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Reisebericht: Gorilla-Trekking in Zentralafrika (Gabun)

 
 
 
 
 
Reisebericht: Gorilla-Trekking in Zentralafrika (Gabun)

Auf den Spuren von Dr. Michael Fay ging es zu den (westlichen Flachland-) Gorillas im zentralafrikanischen Regenwald.
Außerdem werden die Schwierigkeiten, in Zentralafrika zu reisen, beschrieben.

Allgemeines

In Bezug auf Afrika kann man die meisten Nichtafrikaner in zwei Gruppen unterteilen: Die Einen, die niemals einen Fuß auf diesen Kontinent aus Furcht vor unbekannten Gefahren setzen, oder die nur einmal da waren, es ihnen aber aus unterschiedlichen Gründen nicht gefiel. Und die Anderen, die einmal da waren, sich vom "la maladie d’afrique" anstecken ließen und dadurch immer wieder nach Afrika reisen müssen. Wie Sie sich vorstellen können, gehöre ich zu letzterer Gruppe. Und neuerdings habe ich das Glück, einen Menschen gefunden zu haben, der vom selben Virus infiziert ist, so dass ich nicht mehr alleine reisen muss. Meine Frau hatte einige Länder in West- und Ostafrika gesehen, bei mir waren es Ost- und Südafrika. Was fehlte, war Zentralafrika (das Afrika der und nördlich der Sahara lasse ich hier einfach mal unter den Tisch fallen). Außerdem war das Kongo-Gebiet schon lange ein Traum von mir.

Dummerweise sind die Staaten in Zentralafrika nicht die sichersten für Touristen. Im größten Land, der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaire) herrscht immer mal wieder Bürgerkrieg. In der westlich davon liegenden Republik Kongo (auch Kongo-Brazzaville genannt) ist es weniger gefährlich, das Auswärtige Amt warnt dennoch vor dem Besuch in bestimmten Gegenden. Kamerun und die Zentralafrikanische Republik (ZAR) kamen für mich nicht infrage, da ich mit meinen Touristendollars die Politik in diesen Ländern (Kahlschlag des Regenwaldes, Töten und Essen aller Tiere des Regenwaldes) nicht unterstützen wollte. So fiel die Wahl auf Gabun.

Gabun liegt ungefähr in der Mitte von Afrika (nord-südlich gesehen) und an der Atlantikküste. Der Äquator geht mitten durch das Land hindurch. Die Nachbarländer heißen Kamerun (im Norden) und Republik Kongo (im Osten und Süden). Durch Erdöl und Tropenhölzer ist es das viertreichste Land von ganz Afrika. Es ist dennoch weitestgehend unbekannt, da es selten in den Nachrichten vorkommt. Das Land und die Demokratie sind nämlich sehr stabil, Präsident Bongo regiert bereits seit 40 Jahren. Von der Größe her ist das Land etwas kleiner als Deutschland.



 
 
 
 
 

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Warum Gabun?

Ein Amerikaner (Michael Fay) von der WCS (Wildlife Conservation Society) marschierte 1999/2000 15 Monate lang mehr als 3000 km quer durch den Busch in der Republik Kongo und in Gabun und sammelte Daten über Flora und Fauna. Ein klasse Fotograf (Michael Nichols) und ein Journalist besuchten ihn dabei einige Male und marschierten jeweils einige Tage mit. Das alles wurde von National Geographic aufbereitet und in mehreren Etappen veröffentlicht (Infos unter www.nationalgeographic.com/congotrek). Ich hab die Berichte damals verschlungen und hätte schon damals große Lust gehabt, hier einmal herzukommen. Als Fay dann zwei Jahre später dem Präsidenten Bongo eine Liste als Vorschlag für neue Nationalparks vorlegte und hoffte, zwei oder drei davon durchzubekommen, war er doch sehr positiv überrascht, dass der sagte "I want them all". So hat das kleine Gabun nun 13 neue Nationalparks, die mehr als 10 Prozent der Landesfläche betragen.

