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Brettspiele für Erwachsene Tipps vom Kenner: Die besten Brettspiele für jeden Anlass

Ob ein verregneter Nachmittag oder ein Abend mit Freunden: Gesellschaftsspiele gehen immer. Zum Start der weltgrößten Spielemesse "Spiel '18" empfiehlt unser Redakteur und Spielekenner Tobias Hamelmann die besten Brettspiele für Erwachsene - für jede Gelegenheit und von einfach bis kniffelig
Tipps vom Kenner: Die besten Brettspiele für jeden Anlass

Gesellschaftsspiele sind schon lange nicht nur etwas für Familien und Kinder, rund um den beliebten Zeitvertreib hat sich eine eigene Dynamik entwickelt, die vor allem Erwachsene zurück zum Brettspiel bringt

In diesem Artikel
Brettspiele für Familien
Spiele zu zweit
Spiele für den Abend mit Freunden
Spiele für Zwischendurch
Spiele für Teamplayer
Innovative Spiele für alle
Brettspiele für Könner
Lieblingsspiele des Redakteurs

Brettspiele für Familien

Ob sonntäglicher Spielnachmittag in der Familie oder Einstieg in die große Welt der neuen Brettspiele - diese Spiele zeichnen sich durch eine geringe Einstiegshürde bei den Regeln und eine überschaubare Spielzeit aus.

Die schottischen Clans möchten in Isle of Skye ihr Clansgebiet vergrößern. Dazu bieten sie auf Landschaftsplättchen, auf denen neben Gebirgen, Seen und Wiesen auch Kühe, Schafe, Schiffe und Gebäude abgebildet sind. Mittels eines ausgeklügelten Bietmechanismus erwirbt man diese Plättchen und baut sie danach in sein Clansgebiet ein. Nach jeder Runde erfolgt eine Wertung, bei der immer andere Faktoren Punkte bringen: mal die meisten Schafe, mal der geschickteste Gebirgsbau oder der größte See. Isle of Skye ist schnell zu lernen, hat aber eine hohe Spieltiefe. Der Mechanismus ist relativ simpel, die immer wieder unterschiedliche Punktwertung erzeugt einen sehr hohen Wiederspielwert, denn in jeder Partie gibt es andere Anforderungen an das optimale Clansgebiet.

Zug um Zug ist mittlerweile schon ein Klassiker. Bei dem Eisenbahnspiel sammelt man Karten und baut damit Eisenbahnrouten - möglichst vor den anderen Spielern, damit bestimmte Ziele auf Streckenkarten mit den eigenen Waggons miteinander verbunden werden. Mittlerweile gibt es diverse unterschiedliche Varianten. Besonders empfehlenswert: Asien und Europa.

Queendomino ist eine Art 2D-Domino mit Landschaften und kleinen Gebäuden, einem Drachen und einer Prinzessin. Die noch kinderfreundlichere Version Kingdomino (ohne Drachen, Prinzessin und Gebäude) ist 2018 Spiel des Jahres geworden.

Spiele zu zweit

Die meisten Spiele sind mittlerweile auch für Partien zu zweit ausgelegt. Manche sind aber extra für die 2-Personen-Variante konzipiert.

7 Wonders Duel ist die Variante für zwei Spieler des ebenfalls sehr empfehlenswerten 7 Wonders: Die Spieler bauen über drei Epochen mit einfachem Mechanismus und in überschaubarer Spielzeit Kulturen auf und rüsten sie mit Ressourcen, Wissenschaft und Militär aus. Der Mechanismus des Spiels ist wunderbar durchdacht und genauso einfach wie knifflig. Zudem kann der Sieg auf unterschiedlichen Wegen errungen werden, was das Spiel sehr abwechslungsreich gestaltet und keinen der Spieler seinen Kontrahenten irgendwann abhängen lässt.

Bei Patchwork puzzelt man Stoffstücke zusammen, die über einen kreativen Mechanismus aus der Tischmitte genommen werden.

