Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.
Reisebericht: Im Wohnmobil zum Süden Frankreichs
Gemächliche Anreise mit vielen Höhepunkten:
Übernachten in königlicher Höhe - Hochkönigsburg
Spuren einer schönen Frau aus dem Mittelalter
Zwischen freilebenden Störchen
Familienstreit der Reiher
im Land der tausend Teiche
Elsass - Besancon -
Anfahrt über das ELSASS
Schlettstadt - Egisheim - Besanon - Bresse - Teiche der Dombs
Der Geschäftige ist unterwegs, um anzukommen. Der Genießer reist, um zu erleben.
Zur Ferien- oder Bildungsreise gehört die Anfahrt. Im rollenden Appartement kann der unvermeidliche Zeitaufwand dafür für Reise- uns Seherlebnisse voll genutzt werden. In diesem Kapitel sind einige alternative Touren beschrieben mit Hinweisen auf das en passant erreichbare Zusatzerleben.
Wenn Sie Frankreich bei Strassburg betreten, kommen Sie durch eine berühmte Stadt, die einen ausgiebigen Stadtbummel lohnt.
Die Schöne Frau
Man kann aber auch „über die Dörfer" fahren: Verlassen Sie einige Kilometer südlich von Kehl die Autobahn (A5) bei ETTENHEIM und passieren Sie ganz romantisch den Rhein per Fähre nach BOOFSZHEIM. Auf der französischen 468 kommen Sie in wenigen Minuten nach SÉLESTAT (Schlettstadt) Diese Stadt bietet vom Mittelalter her einige ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten: In der Krypta von „St.Fides", französisch „St.Foy", einer massigen Kirche aus der Stauferzeit, wurde 1892 die Büste einer schönen Frau entdeckt.
Mit ihr hat es folgende Bewandtnis: Bei Bauarbeiten fand man in St.Fides einen Block aus Kalkmörtel. Er war innen hohl, wurde mit Gips ausgegossen und zeigte dann „das besterhaltene Antlitz eines mittelalterlichen Menschen", wie die Fachleute sagen. Es handelt sich wahrscheinlich um die achthunder Jahre zuvor, 1094, verstorbenen Staufermutter Hildegardis.
(Näheres dazu in „Der Jungfraufels" vom gleichen Verfasser, im Silberburgverlag Stuttgart.)
Das Original des Abgusses befindet sich in der sehr sehenswerten Humanistenbibliothek, nicht weit von dieser Kirche. Deren Leiter, Herr Meyer, legt großen Wert auf die Klarstellung, dass diese 1452 gegründete Bibliothek nichts mit Kirche oder Klöstern zu tun hatte, und stets eine öffentliche Bibliothek war. Sehenswert in Schlettstadt sind noch die hervorragend gestalteten und an Ort und Stelle sehr gut beschriebenen Glasfenster in der Kirche von St.Georg, wenige Schritte weiter, und eine ganz tierfreundliche Attraktion:
Es klappert der Storch
Wenn Sie sich so richtig auf eine freundliche Erholungsreise einstimmen wollen, verlassen Sie die Stadt in Richtung Vogesen. Dann kommen Sie an der großen Storchenaufzuchtstation vorbei, die zur Besichtigung einlädt. Wenn Sie Kinder dabei haben, sollten Sie das unter gar keinen Umständen nicht versäumen. Mit fahrbarem Appartement können Sie sich den Aufenthalt ja leisten.
Aber selbst wenn Sie eilig sind, lohnt ein kurzes Einparken auf dem großen Platz zwischen Straße und Foliere. Dort sind richtige Storchenfamilien in ihren Nestern zu sehen. Deutlich hört man das harte Klappern der langen Schnäbel. Auf und neben dieser Foliere, die aus einem riesigen zeltartig aufgehängten Netz besteht, sind weitere Storchennester. Ein Pärchen spielt ungeniert sein Liebesspiel im niedrig aufgebauten Nest. Von Touristen mit Ferngläern und Kameras lassen sie sich nicht dabei stören.