Wie in der Politik eigentlich unüblich, war diese Entscheidung sehr weitsichtig. Denn die Erdölvorräte des Landes sind in 10 bis 20 Jahren abgepumpt und die dann fehlenden Staatseinnahmen sollen durch den Tourismus erbracht werden. Ich dachte mir, dieses Land musst du mit deinen Touri-Dollars unterstützen. Und zwar jetzt und nicht in 10 bis 20 Jahren, wenn hier möglicherweise ein ähnlicher Massentourismus wie in Ostafrika vorzufinden ist. Und noch einen entscheidenden Grund gab es hier herzukommen: Es gibt hier noch Gorillas. Sieben Jahre zuvor hatte ich in Ruanda einige der letzten Berggorillas gesehen (siehe Reisebericht „69 Stunden in Ruanda“, www.geo-reisecommunity.de/reisebericht/18993/1/69-Stunden-in-Ruanda) und bin seitdem fasziniert von diesen Tieren, die ja zu 98% die gleichen Gene wie wir Menschen haben. Ich freute mich darauf, nun die westlichen Flachlandgorillas, wie sie korrekt heißen, zu treffen.



Vorbereitung

Die Vorbereitung bestand aus etwas Internetrecherche und dem Kauf eines Reiseführers aus dem Hause „Bradt“ (in Englisch), der allerdings schon fünf Jahre alt war. Aktuellere Reiseführer über Gabun gab es aber nicht. Kurz vor der Abreise entdeckten wir noch einen aktuellen Reiseführer von „Petit Fute“ (in Französisch), der uns das Reisen im Land einige Male erleichtern sollte. Die nötigen Impfungen (Gelbfieber, Hepatitis A und B, Polio, Diphterie, Tetanus) konnten wir uns zum Glück ersparen, da wir diese bereits vor sieben bzw. acht Jahren bekamen und der Schutz in der Regel etwa zehn Jahre hält. Wir besorgten uns Malaria Prophylaxe (Malarone), ein Reise-Moskitonetz kam außerdem mit ins Gepäck, und wir nahmen uns vor, uns nach Möglichkeit nicht von der Anopheles-Mücke (Malaria) und der Tsetse-Fliege (Schlafkrankheit) stechen zu lassen.



Die Hauptstadt Libreville

 
 
 
 
 

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Bis auf den Flug und ein Hotel für die ersten drei Tage hatten wir noch nichts organisiert. Am einem Freitagabend kurz vor Mitternacht kamen wir in Libreville an, nachdem wir mit Royal Air Maroc von Düsseldorf über Casablanca hergeflogen waren (650 Euro, die Alternativen KLM und Air France lagen bei über 1000 Euro). Am nächsten Morgen (Samstag) suchten wir in der Innenstadt von Libreville die staatliche Tourismusbehörde (Gabontour) und die zwei einzigen Reisebüros des Landes auf. Da Touren in den Regenwald und zu den Gorillas nicht im Internet buchbar waren, wollten wir das nun direkt vor Ort machen. Bis wir die drei Büros fanden (die Orientierung in der Stadt ist nicht so einfach), hatten sie bereits geschlossen und sollten auch am Nachmittag und am nächsten Tag (Sonntag) nicht mehr öffnen. Wir nutzten die Zeit um uns ein wenig einzuleben und zu akklimatisieren (80-90% Luftfeuchtigkeit, etwa 30 Grad).

Libreville ist wie viele Großstädte in Westafrika keine schöne Stadt. Sie ist sehr laut, die Straßen beherrschen das Stadtbild. Ein Auto, bei dem die Hupe kaputt ist, wäre undenkbar. Straßennamen existieren zwar auf einigen Stadtplänen, in der Stadt sind sie jedoch nicht zu finden. So orientiert man sich an markanten Gebäuden oder Geschäften. Der Flughafen liegt etwas außerhalb, Hauptverkehrsmittel sind Taxen, eine Fahrt vom Airport in die Stadt kostet günstige drei Euro (bei Dunkelheit das Doppelte).

Am Montag klappte es dann mit den Reisebüros und der Touri-Behörde. Doch es war dennoch schwer, etwas zu reservieren. In Afrika dauert ja alles immer ein bisschen länger. Wir brauchten noch diverse Telefonate und zwei weitere Tage bis alles stand. Wir hatten eine Tour zur „Bai Langoué“ im Ivindo Nationalpark (4 Tage, 900 € p.P.) und eine zum „Mikongo Camp“ im Lopé Nationalpark (4 Tage, ca. 500 € p.P.) gebucht. Es sollte jedoch erst am kommenden Freitagabend losgehen, so hatten wir noch zwei weitere Tage Zeit, in denen wir uns Lambaréné anschauen wollten.



