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Reisebericht: In 75 Tagen um die Welt - Teil II
Aus dem Reisetagebuch eines Backpacker-Oldies (39 Jahre), der mit einem Round-the-World-Flugticket vor allem Neuseeland bereist.
Was bisher geschah
Ich flog zunächst nach Bangkok, wo ich preiswert einkaufte. Über Sydney ging es dann weiter nach Auckland, wo ich mir einen Mietwagen für sieben Wochen nahm. Damit fuhr ich bis nach Wellington, nahm dann eine Fähre zur Südinsel und fuhr weiter bis zum Ausgangspunkt des Abel Tasman Coastal Tracks.
Viel Spaß beim Lesen der Auszüge aus meinem Reisetagebuch. Der zehnteilige Bericht ist deswegen recht persönlich und ausführlich.
Kapitel 4 - Abel Tasman Coastal Track
Diese viertägige Wanderung habe ich mir als Generalprobe für den Milford Track ausgesucht. Der Track ist ein 44 km langer Wanderweg, der immer der Küstenlinie folgt. Manchmal geht es durch den Wald, manchmal am Strand entlang. In Hütten oder Zelten kann übernachtet werden. Strom oder fließendes Wasser gibt es nicht. Am Eingang des National Parks trage mich in das dort liegende Track-Buch ein und beginne den Abel Tasman Coastel Track.
Das Wetter ist herrlich, ich wandere die ersten zwei Stunden in kurzer Hose und T-Shirt vorbei an herrlichen Buchten mit leeren Stränden. Die dritte Stunde führt durch den Wald. Unterwegs begegnen mir ständig Wanderer, die in die andere Richtung unterwegs sind. Man grüßt sich stets freundlich. Gegen Mittag liegen 11,5 km hinter mir und ich bin bereits am ersten Etappenziel, der Anchorage Bay angekommen.
Ich stelle meinen Rucksack in die Hütte, die aus einem Aufenthaltsraum mit Kochgelegenheit und zwei Schlafräumen mit jeweils 12 Matratzen besteht. Erschöpft vom Tragen des knapp 20 kg schweren Rucksacks lege ich mich an den Strand der Bucht. 23 weitere Wanderer treffen nach und nach ein. Bereits gegen 20.00 Uhr schlüpfe ich mit leichten Kopfschmerzen in meinen Schlafsack und schlafe sofort ein.
Am 2. Tag stehe ich gegen 8 Uhr auf, da auch die meisten anderen bereits aufgestanden sind. Gott sei Dank sind die Kopfschmerzen vom Vortag erst mal weg. Ich frühstücke, fülle meine Wasserflasche, packe meinen Rucksack und mache mich um kurz vor neun auf die 2. Etappe nach Bark Bay. Unterwegs laufe ich durch Priele, durch Watt, Wald und über eine Hängebrücke. Um halb 12 bin ich bereits am Ziel, aber die 9,5 km haben mich ziemlich geschafft. Nicht wegen des Wanderns, sondern wegen des ungewohnten Tragens des schweren Rucksackes.
Neben der Bark Bay Hütte hat das DOC (Department of Conservation = Nationalparkbehörde) am Waldrand eine kalte Dusche eingerichtet, das erfrischt herrlich. Danach gehe ich an den Strand und lege mich eine Stunde in die Sonne. Ich gehe zur Hütte und die Kopfschmerzen kommen zurück. Daher gehe ich erneut früh schlafen.
Persönliche Meinung von bernie-99:
Da ich als Backpacker reiste, war ein großer Rucksack schon mal vorhanden. Für meine beiden viertägigen Wanderungen (Abel Tasman und Milford Track) nahm ich aber nicht mein ganzen Gepäck mit, sondern ließ das meiste im letzten Backpacker. In den Rucksack kam nur: ein Schlafsack, Schlaf-Klamotten, Regenjacke und -hose, Koch- und Essgeschirr (ein leichter Topf, mehr
Nach einer fürchterlichen Nacht mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Moskitosurren in den Ohren stehe ich am 3. Tag um halb neun auf und mache mich nach einem Frühstück mit Nutella-Toast und Müsli-Riegel auf die 3. Etappe. Knapp 12 km sind heute in vier Stunden zu erwandern. Der Weg führt durch schönen Wald und ist hügelig. Nach etwa zwei Stunden bin ich wieder an der Küste und erreiche den Onetahuti Beach. Ein ein Kilometer langer, leicht geschwungener sauberer Sandstrand ohne Menschenseele. Ein toller Anblick. Leider fängt es an zu regnen, und ich ziehe meine Regenjacke an. Nachdem ich den Strand in voller Länge durch den weichen Sand entlang gegangen bin, führt der Weg wieder in den Wald, und der Regen hört wieder auf.
