Wenn die ersten Schneeglöckchen und Krokusse mutig durch den kalten Boden brechen und der feine Pollenflug die ersten Nasen reizt, kündigt der Frühling leise seine Rückkehr an. Hinter dem zarten Gesang der Singvögel und den ersten Farbtupfern im Grau des Winters verbergen sich erstaunliche Fakten, die manch Frühlingsvorboten zu einem kleinen Wunder machen.
Warum Schneeglöckchen teils Hunderte Euro wert sind
Kaum lässt der Winter etwas nach, schiebt an vielen Wegrändern, in Gärten und auf Wiesen das Schneeglöckchen seine markanten Blüten aus reinweißen, äußeren Hüllblättern durch den Schnee. Ihr botanischer Name "galanthus" leitet sich von den griechischen Wörtern für Milch ("gala") und Blume ("anthos") ab. Den Königlichen Botanischen Gärten nahe London zufolge gibt es mehr als 20 Arten und rund 500 gezüchtete Sorten.
Manch Blütenmuster ist so selten und reizend, dass Sammler teils vierstellige Summen dafür ausgeben. 2022 etwa verkaufte ein britischer Züchter eine einzelne Zwiebel seiner damals neuen Sorte "Golden Tears" ("Goldene Tränen") mit einem goldfarbenen Inneren für 1.850 Pfund (damals 2.220 Euro).
Welcher Krokus das teuerste Gewürz der Welt hervorbringt
Wie die Schneeglöckchen speichern auch die Krokusse ihre Nährstoffe in der Knolle unter der Erde, bis es Zeit ist auszutreiben. Der berühmteste ist wohl der Safran‑Krokus (Crocus sativus), aus dessen violettfarbenen Blüten das Gewürz Safran entsteht, eines der teuersten der Welt.
Die Pflanze blüht allerdings nicht im Frühjahr, sondern üblicherweise im Herbst. Geerntet werden die leuchtend roten Safranfäden mit einer Pinzette aus der Mitte der Blüte. Für ein Gramm getrockneten Safrans, der etwa zum Würzen von Paella, Risotto oder Curry verwendet wird, werden nach Angaben der Königlichen Gartenbaugesellschaft in London etwa 150 Blüten benötigt. In Deutschland wird der Krokus selten angebaut, am meisten im Iran.
Wie weit Pollen reisen können
Auch Pollen sind ein sicheres Zeichen für die erwachende Natur. Doch nicht immer, wenn jemand niest, muss ein blühender Baum in unmittelbarer Nähe stehen. Denn sobald Pollen aus den Blüten austreten, können sie von starken Winden mitgerissen werden. In höheren Luftschichten legen besonders kleinere und leichtere Körner über mehrere Tage und Ländergrenzen hinweg Hunderte Kilometer zurück, bevor sie zu Boden fallen.
Bei Birkenpollen wird in Modellstudien von Transportstrecken im Bereich von rund 1.000 Kilometern ausgegangen. Mitunter werden dann Pollen in Regionen registriert, in denen die Bäume erst Tage später überhaupt zu blühen beginnen. Ein so verlängerter Zeitraum führt zu zusätzlichen Belastungen für Allergiker. Heutzutage beginnt die Pollensaison oft schon im Januar oder Februar, in der Regel zuerst mit Hasel und Erle, die Birke kommt später.
Weshalb Vögel morgens besonders häufig singen
Wenn das Frühjahr eingekehrt ist, lassen sich die Menschen auch gern von Vogelgezwitscher aus dem Schlaf ziehen. Im Morgengrauen wird der Gesang dann besonders stark wahrgenommen. Manch wissenschaftliche Theorie geht davon aus, dass weniger starker Wind und tiefere Temperaturen am Morgen den Schall besser übertragen - und daher Vögel mit hohen Tönen über größere Entfernungen besser zu hören sind.
Eine US-indische Gemeinschaftsstudie von 2025 fand bei einer Untersuchung von knapp 70 Vogelarten in Indien hingegen heraus, dass bestimmte Vogelarten tatsächlich häufiger im Morgengrauen als zur Abenddämmerung singen. Die Forscher unter anderem des Cornell Lab of Ornithology, einer der weltweit führenden Institutionen für Vogel- und Verhaltensforschung, vermuten, dass gesellige Arten mit komplexem Sozialverhalten am Morgen besonders aktiv zwitschern, um Informationen über Futter, Revier, Gefahren oder die Gruppenkoordination für den Tag auszutauschen.
Wie alle Vöglein nacheinander einstimmen
Ein vielstimmiges frühes Konzert heißt auf Englisch "Dawn Chorus". Einem Projekt des Naturkundemuseums Bayern und weiterer Institutionen zufolge starten die verschiedenen Arten zeitversetzt mit ihrem Gesang.
Schon weit vor dem Morgengrauen beginnen Rotkehlchen und Amsel den Reigen, um die Dämmerung kommen etwa Singdrossel, Kuckuck, Zaunkönig und Kohlmeise dazu, zum Sonnenaufgang auch Star und Blaumeise, zuletzt Grünfink und Kleiber. Vermutlich stimmen die verschiedenen Arten zu unterschiedlichen Zeiten in den Chor ein, um der akustischen Konkurrenz zu entgehen.
Warum nicht mehr alle Störche als Vorboten des Frühlings taugen
Eines der sichersten Zeichen für den nahenden Frühling ist auch die Rückkehr der Störche aus ihren Winterquartieren nach Deutschland. Doch längst tun das nicht alle: Manche weigern sich, in den Süden zu ziehen. In Hessen sollen inzwischen bis zu 300 Brutpaare überwintern. Das kalte Wetter ist dabei kein Problem. Die Fleischfresser können eine Zeit lang ohne Nahrung auskommen.
Der Großteil der Störche zieht aber nach wie vor in den Süden. Dabei unterscheiden Experten in West- und Ostzieher: Die einen überwintern in etwa 2.500 Kilometern Entfernung in Spanien, die anderen fliegen über Polen und den Balkan nach Israel und von dort aus weiter nach Ostafrika. Jungtiere entscheiden oft selbst, welchem Zug sie folgen. Sind die ersten dann retour in Mitteleuropa, ist der Frühling hierzulande ganz sicher auch im Anmarsch.