Windjammer segeln

Reisebericht

Windjammer segeln

Reisebericht: Windjammer segeln

„Ein wirklich prächtiges und faszinierendes Segelschiff“, das ist der erste Gedanke, der mir beim Anblick der ‚Eye of the Wind‘ im Stockholmer Hafen durch den Kopf geht.

Verbindung von Tradition und Komfort

Voller Vorfreude und mit großen Erwartungen stehe ich nun vor der Brigg mit ihren rotbraunen Segeln und dem glänzenden schwarzen Rumpf. Mit seinem verwegenen und stolzen Aussehen erinnert mich der Windjammer an vergangene Seefahrerzeiten, in denen die großen Rahsegler und Clipper die Weltmeere überquert, allen Stürmen und Schwierigkeiten getrotzt und wertvolle Waren von einem Kontinent zum anderen transportiert haben. Die ‚Eye of the Wind‘ kann auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurückblicken und hat vor einiger Zeit ihr 100jähriges Jubiläum gefeiert.

Nach einer sehr netten Begrüßung durch die Crew treffen wir uns zu einem Sektempfang auf dem Achterdeck. Die Crew und alle Törn-Teilnehmer stellen sich beim Empfang kurz vor.
Nach dem Empfang sehe mich an Bord um und mache mich mit dem Schiff vertraut. Die ‚Eye of the Wind‘ ist in einem hervorragenden Zustand und sehr schön ausgestattet. Ein richtiges Highlight sind die Kajüten. Jede Kajüte verfügt über ein eigenes Bad. Diesen Luxus hatte ich bei einem Segelschiff nicht erwartet und ich bin sehr positiv überrascht.



Das Steuerrad der 'Eye of the Wind'



Segel setzen wie in frühen Seemannstagen

Kurze Zeit später finden wir uns zum Essen im oberen Salon ein. Ein leckeres und üppiges Abendessen erwartet uns und im Anschluss daran lassen wir den Abend in einer fröhlichen und ausgelassenen Stimmung bei einigen Gläsern Wein ausklingen.
Um 8 Uhr am nächsten Morgen gibt es ein reichliches Frühstücksbuffet mit allen Leckereien. Eine Stunde später stechen wir in See. Zuerst erhalten wir einen Überblick über den Tagesablauf von unserem Kapitän, und im Anschluss daran eine Einweisung in die Verhaltensweisen an Bord und die Seenotrettungsmaßnahmen von der Steuerfrau, die hier auf der ‚Eye of the Wind‘ First Mate genannt wird.

Aus dem Hafen laufen wir unter Motor aus. Doch schon nach kurzer Zeit kommt das Kommando zum Segel setzen. Die Crew erklärt uns die verschiedenen Aufgaben und wer will, kann gerne mit Handanlegen. Ich, als alter Segler, bin begeistert. Es ist das erste Mal, dass ich auf solch einem großen Rahsegler mitfahre und das Segeln eines so großen Schiffes ist ausgesprochen faszinierend. Ich bin früher einmal zur See gefahren und habe zahlreiche Regatten gesegelt, doch auch ich lerne auf der ‚Eye of the Wind‘ noch sehr viel dazu.

Natürlich ist das Segeln eine harte und schweißtreibende Arbeit. Die Segel werden auf der ‚Eye of the Wind‘ allein mit Muskelkraft und mit ganzem Körpereinsatz gesetzt. Alle legen mit Hand an und nur, wenn die Zusammenarbeit richtig funktioniert, kann man die Segel setzen. Doch wenn die Segel dann im Wind stehen und die Maschine gestoppt wird, ist das ein erhebendes Gefühl und das Seglerherz geht einem auf. Alle Gäste helfen mit großem Eifer beim Segeln mit und es macht uns jede Menge Spaß.