Zwei Kampfkunstmeister und ihre Schüler treten beim schachähnlichen Onitama gegeneinander an, um entweder den gegnerischen Meister zu schlagen oder an ihm vorbei zum gegnerischen Tor zu ziehen. Dabei sind immer nur bestimmte Kampfkunstfiguren, sprich Bewegungen der Spielfiguren, erlaubt.

Spiele für den Abend mit Freunden

Partyspiele sind immer noch eine sehr beliebte Kategorie von Gesellschaftsspielen, da sie nicht nur Vielspieler ansprechen und sich meist schnell und ohne hohen Lernaufwand spielen lassen. 

Bei Agent Undercover schlüpfen die Spieler in unterschiedliche Rollen an verschiedenen Orten - mal im Weltraum, mal am Badestrand, mal im Casino. Einer von ihnen ist allerdings ein Agent, der keine Ahnung hat, wo man sich gerade befindet. Durch vorsichtige Fragen und Antworten geben die übrigen Spieler zu erkennen, dass sie sehr wohl wissen, wo man gerade ist. Der Spion dagegen versucht, den Aufenthaltsort herauszubekommen. Dabei muss er bei den Fragen und Antworten aufpassen, seine Unwissenheit nicht zu enttarnen. Agent Undercover ist höchst kommunikativ und unterhaltsam. Gerade als Agent hat man es besonders schwer, weil man bei manchen Antworten einfach ins Blaue raten muss: Die Frage “Was wird bei uns im Garten angebaut?” könnte ja eine Fangfrage sein, wenn man sich gerade auf der Raumstation befindet, und will daher möglichst schwammig beantwortet werden. Andererseits möchten die Nicht-Agent den anderen Spielern zeigen, dass sie den Ort kennen, ohne den Agenten auf die richtige Spur zu führen. 

Codenames wurde 2016 zum Spiel des Jahres gekürt. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an, um mittels einzelner Begriffe möglichst viele ihrer Codewörter an ihre Mannschaftskollegen zu verraten. Dabei sind Assoziation und Wortspielereien gefragt.

Bei Meisterwerke muss einer der Spieler innerhalb von wenigen Minuten ein Bild beschreiben, was die anderen parallel mitzeichnen. Danach wird abgefragt, was alles tatsächlich auf den Werken der Spieler zu sehen ist und wie sehr es mit dem Ursprungswerk übereinstimmt. Höchst kurzweilig und auch völlig ohne Zeichentalent zu spielen

Angespielt: GEO-Redakteure testen mit den Youtubern "Hunter & Cron" das Spiel "Paperback"

Spiele für Zwischendurch

Für eine gemütliche Nachmittagspartie am Kaffeetisch eignen sich besonders Spiele, die eine überschaubare Spielzeit aufweisen und kein hohes strategisches Denken erfordern. 

Azul, Spiel des Jahres 2018, führt die Spieler in die portugiesische Welt der Kacheln. Bunte Steine müssen über einen raffinierten und doch einfachen Spielmechanismus erworben werden, um sie in das eigene Fliesenmuster zu integrieren. Dabei dürfen, ähnlich wie bei Sudoku, keine gleichen Steine in Zeile oder Spalte auftauchen. 
Optisch ist das Spiel ein Hingucker, auch wenn das Spielthema eher abstrakt wirkt. Und der Mechanismus hat es in sich: Azul eignet sich durch schnelles Lernen und schnelles Spielen hervorragend für das “Spiel zwischendurch”, hat aber für diese Kategorie eine ungewöhnliche Spieltiefe - wenn man alle Möglichkeiten durchplanen möchte. 

Beim optisch sehr reizvollen Takenoko ärgert sich ein chinesischer Gärtner über einen bambusfressenden Panda in seinem Garten. Die Spieler steuern beide und müssen durch geschicktes Setzen der Figuren Punkte machen. 

Ebenfalls optisch sehr liebevoll umgesetzt ist Bunny Kingdom: Es geht um Möhren und Königreiche, Schätze und Burgen, Rohstoffe und Luxusgüter. Dabei werden Karten ausgespielt, süße Kaninchen auf das Spielfeld gebracht und Hasenreiche erschaffen.