 
 
 
 
 

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Lambaréné

 
 
 
 
 

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Am Mittwochmorgen fuhren wir nach Lambaréné, etwa 250 km von Libreville entfernt. Wir nahmen dafür ein Privat-Taxi (45 Euro). Dazu muss gesagt werden, öffentliche Verkehrsmittel gibt es in diesem Land bis auf eine alte Bahnstrecke gar nicht. Und Straßen sind nur deshalb vorhanden, damit die Lastwagen das Tropenholz aus dem Urwald heraus bekommen. 35 LKWs mit Tropenholz kamen uns in den drei Stunden Fahrt entgegen. Die einzigen Alternativen zu den Privat-Taxen sind private Sammelbusse, wo bis zu 20 Personen in Kleinbussen zusammengepfercht werden. Das Vergnügen sollten wir später noch bekommen.

In Lambaréné hat Albert Schweitzer vor 95 Jahren ein Krankenhaus gebaut, das im-mer noch in Betrieb ist. Ein Museum erinnert an den "Helden". Neben dem Museumsbesuch machten wir hier eine Fahrt in einer Piroge (langes schmales Bötchen) auf dem örtlichen Fluss (Ogooué River) und einigen Seen rund um Lambaréné. Außerdem schauten wir uns den Markt an, auf dem es beinahe alles gab. Leider auch Bushmeat. Antilopen und Warane konnten wir noch deutlich erkennen, da die Köpfe noch dran waren. Ich glaube, wir möchten gar nicht wissen, was es da sonst noch gab, wir hofften, dass keine Affen und Elefanten dabei waren. Viel mehr konnte man in Lambaréné nicht machen. In Europa lief ja gerade die Euro 08, und auch wir schauten uns ein Spiel der Deutschen bei einem Bierchen in einer der vielen Bars an. Apropos Bier: So etwas wird auch in Gabun gebraut, ungewöhnlich ist nur die Flaschengröße: 0,65 Liter. Sogar Becks in einer 0,65 Liter-Flasche haben wir schon gesehen (und getrunken).



 
 
 
 
 

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Telefonieren in Afrika

Persönliche Meinung von bernie-99:
Für selbstorganisierte Reisen ist es sinnvoll, sich einheimische SIM-Karten für die Handys zu kaufen, denn man muss doch recht viel telefonieren, um etwas geregelt zu bekommen. Die SIM-Karten gibt es nur in Libreville, Karten zum Aufladen aber überall im Land. Schwierig ist die Anbieterwahl, denn in bestimmten Gegenden sind nur bestimmte Anbieter empfangbar. CelTel scheint mir der größte Anbieter im Land zu sein.



Bai Langoué im Ivindo Nationalpark

Die erste von zwei Regenwald-Touren fuehrte uns zur Bai Langoué. Im gabonesischen Regenwald gibt es eine Lichtung, die vor acht Jahren von Mike Fay auf seinem 15-monatigen Marsch entdeckt wurde. Die Bai Langoué (Bai = Lichtung) wurde inzwischen in einen Nationalpark integriert und von der Unesco als Welterbe eingestuft. Grund ist die große Anzahl von Säugetieren, für die die Bai ein magischer Anziehungspunkt zu sein scheint. Forscher der WCS haben am Rand der 1000 x 300 Meter großen Lichtung eine gut getarnte Plattform errichtet, von der sie die Tiere ungestört beobachten können. Um das ganze finanzieren zu können, erlauben sie von Zeit zu Zeit einigen Touristen, an ihrer Forschungsarbeit teilhaben zu dürfen. Für uns wurde dies der Höhepunkt unseres Gabun-Aufenthalts.

Die Anreise ist strapaziös und dauert einen ganzen Tag. Von Libreville fuhren wir mit dem Zug nach Ivindo.



Zugfahren in Gabun - Teil I

 
 
 
 
 

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Die französischen Kolonialherren hinterließen den Gabonesen die Bahnstrecke von der Hauptstadt Libreville im Nordwesten zur zweitgrößten Stadt Franceville im Südosten des Landes. Zweimal pro Woche und Richtung wird die Strecke heute noch befahren. Für die etwa 600 km braucht man 12 Stunden. Gefahren wird ausschließlich nachts (tagsüber fahren die Mahagoni-Transporte). Es gibt drei Klassen: VIP, Erste und Zweite.

