Der Affentrainer

Reisebericht

Der Affentrainer

Reisebericht: Der Affentrainer

Über 98 Prozent der menschlichen Gene seinen mit denen der Affen identisch, behaupten die Forscher. Wer das überprüfen möchte, sollte sich einmal wie ich, die Affenschule im thailändischen Surat Thani anschauen.

Der Affentrainer, Herr Somphon...

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Kanui ist der Klassenprimus im Monkey Trainings-College im thailändischen Surat Thani, südöstlich von Bangkok. Wenn er im lockeren Spiel mit seinen Mitschülern und seinem Freund und Trainer Somphon Seakhow seine Können zeigt, ist den staunenden Touristen anzusehen, dass sie ins Nachdenken geraten über die offensichtliche Nähe der Menschen zu seinen Vettern, den Affen.

Affen trainiert Somphon Saekhow zusammen mit seiner Frau seit mehr als 40 Jahren in dem kleinen Camp im Urwald. Als in Thailand immer mehr Kokosnüsse angebaut wurden, kamen die Bauern auf die Idee, Affen als Erntehelfer einzusetzen. Zunächst versuchten sie, die Tiere mit Schlägen abzurichten. Das scheiterte sehr oft einfach daran, dass die Affen die Befehle der Menschen nicht verstanden. Und somit war es ein Drama für sie.

„Ich liebe Affen“, sagt Herr Saekhow und dachte sich deshalb ein Trainingsprogramm zur gewaltfreien Schulung von Affen aus. Es beruht auf der Erkenntnis, dass diese klugen Wesen von Natur aus sehr neugierig sind und alles nachahmen, was andere ihnen vormachen. Allerdings auch nicht mehr und nicht weniger als genau das, was man ihnen zeigt, immer und immer wieder.

Für die Schüler der Grundschule in Surat Thani beginnt jetzt der Ernst des Lebens, der tägliche Unterricht an der Kokosnuß. Für einen Affen heißt das „Learning by doing“. Die erste Aufgabe: Eine Kokosnuß, die an einem dünnen aber zähen Strang an der Palme hängt, so lange und so geschickt in eine Richtung zu drehen, bis der Strang reißt und die Nuß herunterfällt.

Je flinker das passiert, um so besser für seinen menschlichen Partner, für den Zeit Geld bedeutet. Das ist natürlich weniger gut für den Affen, der ja gezwungen ist, nach jeder heruntergefallen Nuß wieder eine neue zum Rotieren zu bringen, bis auch sie herabfällt usw, usw.

Zuschauen ist deshalb für die Erstkläßler auch die erste und wichtigste Lektion. Wenn sie sehen, w a s die anderen bereits alles können, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus und wollen d a s natürlich auch einmal - und schon erhalten sie eine Kokosnuß an einem Strick. Morgens eine halbe Stunde, abends eine halbe Stunde, drehen, drehen, drehen. So fängt es für jeden an.

Herr Saekhow legt beide Hände auf eine Nuß und signalisiert einem kleinen, braunen, ängstlich blickenden Neuling, ebenfalls beide Vorderpfoten auf die Nuß zu legen, was dieser dann nach einigen zaghaften Versuchen auch tut. Gemeinsames Handeln schafft Vertrauen, und deshalb wird diese Übung über viele Tage hinweg wiederholt. Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier kann nur dann funktionieren, wenn der eine dem anderen wirklich vertrauen kann.

Bis zu 200 Nüsse bringt ein guter Nußpflücker der im „Monkey-Training-College“ des Herrn Somporn Seakhow erfolgreich seine Ausbildung absolviert hat, täglich zu Fall. Das sind mehr Nüsse als ein Mensch je schaffen kann. Und damit nicht genug: Nach dem Pflücken hebt er die heruntergefallenen Nüsse vom Boden auf und reicht sie seinem menschlichen Kollegen, der sie dann zum Abtransport in einen Sack befördert. Dass bei solchen hervorragenden Leistungen das College immer gut besucht ist, versteht sich von selbst. Früher bezahlten einige menschlichen Nusspflüger diese Arbeit mit ihrem Leben, da sie von den hohen Palmen herunter fielen.

