Reisebericht

Reisebericht: Kuba und der Sozialismus

 
 
 
 
 
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Ankunft in Havana

Da hatte ich mir jahrelang Spanisch beigebracht, und nun wollte ich es endlich in der großen weiten Welt anwenden.
Kuba war schon immer mein Traum, Castro war noch Staatschef, das Land für Touristen sicher, also nichts wie auf, zu meiner ersten Fernreise.
Der Schock kam unvermittelt und heftig.
Ich war in den 70igern und Anfang der 80iger in allen möglichen Ostblockstaaten und dachte, ich hätte schon genug verfallene Häuser gesehen, aber das?
Ich wollte nur noch nach Hause.
Aber der Reihe nach.
Im Flugzeug lernte ich eine Gruppe deutscher Gewerkschafter kennen, welche mich in ihren Bus mit nach Havana nahmen. Auf dieser Reise in die Altstadt von Havana kamen wir an unendlich vielen bewohnten Ruinen vorbei.In Havana angekommen mußte ich mein Hotel suchen und bin dabei in der Dämmerung durch die Altstadt gelaufen. Überall konnte man durch die Fensteröffnungen und die Risse in den Häusern im Halbdunkel Menschen sehen. Ich kam mir vor, wie in einem schlechten Film.
Von da ab konnte es nur noch besser werden.
Mein Hotel direkt am Malecon hatte ich von Deutschland aus für 3 Nächte gebucht und im obersten Stockwerk, mit Blick auf den Atlantik (ich glaube 13.Stock und keine Sicherung gegen Rausfallen) ging es mir schon viel besser.
Vom Hotel aus konnte ich auch ein paar Bilder von Havanas Zerfall machen.



 
 
 
 
 

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2 Tage Havana Altstadt

Nachden ich am Abend noch mit einem kubanischen Jungen, seiner Freundin und seiner Schwester etwas am Malecon gesessen hatte und ich das morgendliche Konzert der Hähne (in einer Hauptstadt - irre) verwunden hatte, machte ich mich zur Erkundigung der Hauptstadt auf.
Als Erstes tauschte ich durch den Kauf einer typischen und sehr leckeren Pizza etwas Moneda national ein. Dies ist die Eintrittskarte in das normale Leben der Kubaner, wen man den reingelassen wird.
Wie ich leidvoll lernen mußte, ist es schwierig, Gastfreundschaft ohne Hintergedanken rechtzeitig von den Jinteros (Schleppern) und der verständlichen Abzocke zu trennen.
Ein arbeitender Kubaner verdient in etwa 15 Euro im Monat und Dinge, die über die Grundsicherung hinausgehen, kosten soviel wie bei uns.
Kein Wunder das Schieberei, Bettelei und Abzocke nur so blühen.
Nach der Besichtigung der Altstadt, des Revolutionsmuseums, des Marktes und was sonst noch als Attraktion gehandelt wird, traf ich Adolfo (der Junge vom Abend vorher) wieder an der gleichen Stelle und er nahm mich mit zu seiner Familie. Diese wohnte mit einer unendlichen Zahl von Familienmitgliedern in einer heruntergekommenen Wohnung neben dem Chinesenviertel.
Ich habe mich mit seinen Eltern und seinen Großeltern unterhalten und dabei erfahren, wie die so über die Runden kommen.Sie zeigten mir auch eines der Gutscheinbücher, die jeder Kubaner bekommt und somit sein Überleben sichert. (Reis, Bohnen, Gas usw.)
Zur Wohnung kamen wir übrigens, indem ich Adolfo folgte, ohne das jemand merkte, daß ich ihn kenne. Es ist nicht erlaubt Ausländer mit nach Hause zu nehmen. Zurück mußte mich Adolfo genauso begleiten, daß forderten die Eltern aus Sicherheitsgründen.
Allerdings glaube ich, daß dies nicht nötig gewesen wäre, denn an jeder Ecke steht ein Polizist und achtet auf die Sicherheit der Touristen. (auf Anderes natürlich auch).
Kurz zusammengefasst kann man sagen, daß
Havana hat eine wunderschöne Altstadt hat, welche dringend restauriert werden muß und die Oldtimer sind wirklich toll.



