Andalusien – Schmelztiegel der Kulturen

Reisebericht

Andalusien – Schmelztiegel der Kulturen

Reisebericht: Andalusien – Schmelztiegel der Kulturen

Spaniens Süden bezaubert nicht nur durch seine kulturelle Vielfalt und verspielte, maurische Baukunst, sondern bietet auch eine äußerst abwechslungsreiche Landschaft voller Gegensätze. Zerklüftete Berge, eingeschnitten von tiefen Schluchten, interessante Städte mit lebendiger Vergangenheit und pittoreske weiße Dörfer laden zum Verweilen und Entdecken ein.

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Sierra de Grazalema

Als wir weiter südwärts reisen ändert sich die Landschaft abrupt. Im Landesinneren befindet sich der Naturpark Sierra de Grazalema zwischen 600 und 1600 Metern Seehöhe. Dieser Landstrich ist durch die häufigen Niederschläge sattgrün und bietet vielen Pflanzen und Tierarten Lebensraum. Hervorzuheben sind die Gänsegeier, die hier eine große Population aufweisen. Wir folgen der zerklüfteten Felslandschaft bis zum tiefblauen Stausee Embalse de Zahara. Nach dem gleichnamigen Dorf schraubt sich die Straße steil, schmal und kurvenreich in die Höhe. Von der auf etwa 1300m hohen Passhöhe Puerto de la Palomas genießen wir schließlich einen tollen Ausblick auf die umliegende Bergwelt.



Stausee Embalse de Zahara



Setenil de las Bodegas

Schon außerhalb des Parkgebietes befindet sich das interessante Dorf Setenil de las Bodegas, eines der so genannten „Weißen Dörfer“ von Andalusien. Der Name des Ortes stammt höchstwahrscheinlich aus dem Lateinischen und bedeutet "Sieben mal nichts", was darauf zurückzuführen ist, dass die katholischen Herrscher sieben Anläufe benötigten, um das Dorf 1485 von den Mauren zurück zu erobern. Ein Teil des Ortes wird von einer Klippe beherrscht, an die sich die Häuser anschmiegen. Zum Teil sind die Behausungen auch in den Berg hinein gegraben.



Setenil de las Bodegas



Parque Natural de los Alcornocales

Parque Natural de los Alcornocales

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Nach diesem Abstecher in die Bergwelt zieht es uns langsam zurück an die Küste. Wir durchqueren einen weiteren Nationalpark, den Parque Natural de los Alcornocales, mit einer grandiosen Bergkulisse und moosüberwachsenen Korkeichenwäldern.



Cadiz

Schließlich erreichen wir unser nächstes Ziel, die Stadt Cadiz. Sie befindet sich in exponierter Lage auf einer Landzunge und ist umringt vom blauen Wasser des Atlantiks.
Die Straße führt zuerst am wenig einladenden Hafengelände vorbei, erst später erreichen wir den eigentlichen Stadteingang, das wuchtige Puerta de Tierra (Landtor).
Cadiz blickt auf eine lange Geschichte zurück und wurde etwa 1100 v. Chr. von den Phöniziern unter dem Namen "Gadir" gegründet. In weiterer Folge ließen sich hier viele Völker nieder, die das Gesicht der Stadt prägten. Bereits in der Antike war Cadiz eine Weltstadt mit großer Schiffswerft. Weiters wurde Garum (eine römische Fischsoße) nach Rom exportiert. Noch heute zeugt beispielsweise das römische Theater von dieser Vergangenheit.
Unter maurischer Herrschaft verfiel Cadiz in Bedeutungslosigkeit und wurde erst wieder 1717 als Handelsstadt mit Amerika bekannt. Heute zählt Cadiz mit seinen etwa 130 Tsd. Einwohnern daher zu den ältesten Städten des Abendlandes.
Wir parken unser Auto in einer zentralen Tiefgarage und schlendern durch die –im Reiseführer als „leuchtend“ und „strahlend“ - bezeichnete Stadt. Dies können wir nicht ganz nachvollziehen. Für uns wirken die Gassen eher heruntergekommen und die Gebäude abgewohnt. Oder vielleicht sind wir auch schon zu sehr durch die Architektur der anderen Städte Andalusiens geprägt und Cadiz ist einfach nur „anders“ mit einem individuellen Stil?
Die Lage am Meer ist jedoch wirklich einzigartig, und einige Bauwerke, wie der imposante Dom oder die Burg Santa Catalina sind liebevoll renoviert worden.