Traumhafter Blick über den endlosen Ozean

Sonnendeck der EYE OF THE WIND

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Mit einem Klettergurt ausgerüstet dürfen auch wir Gäste in die Wanten klettern. Dort oben ist es einfach traumhaft. Das Schiff wird immer kleiner und kleiner, je höher ich hinaufklettere. Und dann stehe ich ganz oben, der Wind bläst mir um die Nase und ich fühle mich fast wie eine Möwe, so unglaublich frei und losgelöst. Als schließlich die großen Rahsegel gehisst sind und wir alle Klüver gesetzt haben, blicken wir uns mit freudestrahlenden Gesichtern an. Das Ergebnis unserer harten Arbeit ist einfach prächtig anzusehen. Die markanten rotbraunen Segel wölben sich über unseren Köpfen im Wind und immer wieder spritzt Gischt über den Bug auf das Vorderdeck.
Rechts und links erstreckt sich die traumhafte Landschaft der schwedischen Schären mit ihren über 24.000 Inseln. Diese kleinen, grauen und rotbraunen Granitinseln erscheinen mir wie eine Märchenlandschaft. Manche von ihnen sind ganz karg und klein, andere wiederum größer und bewaldet. Doch jede Einzelne ist einzigartig in ihrer Form und ihrem Aussehen. Am Ufer stehen die kleinen, bunten Holzhäuser, für die Schweden so berühmt ist. Jedes Mal, wenn wir an solch einem Häuschen in den typischen Farben Gelb oder Ochsenblutrot und den gepflegten Gärten vorbei segeln, ereignet sich immer derselbe Vorgang: Die Tür des Häuschens geht auf, ein Mann und eine Frau kommen auf die Terrasse. Sie winken und fotografieren das Schiff und gehen wieder hinein. Es ist wie bei einer Kuckucksuhr.

Einer der schönsten Orte auf dem Schiff ist für mich vorne im Klüver. Ich suche mir hier gerne einen bequemen Platz um auf das Wasser oder in die Ferne zu schauen und zu träumen. Hier kann ich alle Anspannung fallen lassen und wieder zu mir finden.



Das Leben an Bord

Die ganze Zeit herrscht eine wunderbare, fröhliche Stimmung zwischen uns. Man ist auf kleinem Raum zusammen und lernt sich besser kennen. Man lacht miteinander, hat Spaß in der Gruppe und führt tolle und spannende Gespräche.
Am zweiten Abend können wir den Kapitän dazu bewegen, nicht wieder in den Hafen zurück zu kehren, sondern in einer schönen Bucht vor Anker zu liegen. Wir erleben einen romantischen Sonnenuntergang, der die Schären in rot-goldenes Licht taucht und erkunden mit dem Beiboot die märchenhafte Inselwelt. Dabei haben wir unglaublich viel Spaß und erobern wie die alten Seeräuber die kleinen Inseln. Auf der Fahrt zurück zum Schiff erleben wir den Anblick der ‚Eye of the Wind‘, die im schwindenden Licht rötlich glänzend in der Bucht vor Anker liegt.



Landgang in Stockholm

Stockholm ist für den Törn unser Ausgangshafen und natürlich unternehmen wir auch Landgänge in die Stadt. Die schwedische Hauptstadt erstreckt sich über 14 Inseln, die durch 57 Brücken miteinander verbunden sind. Die wunderschönen historischen Gebäude, die reizvolle Lage und die Nähe zum Wasser machen den besonderen Charme dieser Stadt aus. Wir interessieren uns speziell für die Architektur von Stockholm und besichtigen verschiedene Kirchen, das königliche Schloss, das Konzerthaus und das Vasa-Museum. Stockholm ist eine bezaubernde Stadt und der Stadtrundgang ist unter architektonischen Gesichtspunkten ein anregender und inspirierender Landgang.
Doch was uns bei unserem Segeltörn am meisten begeistert, ist das Segeln und das Miteinander. Da sind wir uns alle einig. Wenn man sieht, wie sich so ein prächtiges Segelschiff von dieser Größe und Schönheit nur mit Hilfe des Winds durch die Wellen schiebt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Das ist es, was bei einer solchen Tour in Erinnerung bleibt. Etwas Schöneres gibt es gar nicht. Das Segeln, das Meer, das Wetter, die Menschen und dieses einzigartige und außergewöhnliche Schiff.



Die 'Eye of the Wind'


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Kommentare

  • traveltime

    Ein schöner Bericht, noch lieber wäre mir, ich wär dabei gewesen.
    LG Rolf

  • Abenteuer_Windjammer

    Hallo Rolf, jeder kann mitsegeln. Das Schiff ist nicht nur in Schweden unterwegs, sondern auch in der Karibik, Bermuda, Azoren, Kanaren, Nord- und Ostsee.
    Aktuelle Infos gibts unter www.eyeofthewind.net

  • Raudi

    Kann Rolf nur zustimmen , Ein schöner Reisebericht !

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