Nach insgesamt drei Stunden erreiche ich die Awaroa Lodge, eine bewirtete Hütte im National Park. Dort bestelle ich Reis mit Huhn für 10€. Ich muss mich ein wenig beeilen, denn ich muss auf dem Weg zum heutigen Etappenziel, der Awaroa Hütte noch einen Fluss überqueren, und am Nachmittag soll das wegen der steigenden Flut dann nicht mehr möglich sein. Ich schaffe es aber rechtzeitig und komme gut über den Fluss. Die letzte halbe Stunde geht es wieder am Strand entlang durch den weichen Sand. Ich bin ziemlich kaputt und die Hütte will und will noch nicht auftauchen. Gegen 13.15 Uhr bin ich endlich da. Ich lege mich erst einmal aufs Ohr. Die anderen Wanderer treffen nach und nach ein, teilweise bis zur Hüfte nass, weil sie durch den inzwischen angestiegenen Fluss waten mussten. Ich freue mich, dass ich mich beeilt habe.
Abends unterhalte ich mich mit den anderen. Die Kopfschmerzen sind heute nicht so stark. Ich gehe am Strand spazieren, die Kopfschmerzen verschwinden gänzlich. In der Hütte unterhalte ich mich mit anderen Wanderern (Inka und Jan aus Düsseldorf, Annett aus Schwerin, Helena aus England und drei Australiern) bis 23.15 Uhr bei dem Licht einer einzigen Kerze, an der wir alle dran „herumdoktoren“. Das macht Spaß, der bisher schönste Abend in Neuseeland.
Ich friere im Schlafsack, aber den anderen geht es auch nicht besser. Morgens wärme ich mich in der Sonne. Mir geht’s gut, keine Kopfschmerzen, keine Rückenschmerzen. Vielleicht lag es an der fehlenden warmen Mahlzeit. Für die heutige Etappe nach Totaranui (5,5 km) muss zunächst das Awaroa Inlet überquert werden, das geht jedoch nur bei Ebbe. So warte ich zusammen mit Inka, Jan und Annett bis 11.00 Uhr, ehe wir losmarschieren. Zum Durchwandern die Priele ziehen wir unsere Schuhe aus und laufen in Sandalen. Bis zu den Knien stehen wir im Wasser. Weiter geht es durch Wald und an Stränden entlang (Goat Bay Beach). Unterwegs treffen wir immer mal wieder auf Volker und Sabine aus Freiburg. Nach einer Rast an einem tollen Aussichtspunkt mit Blick auf zwei wunderschöne Strandabschnitte sind wir gegen halb zwei in Totaranui. Dort gibt es neben dem tollen Strand einen Campingplatz und eine Visitor Information. Telefonisch bestelle ich mir für die Rückfahrt ein Wassertaxi um 15.15 Uhr. Dann gehen wir an den Strand und springen ins Meer. Herrlich!
Später verabschieden wir uns voneinander, bevor wir mit mehreren unterschiedlichen Wassertaxis zurück nach Marahau gefahren werden. Die Wassertaxis bestehen nur aus einer Alu-Schüssel aber mit 225-PS-Motor. 15 Personen haben Platz darin. Auf dem Weg zurück werden an mehreren Stränden Wanderer und Kajakfahrer eingesammelt. Bei Tonga Island können wir vier Seehunde entdecken. In Marahau schließlich fährt das Boot auf einen im Wasser bereitstehenden Anhänger. Mit einem ebenfalls im Wasser stehenden Traktor werden wir rausgezogen und im Boot durchs Dorf gefahren, das ist eine lustige Erfahrung.
Ich steige im Marahau Beach Camp, wo ich wieder reserviert hatte, aus und verabrede mich mit Volker und Sabine zum Abendessen. Im 15-Betten-Backpacker bin ich heute ganz alleine. Am letzten Freitag war noch alles voll. Ich gehe mit Sabine, Volker, Inka und Jan zum Dinner ins Park Cafe. Wir reden, essen und trinken den ganzen Abend. Jan und Inka sind schon seit sieben Monaten unterwegs und haben noch zwei bis vier Monate vor sich. In Asien und Australien waren sie schon, als nächstes soll es nach Südamerika gehen. Ihre Jobs haben sie dafür aufgegeben. Volker und Sabine erzählen mir, sie hatten versucht, Tickets für den Milford Track zu bekommen, doch im August letzten Jahres waren schon alle Tickets vergriffen. Und direkt vor Ort haben sie auch nix bekommen. Da habe ich ja wirklich mehr Glück gehabt. 130€ geben wir fünf zusammen an diesem Abend aus, aber egal, es war mein bisher bester Tag in Neuseeland.
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