Andalusien – Schmelztiegel der Kulturen

Reisebericht

Andalusien – Schmelztiegel der Kulturen

Reisebericht: Andalusien – Schmelztiegel der Kulturen

Spaniens Süden bezaubert nicht nur durch seine kulturelle Vielfalt und verspielte, maurische Baukunst, sondern bietet auch eine äußerst abwechslungsreiche Landschaft voller Gegensätze. Zerklüftete Berge, eingeschnitten von tiefen Schluchten, interessante Städte mit lebendiger Vergangenheit und pittoreske weiße Dörfer laden zum Verweilen und Entdecken ein.

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Alhambra

Mittlerweile ist der 14.4.2014, und die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit von Andalusien steht auf unserem Programm. Das Ticket haben wir bereits vorbestellt, und so können wir uns in die viel kürzere der beiden Warteschlangen vor den Toren zur Alhambra einreihen.
Endlich können wir den Burgkomplex betreten, der eigentlich eine ganze Palaststadt ist und auf einem Hügel oberhalb der Stadt Granada erbaut wurde.
Die weitläufige Anlage ist zweifellos ein Prachtstück arabischer Architektur und besteht aus den Nasriden-Palästen, dem Generalife, der Alcazaba Zitadelle und dem Palast Karls V.
Das prächtige Herzstück sind die Nasridenpaläste mit ihren verspielten Innenräumen, plätschernden Brunnen und lauschigen Höfen. Da die Besucherzahl begrenzt ist, muss hierfür ein zusätzliches Ticket besorgt werden, das die genaue Eintrittszeit fixiert.
Der Generalife mit seiner maurischen Gartenanlage war der seinerzeitige Sommersitz der Sultane. Wasserspiele, Blumen und Pavillons sollten das Paradies symbolisieren.
Die Alcazaba ist der älteste Teil der Burg, deren älteste Befestigungsanlagen bereits auf das 9. Jh zurückgehen. Sie wurde für militärische Zwecke errichtet.
Karl V wollte Granada zum spanischen Regierungssitz machen und erbaute ab 1527 ein weiteres Gebäude inmitten der Alhambra. Das etwas deplaziert wirkende Renaissance-Schloss wurde jedoch nie fertig gestellt. Heute befindet sich hier das "Museum der schönen Künste".
Außerdem versteckt sich hinter einer akkurat geschnittenen Heckenreihe das ehemalige Kloster San Francisco, das zu einem luxuriösen Hotel umgebaut wurde.
Wir streifen stundenlang begeistert durch die ausgedehnten Parkanlagen und bestaunen die filigrane, islamische Baukunst.



Alhambra



Monachil Schlucht

Schlussendlich können wir uns doch noch von der Alhambra trennen. Ganz in der Nähe unseres Hotels befindet sich die Monachil Schlucht (auch Cahorros genannt) am Fuße des Sierra Nevada Gebirges. Eine Wanderung durch die ruhige, menschenleere Felsenlandschaft ist nun genau das Richtige für uns. Der kurze Rundweg führt zuerst einem Wasserkanal entlang, dann über zwei Hängebrücken bis hin zu einem Wasserfall. Dort entdecken wir einige Kletterer, die scheinbar mühelos die senkrechten Felswände bezwingen. Wir überqueren den Fluss und spazieren auf der anderen Seite der Klamm den Pfad zurück zum Parkplatz.



Monachil Schlucht



Granada

Für den nächsten Tag haben wir uns vorgenommen die Stadt Granada näher zu besichtigen.
Wir beginnen unseren Rundgang im Alcaiceria, dem ehemaligen arabischen Markt. Enge Gässchen mit kleinen Läden schaffen auch heute noch eine Atmosphäre wie in einem marokkanischen Souk. Plötzlich steigt uns angenehmer Duft in die Nasen, und wir entdecken hinter einer Straßenecke mehrere Stände mit bunten Gewürzen und wohlriechenden Kräutern. Ein Fest der Sinne!

