Bunte Bakterien Forscher entdecken älteste Farbe der Welt - es ist Rosa

War der Ur-Ozean leuchtend rosa? In einer Gesteinsprobe aus der Sahara fanden Wissenschaftler rosafarbene Pigmente - Spuren von Bakterien, die einst die Weltmeere beherrschten
Prphyrine im Reagenzglas

Die rosa Farbpigmente sind Überreste mehr als einer Milliarde Jahre alter Bakterien

Vor mehr als einer Milliarde Jahren tummelten sich in den Ozeanen der Erde weder Fische noch andere höhere Lebensformen. Stattdessen hätten sich einem hypothetischen Beobachter möglicherweise unabsehbare, rosafarbene Weiten präsentiert. Darauf deuten Untersuchungen von australischen, japanischen und US-Forschern hin.

Die fossilen Pigmente fanden die Forscher in einer Probe aus einer Gesteinsschicht hunderte Meter unter der heutigen Oberfläche der Sahara. Das schwarze Schiefergestein erwies sich als das 1,1 Milliarden Jahre alte Sediment eines längst ausgetrockneten Meeres. Und es enthielt Spuren von frühen Lebensformen: Cyanobakterien.

Bei den Farbstoffen handelt es sich um so genannte Porphyrine, molekulare Überreste von Chlorophyll. Das nutzten die Ur-Bakterien – ähnlich wie heutige Pflanzen – zur Gewinnung von Energie aus Sonnenlicht. Die Farbstoffe schimmern ja nach Verdünnung Blutrot, Purpurrot oder auch in einem hellen Rosa.

Damit gelang den Forschern der bislang früheste Nachweis von Farbe im Reich des Lebendigen – 600 Millionen Jahre älter als der bisherige Rekordhalter.

-----------------
FOLGEN SIE UNS: Ihnen gefallen unsere Beiträge? GEO finden Sie auch auf Pinterest, Instagram und Facebook.
-----------------

Mit einem Vergleich machte Jochen Brocks von der Australian National University im britischen Guardian die Bedeutung des Fundes deutlich: "Wenn wir heute ein Stück fossiler Haut eines Tyrannosaurus Rex fänden, an dem sich noch die Hautfarbe ablesen ließe, wäre das eine Sensation. Aber die jetzt gefundenen Pigmente sind noch zehn Mal älter."

Von Cyanobakterien wird man nicht satt

Die Entdeckung der rosafarbenen Vorzeit wirft auch ein Licht auf die Entwicklung des Lebens auf der Erde. Denn nach wie vor ist unklar, warum sich höhere Lebensformen erst relativ spät im Lauf der Erdgeschichte entwickelten. Jochen Brocks hält es für wahrscheinlich, dass es dafür einfach nicht ausreichend Futter gab. Denn Cyanobakterien sind zu klein.

Um größere, aktive Lebensformen zu ernähren, musste der Ozean schon Algen hervorbringen, die ein tausendfach größeres Volumen und entsprechend mehr verwertbare Energie aufweisen.

Die Ozeane der Cyanobakterien, so Brocks, verschwanden erst vor rund 650 Millionen Jahren – als Algen ihren Siegeszug durch die Weltmeere antraten. Und so die Entstehung von komplexen Ökosystemen und Lebewesen – einschließlich des Menschen – möglich machten.

Zur Startseite