Cadiz



Semana Santa Prozession

Als wir den Plaza de la Catedral erreichen, stoßen wir mitten in die Osterprozession „Semana Santa“. Diese Umzüge finden in der Karwoche in ganz Andalusien statt. Ihre Geschichte reicht bis ins 14. Jh zurück.
Religiöse Bruderschaften in Kutten mit Spitzhauben marschieren langsam Richtung Dom. Der nur durch Trommelschläge begleitete Umzug mit den maskierten Büßern wirkt für uns ungewohnt und etwas unheimlich. Feierlich werden Banner, Kerzen und eine Christusstatue getragen, alles geht in relativer Stille vor sich. Unzählige Einheimische und Touristen folgen gebannt und ehrfürchtig der Zeremonie. Auch wir sehen einige Zeit zu, bevor wir wieder in das Gassengewirr der Altstadt eintauchen.



Semana Santa in Cadiz



Vejer de La Frontera

Mittlerweile ist Ostersonntag, der 20.4.2014, und es schüttet in Strömen. Wir fahren in südliche Richtung und legen einen Zwischenstopp im Weißen Dorf Vejer de la Frontera ein. Das Gassengewirr der Altstadt liegt auf einem Hochplateau und besticht mit seinen verschachtelten Häusern und verschwiegenen Plätzen. Plötzlich beginnt es sintflutartig zu regnen, und wir müssen notgedrungen unseren Spaziergang abbrechen. Der Regen wird immer stärker, sodass sich die Gassen in einen reißenden Bach verwandelt haben. Knöcheltief eilen wir durchs Wasser, finden aber am Morgen des Ostersonntags kein offenes Restaurant oder Geschäft. Daher müssen wir etwa 15 Minuten bis zum Parkplatz laufen. So einen Regen haben wir noch nie erlebt! Komplett durchnässt erreichen wir schließlich das Auto und stellen fest, dass mein Handy diesem Wolkenbruch nicht standgehalten hat.



Vejer de la Frontera



Costa de la Luz

Nachdem wir uns (im Auto) umgezogen haben, wird auch der Regen wieder besser. Auch die Sturzflut auf der Straße lässt nach, sodass wir bedenkenlos weiterfahren können.
Etwa zwei Stunden später ist es zwar düster, bedeckt und windig, doch der Regen hat endlich aufgehört.
Wir halten an der Costa de la Luz am weitläufigen El Palmar Strand und machen einen kleinen Spaziergang. Dabei beobachten wir zahlreiche Kite-Surfer, die sich an der steifen Brise erfreuen.



Costa de la Luz



Gibraltar

Genau zwischen Mittelmeer und Atlantik liegt der markante Felsen von Gibraltar, etwa 14 Kilometer von Afrika entfernt.
Seit 1704 steht das Gebiet unter britischer Souveränität, sogar mit eigener Währung, dem Gibraltar – Pfund.
Wir lassen unser Mietauto im spanischen La Linea de la Concepcion stehen und gehen zu Fuß über die Grenze. Gleich hinter dem Zollgebäude warten Taxis, die eine 1 ½ stündige Rundfahrt anbieten.
Zuerst überqueren wir den Flughafen. Dieser ist weltweit der Einzige, dessen Landebahn eine vierspurige Straße kreuzt. Bei jedem Start bzw. Landung wird die Straße gesperrt, und es gibt keinen Zugang zur Stadt.
Gibraltar hat etwa 29000 Einwohner auf einer Fläche von nur 6,5km2, damit zählt es zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde.



Gibraltar



Der obere Teil des 426 Meter hohen Kalksteinfelsens „Upper Rock“ wurde 1993 zum Naturschutzgebiet erklärt. Hier leben die bekannten Berberaffen, die alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wegschleppen.
Auch wir fahren nun durch mehrere Tunnelanlagen steil bergauf. Plötzlich tummelt sich eine Gruppe Affen mitten auf der Straße. Wir halten, und geschwind hechtet ein weiterer Affe durchs offene Fenster ins Auto und stiehlt in Sekundenbruchteilen die Geldtasche des Fahrers. Nun springt der Fahrer aus dem Auto und verscheucht die Tiere mit einem Handtuch, die sich ohnehin viel mehr über etwas Essbares gefreut hätten.

Weniger dramatisch ist unser Besuch in der illuminierten St. Michael’s Cave. Diese sehenswerte Tropfsteinhöhle war bereits in der Jungsteinzeit bekannt. 1867 fanden Archäologen sowohl Felsmalereien als auch Werkzeuge in den Höhlenräumen. Im zweiten Weltkrieg wurde ein Raum vergrößert, um ein Militärkrankenhaus einzurichten. Dieses wurde jedoch nie benötigt.

Unser nächster Stopp sind die Great Siege Tunnels, von deren Eingang wir einen tollen Ausblick auf den Flughafen und die umliegende Bucht genießen können. Mit dem Bau des gigantischen Tunnelsystems wurde bereits 1779 begonnen. Die Gänge wurden komplett händisch in den Fels getrieben. Im Zweiten Weltkrieg erweiterten die Briten die Verteidigungsanlagen auf insgesamt 70 Kilometer und bestückten diese mit zahlreichen Kanonen.

