EINE REISE ZU DEN PINGUINEN

Reisebericht

EINE REISE ZU DEN PINGUINEN

Reisebericht: EINE REISE ZU DEN PINGUINEN

Von Mar del Plata in Südamerika mit dem kleinen eistauglichen Schiff MV Ushuaia nach Südgeorgien. Eine Insel an der Grenze der antarktischen Konvergenz. Die Heimat der Königspinguine...

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Königspinguine



FRÜHER UND HEUTE...

"Suche Freiwillige für gefährliche Reise. Niedriger Lohn, bittere Kälte, lange Stunden in vollständiger Finsternis garantiert. Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung nur im Fall des Erfolges."
(Sir Ernest Henry Shackleton in einem Inserat von 1907 für seine Expedition an den Südpol.)
Ungefähr 100 Jahre später kann der Beginn einer Reise in die antarktische Polarregion ganz anders aussehen: die bekannte Windows-Startmelodie erklingt in den Ohren, frisch dampft der eben gekochte Kaffee und das E-mail Programm ruft die ersten Nachrichten des Tages ab:
„Ihr Beitrag für die GEO-Reisecommunity: Mit bike & Boots durch Patagonien ist von unserer Redaktion unter die 100 besten gewählt worden. Bei der anschließenden Verlosung sind Sie als Hauptgewinner ermittelt worden. Freuen Sie sich auf eine 14tägige Expedition in die Antarktis und begeben Sie sich auf die Spuren des legendären Entdeckers Sir Ernest Shackleton. Hier am Südpolarmeer leben Millionen von Pelzrobben, über 300 000 Seeelefanten und -leoparden und Millionen Goldschopf-, Esels-, Zügel- und Königspinguine…“
(Auszug der E-mail von Dörte Brilling, Community-Redakteurin bei GEO.de)

Da die Rückkehr heutzutage eher gewiss, unsere Reise Mitte Oktober im dortigen Frühling startet und somit keine langen Stunden vollständiger Finsternis zu erwarten sind, ist sofort klar: dies ist für Steffi und mich eine willkommene Gelegenheit eines der letzten nahezu ursprünglichen Bereiche der Erde kennen zu lernen.



LEINEN LOS...

Blick von der MV Ushuaia auf...

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Armdick sind die Seile, mit der die MV Ushuaia im kleinen Hafen von Mar del Plata in Südamerika vertäut ist. Ein wenig größer habe ich mir unser Schiff schon vorgestellt, mit dem eine sichere Reise zwischen Eisbergen hindurch und über haushohe Wellen möglich sein soll. Ein Mitglied der Crew beruhigt mich gleich und sagt: „Ne, das ist super, dass die nicht so groß ist. Da rollt das Schiff die Wellen besser ab und bricht nicht auseinander. Außerdem ist es wie eine Boje konstruiert. Es richtet sich aus jeder Lage wieder auf.“ Ach so, na dann: Leinen los!

Da ich eher in den Bergen zu Hause bin, halte ich mich gleich nach dem Auslaufen an der Haltestange neben der Toilette wie an einem Klettersteig über gähnendem Abgrund fest. Den Seeleuten und einigen Seeerprobten aus unserer bunt zusammengewürfelten 78-köpfigen Gruppe macht das leichte Schlingern des Bootes bei herrlichem Sonnenschein und kaum merklichen Seegang natürlich nichts aus. Dank einiger chemischen Keulen bekomme ich die Seekrankheit vorerst in den Griff, zumindest während der mehrtägigen Überfahrt nach Südgeorgien und der Zeit in dortiger Küstennähe ist der Kreislauf in Schwung. Die folgenden Tage bescheren uns für diese Region untypisch viel Sonnenschein und kaum Wellengang. Eine Vielzahl diverser Seevögel und einige Finnwale begleiten unser stählernes Zuhause. Zahlreiche Vorträge mehrerer Gastlektoren über die aktuelle Pinguinforschung, Geologie und klimatischen Veränderungen der letzen Jahre sorgen für eine gelungene Abwechslung. Es bleibt auch genügend Zeit, in Ruhe die Mitreisenden kennen zu lernen. Berufsfotografen, Traveller, Naturbegeisterte und einige gutsituierte Damen und Herren bevölkern die MV Ushuaia, wie unser Schiff passend zum Zielhafen unserer Reise heißt. Hierbei handelt es sich um ein früheres Spionageschiff der Amerikaner, welches mit Verstärkungen am Rumpf für den harten Einsatz im Südpolarmeer umgerüstet wurde. Es ist eines der kleinsten Passagierschiffe in diesen Gewässern und dank ausgebildeter Antarktikexperten an Bord und diverser Sondergenehmigungen werden wir in Südgeorgien in Buchten und Regionen vordringen können, die den großen Reisedampfern verwehrt bleiben.