Die Vögel fliegen frei herum wie die Spatzen, überqueren die viel befahrene Ausfallstraße sowie die quer dazu laufende Autobahn A35, und fliegen geschickt zwischen unzähligen Hochspannungsleitungen durch, bringen im Anflug Zweige für den Nestbau mit. Der Fahrer eines kleinen roten Autos tritt erschrocken auf die Bremse, als ein Storch mit ausgefahrenem Laufwerk über die Straße schwebt, niedrig und schwer beladen wie ein Rosinenbomber.
Es gibt im ganzen Elsass Störche, die „ordnungsgemäß" auf Dächern und Kirchtürmen brüten, z.B. in Egisheim, einem sehenswerten Städtchen mit alter Stadtmauer und Weinproben in gemütlichen Winzerhöfen. Von dort stammt übrigens jene vornehme Frau Hildegardis, von der oben die Rede ist.
Doch zählen wir auch in einem kleinen privaten Gartengrundstück zwischen zwei Ortschaften nicht weniger als elf Störche. Der Besitzer hat sich seine Gartenlaube mitten zwischen die Storchennester gebaut. Die großen Vögel fliegen und stelzen frei darum herum wie Hühner.
Ein majestätischer Schlafplatz
Übernachten: Hier noch ein ganz besonderer Tipp: Wir haben einmal nach Besichtigung der Hohkönigsburg (reichliche Ausschilderung ab Schlettstadt „Haute-Koenigsbourg“) dort am Abend abgewartet, bis Tische und Stühle vor dem Kiosk am Straßenrand eingesammelt waren. Auf der so freigewordenen Ebene direkt an der talseitigen Mauer konnten wir einparken. Diese Terrasse liegt einige hundert Meter über dem Rheintal. Dort hatten wir dann ein seltenes Glück: wir befanden uns höher als ein Regenbogen, der sich im Anschluss an ein infernalisches Gewitter aus dem Nebel hob, mit den Schwarzwaldbergen im Hintergrund. Unwillkürlich erinnerten wir uns der kindlichen Erklärung, dass ein Regenbogen aus zwei Näpfchen an seinen Enden entwachsen sei, und suchten mit den Augen danach zwischen den Bäumen der Vogesen. Die Abendsonne zeichnete den Bergschatten als spitzes Dreieck ins Land.
Die Bresse - weiß von Huhn bis Rind
Der Kenner zieht genüsslich Augenbrauen und Nasenspitze hoch, wenn die Rede ist vom Huhn der Bresse. Dessen Fleisch sei so köstlich, dass selbst die verwöhnten Franzosen es am liebsten einfach gebraten essen, ohne Saucen oder Gewürze. Restaurants, in denen Sie das genießen können, finden Sie leicht in diesem Gebiet um BOURG EN BRESSE, denn jeder Wirt dort bietet Gutes. (Prospekt mit Adressen: Comité du Tourisme, F 01002 Bourg-en-Bresse).
In der genannten Stadt, die durch riesige Parkplätze auf enormen Fremdenverkehr vorbereitet ist, lohnt der Besuch der riesigen spätgotischen Kirche, die als eine der bestbesuchten Bauwerke ganz Frankreichs gilt. Noch schöner ist es, eine mit dem Zeichen des Huhns ausgeschilderte Rundfahrt über Land zu machen. In reizvoller Landschaft sieht man auf grünen Wiesen neben großen Herden weißer Hühner auch weiße Rinder, weiße Pferde und weiße Hunde. Dass auch die Häuser vorwiegend weiß gehalten sind, überrascht nicht. Bei alten Häusern sieht man sarazenische Schornsteine und schwere Dächer über schönen Fachwerkkonstruktionen.
Übernachten: Wir haben bei dieser Fahrt auch einen hübschen Übernachtungsplatz gefunden: Auf einem Parkplatz neben einem Feldweg, nicht weit von einem Hühnerhof, dessen Umgebung morgens gegen acht zum weiß gesprenkelten grünen Teppich wurde. Wo Sie keinen ähnlichen Platz mögen, fahren Sie einem der vielen Schilder nach zu einem „Camping a la Ferme“.