Gleich dahinter befindet sich die Madraza, die ehemalige Koranschule, die 1349 errichtet wurde. Aus dieser Zeitepoche stammt noch der typisch arabische Gebetsraum mit seinen feinen Ornamenten und der achteckigen Decke. In christlicher Zeit wurde das Gebäude komplett umgebaut und diente fortan als Rathaus. Später wurde die Madraza Teil der Universität.

Vis a vis steht die prächtige Capilla Real, die Königliche Kapelle. Hier sind Königin Isabella von Kastilien (1451 -1504) und König Ferdinand von Aragon (1452-1516) bestattet. Fotografieren ist in den gesamten Räumlichkeiten verboten. Direkt angebaut ist die mächtige Kathedrale, die ursprünglich im gotischen Stil errichtet werden sollte, jedoch auch Renaissance- und Barockelemente aufweist. Die endgültige Fertigstellung beschloss man erst 1704, 181 Jahre nach Baubeginn.

Nun steigen wir hinauf zum Aussichtspunkt „Mirador de San Nicolas“ und genießen ein wunderschönes Panorama auf die gegenüberliegende Alhambra mit der schneebedeckten Sierra Nevada im Hintergrund. Wie so viele andere Besucher verweilen auch wir hier länger und hören den Straßenmusikern zu. Leider beginnt es zu nieseln, sodass wir unser Picknick abbrechen müssen.



Granada



Stadtviertel Sacromonte

Mit dem Bus fahren wir anschließend ein kurzes Stück weiter in das interessante Stadtviertel Sacromonte mit seinen weißen Häusern, Wohnhöhlen und unzähligen Flamenco-Bars. Ursprünglich war der Stadtteil die Heimat der Mauren und Juden, die im 16. Jh aus ihren Häusern vertrieben wurden und sich außerhalb der Stadtmauern niederlassen mussten. Im 19 Jh siedelten sich schließlich Künstler und „Gitanos“ (Zigeuner) an, die den Flamenco hierher brachten.
Ein Geheimtipp ist zweifellos das auf einem Hügelkamm gelegene Höhlenmuseum „Museo Cuevas del Sacromonte“ mit originalgetreu eingerichteten Wohnräumen, Werkstätten und Ställen. Nicht nur das Freilichtmuseum ist sehr sehenswert, auch der Aufstieg mit seinem Traumausblick auf die Alhambra macht einen Besuch äußerst lohnenswert und unvergesslich!



Sacromonte



Science Museum

Eine Sehenswürdigkeit ganz anderer Art ist der riesengroße Wissenschaftspark von Granada. Auf 70.000 Quadratmetern ist hier seit 1995 ein interaktives Museum untergebracht, das sich den Naturwissenschaften in all seinen vielfältigen Spektren widmet. In sieben permanenten Ausstellungshallen, mehreren temporären Räumen und einem großen Freigelände darf alles angefasst und ausprobiert werden. Die Ausstellungspalette reicht von physikalischen Phänomenen, über die Reise in den menschlichen Körper bis hin zu einem Schmetterlingshaus, und einem Planetarium. Es würde wohl Tage dauern, das gesamte Museum zu besichtigen!



Wissenschaftspark von Granada



Unsere Reise führt nun weiter in den Nordosten Andalusiens. Die Städte Baeza und Ubeda befinden sich nur etwa 10 Kilometer voneinander entfernt und zählen wegen ihrer schönen Renaissancegebäude zum UNESCO Weltkulturerbe.



Ubeda

Auf einem Hügel, über dem Fluß Guadalquivir, liegt die Stadt Ubeda. Wir unternehmen einen Spaziergang durch die malerische Altstadt und genießen die Ruhe nach dem Getümmel in Granada. Lauschige Plätze, honiggelbe Renaissancepaläste und mächtige Kirchen säumen unseren Weg durch dieses Stadtjuwel.



Ubeda



Baeza

Nicht weniger sehenswert ist die Schwesternstadt Baeza. Wir lassen uns durch die Gassen treiben und genießen die geschichtsträchtige Atmosphäre des Ortes. Der Hauch der Vergangenheit liegt über dem gesamten Altstadtkern aus dem 16 Jh. Vornehme Fassaden erinnern an eine goldene Zeit, als der Handel Reichtum in die Stadt brachte.