Unsere erste Fahrt führte uns von Libreville nach Ivindo. Für die ca 350 km waren 6,5 Stunden vorgesehen. An einem Freitag, dem 13. ging es um 20.30 Uhr los. Unser 6-Personen-Abteil in der ersten Klasse war voll besetzt, an Schlafen war also nicht zu denken. Die Klimaanlage schaffte es, dass zwischen draußen und drinnen 20 Grad Temperaturunterschied lagen. Aber wir waren vorbereitet, hatten Socken, Fleece und Decken eingepackt. Nach etwa 30 Minuten Fahrt hielten wir auf freier Strecke. Die Lokomotive war kaputt, eine neue musste her. Das dauerte etwa zwei Stunden, was aber nicht schlimm war, denn wir konnten den Zug verlassen und uns neben der Strecke aufwärmen.

Die neue Lok war nicht ganz so stark, so dass die Fahrt nur langsam weiterging. Den ersten Zwischenhalt, der um 23.30 Uhr erreicht werden sollte, erreichten wir um 2.30 Uhr. Die neue Lok machte weiter Probleme, wir mussten immer wieder auf freier Strecke halten. Beim letzten Zwischenhalt musste die Lok dann ein weiteres Mal ausgetauscht werden. Um 10 Uhr morgens ereichten wir dann mit sieben Stunden Verspaetung unseren Zielbahnhof Ivindo.



 
 
 
 
 

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In Ivindo wurden wir von Noël, einer französischen Primatologin abgeholt. Mit einem Allrad-Jeep ging es dann zwei Stunden lang (75 km) auf Schotterpisten tief in den Regenwald hinein. Weitere zwei Stunden ging es dann mit Gepäck zu Fuß durch den Regenwald. Und zwar im Gänsemarsch auf alten Elefantenpfaden. Im WCS-Camp bezogen wir ein Zelt auf einer Holzplattform (wegen der Schlangen) und gingen ziemlich erschöpft relativ schnell schlafen.



 
 
 
 
 

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Am nächsten Morgen gingen wir zusammen mit den WCS-Forschern wieder auf Elefantenpfaden (überall lag Elefantendung) 5 km durch den Regenwald bis zur Lichtung und krabbelten auf die Plattform. Die Plattform befindet sich am Rand der Lichtung und hat zwei Etagen. Ganz oben beobachteten Noël und ihre einheimischen Assistenten die Tiere der Lichtung. Die Etage darunter ist für die Touristen, für die Ferngläser und Kamerastative bereitstehen. Als wir gegen acht Uhr morgens ankamen waren bereits sieben Waldelefanten (kleiner als die Elefanten in der Savanne) da und tranken aus dem Flüsschen, das durch die Lichtung fließt. Außerdem nahmen sie Mineralien auf, die hier an die Oberfläche treten. Wir waren alle ganz leise und flüsterten nur untereinander. Noël erzählte uns, dass die Chance, Elefanten zu sehen mit 91% relativ hoch sei. Die Chance auf Gorillas liege lediglich bei 64%. Im ganzen Monat April sei z.B. nicht ein einziger Gorilla auf der Lichtung gesehen worden.



 
 
 
 
 

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Doch wir hatten Glück. Gegen neun Uhr erscheint Malewitsch, ein etwa 15 Jahre altes Gorilla-Männchen und lässt sich in etwa 200 Meter Entfernung von uns beobachten und fotografieren. Im Gegensatz zu den Berggorillas, die in den Virunga-Bergen im Grenzgebiet von Ruanda, Uganda und Kongo leben und von denen es nur noch etwa 650 Tiere gibt, gibt es von den Flachland-Gorillas noch mehrere Tausend Tiere in den Ländern Gabun, Republik Kongo und DomRep Kongo (Zaire). Hier liegt die größte Gefahr im verschwindenden Lebensraum und im Ebola-Virus. In 20 bis 30 Jahren gibt es Gorillas vermutlich nur noch im Zoo.

