vegawatt Veganer Strom: Geht Staubsaugen und Musikhören jetzt ohne Tierleid?

Ein Ludwigshafener Versorgungsunternehmen bietet seinen Kunden „veganen“ Strom an. Was steckt dahinter?
Veganer Strom

Viele Veganer achten nicht nur bei der Ernährung auf ethisch einwandfreien Konsum. Jetzt können sie sogar Strom ohne Tierleid beziehen

Atom- oder Kohlestrom? Lieber nicht. Längst sind viele Haushalte auf sogenannten Ökostrom umgestiegen: also Energie aus Wind- und Wasserkraft, Sonne und Biomasse. Was erneuerbar ist und zunächst nachhaltig klingt, hat aber einen Haken, über den bislang wenig geredet wurde: Erneuerbare Energiegewinnung schadet oft der Tierwelt.

So werden Fundamente für Windenergieanlagen auf hoher See so laut gerammt, dass Meeressäuger taub und orientierungslos werden. An den wirbelnden Rotoren zerschellen Jahr für Jahr Tausende Zugvögel und Fledermäuse. Wasserkraftwerke können zur tödlichen Falle für Aale und Lachse werden und hindern ziehende Fische an ihren Wanderungen. Monokulturen für Biogasanlagen vernichten kostbaren Lebensraum für Insekten und Feldvögel.

Wer Tiere nicht nur beim Essen schonen möchte, sollte also zu Solarenergie greifen. Meint zumindest das Unternehmen TWL Energie Deutschland GmbH, eine Tochter der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL). Und stieß damit schon vor zwei Jahren in eine Marketing-Lücke.

"Vegan Staubsaugen, vegan Musik hören, vegan Fernsehen – all das geht jetzt dank vegawatt Strom!" – mit diesem Slogan wirbt das Unternehmen für "vegawatt", den deutschlandweit wohl ersten veganen Stromtarif. Der Strom stammt nach Unternehmensangaben von einer Anlage in Italien – weil dort die Stromausbeute größer ist als in nördlicheren Breitengraden.

Wie vegan ist der Sonnenstrom wirklich?

Doch können "vegawatt"-Kunden sicher sein, dass beim Bau dieser Anlage keine Hamster das Feld räumen, Insekten und Vögel sich nicht vom Acker machen mussten?

"Wir haben bei der Auswahl des Lieferanten darauf geachtet, dass die Anlagen weder in Naturschutzgebieten noch in Lebensräumen von Tieren errichtet werden", sagt Marcel Gilbert, einer der beiden Geschäftsführer. "Für die Anlagen werden Flächen genutzt, die anderweitig nicht mehr genutzt werden können, zum Beispiel Dächer von großen Lagerhallen." Auch Dächer von Massentierhaltungs-Ställen seien tabu, versichert Gilbert.

Immerhin: Mit ihrem neuen Produkt liegen die Ludwigshafener voll im Trend. Denn in Deutschland leben – je nach Schätzung – zwar nur ein Prozent der Bevölkerung vegan. Doch die Aufmerksamkeit auf Tiere und Tierwohl ist groß.

Verbraucherschützer geben sich zurückhaltend

Vegan lebende Menschen dürfte das neue - und vergleichswese teure - Angebot freuen. Doch Verbraucherschützer zeigen sich eher zurückhaltend. So verweist die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz auf bestehende Ökostrom-Angebote. Mit dem Grüner-Strom-Label oder OK-Power-Label lasse sich immerhin zurückverfolgen, wo der Strom produziert wird und wie alt die Anlagen seien.

Auch die so genannte Zubauwirkung spielt bei der Vergabe dieser Label eine Rolle. Das bedeutet: Echte Ökostromanbieter sorgen mit einem Teil ihrer Einnahmen dafür, dass neue Anlagen errichtet werden. Und bringen damit vielleicht nicht den Tierschutz, aber auf jeden Fall die Energiewende voran. Eine solche Zertifizierung fehlt beim "vegawatt"-Tarif. Auf Nachfrage erklärt Marcel Gilbert dazu: "Wir sind jetzt schon mit zahlreichen möglichen Kooperationspartnern in Gesprächen, um uns zukünftig nachhaltig für das Thema Klimaschutz und Tierschutz einzusetzen."

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