Tausend Teiche voller Fische
Im frommen Mittelalter machten die frommen Fastenden in aller Bescheidenheit das Beste aus dem Problem, sich wochenlang kasteien zu sollen und auf leckere Braten zu verzichten. In sophistischer Auslegung des Begriffes Fleisch erklärte man das Fleisch von Fischen zu "Nicht-Fleisch", in Anlehnung an jüdische Regeln, und an die Stelle leckerer Braten traten nicht weniger schmackhafte Fischgerichte.
Um den Bedarf zu decken ließen Adel und Klerus in der Hochebene zwischen BOURG und LYON so viele Fischteiche anlegen, dass heute ihr Abbild der Landkarte als blaugesprenktelter Flickenteppich erscheint. Diese Fischteiche, laut Prospekt sollen es eintausend sein, werden auch heute noch sehr rationell bewirtschaftet und liefern jedes Jahr 2000 Tonnen Fische und Frösche in die französischen Küchen. Dass sich eine Unzahl von Wasservögeln an diesem Segen beteiligen, erfreut den Naturliebhaber. Wir konnten dort eine sehr menschlich anmutende Romanze beobachten, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Ort des Geschehens war unser Übernachtungsplatz, den Sie auch ansteuern können.
Übernachten:Doch gleich in der Nähe, zwischen Straße und Seeufer, ist ein für Wohnmobile nicht gesperrter Bereich, der zum Übernachten auch gerne von den Leuten benutzt wird, die tagsüber zum Baden weiter unterhalb am See fahren. An einigen dieser Plätze ist der Aufenthalt von Wohnmobilen nach 22 Uhr verboten.
Der Nebenbuhler
In dieser rechten Ecke ist ein Fischreiherpärchen beim Abendessen. Die beiden stelzen durch das seichte Wasser, spießen sich hie und da einen Fisch heraus, scheinen nicht ganz einig zu sein, doch nach geraumer Zeit beginnen sie zaghaft zu schnäbeln und die Hälse umeinander zu winden.
Da taucht ein Rivale auf! Sie zeigt Interesse für diesen Kerl.
Er spielt den wilden Mann. Nein, er ist einer! Mit weit vorgerecktem spitzem Schnabel fliegt er den andern scharf an, Wasser spritzt auf, Treffer, Abbremsen, Abbruch der Luftströmung, Notlandung, Wende, Angriff zu Fuß, Flügelschlagen, Wasser spritzt auf, Start, Anflug. Mal greift der eine aus der Luft an, mal der andere. Madame hält sich raus, steht unschlüssig dabei, stochert gelegentlich im Schlamm, tut, als ginge sie das alles gar nichts an, dann wieder verfolgt sie das Geschehen aufmerksam wie ein Schiedsrichter beim Fußball. Der Kampf geht länger als eine Stunde. Dann fliegen alle drei weg. In verschiedene Richtungen. Zehn Minuten später: Sie kommt zurück. Er kommt zurück. Er balzt. Sie dreht ab, wendet heimlich den Kopf in seine Richtung, aus Versehen natürlich, sie ist ja eine Frau. Er stochert traurig im Schlamm, fängt nicht ein Fischlein. Als nach einer weiteren halben Stunde das Licht zu schwach geworden ist für unser Taschenfernglas, hat es noch immer keine Versöhnung gegeben.
Wenn Sie auch einen Abend dort verbringen, schreiben Sie uns doch bitte, wie es jetzt um die beiden steht.
Von dort aus führt der Weg in Frankreichs Süden über Lyon durch das Rhônetal direkt in die Camarque.
Lesezeichen für diesen Reisebericht setzen bei ...
-
Mister Wong
-
Google Bookmarks
-
YiGG
-
del.icio.us
-
Digg
-
StumbleUpon
-
Magnolia
-
Webnews
Bookmark in Ihrem Browser speichern Schließen