Unser Teenie-Silberrücken Malewitsch möchte gerne an die Wasser-/Mineralienstelle, doch die Elefanten lassen ihn da nicht ran. So zieht er frustriert von dannen, probiert es aber am Nachmittag ein weiteres Mal (wieder erfolglos). Außerdem sehen wir an diesem Tag eine Herde Rotbüffel, eine Unterart der afrikanischen Kaffernbüffel, und unzählige Sumpfantilopen (Sitatungas). Am Abend beim gemeinsamen Dinner im Camp mit den Forschern und Guides erhielten wir weitere Infos zu den gesehen Tieren.



 
 
 
 
 

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Der nächste Tag sollte noch besser werden. Noël, die Primatologin sagte später, es sei der zweitbester Tag, seitdem sie hier ist, gewesen. Schon am Morgen waren bereits 17 Elefanten auf der Lichtung. Alles Mütter mit ihren Kälbern. Sie waren etwa 200 Meter entfernt, doch mit den bereitstehenden Ferngläsern konnten wir sie ganz nah ranholen. Dann kam der mächtige Gorilla-Silberrücken Padouk mit seinen elf Gorilla-Damen und -Kindern auf die Lichtung. Die Forscher waren völlig aus dem Häuschen, fotografierten alle und trugen neue Daten auf ihren Karteikarten ein. Die Gorillafamilie wollte auch zur Wasser- und Mineralienstelle, doch die Elefantenkühe ließen sie nicht. So grasten sie etwas abseits, warteten etwa 30 Minuten, dann wagte sich der Silberrücken mit drei Familienmitgliedern in die Nähe der Elefanten. Diese merkten das und vertrieben sie wieder aus dem hohen Gras bei der Wasserstelle. Die Gorillas warteten in 200 Meter Entfernung darauf, dass die Elefanten sich in den Wald zurückziehen, doch das dauerte. Nach drei Stunden gab die Gorillafamilie auf und zog sich in den Wald zurück. Seinen Frust verarbeitete Padouk, indem er mehrmals auf seine Brust trommelte. Das konnten wir noch in 500 Meter Entfernung hören. Fast zeitgleich zogen sich auch die Elefanten zurück und es betrat Malewitsch, der Gorilla-Teenager von gestern, die Lichtung. Nun hatte er die Wasserstelle für sich alleine. Er trank und aß etwa eine Stunde lang die mineralhaltige Erde. Als er ging, hatten wir endlich Zeit für unsere mitgebrachten Lunchpakete.



 
 
 
 
 

(18 Stimmen)

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Dachten wir. Auf einer anderen Stelle der Bai tauchte plötzlich Fracasse, ein älterer Silberrücken mit seinen zwei Frauen aus dem Wald auf. Schnell stellten wir alle unsere Kamera- und Fernglasstative um und beobachteten die drei. Später kam mit Renoir ein weiterer älterer Silberrücken (der seine Weibchen an Fracasse verloren hatte) auf die Bai und trank etwas Wasser. Von den Forschern erfuhren wir die Geschichten der verschiedenen Gorillas. Am Ende des Tages hatten wir nun 17 Gorillas und 25 Waldelefanten gesehen. Das wird wohl so leicht nicht wieder zu toppen sein.

Zurück ging es am nächsten Tag wieder zwei Stunden zu Fuß und mit Gepäck durch den Regenwald, dann zwei Stunden im Jeep bis zum Örtchen Ivindo, wo wir auf die Abfahrt des Zuges nach Lopé warteten.



Zugfahren in Gabun - Teil II

 
 
 
 
 

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Unsere zweite Fahrt ging von Ivindo nach Lopé und sollte nur 1:35 Stunden (von 23.40 – 1.15 Uhr) dauern. Der Zug kam pünktlich in Ivindo an, blieb aber erstmal eine halbe Stunde stehen. Auch bei einem Zwischenhalt stand der Zug fast eine Stunde auf dem Gleis herum. Informationen oder Durchsagen gab es nicht. Um drei Uhr nachts kamen wir schließlich in Lopé an, der Hotelmitarbeiter, bei dem wir ein Zimmer reserviert hatten, war längst schlafen gegangen und musste von uns wach geklingelt und geklopft werden.



Mikongo

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Auberge vom Lopé-Hotel

Persönliche Meinung von bernie-99:
Die meisten Touristen werden, wenn sie am Bahnhof in Lopé ankommen, zum teuren Lopé-Hotel geführt. Selbst die Reisebüros in Libreville glauben, es sei die einzige Unterkunftsmöglichkeit in Lopé. Das Lopé-Hotel betreibt aber auch eine Auberge (Motel E. Mbeki), wo ein Zimmer nur 10 Euro kostet. Für den, der wie wir nur auf der Durchreise ist, wäre das eine günstige Alternative.