Die Auszubildenden werden von ihren späteren Arbeitgebern, Besitzern von Kokosnußplantagen als Internatslehrlinge hier abgegeben. Je nach Intelligenzgrad und Lernfähigkeit werdensie bereits nach 6 Monaten oder, bei besonders Begabten, die noch die höhere Schule besuchen, erst nach 2 Jahren als voll ausgebildete Mitarbeiter wieder abgeholt.

Hin und wieder fängt Herr Seakhow aber auch im Dschungel frei lebende Affen, die zunächst eine Eignungsprüfung absolvieren. Das heißt, der potentielle Schüler wird bis zu drei Monate lang beobachtet, wie geschickt und lernfähig er sich beim Spiel mit den anderen anstellt. Erst dann entscheidet sein Trainer, ob eine Ausbildung mit diesem „Neuen“ sinnvoll ist.

Der Klassenprimus Kanui hat natürlich auch gelernt, nach dem Pflücken die Nüsse aufzuheben, sie mit der ganzen Karft seiner Vorderpfoten von der grünen Schale zu befreien und zielsicher in einen Sack zu werfen. Wenn sein Mitarbeiter-Mensch die Nüsse schält achtet er mit fixem Blick, wann die Nuß fertig geschält ist, ergreift sie blitzschnell und wirft sie geschickt zu den anderen Nüssen.

Noch ein Intelligenztest gefällig? Mit einem dicken Strick und drei festen Knoten hat Somphon Saekhow seine Beine an den Fußgelenken zusammengebunden. Kanui überlegt nur einige Sekunden, zieht dann vorsichtig mit spitzen Fingern am einen Ende des Seils und schon hat er die erste Schlaufe gelöst. Die zweite wird nach der gleichen Methode geöffnet. Die Beine des Trainers sind wieder befreit.

Nun kommt die Belohnung: Herrn Saekhow füllt ihm einen Teller voll Milch. Und Kanui verhält sich natürlich so, wie es sich für einen gut dressierten Affen gehört, er trinkt natürlich erst, nachdem sein Herr und Meister den ersten Schluck genommen hat.

Es folgt ein gemütliches gemeinsames Kratzen, Mensch-Affe, Affe-Mensch, das beide sichtlich genießen, wie auch das abschließende liebevolle Aneinaderkuscheln.

Nur mit seinem Freund Kanui veranstaltet Herr Saekhow eine Besuchershow in dieser Art. Denn trotz zunehmendem Interesse von Touristen ist das „Monkey Training-College“ ein ernsthaftes Lehrinstitut für alle zukünftigen Nußpflücker mit affigem Stammbaum geblieben. Und an diesem Prinzip will Herr Somphon Saekhow auch weiterhin festhalten.

Frau Seakhow nimmt auf dem Rücksitz des Motorrads Platz, ihr Mann hat den Lenker bereits fest im, Griff und Kanui sitzt entspannt im Tragekorb vor seinem Herrn. Der Motor heult auf und ab geht’s. Es ist vielleicht überflüssig zu erwähnen, dass diszipliniertes Verhalten auf Motorrädern auch von jedem Affen erst gelernt werden muss.

Auskunft: Das "Monkey Trainings Center" liegt östlich der Stadt Surat Thani in Ban Tha Thong, rund zwei Kilometer von Kanchanadit und 13 Kilometer vom Zentrum Surat Thanis entfernt. Örtliche Reisebüros bieten u.a. ein Besuch dieser Affenschule an.



Somphon und Kanui beim schmusen in der Affensch...

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Kommentare

  • mamatembo

    Verstehe nicht, wieso seit August 2008 noch niemand diesen interessanten und gut geschriebenen Bericht registriert hat! Daher jetzt schnell die erste Bewertung von mir!
    :-) Beate

  • kawasakipower

    Das ist ein toller Bericht,da sieht man mal wieder das es auch Menschen gibt,die gut zu den Tieren sind.Herr und Frau Saekhow waren übrigens vor eine Woche in einer Zeitung (Habe leider vergessen welche)mit ihrer Schule,wo diese liebevolle Training beschrieben wurde.
    LG Melanie

  • edwingrub (RP)

    Prädikat: wertvoll
    Ein kleiner, aber feiner Bericht, der von etwas erzählt, wovon ich vorher nichts wusste. Danke für diese Geschichte!
    Liebe Grüße,
    Edwin

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