 
 
 
 
 

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Santiago de Cuba

Da ich nur 2 Wochen Zeit hatte, flog ich mit einem Inlandsflug nach Santiago.
Mal abgesehen von der Fahrt zum Inlandsflughafen, vorbei an der Ruinen, war ich von dem Flug sehr überrascht. Das Flugzeug machte einen neuen Eindruck und es gab auf dem einstündigen Flug sogar Service (ein Getränk und einen Bonbon für jeden).
Santiago ist ganz anders als Havana. Flache Häuser, manche sogar gepflegt, viel wärmer, nicht ganz so hektisch.
Hier lernte ich eine sehr unangenehme Facette eines relativ armen Landes kennen, die mir in Havana wohl nicht bewußt geworden war, weil ich selten allein durch die Stadt ging.
Schon bei der Beschaffung eines Quartiers wurde ich von einem 'freundliche Chinesen' (es sollte der Erste werden, der mich etwas abzog) darüber aufgeklärt, daß viele Kubaner glauben, eine alleinreisende Frau aus Europa sei zum Sextourismus auf Kuba. Nachdem ich mein Sprüchlein, ich sei nur aus kulturellem Interesse da, aufsagte, bekam ich plötzlich sofort ein schönes Quartier bei einer Familie. Die Familie selbst bezeichnete sich selbst als a fortunable, was, wie mir später klar wurde, nicht so sehr viele sind.
Jedenfalls hat man es geschafft, wenn man die Lizenz hat, einen Touristen aus dem Ausland zu beherbergen und oftmals kann man damit (wenn auch nur mit Hintergehung der Behörden) einen guten Lebensstandard finanzieren. Später traf ich sogar Menschen, welche ihre Arbeit aufgegeben hatten und nur noch von der Vermietung lebten.
Zurück zu Santiago. Verdorben hat mir eben jener Sextourismus jede Freude an Santiago. Ich konnte wirklich keinen Meter laufen, ohne nicht von den Typen angesprochen zu werden, ob ich den nicht usw. Da dabei auch noch an den Klamotten gezerrt wurde, wollte ich nur noch weg.
Später im Bus traf ich dann 2 deutsche Männer vom Inlandsflug wieder und diese berichteten, daß es ihnen mit z.T. ganz jungen Mädchen ähnlich ergangen war.
Also am besten als Pärchen unterwegs sein, dann hat man seine Ruhe.



 
 
 
 
 

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Transport auf Cuba

Nachdem ich schon in Havana gestaunt hatte, über die verschiedensten Transportmittel Camelo (ein zusammengeschweißtes Transportmittel, sieht aus wie ein Kamel), Cocotaxis (kleine runde überdachte Mopedmotorfahrzeuge) natürlich Kutschen, Fahrradtaxis und die tollen alten Autos, wollte ich endlich mit einem umgebauten LkW mitfahren.
Es kostet sozusagen garnichts, ist hoffnungslos überfüllt und für Romantik von Überseetouristen haben da natürlich nur Wenige Verständnis.
Ich habe es geschafft und bin mit Schieben und Unterstützung netter Kubanerinnen in so einen 'Bus' gekommen, Wahnsinn.



 
 
 
 
 

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Bayamo

Endlich weg aus Santiago und Richtung Westen, Ziel ist Manzanillo, via Bayamo.
Leider war es nur möglich mit Viazul zu fahren, für harte Währung, versteht sich.
Viazul ist die, den Touristen vorbehaltene Busgesellschaft und kein Einheimischer kommt da mit. Für die gibt es neben dem völlig unzureichenden normalen Transportmitteln noch die Astrobusgesellschaft, und das ist schon richtig gemein.
Die Kubaner bezahlen für diesen Bus harte Währung, der Preis ist unanständig hoch im Gegensatz zum Einkommen und überfüllt und unpünktlich ist er auch noch.
Auf meiner späteren Rückfahrt nach Havana lag so ein Astrobus mit einer Panne ca. 20 km vor Havana in glühender Hitze fest. Unser Busfahrer machte eine Wendung auf der Autobahn !! und fragte nach. Dann fuhren wir zu meinem Erstaunen einfach weiter, obwohl sicher alle Fahrgäste bei uns Platz gehabt hätten. Einige Stunden mußten sie wohl da warten, wie ich erfuhr. So schlecht habe ich mich selten gefühlt, auch wenn ich natürlich froh war, nicht da draussen stehen zu müssen.
Reisen bildet.
Die Fahrt selber war sehr interessant. Ich durfte ganz vorne sitzen und so Fotos machen. Wir haben unterwegs gehalten, um Bananen zu kaufen und die Landschaft war sehr schön.
Bayamo ist ganz anders als bisher Gesehenes. Sehr gepflegt, sauber und mit einer europäisch anmutenden Innenstadt mit Geschäften und Parks.
Das ging so weit, daß Ordnungshüter mich aufforderten mich gerade auf die Parkbank zu setzen und auf keinen Fall die Füsse hochzulegen. Hier herrschte Ordnung!
Sauberkeit ist auf Cuba sowieso nicht so ein Problem, denn alles wird wiederverwertet. Wenn man eine leere Wasserflasche in die überall aufgestellten Abfallkörbe werfen will, fällt die nicht bis auf den Boden, vorher hat die sich schon jemand geholt.