Eisberg im Morgenlicht



Riesensturmvogel

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Nach vier Tagen auf See heißt es „Land in Sicht“ und WAS für ein Land! Alpin anmutende Berge, die von großen Gletschern zerfressen werden, erheben sich am Horizont. Als i-Tüpfelchen wird dieses Panorama noch von zahlreichen in diesen Breiten bisher nicht so häufig vorkommenden Eisbergen und Schelfeisstücken gesäumt. Eines dieser schwimmenden Süßwasserblöcke hat mit 4x8km Kantenlänge die Ausmaße einer Insel. Da würde sich schon eine richtig gute Wanderung darauf unternehmen lassen. In Fortuna Bay rasseln erstmals die tonnenschweren Ankerketten und wir steigen in kleine motorbetriebene Schlauchboote, so genannte Zodiacs. Dies ist gar nicht so einfach, denn zunächst muss eine klapprige Treppe an der Bordwand hinunter gestiegen werden und dann gilt es den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, um in das auf den mehreren Meter hohen Wellen auf- und abtanzende Gummiboot zu steigen.





Südgeorgien -Die Insel der Glescher und Berge-



DER ERSTE LANDGANG...

Massige Seeelefanten, Seelöwen und Robben liegen gleich hinter der Wasserlinie am Strand. Besonders die ohrenbetäubend lauten „Rülpser“ der Seeelelefanten sorgen auf den ersten Metern für ein mulmiges Gefühl. Einige Stunden erkunden wir die Umgebung, sehen die ersten Königs- und Eselspinguine, und der ein oder andere Mund bleibt vor Staunen und Begeisterung offen. Da die Wetterlage stabil ist und auch der Seegang es zulässt, schippern wir weiter, um Prion Island zu erkunden. Hier nisten zwischen meterhohem Tussock-Gras einige Wanderalbatrosse, die zu dieser Jahreszeit kurz vor dem Schlüpfen ihres Nachwuchses stehen.



Königspinguine


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Kommentare

  • ulandra

    Was für ein wunderbarer Bericht und wieder mal eine Masse genialer Fotos, wie gut, daß Du die Reise gewonnen hast und nicht einer von den Normalknipsern, wozu ich mich leider auch zähle, wenn ich Deine Bilder sehe..... Auf diese Weise haben wir aber auch etwas davon, mir wäre es sowieso viel zu kalt da! Aber Du bist für diese Aufgabe sozusagen prädestiniert. Vielen Dank für diese herrlichen Aufnahmen
    Herzliche Grüße ulandra

  • astrid

    Ein eindrucksvoller Bericht und beneidenswerte Fotos die mein Herz höher schlagen lassen: Da möchte ich auch gern mal hin! Die Aussicht auf Windstärke 11 lässt mich diesen Gedanken allerdings ganz schnell wieder verwerfen.
    Herzlichen Gruß Astrid

  • Zypresse

    Steffi und Martin, ein ganz ganz toller Bericht. Bei mir zumindest verfestigt er den dringenden Wunsch: da muss ich hin...
    Schön geschrieben, tolle Fotos - Danke für's mitnehmen in Gedanken und Bildern über diesen Beitrag in der community.
    Grüße von Zypresse