Tipps vom Kenner: Die besten Brettspiele für jeden Anlass

Ob Strategie, Spaß oder Teamarbeit: Auch bei Gesellschaftsspielen gibt es die verschiedensten Ansätze

Spiele für Teamplayer

Bei kooperativen Spielen müssen die Spieler gegen den Mechanismus des Bretts antreten. So gewinnt oder verliert man gemeinsam. Teamplay ist also besonders wichtig. 

In der zweiten Edition von Villen des Wahnsinns schlüpfen die Spieler in die Rollen von Investigatoren bei mysteriösen Kriminalfällen. Auf der Suche nach verschwundenen Personen oder zur Aufklärung ominöser Morde löst die Gruppe gemeinsam Rätsel und bezwingt Monster. Das Spiel zeichnet sich durch eine hohe Immersion aus. Die Zweite Edition wird von einer App unterstützt, die zwar erst auf ein Smart-Gerät heruntergeladen werden muss, die dafür aber wichtige Funktionen übernimmt: Sie steuert die Gegner, verteilt Hinweise auf dem Spielfeld oder löst Ereignisse wie Geistererscheinungen aus. Dank der sehr gelungenen Integration dieser Computerunterstützung, fühlt sich Villen des Wahnsinns trotzdem weiter wie ein analoges Brettspiel an. 

Exit - das Spiel ist eine Art Exit Room am Wohnzimmertisch: Gegen die Uhr müssen teils komplizierte Rätsel gelöst werden. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Szenarien in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. 

In Winter der Toten haben Zombies die Welt überrannt. Als Teil einer kleinen Gruppe Überlebender versuchen die Spieler durch Schneetreiben und Untote an Konserven und Werkzeuge zu gelangen. Zwar ziehen eigentlich alle an einem Strang, es könnte aber auch sein, dass sich ein Verräter mit ganz eigener Agenda in der Gemeinschaft versteckt.

Innovative Spiele für alle

Seitdem die Spielebranche rasant wächst, tauchen immer neue Mechanismen für Brettspiele auf. Einige davon brechen mit bekannten Mustern und gehen völlig neue Wege.

Bei Magic Maze hat eine Gruppe von Abenteurern ihre Ausrüstung verloren. Nun wollen sie im nächsten Kaufhaus neue Schwerter, Bögen, Zauberstäbe stehlen - unbemerkt und gegen die Zeit. Die Spieler ziehen dabei vier Spielfiguren durch besagtes Kaufhaus auf der Suche nach der Ausrüstung und dem Ausgang. Der Clou: Jeder darf jede Figur ziehen, alles passiert gleichzeitig ohne Reihenfolge, aber jeder darf immer nur in eine Richtung ziehen. Die Crux: Reden verboten. Magic Maze ist genauso hektisch wie lustig. Ohne sich absprechen zu dürfen, verlangt es gute Teamarbeit, die Figuren durch die labyrinthartige Shoppingmall zu lotsen. Besonders toll dabei: Innerhalb unterschiedlicher Level lernt man erst nach und nach immer mehr Regeln und immer mehr Schwierigkeiten kennen und meistern, die einen auf dem Weg durchs Kaufhaus erwarten.

Icecool: In der Pinguinschule jagen die Vögel Fische und sich gegenseitig. Dabei werden in einem 3D-Spielplan Pinguinfiguren mit den Fingern durch die Räume geschnippt. Könner schnippen sogar um die Ecke oder über Wände. Das Spiel ist Kinderspiel des Jahres 2017 geworden.

Pandemic Legacy ist ein Beispiel für den neuen Legacy-Mechanismus: Brettspiele, die sich nach jeder Partie verändern und mit denen man nach und nach eine ganze Storys durchspielt. Beim kooperativen Pandemic Legacy greifen gleich vier Seuchen die Menschheit an und müssen von den Spielern gemeinsam bezwungen werden.