 
 
 
 
 

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Manzanillo

Von Bayamo aus schaffte ich es, mit dem Bus der Einheimischen (alte Klapperkiste) mit zufahren. Eine Polizistin mit Schlagstock regelte die Passagierzahl. Da man sich in einer Reihe anstellen mußte und ich einen guten Platz und nette Mitbewerber hatte, konnte ich mitfahren. Die Alternative wäre ein Taxi für harte Währung gewesen, denn Viazul fährt die Touristen nur an große Orte (Schadensbegrenzung).
Im Bus hatte ich dann ein Kind auf dem Schoß, das Gepäck anderer Leute im Rücken und zwischen den Füssen, die Abgase der Autos brachten einen fast um (Klimaanlage gibt es natürlich nicht), aber alle waren sich einig, daß ich unbedingt sitzen muß. Wir hatten trotz allem viel Spass, ich habe ziemlich viele meiner Papiertaschentücher und andere Kleinigkeiten verteilt und dafür wurde ich gut unterhalten.
Jeden Tag muß ich sowas aber nicht haben.
Manzanillo war eine gute Wahl, den es ist eine Kleinstadt weitab vom Tourismus und damit sehr ursprünglich.
Abzocke von Touristen gab es nur am Busbahnhof und im Rest des Ortes konnte ich mich endlich auf die Menschen konzentrieren. Alle Preise, außer im Touriladen, waren in Peso national und damit spottbillig. Gewohnt habe ich bei einer Ärtztin, welche ihren Job aufgegeben hatte und nur noch von der Vermietung lebte. Sie hat mir am Abend im 'Frauen-Küchengespräch' einiges über die Überlebensmöglichkeiten auf Cuba verraten.
In Manzanillo hatte ich viele unbeschwerte Begegnungen mit den Kubanern. Die Kubaner sind sehr gebildet und am Weltgeschehen interessiert. Sie können CCN empfangen und nutzen das auch, ebenso haben sie eine schnellere Internetverbindung als z.B. die meisten Internetcafes auf Sizilien.
So habe ich viele gute Gespräche geführt. Toll fanden die Kubaner die Digitalkamera, den damit konnte ich ihnen die Bilder aus anderen Teilen ihres Landes zeigen, in welche ein Kubaner nicht so einfach kommt. Durch mein Quartier bei der Ärtztin war ich jetzt auch aufgenommen und wurde von da an mit meinen Vorlieben (Terasse, oder Balkon) direkt an meinen nächsten Zielort weitervermittelt. Jeder hat schließlich irgendwo Verwandte.



 
 
 
 
 

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Trinidad

Mit einem Taxi particular für 8 Dollar compatibel zurück nach Bayamo (hin mit dem Bus 1,80 Peso national 1:24 !!!) der Fahrer war nett und gebildet, wir hatten uns viel zu erzählen.
In Bayamo hatte ich dann bis zum Abend Zeit, erst dann fuhr der Bus nach Trinidad. Also noch ein bißchen Besichtigung, u.a. einen Schuhputzsalon, eine Dreherei usw.
Die Umstellung auf tourismusgewöhnte Leute war nicht ganz ohne Verluste meinerseits.
So mußte ich für den Tip zu einem Paladar (privates Restaurant) zahlen und das Fahrradtaxi, welche in Manzanillo für peso national zu haben war, kostete für mich wieder compatibel. Es hätte deshalb beinahe handfesten Streit gegeben, weil der Fahrer glaubte, nunmehr wolle ihn ein Tourist betrügen. Ziemlich kompliziert alles.
Besser wurde das in Trinidad nicht, den das ist ein Muß für jeden Touristen.
Es ist wirklich nett gemacht, mit den Häusern im Kolonialstil und auch ziemlich gepflegt. Frau Doktor hatte mir ein sehr schönes Quartier vermittelt, in einem großen Haus einer angesehenen Familie. Ich hatte vor meinen Zimmer einen gepflegten Innenhof und überall gab es Blumen. Neben der Besichtigung der Baudekmäler war ich auch mit Bus und per Anhalter zweimal am Strand der Einheimischen, wo es mir sehr gut gefallen hat.



