Reisebericht

Reisebericht: Spaziergang durch Bangkok und Besuch des Grand Palaces, dem Königspalast.

 
 
 
 
 
Reisebericht: Spaziergang durch Bangkok und Besuch des Grand Palaces, dem Königspalast.

Ein Bericht, eine Odyssee durch die Straßen Bangkoks, in dem ich ein Bein verlor und die Übersetzung des deutschen „Mein lieber Herr Gesangsverein“ in „My lovely Mr. Singing Club“ nicht auf die erwartete Resonanz stieß...

Morgens um 8h sitze ich auf der Khaosan Road im „Center Khao Sarn“ und will frühstücken. Ich bin komplett verspannt. Mein Deckenventilator in „MOM Guesthouse“ hatte zwei Stufen:
1) träge die miefige Luft in einem behäbigen Surren zu verteilen, oder 2) wie ein Nato- Hubschrauber über mir kreisend alles zu Boden zu drücken. Ich entschied mich für Variante 2 und bin unterkühlt und erschlagen. (Stufe 3 habe ich gar nicht erst ausprobiert...)
Mein Blick ist noch ein wenig benebelt von den ganzen Heinecken der letzten Nacht mit Ben und Nigel vor dem 7 Eleven (aber es war ein fantastischer erster Abend in Bangkok, den ich nicht missen möchte – wobei mein Hinterteil wohl schon, ich habe Muskelkater im Hinterteil, von auf dem Kantstein sitzen).
Ich werde meinem Gehirn heute nicht viel zumuten und überlasse es dem Lonely Planet (LP) mir meinen Weg zu weisen. Ich werde heute vorgeschlagene Routen aus dem Reiseführer erkunden und mich einfach leiten lassen (was ein großer Irrtum sein wird, der LP wird mich, und gerade mein Gehirn, um so einiges fordern...dazu später mehr).



 
 
 
 
 

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Um 8h ist die Khaosan Road erholsam ruhig, nur einmal höre ich aus Lautsprechern die Königshymne, aber es ist kein Vergleich zu dem bunten, hektischem und lautem Treiben der Nacht. Ein wenig wie die Reeperbahn in Hamburg, Nachts Halligalli und Tags über ein friedvoller Mix aus schlafenden Pennern, auf dem Kantsein ausnüchternder Nachtschwärmer, Musical Gänger und Stadtrundfahrten Besuchern.
Die Bedienungen im „Center Khao Sarn“ ignorieren mich und alle andern Gäste erfolgreich. Ich nehme zu zwei Kanadiern Kontakt auf und frage, wie man wohl hier einen Kaffee bekommt, den ich so dringend benötige. „Gar nicht“, sagen sie lachend. „Oder mit viel Glück.“
Chris und Robert frühstücken seit drei Tagen hier, Abends trinken sie ein paar Bier, wenn sie sie denn mal bekommen, aber merken an: „Im ignorieren und nicht in die Augen schauen, sind die hier einmalig!“
Ich erhasche einen Blick eines Kellners und lächle freundlich. Leider ohne Ergebnis, es ist so erfolglos wie das freundliche Grinsen am Postschalter, wenn man ein Paket abholen will und seinen Perso vergessen hat...



 
 
 
 
 

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Chris und Robert haben Recht, es dauert fast eine dreiviertel Stunde, bis ich Kaffee und Chicken Sandwich vor mir stehen habe. (Und dabei sind wir nur 5 Gäste...).
Der Kaffee ist großartig und macht wach und das Sandwich ist auch wunderbar. (Zum zahlen benötige ich auch wieder eine ganze Weile).
Beim Zahlen frage ich den Kellner, wie teuer es wohl sein wird zum Tha Chang zu kommen, einem Anfangspunkt meiner Bangkok Entdeckungstour. 50 Baht, sagt er. „With the taxi.“ Und ich denke, mit einem Tuk Tuk ist es sicher günstiger und vor allem lustiger.
Richtig! 20 Baht und 10 Minuten Diskussion mit dem Tuk Tuk Fahrer später, sitze ich in eben jenem. Zuerst wollte er mir eine seiner Touren anbieten, er wolle mir alles zeigen und wo ich hin wollte, nein, da sei heute zu, geschlossen, er zeige mir da doch andere Sachen, er hätte Freunde, die mir so einiges zeigen könnten...“No. Thanks!“, sagte ich, bevor ich das Tuk Tuk besteige.
Das können sie gut, dir sagen, dieser und jener Tempel sei heute geschlossen und du befindest dich wie auf einer Butterfahrt in jede kleinen Boutique einer jener Freunde des Tuk Tuk Fahrers.



