopfleber, französisch auch Foie gras genannt – ist das vielleicht eine Leber, die gestopft ist? Nein, ist es nicht. Was manchem als Delikatesse gelten mag, ist eine Leber von Gänsen, die gestopft wurden. Bei der qualvollen Prozedur wird den Tieren täglich mit einem Metallrohr mehrere hundert Gramm Maisbrei in den Magen gepumpt. Die Folge der Zwangsernährung mit einer Überdosis Nährstoffe: eine krankhaft angeschwollene Leber.

Zu den Nebenwirkungen des Stopfens gehören Atemnot, Halsverletzungen, Knochenbrüche, Leberblutungen und Herzversagen. In Deutschland ist diese besonders grausame Praxis zwar verboten. Der Import von Stopfleber jedoch nicht. Mehr als 60 Prozent der weltweiten Produktion stammen aus Frankreich.

3. Kaviar

Für die teuerste Delikatesse der Welt (3000 Euro pro Kilo) zahlen nicht nur Feinschmecker einen hohen Preis. Die Weibchen des Beluga-Störs, des größten Süßwasser-Fisches der Erde, werden mit rund 20 Jahren für die Kaviar-Produktion bei lebendigem Leib aufgeschlitzt und ausgenommen, schreibt der Deutsche Tierschutzbund. Die Begründung: sonst würde der Rogen ungenießbar. Eine tierschutzgerechte Betäubung erfolge in den seltensten Fällen. Denn gerade bei großen Fischen ist die Betäubung problematisch und aufwendig zu überwachen.

Übrigens ist auch die Art selbst ist bedroht: Der Beluga-Stör könnte Experten zufolge wegen intensiver Bejagung, Raubfischerei und der Zerstörung von Laichgründen schon in wenigen Jahren in freier Wildbahn ausgestorben sein.

4. Kaninchen

Wer „Kaninchen“ denkt, hat vielleicht einen Stall vor Augen, mit Stroh oder Heu, Möhren und ausreichend Auslauf. Von Auslauf kann in der gewerblichen Kaninchenzucht keine Rede sein. Teilen sich mindestens 25 Tiere einen Stall, ist laut Gesetz eine Fläche von 700 Quadratzentimetern vorgesehen. Malen Sie sich das mal auf: 26,5 Zentimeter im Quadrat. Für ein Kaninchen. Auch Drahtkäfige waren bisher erlaubt. Immerhin gibt es seit 2014 eine Haltungsverordnung für Kaninchen, die die schlimmsten Missstände beseitigen soll (wenn auch mit jahrelanger Übergangsfrist). Nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes reicht das aber bei weitem nicht.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 25 Millionen Kaninchen geschlachtet – und ingesamt etwa 41.000 Tonnen Kaninchenfleisch gegessen. Tendenz: steigend.

5. Eier

Kennen Sie den Evergreen “Ich wollt, ich wär ein Huhn“? Mit einem Huhn aus einem heutigen Legebetrieb will sicherlich niemand tauschen. Und schon gar nicht mit einem der bis zu 50 Millionen männlichen Küken, die jedes Jahr in deutschen Zuchtbetrieben schlüpfen. Denn sie haben ein sehr kurzes Leben. Weil sie keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast. Ein Verbot dieser Praxis wurde schon oft angekündigt, zuletzt von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Es gibt zwar Versuche, auch das Fleisch der männlichen Geschwister zu vermarkten. Damit würde das gewaltsame Ende der Tiere aber allenfalls um ein paar Wochen hinausgezögert. Unter Tierschutzgesichtspunkten ist das keine richtig schöne Alternative. Ein Großteil der produzierten Eier wird übrigens in verarbeiten Produkten verarbeitet, etwa in Nudeln und Keksen – unter Bedingungen, die viel Menschen bei losen Eiern ablehnen würden.

6. Milch

Bilder von glücklichen Kühen auf der Weide täuschen darüber hinweg, dass viele Milchkühe ganzjährig oder überwiegend im Stall stehen – angebunden und ohne die Möglichkeit, sich zu drehen. Das betrifft nach Angaben des Thünen-Instituts mehr als ein Drittel aller Milchviehbetriebe und 15 Prozent aller Milchkühe. Dem Deutschen Tierschutzbund zufolge sind es sogar fast ein Drittel aller Kühe - darunter auch "Bio"-Rinder.

Was vielen Menschen nicht bewusst ist: Kühe geben nur dann Milch, wenn sie ein Kalb geboren haben – von dem sie nach kurzer Zeit getrennt werden. Siehe die Büffelmozzarella. Mehr als ein Drittel von 1000 Befragten glaubt einer Umfrage der Tierschutzorganisation Peta zufolge, dass Kühe "grundsätzlich" Milch geben.

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