Unsere zweite Tour fuehrte uns zum Mikongo-Camp im Lopé-Nationalpark (ebenfalls Unesco-Welterbe). Das Camp wird betrieben von der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) und bietet Regenwald-Safaris zu Fuß an. Da wir zurzeit die einzigen Touristen im Camp waren, konnten wir die beiden Wald-Spaziergänge, die wir machten, individuell gestalten. Am ersten Tag machten wir wegen der vorherigen schlaflosen Nacht im Zug nur einen kurzen Walk (4 Stunden), am zweiten Tag dann einen etwas längeren (6 Stunden).



 
 
 
 
 

(6 Stimmen)

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Mit zwei Guides (einer vorne, einer hinten) ging es im Gänsemarsch durch den Regenwald. Das ist nicht ganz ungefährlich, gibt es hier doch mit der Gabon-Viper eine der giftigsten Schlangen überhaupt. Auch schwarze Kobras und gelbe, grüne und schwarze Mambas werden regelmäßig gesichtet. Wir sahen zum Glück keine von ihnen. Stattdessen sahen wir diverse Affen in den Baumkronen herumturnen. Außerdem gab es Dukker-Antilopen und diverse Vögel. Das heißt, meistens sahen wir kaum etwas, wir hörten vor allem die Geräusche, die sie machten. Das war zwar eindrucksvoll, aber nicht ganz so spannend wie die Gorillas in der Bai Langoué. Vielleicht hätten wir erst Lopé und dann Ivindo machen sollen, dachten wir bei einem Bad in einem Urwald-Fluss, das wir uns nach dem zweiten Marsch gönnten.



 
 
 
 
 

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Zugfahren In Gabun - Teil III

Unsere dritte und letzte Fahrt ging von Lopé nach Booué. Sie sollte nur eine Stunde dauern (von 1.30 bis 2.30 Uhr) und keinen Zwischenhalt haben. Kurz nach eins waren wir bereits am Bahnhof und warteten. Gegen zwei Uhr fragten wir einen Bahn-Bediensteten, wann denn der Zug komme. Er fühlte sich belästigt und verschwand schnell wieder in seinem abgeschlossenen Zimmer. Naja, warteten wir halt weiter. Um 2.35 Uhr kam schließlich unser Zug. Wir stiegen diesmal in der 2. Klasse ein. Um 3.15 Uhr hielt der Zug. Wir hatten etwas Panik, denn wir wussten nicht, ob wir schon da sind und raus mussten oder nicht. Durchsagen gab es nicht. Andere Fahrgäste klärten uns auf, dass wir noch nicht in Booué waren und dies ein üblicher außerplanmäßiger Halt sei. Naja, gegen 3.45 Uhr kamen wir in Booué an und hatten mal wieder eine ordentliche Verspätung.

Meine Gedanken nach der letzten Bahnfahrt waren folgende: „Ich freue mich auf unsere Deutsche Bahn, auf die ME-, IC- und ICE-Züge! (Ich pendle täglich mit der Bahn) Ich werde nie wieder über die Deutsche Bahn schimpfen. Ich werde nie wieder Bücher wie das "Bahnhasserbuch" oder "Senk ju for traewelling" lesen. Ich werde Herrn Mehdorn einen Lobesbrief schreiben“. Was ich dann aber natürlich nicht gemacht habe.



Buschtaxi (taxis-brousse)

Nach den drei Bahnfahrten haben wir dann auch unsere Erfahrung mit dem Hauptverkehrsmittel des Landes, den Buschtaxis gemacht. Es sollte von Booué nach Makokou (200 km) gehen.

Im Reiseführer hieß es, die Buschtaxis warten am Bahnhof beim Eintreffen der Züge (egal wie viel Verspätung die haben). Wir kamen gegen vier Uhr nachts in Booué an und wollten mit einem Buschtaxi weiter nach Makokou. Das einzige Buschtaxi, was dort hinfuhr, war ein uralter Mitsubishi-Pickup, bei dem auf die Ladefläche zwei Holzbänke montiert waren. Wir hatten eigentlich mit einem Minibus gerechnet. Aber was sollten wir machen, es war vier Uhr morgens, und in einer halben Stunde würde der Bahnhof und der Rest des Ortes wieder leer sein und im Tiefschlaf liegen. Fünf Stunden sollte die Fahrt laut Reiseführer dauern. Also stiegen wir hinten auf die Ladefläche des Pickups auf, unsere Rucksäcke wurden auf dem behelfsmäßigen Dach festgezurrt.