  • Sahara

    Vielen Dank für so einen tollen Bericht! Die Reise muss genial gewesen sein ... auch wenn ich vermutlich tausend Tode gestorben wäre ... Windstärke 11 ... die Antarktis wird für mich wohl immer nur ein weit entfernter Zipfel der Welt mit unwirtlichen Reiseverhältnissen bleiben :-)

  • AnneMarieB

    Tolle Bilder und ein sehr unterhaltsamer Bericht..bringen mir dieses Fleckchen Erde ein ganzes Stück näher...vielleicht sollte ich mal statt nach Afrika in diese Ecke "schauen"
    l G Annemarie

  • windweit

    Oh, oh, mein Polarvirus feiert gerade wieder fröhliche Urständ. Danke für den eindrucksvollen Bericht und die tollen Photos. Die Antarktis hat schon was. Definitiv. Auch bei Windstärke 11.
    Grüsse, Gabi

  • winni

    Leider geht eine schöne Reise auch zu Ende. So konnten wir die Reise auch noch einmal verfolgen. Klasse. vg winni

  • nach oben nach oben scrollen
  • widix

    Ein mitreissend geschriebener Reisebericht, bei dem man sich wünscht, selbst einmal nach Südgeorgien zu schippern - allerdings könnte auch ich auf Windstärke 11 verzichten...
    Geniale Bilder. Du kannst wirklich toll fotografieren, v.a. die Tierbilder haben es mit angetan.

  • waypoints

    Super Bericht, gewohnt tolle Fotos. Gratulation.
    Edy

  • RdF54

    Was für ein TOLLER Berich mit eindrucksvollen Fotos!!
    Da will ich auch hin!! :-)
    Klar, volle Punktzahl!

    LG Robert

  • Suedschwede

    Ein lesenswerter Reisebericht mit tollen Bildern! Macht ja richtig Lust auf dieses Land! Außerdem bin ich noch nie Seekrank gewesen, könnte also die Seereise sogar noch genießen!

    Bärbel

  • Petra.Goepfert61

    Oh, da bin ich fast ein bißchen neidisch auf deine/eure Reise. Es weckt schöne Erinnerungen an meine Last-Minute-Kreuzfahrt von Ushuaja nach Punta Arenas mit einem MS gleicher Größenordnung und fachkundigen Einführungen vor täglich mehrfachem Zodiakausflug oder/und Landgang. So eine Reise bringt unvergessliche Eindrücke - sehr gut dein Bericht! Liebe Grüße von Petra

  • siro.reise

    Hola,
    toller Bericht mit super Fotos,
    gratuliere
    Gruß Robert

  • nach oben nach oben scrollen
  • Asterix2

    Hola Steffi und Martin,
    ein toller Reisebericht, der mein Herz höher schlagen läßt, da ich im Februar
    auch eine ähnliche Reise in die Antarkti unternehme.
    Euer Bericht weckt die Vorfreude und ein Kitzeln im Bauch.
    Herzlichen Dank.
    Maria
    asterix2

  • mosaik (RP)

    Ich bin erst heute über deinen Bericht "gestolpert". Eine gute Schilderung, wie es bei so einer Reise zugeht. Eben "am Ende [unserer] der Welt". Einige deiner Bilder sind wirklich sehr eindrucksvoll! Herzliche Grüße Peter alias mosaik

  • peter.e

    Ja, ein interessanter Reisebericht mit beeindruckenden Fotos. Besonders gut gefällt mir der "Begleiter des Schiffs bei der Fahrt in Richtung Antarktis".

    Weitere Literaturempfehlungen:

    - "Antartic Oasis. Under the Spell of South Georgia" von Tim und Pauline Carr.
    - GEO-Heft 04.1990 "Mit drei Kindern im eisigen Eis"
    - mare-Bildband "Südgeorgien" (erscheint im Herbst 2014)

    Gruß,
    Peter

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