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Die Welt mit anderen Augen sehen

Nahaufnahme Hasib lernt Deutscher

Vor einem Jahr kam der damals 16-jährige Hasib Azizi aus Afghanistan in Deutschland an. Wir baten ihn, die neue, fremde Welt zu dokumentieren. Er entdeckte: Männer in Frauenkleidern und Hunde mit Schleifen im Fell. Und seine Pflegeeltern lernten, dass Helfen manchmal bedeutet, nichts zu tun
Hasib, Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck

Wo bist du?

Das frage ich Hasib am Telefon. "Ich bin bei der Polizei, Nik, aber mach dir keine Sorgen. Ich war nicht gut drauf und hab in der Schule einen Jungen verprügelt. Sie sagen, um acht Uhr darf ich nach Hause gehen." "Hasib? Bitte was?", frage ich. Meine Gedanken rasen. Hasib ist 16 Jahre alt, er kommt aus Afghanistan und lebt seit einem Jahr bei uns.

Keine Straftaten, das haben wir ihm so oft gesagt, nur keine Straftaten, das zerstört deine Chancen auf Asyl! "Tut mir echt leid, Niklas", sagt er, "ich war einfach so wütend." Dann prustet er los. "April, April". Wir, Ronja und ich, haben Hasib in Kabul kennengelernt, als wir 2014 dort lebten.

Im Juni 2015 rief er uns aus Budapest an. Er war auf der Flucht, die ungarische Polizei hatte ihn aufgegriffen und in ein Camp für Minderjährige gebracht. Unser spontaner Entschluss: Wir holen ihn über die Grenze nach Deutschland, versteckt unter einer Decke auf der Rückbank eines Cabrios.

Er zog in eine Flüchtlingsunterkunft in Hamburg und, weil es dort so chaotisch zuging, später zu uns; wir berichteten über die Flucht im Magazin der "Süddeutschen Zeitung", ein Leser zeigte uns wegen Schleusung von Ausländern an, das LKA ermittelte eifrig, und Monate später stellte ein Staatsanwalt das Verfahren ein. Seit einem Jahr also ringen wir mit der Frage, was das eigentlich heißt: jemandem beim Ankommen in der Fremde helfen. Und vor allem: welche Rolle wir dabei spielen.

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