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Bio-Chemie: Goldader auf dem Balkon?

Indische Forscher haben es geschafft: Mit Geranienblättern gewinnen sie Edelmetall

Sie sind genügsam und farbenfroh und eben deshalb eine Freude für Hobbygärtner. Seit neuestem allerdings schauen auch Wissenschaftler bei Geranien aufmerksam hin. Denn was Alchimisten über Jahrhunderte vergeblich versuchten, erledigen die Balkonpflanzen ganz nebenbei und umweltfreundlich im Wasserglas: das "Goldmachen".

Murali Sastry und sein Team vom National Chemical Laboratory im indischen Poona zerschnitten Geranienblätter, öffneten die Zellwände durch kurzes Aufkochen und gaben wässrige Goldsalzlösung dazu - genauer gesagt, Ionen der Tetrachlorogoldsäure. Diese waren in nur einer Stunde tatsächlich zu Gold "reduziert".

Unter dem Elektronenmikroskop zeigten sich Kugeln, Pyramiden und Stäbchen, rund zehn Nanometer groß - ideal als korrosionsbeständige Mini-Bauteile für Optik und Elektronik. Als Reduktionsmittel wirken offenbar organische Moleküle der Pflanze, wie Citro- nellol und Geraniol, zwei Aromastoffe, die bei der Parfümherstellung verwendet werden.

Wesentlichen Anteil scheint außerdem Colletotrichum zu haben, ein kleiner Pilz, der in Geranienblättern wächst und in Symbiose mit der Pflanze lebt. Die Forscher isolierten den Mikroorganismus und fütterten ihn ebenfalls mit Goldsalzlösung. In 48 Stunden schufen Pilz-Enzyme kugelförmige Goldpartikel. "Die unterschiedlichen Formen der Partikel scheinen demnach von den verschiedenen Aromakomponenten in den Blättern abhängig zu sein", vermutet Sastry.

Weitere Forschungen sollen nun die Kontrolle von Form und Größe der Kristalle ermöglichen. Denn für den kommerziellen Einsatz werden gleichförmige Partikel benötigt. Auch muss die Technik noch beschleunigt werden. Erst dann könnte sie mit den bislang zur Goldextraktion angewandten chemischen Verfahren konkurrieren. Billiger und umweltfreundlicher ist sie freilich schon jetzt. Dass diese Methode des "Goldmachens" gerade in Indien entwickelt wurde, ist wohl kein Zufall. In der 3500 Jahre alten Ayurveda-Heilkunde verwenden Ärzte "Gold Bhasmas" - Arzneimittel auf Goldbasis. Die darin enthaltenen Goldpartikel werden auf ähnliche Weise hergestellt: mit Ölen und Extrakten aus Früchten und Kräutern.

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