 
 
 
 
 

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Ausflug in Trinidad

Eine touristische Aktion wollte ich mir gönnen und so buchte ich den Tagesausflug mit dem Zug zu den Plantagen. Es war zwar reine Abzocke, was den Preis angeht, aber ganz interessant. Zwischendurch bekam man je nach Windrichtung ein paar Erstickungsanfälle ob dem Qualm der Lok, aber das fällt bei dem allgegenwärtigen Abgasgestank auf Cuba nicht mehr so auf.
Im Tal war eine Touristenabzocke eingerichtet, aber man konnte noch etwas erahnen von den Verhältnissen auf dieser ehemalige Zuckerrohrplantage und dem damaligen Leben der Sklaven.



 
 
 
 
 

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Cienfuegos

Mit Viazul nach Cienfuegos, nach ein sehr herzlichen Verabschiedung von der Pensionsinhaberin, welche mir natürlich ein Quartier in Cienfuegos besorgt hatte.
Irgendwie fand ich das Quartier in Cienfuegos nicht, und so fand mich die Tochter des Hauses, denn der Buschfunk funktioniert auf Cuba auch in einer so großen Stadt wie Cienfuegos. Da die Stadt über Industrie verfügt, geht es ihr ganz gut. Es gibt Einkaufstrassen und das Angebot ist sehr gut. Cienfuegos ist keine Touristenattraktion, hat aber schöne Ecken und ich war vor allem nach Cuba gekommen um mit den Menschen zu reden und zu sehen, wie das läuft mit dem 'kubanischen Sozialismus'.
Der Herr des Hauses war in der Welt herumgekommen, hatte in Dänemark und in Bulgarien gearbeitet und so hatten auch wir uns einiges zu erzählen. Die Familie verfügte über Geld aus Miami, hatte Motorrad und Computer und wartet auf die Veränderung. Da der Mann die Arbeitszeiten in Dänemark (40 Std.) als viel zu lange empfunden hatte und das Grundstück, auf dem ihr Haus steht, einem Exilkubaner gehört, bezweifele ich allerdings, daß sehr viele Kubaner von dem Einmarsch der Exilkubaner und der Amerikaner profitieren werden.
Die leben da auf ihrer Insel relativ beschaulich und da jeder weiß, wie er an etwas kommt, kommen viele halbwegs zurecht. Bildung und Gesundheitsvorsorge, sowie die Grundsicherung sind kostenlos, was fehlt ist die Freiheit selbst zu bestimmen wo es lang geht. Ob das aber die Kubaner in der Masse schadlos überstehen - es dürfen bei der gewachsenen Mentalität Zweifel angemeldet werden.
Wie dem auch sei, ich brauchte langsam Urlaub vom Urlaub bei dieser Anstrengung zu verstehen, was auf Cuba läuft. Der ständige Wechsel zwischen 3 Währungen war auch ziemlich anstrengend, ebenso das Auseinanderhalten von Freundlichkeit und Abzocke. Teuer ist es bei Individualreisen auch durchaus.
Also war ich nicht böse, daß mich meine Reise nun wieder für einen letzten Tag nach Havana führte, welches mich nicht mehr so schreckte.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • harald.voglhuber 22.04.2008 | 10:21 Uhr

    Ich habe in Kuba eigentlich recht ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich war im Mai/Juni ebenfalls 2006 dort. Das "Ich will nur noch nach Hause" kann ich sehr gut nachvollziehen ;-) So mit etwas Abstand betrachtet bin ich aber auch der Meinung, dass ich die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, absolut machen musste! Ich glaube ich hatte bevor ich nach Kuba kam auch zu viele Klischees im Kopf, die vor Ort zu oft schlichtweg einfach nicht stimmten! Sollte ich noch mal hin fahren, wäre ich sicher besser "vorbereitet". Ich hatte einige Radfahrer getroffen, die allesamt eigentlich recht gute Erfahrungen gemacht hatten. Wahrscheinlich schon alleine deswegen, weil man so nicht an den typischen "Touristentransport" gebunden ist und somit zumeist schon zwangsläufig abseits der Trampelpfade unterwegs ist, die sonst ja doch recht schwer verlassen kann!