Die Zeit verrinnt wie im Fluge, schließlich fahren wir wieder bergab ins Zentrum der Stadt. Hier steigen wir aus und spazieren durch die Main Street, eine Einkaufsstraße und Fußgängerzone, zurück zum Grenzübergang.

Nach der Überquerung des Flugfeldes folgt wieder der Grenzübergang nach Spanien. Wir sind froh, nicht mit dem Fahrzeug nach Gibraltar gekommen zu sein, denn eine nicht enden wollende Autoschlange begleitet unseren Weg bis zurück zum Parkplatz.



Gibraltar


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Kommentare

  • Wilfried_S.

    Auf mehreren Reisen durch Spanien haben wir vieles von dem auch gesehen und so gab es ein erfreuliches "Wiedersehen" - Danke!
    Sogar die Schlucht von Monachil haben wir 2008 ebenfalls durchwandert :-))
    Für Granada habe ich nur einen Tipp: Wir haben die Alhambra bei Tag und ZUSÄTZLICH bei NACHT besucht. Für die Abendöffnung braucht man auch separate Eintrittskarten und die Anzahl der Besucher ist ebenfalls begrenzt, bei unserem Besuch im Septemer 2008 drängten sich abends aber wesentlich weniger Besucher durch den Nasridenpalast als untertags. Die exzellente Beleuchtung betonte die wunderbare Architektur und war auch für das Fotografieren sehr hilfreich.
    Aber zurück zu Deinem Bericht. Er hat mir durch Deine unerhaltsame Schreibweise sehr gut gefallen, es gibt unzählige großartige - und einge "nur" gute, aber unbedingt dazugehörende - Bilder und so fällt die Entscheidung über die Beurteilung leicht :-))
    lg Wilfried

  • Blula

    Liebe Tamara!
    Mit einigen Tagen Verspätung habe ich gerade Deinen schönen Bericht entdeckt und mich sogleich "drübergemacht". Ich habe ja vor Jahren auch einmal eine Reise nach Andalusien unternommen, bin dabei aber längst nicht so viel herumgekommen wie Du. Auch Gibraltar habe ich nicht besucht. Du zeigst mir hier noch so viele lohnenswerte Orte auf. Eine erneute Reise in den Süden Spaniens steht sowieso schon länger auf meinem Wunschzettel und Dein ausgezeichneter Bericht verstärkt meine Reiselust noch mehr.
    Vielen Dank, auch für die Bilder, die Du hier beigefügt hast.
    LG Ursula

  • weltreisen

    ich möchte mich den "nostalgischen" kommentaren von Ursula und Wilfried anschliessen, denn auch für mich gab es einige bekannte orte - einschliesslich - wieder zu entdecken, die wir auf mehreren reisen in südspanien besucht haben. Danke.
    inge

  • traveller27

    Dieser sehr informative, kurzweilig geschriebene sowie anschaulich und reichlich bebilderte Bericht macht wirklich Lust auf eine Andalusien-Rundreise. Ich stelle mir dazu noch die feurige Gipsy-Flamenco Musik vor und schon geht’s ab in den Süden. Vielen Dank dafür!
    LG Harald

  • trollbaby

    Liebe Tamara!
    Obwohl ich vor 10 Jahren selbst in Andalusien war, habe ich nur einen Bruchteil dessen gesehen, was Ihr besucht habt! Umso begeisterter bin ich daher nun mit Dir "unterwegs" gewesen und habe Plätze entdeckt, von denen ich noch nie zuvor gehört habe. Vielen Dank für Deinen kurzweiligen und gut bebilderten Bericht!
    LG Susi

  • Elaira

    Liebe RC-Freunde, vielen lieben Dank für das Lesen, Bewerten und Kommentieren meines Berichtes! Ich freue mich, dass ich eure Reiseerinnerungen wecken konnte. Ich war wirklich überrascht, wie vielseitig und interessant Andalusien ist.
    Lieber Wilfried, wir haben von der Nachtbesichtigung der Alhambra gehört, ich kann mir vorstellen, dass es toll war! Die großartige Atmosphäre der Paläste ist in der Nacht sicher noch mehr spürbar als am Tag. Mit meinem kleinen Sohn wäre das aber leider nicht möglich gewesen :-(.
    Danke euch allen nochmals LG Tamara

  • TomHa

    Hallo Tamara,
    bei mir wurden Erinnerungen an Andalusien wach. Wir hatten zwar nicht die gleichen Ziele besucht, aber die Alhambra in Granada hatten wir auch auf dem Programm. Uns hat Andalusien unheimlich gut gefallen.

    Viele Grüße
    Thomas

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