Reisebericht

Reisebericht: Donau-Kreuzfahrt

 
 
 
 
 
Reisebericht: Donau-Kreuzfahrt

Mindestens 2000 Euro kostet eine 14-Tage-Flusskreuzfahrt auf der Donau. Das Geschäft boomt wie kein anderer Reisemarkt. Ist die Passage ihr Geld wert? Wer sind die Passagiere? Wie sieht der knochenharte Job von Matrosen, Kellnern und Zimmermädchen hinter den Kulissen der Luxusliner aus? Ein kleiner Einblick ...

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Ausschiffung in Passau

 
 
 
 
 

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Montag, 17 Uhr: Der Saxophonist stimmt auf dem Sonnendeck „Moon River“ an. Plötzlich blinzelt die Sonne aus dem bis dahin Wolken verhangenen Himmel. Björn, der Barkeeper, mischt auf einem weiß gedeckten Tisch „Kir Royal“. Erwartungsvoll greifen die Gäste zum Glas. „Auf eine gute Reise!“, prostet Klaus, der Kärntner Hotelmanager, seiner Crew zu. Die MS Bolero, eine von 92 Kreuzfahrtschiffen auf der Donau, beginnt in der Dreiflüssestadt ihre Reise zum Schwarzen Meer. Knapp 2000 Flusskilometer liegen vor uns, 12 Schleusen, sechs Länder, und vier europäische Hauptstädte.

„Vorsicht, Kopf einziehen, sonst wird er abrasiert“, ruft Klaus. Sekunden später ducken sich die Passagiere auf dem Sonnendeck. Kurzer Nervenkitzel. Knapp über ihren Köpfen saust eine mächtige Konstruktion aus Stahl und Nieten hinweg – die Passauer Hängebrücke.

Kreuzfahrt, so lernen wir in den ersten Minuten, kann gefährlich sein. Die Geschichte vom Kapitän, der von einer Donaubrücke bei Wien geköpft wurde, macht die Runde. Bei Hochwasser zählt jeder Zentimeter, um Brücken zu durchfahren. Jetzt verstehen wir, warum selbst die Kajüte des Kapitäns versenkbar ist wie das Fernrohr eines U-Boots. Notfalls wird auch mit Tricks gearbeitet. Das Schiff wird im Kiel geflutet, um noch zwei, drei Zentimeter tiefer zu tauchen.

Aus der Lederstadt Offenbach sind Helga (67) und ihr Ehemann mit dem Bus angereist. Zu ihm war der Hotelmanager eine halbe Stunde vor Abfahrt gar nicht nett. „Dann muss ihre Frau hier bleiben!", herrschte er den hessischen Rentner an. Helgas Reisepass hat nicht mehr die vorgeschriebene Gültigkeit von mindestens sechs Monaten. „Meine alte Sehbrille, ich habe 2006 statt 2005 gelesen“, entschuldigt sie sich später für das Missgeschick.

Warum sind die Bestimmungen auf dem Schiff so streng? „Wir verlassen hinter Ungarn den Schengener Raum. Verstöße werden mit hohen Strafen geahndet“, erklärt Klaus.

Helga durfte doch noch mit: Ein Taxi bracht sie zur Passauer Polizeidirektion, dort verlängerten die niederbayerischen Beamten ihr Dokument. „Ich habe noch nie so freundliche Polizisten erlebt, so hilfsbereit und schnell“, schwärmt Helga hinterher. Immerhin haben sie ihr die wertvolle Urlaubsreise gerettet.

Das Bordpersonal trägt weiße Hemden von der Passauer Eterna-Fabrik und Namenschilder mit Fähnchen, die ihre Nationalität verraten. Ein kroatischer Kapitän, ein serbischer Steuermann, ein Tiroler Restaurantleiter, ein slowakisches Zimmermädchen, ein Berliner Koch....

