Nachhaltig feiern Stoppt den Grill-Terror!

Grillen ist pure Lebensfreude – und auch aus Umweltsicht vertretbar, findet GEO.de-Redakteur Peter Carstens. Wenn man es richtig macht. Denn viele Grillplätze gleichen am Morgen danach Schlachtfeldern der Terrors gegen öffentliches Grün
Peter Carstens

In seiner Kolumne "Alles im grünen Bereich" schreibt GEO.de-Umweltredakteur Peter Carstens über das einfache, nachhaltige Leben, über Öko-Sünden, Greenwashing und richtig gute Ideen

*** Kolumne "Alles im grünen Bereich" ***

Es ist ja nicht so, dass ich das Grillen generell doof finde. Wintergrillen zum Beispiel finde ich super. Im Dezember vergangenen Jahres wurde auch in der Talkrunde bei Markus Lanz gegrillt, unser Ex-Landwirtschaftsminister nämlich, Christian "So isser, der Schmidt" Schmidt. Wegen seiner Last-Minute-Zustimmung zur Glyphosat-Verlängerung. Bis der Bundesminister, der Verbraucher- und Umweltschützer verkohlte, selbst ein wenig ausgeglüht dasaß.

Aber im Ernst: Wenn sich an lauen Abenden Menschen zusammenfinden, um friedlich zu feiern, wenn die Rauchschwaden und Lachsalven von den Lagerfeuern über Wiesen und Flüsse wabern und die Bierflaschen klingend aneinanderstoßen - dann packt auch mich das Gefühl: Das Leben in der Stadt kann so schön und schwerelos sein. Oder könnte.

Denn am Morgen danach zeigt sich schon die Kehrseite des Idylls. Dann wirkt manche Wiese, als sei sie Opfer eines Terrorangriffs auf öffentliches Grün geworden.

Überfüllter Mülleimer am Ufer Schwanenwik in Hohenfelde, Hamburg

Was vom Tage übrig blieb: Müll-Eimer an der Alster in Hamburg

Zwölf Schafe am Spieß und der normale Wahnsinn

Das Eklatante ist ja, wie so oft, nicht der Ausreißer nach oben, etwa zwölf ganze Schafe an Grillspießen, wie neulich in Berlin. Sondern der Normalfall. Denn am Tag danach ist ja noch das geringste Problem, dass man die Mülleimer unter dem vielen Müll kaum noch findet. Dass extra von der Stadtreinigung aufgestellte Müllcontainer brennen, weil noch heiße Kohle hineingeworfen wurde.

Fast noch ärgerlicher ist es, wenn Plastik- und Pappschachteln, Einmalgeschirr und Einwegflaschen an Ort und Stelle liegen gelassen wurden, als könnten sie jetzt irgendwie Teil der Natur werden. Darunter auch Einmalgrills, eine der dümmsten Erfindungen unter der Sonne, deren Nachhaltigkeit einzig darin besteht, nachhaltige Löcher in das öffentliche Grün sengen.

War schön mit euch! Irgendjemand wird sich schon um die Sauerei kümmern. Und überhaupt, wozu gibt es eigentlich die Stadtreinigung?

Macht es doch bitte anders, besser!

Hier ein paar Vorschläge für nachhaltigeres Grillen:

  • Fleisch hat einen riesigen ökologischen Fußabdruck, und Tierleid steckt auch drin. Wer kann, verzichtet darauf und grillt Haloumi, Tofu, Gemüse und Co. Zahllose Anregungen gibt es hier.
  • Die Grillkohle sollte idealerweise aus heimischem Holz, am besten Buche, hergestellt sein. Noch besser: Kohle mit FSC-, Naturland- oder notfalls PEFC-Siegel.
  • Einmalgrills aus Aluminium unbedingt vermeiden, sie verursachen unnötig Müll und zerstören den Rasen. Besser ist alles, was auf Beinen steht, also auch der gewöhnliche, wiederverwendbare Steckgrill von der Tankstelle.
  • Wegwerfgeschirr ist weder stilvoll noch nachhaltig. Warum bringt sich nicht einfach jeder einen Teller, ein Glas und Besteck von zu Hause mit? Es muss ja nicht das mit dem Goldrand sein.
  • Wer zu Hause ein bisschen vorbereitet, kann Salate, Dips etc. in Gläsern oder Dosen einpacken und spart jede Menge Plastik- und Papiermüll.
  • Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen spießig, ist aber wahr: Wer seinen Grillplatz vorbildlich aufgeräumt hinterlässt, dient auch anderen als gutes Vorbild. Schließlich sind Grünanlagen etwas, das die Stadt uns (von unserem Geld) zur Verfügung stellt - und manchmal mit viel Aufwand und Hingabe in Schuss hält. Da ist es nur recht und billig, sorgsam damit umzugehen.

Und wer noch mehr Karma-Punkte sammeln will, kann auch noch die Bagaluten von nebenan darauf aufmerksam machen. Ganz lieb, versteht sich.

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