Die Straße war nur ne Sandpiste mit lauter Schlaglöchern und Waschbrettrillen. Wir mussten uns gut festhalten und holten uns trotzdem lauter blaue Flecken. Waren zu Beginn der Fahrt nur fünf Personen auf der Ladefläche, waren es am Ende 13. Bewegen konnte man sich da dann nicht mehr. Außerdem zog es fürchterlich, gut dass wir Fleece und eine Fleecedecke griffbereit hatten. Statt der erwarteten fünf Stunden dauerte die Fahrt dann unendlich lange acht Stunden.



Makokou

Makokou ist eine Kleinstadt (15000 Einwohner) im Nordosten des Landes und taucht nach vielen Sandpisten-Kilometern plötzlich aus dem Nichts auf. Die Hauptstraße ist sogar geteert. Wir stiegen wegen der eingeschlafenen Füße ganz vorsichtig von der Ladefläche herab und waren überglücklich, dass diese Fahrt zuende war und wir sie überstanden haben. Wir bezahlten den Fahrer, setzten uns in ein Taxi, ließen uns zu dem besten Hotel der Stadt bringen (Belinga Palace, 25 € p.N., das hatten wir uns jetzt verdient), duschten und fielen erst mal ins Bett.

Makokou ist zum einen Durchgangsstation für die Fahrt in den nördlichen Bereich der Republik Kongo (Odzala Nationalpark), zum anderen Ausgangspunkt für Touren zu beeindruckenden Wasserfällen im nördlichen Teil des Ivindo Nationalparks. Mit einem Tourveranstalter hatten wir in den letzten Tagen mehrere SMS ausgetauscht, seine Tourangebote hatte er uns allerdings per E-Mail geschickt. Und die konnten wir in den letzten zehn Tagen nicht abrufen, denn Internet ist im Regenwald rar. Und auch in Makokou hatte das einzige Cybercafé dicht gemacht. In einer alten Mission gab es noch einen privaten Internetanschluss, sagte man uns. Wir hatten Glück und durften kurz an den PC dort.

Die Touren zu den Wasserfällen sollten 300 € für zwei bzw. 450 € für drei Tage kosten. Das waren wir nicht bereit nur für den Anblick von Wasserfällen zu zahlen. Also entschieden wir uns, noch einen ruhigen Tag in Makokou zu verbringen und dann etwas früher nach Libreville zurückzukehren. Aber wie? Makokou hat einen kleinen Flughafen, doch Flüge gibt es nur zweimal pro Woche und der letzte war gerade weg. Mit Pickup wieder acht Stunden zurück nach Booué und dann sechs bis zehn Stunden mit den Verspätungszügen zurück nach Libreville wollten wir auf keinen Fall. An der Hauptstraße im Ort sahen wir ein Plakat über eine 12-Stunden-Buschtaxi-Direktverbindung nach Libreville. Wir fragten, was für ein Gefährt das sein würde, ein komfortabler Minibus wurde uns versprochen. Also kauften wir zwei Tickets für den nächsten Morgen.



 
 
 
 
 

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Buschtaxi - Teil II

Zu unserer Erleichterung war es tatsächlich ein Minibus. Da wir als erste bezahlt hatten, durften wir uns die besten Plätze aussuchen. Wir wählten die zweite von drei Sitzreihen, direkt am Fenster. Einen kleinen Rucksack mit Wasser und Snacks verstauten wir unterm Sitz. Also alles zunächst ganz prima. Die dickste Frau von allem (wir nennen sowas: Mama Afrika) setzte sich nebst Gatte und Kind neben uns und beschwerte sich sofort über den wenigen Platz, den sie habe. Claudia solle doch weiter nach vorne oder auf meinen Schoß hüpfen, damit sie mehr Platz habe oder sich anlehnen könne. Sie wurde zum Glück von Fahrer und Beifahrer zur Ruhe gerufen, Claudia hatte von nun an aber immer einen sehr warmen rechten Oberschenkel...