  • Gerd-Krauskopf (RP) 23.10.2008 | 09:29 Uhr

    Mit viel Liebe zum wunderschönen Land geschrieben und garniert mit eindrucksvollen Fotos.
    Ja, das ist wirklich Kuba, so wie ich es auch kennen- und lieben gelernt habe.
    Vielen Dank für diesen lesenswerten Reisebericht!

  • Ulii-Deichert 22.11.2008 | 14:15 Uhr

    Liebe Maria

    Der Reisebericht von Dir hat mich sehr gefreut weil er schon vieles von den enthält das auch genauso zutrifft. Ich habe 6 Jahre auf Cuba mit Dauerresidenz gelebt in der Nähe von Trinidad in dem kleinen Ort Casilda das auf dem Weg zum Playa Ancon liegt. Mit einem Buch versuche ich gerade alles festzuhalten, denn einen Reisebericht in dem SInne würde hier alles sprengen. Auf Cuba habe ich als selbstständiger Reisebegleiter und Veranstalter gelebt und kenne die Insel mit allen seinen Facetten sehr gut, inclusive natürlich das ganze Land von Pinar del Rio hasta Baracoa. Mein größter Wunsch und ich bin kein Sozialist wäre dass nach einer Änderung der politischen Lage niemals die Amerikaner da einfallen, denn es würde den Rest der verbliebenen Kultur der Cubaner zerstören. Schon heute zählt auf Cuba nur das Streben nach Geld und vieles von früher bleibt dabei auf der Strecke. Wenn wir bedenken dass 4 Millionen Cubaner im Exil leben ( 3 Mio in Miami) und ein Großteil wiederkommen will nach einem Putsch oder ähnlichem.....nicht auszudenken. Dann nämlich wird es einen Bruderkrieg in diesem Land geben der seinesgleichen sucht. Alle wollen ihre Häuser und Ländereien wieder haben und vieles mehr. Nicht zu vergessen Firmen wie Dupont, Coca Cola und andere die ihre Zuckerländereien abgenommen bekamen nach der Revolution 1959 durch Fidel Castro und seinen Mannen. Auf Cuba bekamen die Bürger alle Parzellen zugeteilt von der Regierung in den 60er Jahren um selber anbauen zu können und das würde rückgefordert werden. Nicht auszudenken was dann passiert.

    Danke für Deinen Bericht der sicher ein individuelleres Denken zeigt als ich es von Cubatouristen gewöhnt bin die sich im Hotel niederlassen und nach 3 Wochen mit einem -alles ist toll- die Insel verlassen ohne auch nur richtigen Kontakt gehabt zu haben mit Einheimischen, in keiner der Behausungen waren und gesehen haben wie man wirklich auf Cuba lebt. Ich habe mitten unter ihnen gelebt, so wie sie und auch in wirklicher Nachbarschaft. Es gab viele Cubaner die ich zurückgelassen habe, davon aber nur wenige wirkliche Freunde die mich nie versucht haben abzuziehen. Trotz fließendem Spanisch sowie auch kreolischem spanisch dass ich sprach haben es einige immer wieder versucht....irgendwann haben sie dann kapiert mit den Worten: "Er ist nun einer von uns, respektieren wir ihn auch so". Es gäbe noch eine Menge zu schreiben aber das wäre für hier zuviel. Danke dass ich DIch lesen durfte, hat mich wirklich sehr gefreut und viel Spaß weiterhin auf Deinen Reisen in die Fremde.

    Lieben Gruß
    Ulli Deichert
    www.ulrich-deichert.de

  • RdF54 11.10.2009 | 19:59 Uhr

    Hallo Maria,
    ein wirklich beeindruckender und ehrlicher Bericht! Selten, dass man einen Bericht über Cuba findet, der nicht von der Reiseromantik übertüncht ist.
    Gut geschrieben und trotz aller Mißlicchkeiten amüsant erzählt!

    LG Robert

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