Baeza


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Kommentare

  • Wilfried_S.

    Auf mehreren Reisen durch Spanien haben wir vieles von dem auch gesehen und so gab es ein erfreuliches "Wiedersehen" - Danke!
    Sogar die Schlucht von Monachil haben wir 2008 ebenfalls durchwandert :-))
    Für Granada habe ich nur einen Tipp: Wir haben die Alhambra bei Tag und ZUSÄTZLICH bei NACHT besucht. Für die Abendöffnung braucht man auch separate Eintrittskarten und die Anzahl der Besucher ist ebenfalls begrenzt, bei unserem Besuch im Septemer 2008 drängten sich abends aber wesentlich weniger Besucher durch den Nasridenpalast als untertags. Die exzellente Beleuchtung betonte die wunderbare Architektur und war auch für das Fotografieren sehr hilfreich.
    Aber zurück zu Deinem Bericht. Er hat mir durch Deine unerhaltsame Schreibweise sehr gut gefallen, es gibt unzählige großartige - und einge "nur" gute, aber unbedingt dazugehörende - Bilder und so fällt die Entscheidung über die Beurteilung leicht :-))
    lg Wilfried

  • Blula

    Liebe Tamara!
    Mit einigen Tagen Verspätung habe ich gerade Deinen schönen Bericht entdeckt und mich sogleich "drübergemacht". Ich habe ja vor Jahren auch einmal eine Reise nach Andalusien unternommen, bin dabei aber längst nicht so viel herumgekommen wie Du. Auch Gibraltar habe ich nicht besucht. Du zeigst mir hier noch so viele lohnenswerte Orte auf. Eine erneute Reise in den Süden Spaniens steht sowieso schon länger auf meinem Wunschzettel und Dein ausgezeichneter Bericht verstärkt meine Reiselust noch mehr.
    Vielen Dank, auch für die Bilder, die Du hier beigefügt hast.
    LG Ursula

  • weltreisen

    ich möchte mich den "nostalgischen" kommentaren von Ursula und Wilfried anschliessen, denn auch für mich gab es einige bekannte orte - einschliesslich - wieder zu entdecken, die wir auf mehreren reisen in südspanien besucht haben. Danke.
    inge

  • traveller27

    Dieser sehr informative, kurzweilig geschriebene sowie anschaulich und reichlich bebilderte Bericht macht wirklich Lust auf eine Andalusien-Rundreise. Ich stelle mir dazu noch die feurige Gipsy-Flamenco Musik vor und schon geht’s ab in den Süden. Vielen Dank dafür!
    LG Harald

  • trollbaby

    Liebe Tamara!
    Obwohl ich vor 10 Jahren selbst in Andalusien war, habe ich nur einen Bruchteil dessen gesehen, was Ihr besucht habt! Umso begeisterter bin ich daher nun mit Dir "unterwegs" gewesen und habe Plätze entdeckt, von denen ich noch nie zuvor gehört habe. Vielen Dank für Deinen kurzweiligen und gut bebilderten Bericht!
    LG Susi

  • Elaira

    Liebe RC-Freunde, vielen lieben Dank für das Lesen, Bewerten und Kommentieren meines Berichtes! Ich freue mich, dass ich eure Reiseerinnerungen wecken konnte. Ich war wirklich überrascht, wie vielseitig und interessant Andalusien ist.
    Lieber Wilfried, wir haben von der Nachtbesichtigung der Alhambra gehört, ich kann mir vorstellen, dass es toll war! Die großartige Atmosphäre der Paläste ist in der Nacht sicher noch mehr spürbar als am Tag. Mit meinem kleinen Sohn wäre das aber leider nicht möglich gewesen :-(.
    Danke euch allen nochmals LG Tamara

  • TomHa

    Hallo Tamara,
    bei mir wurden Erinnerungen an Andalusien wach. Wir hatten zwar nicht die gleichen Ziele besucht, aber die Alhambra in Granada hatten wir auch auf dem Programm. Uns hat Andalusien unheimlich gut gefallen.

    Viele Grüße
    Thomas

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