18 Insassen hatte der Minibus, fünf pro Sitzreihe, ein Fahrer und zwei Beifahrer vorne. Die ersten sieben Stunden ging es wieder über eine Schotterpiste, danach ging es auf geteerten Straßen weiter. Claudia und ich wechselten dann bei einem der Stopps auch mal die Plätze, so dass ich auch das Vergnügen des warmen Oberschenkels bekam. Ständig laute Musik aus dem Kassettenrekorder und Sitze, auf denen man nach kurzer Zeit anfängt, verkrampft zu sitzen, waren immer noch weit angenehmer als der Pickup zwei Tage zuvor. Dennoch waren wir nach 14 Stunden froh, auch diese Strapaze überstanden zu haben. Unsere Popos massierten wir uns dann mehrere Tage lang gegenseitig.

Die letzten Tage in Gabun verbrachten wir dann wieder in Libreville. Dazu suchten wir uns das Hotel Tropicana gegenüber vom Flughafen aus. Dort kostete ein Doppelzimmer zwar 40 Euro, dafür hat es aber einen eigenen Abschnitt am Atlantik-Strand, wo wir uns von den Reisestrapazen erholen konnten.



 
 
 
 
 

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Fazit

Es fehlt noch sehr viel an Infrastruktur, das Land könnte ich also nur bedingt als Reiseland empfehlen. Aber Präsident Bongo hat noch sehr viel vor, in einer Hochglanzbroschüre konnte ich sehen, was alles an Tourismusaktivitäten geplant ist. Aber sowas dauert in Afrika immer lange. Die Gorillas in der Bai Langoué waren das absolute Highlight der Reise. Dafür hat sich die Reise allemal gelohnt. Und die zumeist liebenswerten Menschen werden wir auch nicht vergessen.
Und noch ganz wichtig: Ohne Französisch-Kenntnisse geht es nicht. Zumindest nicht, wenn man selbstorganisiert durch das Land reisen möchte.



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Kommentare
  • buschbaby (RP) 23.09.2008 | 17:43 Uhr

    Klasse bericht mit tollen Bildern, wirklich ein Abenteuer, ich habe auch den Bericht von M. Fay in National geographic gelesen und war faziniert aber ich trau mich da nicht so recht hin....
    Liebe Grüße

  • winni 30.09.2008 | 18:49 Uhr

    Muss wohl eine aufregende Reise gewesen sein. Wäre gerne dabeigewesen sein. vg winni

  • Saltino 30.09.2008 | 21:48 Uhr

    Vielen Dank für den Bericht. Deine Erfahrungen werden uns im Dez./Jan. Sicher sehr helfen. Ich freue mich nach diesem Bericht noch mehr - was fast nicht mehr möglich ist. Wir werden uns melden, sobald wir wieder zurück sind. Vielleicht können wir dann auch noch ein paar Bilder beisteuern.
    Liebe Grüsse

  • curley 10.10.2008 | 16:41 Uhr

    Ja, toller Bericht und tolle Reise!
    Ich muss es wissen, dennich war ja dabei und ja, es war ein Abenteuer aber es war alle Mühen und Anstrengungen wert.
    Ich hoffe, ich finde bald die Zeit auch meinen Bericht noch einzustellen - jeder erlebt Dinge doch wieder etwas ander.
    Liebe Grüße
    Curley

  • hstauffer 22.02.2009 | 20:58 Uhr

    Kenne fast alle rte, welche hier sehr gut beschrieben wurden. Herzlichen Dank.
    Die nächste Gabun REise kommt bestimmt!

  • mamatembo 25.04.2009 | 11:20 Uhr

    Danke dass Du mich mit diesem Bericht mitgenommen hast in den Regenwald, zu Gorillas und Elefanten - und das ganz ohne lange Fahrten im Zug oder im Buschtaxi über Schotterpisten :-)
    LG Beate

  • toronto 17.12.2011 | 09:12 Uhr

    toller Bericht - das ist noch richtiges "Reisen" - super! Habe die Berichte über Faye im National Geographic damals auch alle gelesen. So ein Bai mal zu sehen, mit all den Tieren wäre schon was besonderes. lg Gerhard

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Gorilla-Trekking in Zentralafrika (Gabun) 4.31 16