Brettspiele für Könner

Die meisten Vielspieler mögen es lang, kompliziert und mit möglichst wenig Glücksfaktor. Dafür bedarf es Strategie und Taktik, um am Ende mit den meisten Punkten zu gewinnen.

Ein Fest für Odin führt nach Skandinavien. Innerhalb von sieben Runden setzt man seine Wikinger-Spielfiguren auf eine riesige Auswahl an Aktionsfeldern, um unterschiedlichste Waren zu erwerben, weiterzuverarbeiten, Wale zu fangen, auf Raubüberfälle zu gehen oder neue Inseln zu erkunden. Hinzu kommt ein Puzzlemechanismus, bei dem man eigene Spielpläne zulegen muss, um Punkte zu generieren.  Das Spiel wiegt mehrere Kilogramm, besitzt diverse Spielpläne und zwei komplette Setzkästen mit unterschiedlichen Warenmarkern. Wenn man sich gut auskennt und nicht zu lange überlegt, kommt man gerade eben auf eine Spielzeit unter zwei Stunden. Meistens dauert es aber länger. Dafür glänzt Ein Fest für Odin mit hoher Spieltiefe und unterschiedlichen Strategien, die alle zum Sieg führen können.  

Bei Gaia Project kolonialisieren Weltraumvölker eine ganze Galaxie voller Planeten. Dank unterschiedlicher Ressourcen und diversen Aktionsmöglichkeiten verfallen Erstspieler gerne in Optionsparalyse. 

Aquasphere zieht die Spieler in eine Unterwasser-Forschungsstation, wo sie vorprogrammierte Roboter Erz abbauen oder Oktopoden jagen lassen. Etwas weniger komplex als Ein Fest für Odin oder Gaia Project besitzt Aquasphere allerdings die Tücke, dass Handlungen immer einen Zug vorgeplant werden müssen - und so für alle anderen Spieler klar wird, was man als nächstes machen möchte.

Lieblingsspiele des Redakteurs

Die derzeitigen Lieblingsspiele des Redakteurs sind keine Leichtgewichte, sondern strategisch etwas anspruchsvoller. Dafür haben sie einen sehr hohen Wiederspielwert.

Terraforming Mars hat 2017 den Deutschen Spielepreis gewonnen: Mittels Projekt- und Ereigniskarten muss der Rote Planet zu einem gemütlichen Lebensraum geformt und die drei Faktoren Sauerstoff, Wasser und Temperatur an erdähnliche Bedingungen angeglichen werden. Die Spieler übernehmen dabei Konzerne, die unterschiedliche Start- und Spielvorteile mit sich bringen und die Taktik im Spiel vorgeben. 
Kaum ein Spiel ist derzeit so oft auf dem Tisch des Redakteurs wie Terraforming Mars. Es hat einen immens hohen Wiederspielwert und zeichnet sich durch eine gelungene Mischung aus Glück und Strategie aus. Optisch ist sicherlich Luft nach oben, dafür sind die einzelnen Projekte und Errungenschaften im Rahmen des Spiels naturwissenschaftlich fundiert. Kein Wunder: der Spiele-Autor ist Chemiker.

Ein deutlich schöneres Design besitzt Scythe, zu dem sogar schon ein Artbook erschienen ist: In einer osteuropäischen Steampunk-Welt kämpfen die Spieler um Ressourcen und Landschaften. Neben dem großartigen Spielmechanismus ist dies eines der wenigen Spiele, die man (mit Erweiterung) ohne Probleme mit bis zu sieben Spielern spielen kann.

Mombasa ist ebenfalls ein Gewinner des Deutschen Spielepreis. Gleich mehrere knifflige Mechanismen machen das Spiel um die Handelsherrschaft in Afrika zu einem echten Grübelspiel für Vielspieler.

Zum Redakteur: Tobias Hamelmann arbeitet als Verifikationsredakteur bei GEO. Als Gegenpol zur faktenreichen Arbeit spielt er im Freundeskreis Brettspiele, hält sich über die Branche auf dem Laufenden, besucht Spiel-Messen und besitzt zuhause mittlerweile eine veritable Sammlung.