 
 
 
 
 

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Der Tuk Tuk Fahrer setzt mich halsbrecherisch stoppend ab und meine Tour mit dem LP kann beginnen. Ich schlage die Seiten des Lonely auf und betrachte die kleinen Striche und Linien, die Straßen darstellen sollen (wieso ist der Lonely nicht in der Lage, vernünftige Karte abzudrucken?, denke ich). Und noch bevor ich meine Tour starten kann, ist sie auch schon zu Ende...ich bin schon jetzt falsch...
Wie schon auf den empfohlenen Routen in Indien, die mich sonst wo hinführten, aber nie dorthin, wohin ich wollte – ist der Bangkok Tourguide des Lonely so larifari, wie eine IKEA Anbauanleitung für eine Schrankwand, die später aussieht wie einen Free Climping Wall in einem Abenteuercamp.
Ich pilgere einfach los, Wats und Buddhas stehen und liegen hier ja genug herum. Nur wo ich bin, weiß ich immer noch nicht.
An einer Ecke stehen zwei Polizisten und ich frage sie, wo ich denn nun bin, auf der Karte. Die beiden Männer sehen sich meine Karte des Lonely an und sehen erstaunt in die Karte und dann immer wieder die Straße herauf und herab.
Sie haben keine Ahnung.



 
 
 
 
 

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Die folgende Unterhaltung ist umsonst, da ich kein Thai verstehe, sie kein Englisch und die Straßennamen im LP in westlicher Schrift sind und nicht in Thai. Die fuchtelnden Armbewegungen der Beiden sind genauso sinn- und fruchtlos, wie das ständige Baumumarmen meiner Kollegin im Wald, wenn sie glücklich ist.
Verloren und verkauft stehe ich hilflos in Bangkok auf der Straße, die mit gelben Fahnen bestückt und geschmückt ist. In ein paar Tagen hat der König Geburtstag (5. Dezember) . Gelb ist seine Farbe und im übrigen laufen alle Thailänder in gelben T-Shirts herum.
Seit 1932 gibt es, nach einer Revolution, keine absolute Monarchie mehr in Thailand. Jedoch ist der König, der von der Bevölkerung verehrt wird, Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und religiöses Oberhaupt zu gleich.
Wer morgens um 8h schon auf den Beinen ist, wird aus öffentlich aufgehängten Lautsprechern die Königshymne hören, die ein ganzes Volk still stehen lässt. (Abends um 18h wird die Hymne wiederholt, geht aber im emsigen, lauten Straßenverkehr unter...)
Vor mir liegt eine riesige Tempelanlage, die mit einer wuchtigen, schneeweißen Mauer umgeben ist. Ein Schild weißt es als Wat Phra Keo aus. Ich suche im LP. Das muss der Königspalast sein...wobei, der kann gar nicht hier sein, laut Tour von LP.



 
 
 
 
 

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1782 wurde der Königspalast hierher verlegt, an eine Stelle, die vor Überschwemmungen sicher sein sollte. Die hier einst lebenden Händler mussten nach Chinatown umsiedeln.
Der Königspalast öffnet von 8:30-15:30, Führungen in Englisch finden um 10, 10:30, 11, 13, 13:30 und 14h statt und kosten 200 Baht.
Busse spucken Massen von Menschen aus, die sogleich anfangen die goldenen Türme der Tempel zu fotografieren. Ich lasse mich mit den Menschen zum Eingang treiben. Am Eingang hält man mich und andere Besucher auf und weist uns darauf hin, nicht Schulterfrei, Beinfrei und in Flipp Flopps hinein zu gehen.
In meinem Eastpack suche ich nach meinen Turnschuhen, die ich extra eingepackt habe und meinen Zipp-Beinen für die Hose.
Nach mehrmaligem umrühren aller Habseeligkeiten in dem Rucksack, finde ich nur ein Bein.
So, jetzt ist Holland in Not! Ich habe ein Bein verloren...
Wie so´n Kasper stehe ich vor einer Wache, ein Bein angezippt, dass andere nackig, erkläre ich, ich wüsste nicht, wo mein anderes Bein ist. Keine Chance, meint die Wache, ohne zweites Bein, keinen Schritt weiter.



