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Schlaflosigkeit Weshalb fehlende Erholung auf Dauer so gefährlich ist

Schlaflosigkeit ist eine Strapaze für Körper und Geist. Die wichtigsten Folgen fehlender Erholung im Überblick
Schlafstörung

Schlaflosigkeit kann zur Gefahr werden: Wer eine Reihe von Nächten hintereinander weniger als sechs Stunden schläft, befindet sich in einem Zustand, als hätte er ein Promille Alkohol im Blut, sagen Schlafmediziner

In diesem Artikel
So wirkt sich Schlaflosigkeit auf unser Immunsystem aus
So reagiert unser Stoffwechsel auf Schlaflosigkeit
Das passiert mit unserem Herz-Kreislauf-System bei zu wenig Schlaf
Auch Gehirn und Geist reagieren auf Schlafstörungen
Schlafmangel beeinflusst Muskulatur und Bindegewebe

Mindestens jeder zehnte Deutsche leidet unter chronischen Schlafstörungen, findet nachts keine Ruhe, ist am Tag müde und schlapp – und die negativen Folgen der unzureichenden Erholung sind den Betroffenen jederzeit schmerzlich bewusst.

Doch wohl noch weitaus mehr Menschen hierzulande schlafen fortgesetzt zu wenig, weil sie sich selbst nicht ausreichend Ruhezeit gönnen. Weil sie meinen, sonst den vielfältigen Anforderungen in Beruf und Privatleben nicht gerecht werden zu können. Oder weil sie glauben, auch mit wenig Schlaf gut auszukommen.

Viele, die letztlich aus eigenem Willen auf einen Teil der nächtlichen Er­holung verzichten, sind sich aber nicht bewusst, welche Folgen permanenter Schlafmangel für ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit haben kann.

Schlafmediziner vergleichen die Auswirkungen von zu wenig Schlaf mit denen einer durchzechten Nacht: Wer eine Reihe von Nächten hintereinander weniger als sechs Stunden schläft, befindet sich demnach in einem Zustand, als hätte er ein Promille Alkohol im Blut: Reaktionsgeschwindigkeit, Urteilskraft und Gedächtnis sind eingeschränkt.

Körper und Geist leiden aber vor allem dauerhaft unter fehlendem Schlaf, das Risiko für Krankheiten wie Krebs, Demenz und Diabetes nimmt zu.

Der Schlafmangel hat vielerlei Auswirkungen auf unseren Organismus, vor allem auf das Immunsystem, den Stoffwechsel, Herz und Kreislauf, Gehirn und Geist sowie Muskulatur und Bindegewebe.

So wirkt sich Schlaflosigkeit auf unser Immunsystem aus

Eine erhöhte Infektanfälligkeit ist oft die Folge von zu wenig Schlaf. Unsere Abwehrkräfte brauchen die Ruhephase, um Krankheitserreger effektiv abzuwehren: Im Schlaf steigt die Zahl der Antikörper, die gezielt schädliche Bakterien und Viren einfangen und den Killerzellen des Immunsystems zuführen. Gleichzeitig ist Schlaf wichtig, um das Gedächtnis der Immunabwehr zu stärken, sodass sie in Zukunft noch besser auf Krankheitserreger reagieren kann. Der Rat „Schlaf dich gesund“ ist daher ernst zu nehmen.

Ähnliches zeigt sich bei Impfungen: Genügend Schlaf in der Nacht nach der Impfung führt zu einer stärkeren Immunantwort mit mehr Antikörpern gegen den Krankheitserreger. Bei weniger Schlaf fällt die Immunantwort schwächer aus.

Auch die natürlichen Killerzellen des Immunsystems reagieren auf Schlafmangel: Lymphozyten dieses Typs suchen unter anderem nach mutierten Zellen, aus denen Tumoren entstehen können – und vernichten sie. Schon nach einer einzigen zu kurzen Nacht sinkt die Anzahl dieser Killerzellen drastisch. Dauerhafter Schlafmangel oder etwa auch Schichtarbeit erhöhen daher das Krebsrisiko.

So reagiert unser Stoffwechsel auf Schlaflosigkeit

Unzureichender Schlaf erhöht das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes. Das Hormon Insulin reguliert den Blutzuckerspiegel und schleust den Zucker in die Zellen – Schlafmangel aber stört diesen Prozess. Studien haben gezeigt: Probanden, die nur vier bis fünf Stunden pro Nacht schlafen, werden insulinresistent, ihre Zellen sind nicht mehr in der Lage, den Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Dauert der Schlafmangel länger an, kann man in Folge der Insulinresistenz an Diabetes Typ 2 erkranken. Auch andere Hormone geraten durch Schlafmangel aus dem Rhythmus: Wir bekommen etwa dann Hunger, wenn wir schlafen sollten. Durch die mit dem Schlaf­- defizit verbundene Tagesmüdigkeit nimmt gleichzeitig die Lust auf Bewegung ab.

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Das passiert mit unserem Herz-Kreislauf-System bei zu wenig Schlaf

Schon ein bis zwei Stunden weniger Schlaf pro Nacht erhöhen die Herzfrequenz und den Blutdruck in den Gefäßen, denn ein Teil unseres Nervensystems rea­giert auf Schlafmangel ähnlich wie auf eine äußere Bedrohung. So erhöht sich beispielsweise der Spiegel des Stress­hormons Kortisol im Blut. Dauerhafter Schlafmangel verstetigt diesen inneren Alarm. Langfristig nimmt so das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall zu.

Auch Gehirn und Geist reagieren auf Schlafstörungen

Dauerhaft gestörter oder verminderter Schlaf, vor allem ein Mangel an Tiefschlaf, trägt womöglich zur Entwicklung degenerativer Erkrankungen des Nervensystems wie der Parkin­son-Krankheit und verschiedener Demenzen bei. Bei chronischem Schlafmangel werden beispielsweise bestimmte Stoffwechselprodukte (Beta- Amyloide) nicht ausreichend aus dem Hirngewebe abtransportiert und bilden dort Ablagerungen, die im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit stehen könnten. Da Tiefschlaf zudem wichtig ist für die Gedächtnisleistung und die Ver­ankerung neuer Informationen, nehmen bei einem Mangel auch die kognitiven Fähigkeiten ab. Das spüren bereits junge Menschen: Schon eine einzige zu kurze Nacht verringert die Gedächtniskraft und Leistungsfähigkeit.

Schlafmangel beeinflusst Muskulatur und Bindegewebe

Der Körper nutzt den Schlaf, um Verletzungen zu reparieren, schädliche Stoffe abzutransportieren und Erholungspro­zesse anzustoßen. Wichtig ist sie zudem für das Wachstumshormon. Dieser Botenstoff wird vor allem im Schlaf und speziell während des Tiefschlafs ausgeschüttet und regelt unter anderem das Wachstum von Muskeln und Knochenmasse. Dar­über hinaus trägt er dazu bei, die innerste Schicht der Blutgefäße von gefährlichen Ablagerungen zu reinigen. All diese Prozesse sind bei Schlafstörungen oder Schlafmangel verringert.

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