Björn, der Barkeeper, ist ein echtes Münchner Kindl. Wir bestellen Martini-Cocktail. "Aha, der Bartest", lacht Björn. „Möchten sie ihn eher süß oder staubtrocken?“ Gestern war Björn noch zweiter Barmann auf der MS Flameco, seit heute ist er Barchef der Bolereo. Die Fluktuation beim Personal ist hoch und der Verdienst ist nicht gerade üppig. 1000 Euro im Schnitt pro Monat. 7-Tage-Woche, 9-Stunden-Tag, nur zwei Wochen Urlaub in der Saison von März bis Oktober. „Der Job hat einen Vorteil, man kann sein Geld nicht ausgeben“, sagt Björn.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • milez 13.01.2009 | 14:41 Uhr

    Das mit dem blinzeln ist aber lustig! xD

  • ToniE 13.01.2009 | 18:31 Uhr

    Endlich eine sachliche Auseinandersetzung mit den Vorurteilen bei Kreuzfahrten. Sicherlich fundierter als meine Polemik in
    http://www.geo-reisecommunity.de/reisebericht/13212/1/Mit-der-Deutschland-von-Hamburg-bis-Sylt-eine-Polemik
    Und das alles noch sehr schön geschrieben.

  • DoerteBrilling 14.01.2009 | 10:46 Uhr

    Sehr, sehr gelungen!

  • pwferus 20.01.2009 | 21:37 Uhr

    Macht Lust auf eine Kreuzfahrt.

  • Ulich 31.01.2009 | 19:17 Uhr

    Ich bin begeistert. Verdruss und Genuss mit Humor geschildert. Man ist sozusagen hautnah dabei. Kreuzfahrt mit allen Höhen und Tiefen - im wahrsten Sinne des Wortes.
    Gruß Beate

  • Schoena 23.02.2009 | 14:07 Uhr

    Hat mit sehr gut gefallen. Woher kommen die vielen Fakten? Und sogar in der Küche durfte Fotografiert werden?!

  • fhaid 09.04.2009 | 18:11 Uhr

    Sehr gut und vor allem humorvoll. Auch die Bilder sind sehr gut! Hat Spaß gemacht zu lesen. Lg Florian

  • nach oben nach oben scrollen
  • mamaildi 14.04.2009 | 15:28 Uhr

    Toller Bericht! Wenn die Bolero so viel Tiefgang gehabt hätte, wie euer Bericht, wärt ihr sicher ziemlich schnell aufgelaufen... Die Bilder dazu sind das Sahnehäubchen, gut forografiert und Motive ausgewählt, die in keinem Reiseführer/Katalog so zu finden sind.
    LG Ildiko

  • RdF54 02.06.2009 | 22:32 Uhr

    Leicht und humorvoll von Dir geschrieben und mit schönen Fotos belegt!

    LG Robert

  • Tim-L 04.06.2009 | 15:50 Uhr

    Danke für eure Kommentare!

  • mamatembo 20.06.2009 | 15:26 Uhr

    Hallo Tim,
    bin quasi zufällig und erst jetzt über Deine Kreuzfahrt gestolpert. Ein sehr interessanter und kurzweiliger Bericht mit anschaulichen Fotos!
    Und für mich wieder die Bestätigung dafür, weiterhin auf eine Kreuzfahrt zu verzichten. Ich würde garantiert mehr als nur 10 Pfund zulegen, und so viel Disziplin wie Christine aus Aschaffenburg hätte ich bestimmt nicht!
    :-)) Beate

  • Blula 30.10.2009 | 23:26 Uhr

    Hi Tim !
    Klasse Bericht von Dir, den ich besonders aufmerksam gelesen habe, da ich vor zig Jahren (ca. 30!! ) auch auf der Donau gekreuzt bin... vom Schwarzen Meer bis Wien. Das Schiff hieß damals Oltenica, und war zu der Zeit vergleichsweise von recht bescheidener Ausstattung... aber die Reise war wunder-wunderschön und das Wetter ganz herrlich. Habe mich beim Lesen Deines Berichtes an Vieles erinnert, so z.B. auch an dieses Brückenabenteuer in Novi Sad... ein wahres Schauspiel. Danke Dir, dass Du hier so viele Erinnerungen in mir geweckt hast. .. 5 Punkte von mir!!
    LG Ursula

  • poseydon 16.11.2009 | 21:41 Uhr

    Auch wenn mich die Schiffstouris (und die Kurbadenden), die ständig vor meinem Fenster standen, um die Veste Oberhaus abzulichten, tierisch genervt haben: Dein Text ist wirklich gut! :-)

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  • cirrus 13.01.2012 | 17:45 Uhr

    Auch jetzt noch gut !!!
    Bin beim Stöbern auf Deinen schönen Bericht gestossen...
    hat viel Freude gemacht Dich / Euch zu begleiten.
    LG Christel

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