 
 
 
 
 

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Ich gehe wieder zurück und wühle ein kleines Handtuch aus dem Eastpack, das ich immer dabei habe und fange an, es umständlich oberhalb des Knies zu verknoten. Wenig später stehe ich wieder vor der Wache, noch mehr wie so´n Vollhorst und er lässt mich durch.
Schnell kann ich nicht gehen, da der vermaledeite Knoten des verzuppelten Handtuchs ständig locker wird und das Handtuch runterrutscht.
Wenn sich dann der Knoten löst und das Handtuch herunterfällt, trillern eine, wenn nicht zwei bis fünf, Wachen und deuten auf mich. Hunderte Köpfe drehen sich dann zu mir um und mit hochrotem Kopf nestle ich dann wider das Dinges an mein Bein.
(Liebe Damen, wehe, wenn mal ein Tuch oder Schal von den Schultern genommen wird – dann ist richtig Aufruhr!).



 
 
 
 
 

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Der Eintritt zum Königspalast ist umsonst, mächtig stehen die Yaks, gruselige Dämonen, am Eingang zum Wat Phra Keo.
Um den Grand Palace zu besichtigen muss man 250 Baht bezahlen und diese 250 Baht lohnen sich. Die Tempel rauben einem den Atem. „My lovely Mister Singing Club“, raune ich einem Touri zu, der nicht versteht. Eine Weile gehe ich staunend, den Kopf nach oben, unten, links und rechts drehend durch die Tempelanlage (beim betreten der Tempel: Schuhe aus!).



 
 
 
 
 

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Wer sich den Grand Palace ansehen will, empfehle ich, es so früh wie möglich zu tun! Als ich am Mittag den Königspalast verlasse sind die Menschenmassen überwältigend.



 
 
 
 
 

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Erschöpft von den Menschenmassen und den Eindrücken, gehe ich an Ständen von Thais entlang, die Essen verkaufen. Mein Magen knurrt, ich stelle mich an. Die Angestellten tragen gelbe T-Shirts und als ich an der Reihe bin, sehen mich die Thais überrascht an. Irgendwie passe ich nicht in den Kundenstamm, aber sie lächeln, erst später bemerke ich, diese Stände sind für die Helfer da, die das Fest zum Geburtstag des Königs ausrichten. Gerade, als ich peinlich berührt gehen will, hält mir eine Frau eine Schale hin. „For you“, sagt sie und will mein Geld nicht, das ich ihr geben möchte. „For the king“, sagt sie und ich bedanke mich.



 
 
 
 
 

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Nun will ich auch nicht flüchten, gerade weil ich in den Kreis der Helfenden getreten bin und begebe mich zu einem Zelt der Helfer. Die Köpfe drehen sich zu mir, ich nicke und lächle und überspiele die Situation und setze mich zu den Thais. Nach einem kurzem Moment des Anstarrens heißen sie mich willkommen und wir essen gemeinsam. Mein Blick wandert auf eine große Grünfläche, auf der in ein paar Tagen die Armee des Königs patrollieren und dem König seine Ehre geben wird.



Ich sehe an mir herunter und lache laut aus, irgendwie hat es das Handtuch geschafft sich wacker an meinem Bein zu halten und ein Teil von mir zu werden.



 
 
 
 
 

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Ich löse den Knoten und stecke das Handtuch zurück in den Rucksack, wobei mein Handrücken etwas im Inneren streift. Erstaunt ziehe ich das Etwas heraus und muss erneut lachen: das zweite Bein.



 
 
 
 
 

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Ahoi, Phillip



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Kommentare
  • sayangku 05.09.2008 | 10:01 Uhr

    Herrlich! So ist Bangkok! Und das die Tuk Tuk Fahrer gerne einem mal sagen das dieser und jener Tempel gerade geschlossen sei, man aber doch gerne die Rundumtour mit ihm machen könnte, kenne ich auch noch. Hab ich sogar einmal gemacht. Für 10 Baht quer durch Bangkok. Und natürlich zu einigen Boutiquen... War aber als einmalige Aktion auch ganz lustig.
    Die Story mit deinem fehlenden zweitem Zipp-Bein ist ja der Knaller. Wieder einmal gut gelacht.
    Und der Spruch "My lovely Mr. Singing Club" wird ab heute auf jeden Fall in meinen Sprachfundus mit aufgenommen ;-) Ganz großes Kino!
    Besten Gruß,
    Christoph

  • s.gerhard 05.09.2008 | 12:04 Uhr

    Schließe mich an!!! Mehr davon, Phllip, mehr! Ich komme aus dem Schmunzeln nicht mehr raus ;)

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