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Reisebericht: Myanmar – Ein Land im Aufbruch
Vor kurzem erst hat "Lonely Planet" das Land Myanmar auf den zweiten Platz der Trendziele 2012 gewählt. Nun will Myanmar in den Tourismus investieren.
Wogende, grün und gelb gefärbte Felder, goldstrotzende Pagoden mit andächtig betenden Menschen, trutzige Festungen wie aus dem finsteren europäischen Mittelalter, schneebedeckte Berge in einsamer Landschaft und lärmendes Verkehrschaos in den vor Hitze dampfenden Innenstädten, endlose Sandstrände mit sturmgebeugten Palmen, gewaltige Ströme, auf denen schrottreife Schiffe ihre schwere Fracht befördern – der flächenmäßig größte Festlandstaat Hinterindiens bietet Reisenden vielerlei Eindrücke. Er gilt vielen Asienkennern als das schönste, weil ursprünglichste Land der Region. Zivilisationsmüde Weltenbummler sahen in ihm lange Zeit eine Art Shangri-La, eine von der übrigen Welt entrückte Insel im Strom der Zeit.
Sollte der Besucher aus dem westlichen Ausland eine Art tropisches Nordkorea mit Kolonnen olivgrüner Uniformen erwartet haben, so sieht er stattdessen unzählige safranrote Kutten – die Kleidung der buddhistischen Mönche. Dieses leuchtende Rot ist - neben dem Gold der Pagoden - die vorherrschende Farbe Myanmars. In dem Land begegnet man – anders als vielleicht erwartet – keinen Soldaten, kaum noch politischer Propaganda.
Den Herrschenden war viele Jahre der Einfluss fremder Ideen nicht geheuer, während die Menschen in der Regel den Umgang mit Ausländern suchen und für Informationen, zusätzliche Verdienstmöglichkeiten und kleine Geschenke außerordentlich dankbar sind. Doch seit Anfang 2012 scheint sich ein Wandel anzubahnen. Bereits im Dezember 2011 hat die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton bei ihrem Besuch ein Ende des Wirtschaftsboykotts in Aussícht gestellt. Und die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, aus dem sieben Jahre währenden Hausarrest entlassen, traf sich mit dem neuen Präsidenten Thein Sein. Seit den Wahlen im April 2012 ist sie Parlamentsabgeordnete – vor kurzem noch undenkbar. Seit jüngstem werden politische Gefangene entlassen, zeigen multinationale Konzerne aus dem Westen plötzlich Interesse an dem rohstoffreichen Land. Nicht zuletzt diese wirtschaftlichen Gründe sprechen für eine politische Wende –den Westen locken die gewaltigen Bodenschätze Myanmars, und die Militärjunta möchte sich von der Abhängigkeit Chinas lösen. Und so warb denn Suu Kyi bei ihrer Europa-Reise im Juni 2012 auch für westliche Investitionen in ihrem Land.
Myanmar – Land der Pagoden
»Land der tausend Pagoden« kennzeichnet treffend das vielfältige kulturelle Erscheinungsbild des Landes. Tatsächlich beeindruckt Myanmar vor allem mit seinen Pagoden, Tempeln und Klöstern, doch ist das «kleine Land in Hinterindien» auch gesegnet mit Landschaften, deren Vielfalt ihresgleichen sucht: sattgrüne Reisfelder im Süden, gewaltige Berggipfel im Norden, dicht bewaldete Hügel und majestätische Ströme im zentralen Hochland sowie palmengesäumte Meeresstrände an der Küste.
Zwar wird die Erinnerung geprägt bleiben durch weite Ebenen mit in der Ferne schimmernden Silhouetten sanfter, blauer Hügel, zwischen denen sich immer wieder weiße und goldene Pagoden erheben. Myanmar ist architektonisch und kunsthistorisch das weitaus spektakulärste Land nicht nur Ostasiens, sondern in ganz Asien. Doch nicht nur die berühmten Attraktionen lohnen die Reise - der Alltag mit seinen Gerüchen, Geräuschen und Gesichtern ist ebenso spannend. Allerdings - wer durch das Land hetzt, wird davon kaum etwas mitbekommen. Wer jedoch in das Leben der archaischen Dörfer und Klöster aus Teakholz, der golden glänzenden Pagoden und Klöster eintaucht, der findet sich jäh mit Einheimischen beim Tee oder beim Chinlon-Spiel mit Jugendlichen. Man kann auch im klimatisch moderaten Hochland wandern und in den Dörfern am Ufer des Inle-Sees, auf farbenfrohen Märkten, nicht nur die große Vielfalt an Gemüse, Früchten und Gewürzen genießen, sondern sich auch am bunten Treiben der farbenfroh gekleideten Marktfrauen und Kinder erfreuen. Und überall erblickt man Nat-Schreine, an denen die Menschen ihre Opfergaben darbieten sowie Zigarren rauchende Frauen - noch immer ist dieses Stück Erde für Europäer ein rätselhaftes und fremdes Märchenland.
Wie soll man das Land nennen?
Die Schwierigkeit, sich diesem Land gebührend zu nähern, beginnt bereits bei seiner
Namensnennung: Myanmar, wie die Militärjunta das Land selbst bezeichnet, ist in Deutschland unter dem Namen Birma bekannt, abgeleitet von Burma, wie die britische Verwaltung ihre Kolonie in Anlehnung an die indische Bezeichnung „Bama“ mit undeutlich ausgesprochenem ersten „a“ nannte. Vor ihnen schon hatten es die Portugiesen als erste Europäer in der Region „Birma“ getauft, abgeleitet von „Mbirma“, der Bezeichnung für das Reich der Urbevölkerung der Mon. Bama und Myanma sind seit jeher die Bezeichnungen für die größte Bevölkerungsgruppe der Bamar in ihrer eigenen Sprache und für ihr Land.
Die offizielle Umbenennung des Landes in Union Myanmar durch das Militär war ein symbolischer politischer Akt - das Land wollte sich als selbstbewusster Staat präsentieren, der die Kolonialzeit endgültig überwunden hat. Die Vereinten Nationen übernahmen den neuen Namen des Staates wenige Tage nach der Verkündung durch die Militärjunta. Dem sind mittlerweile viele Staaten gefolgt, während die USA sowie weitere Staaten und Nichtregierungsorganisationen als Zeichen ihrer Missbilligung des Regimes am NamenBurma festhalten. Auch Aung San Suu Kyi sprach sich noch 1996 für die Beibehaltung von Burma aus, zum einen wegen der fehlenden Mitwirkung des Volkes, zum anderen, da der Begriff Myanmar eben nicht die Vielfalt der Volksgruppen im Lande widerspiegelt.
Reise in ein noch weithin unbekanntes Land
Ein Urlaubsland für Bequeme und Kultursatte ist Myanmar dennoch nicht. Eine marode Infrastruktur und schlechte Unterkünfte sowie extreme Temperaturunterschiede erschweren die Reise durch das Land. Man muss schon eine Portion Entdeckerfreude und Abenteuerlust mitbringen, um die vielfältigen Eindrücke aufnehmen zu können. Aber gerade das macht seinen Reiz aus. Zudem helfen die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen in Myanmar über viele Unpässlichkeiten hinweg. Dafür erwarten den Reisenden aber auch atemberaubende Landschaften und idyllische Siedlungen, an manchen Orten luxuriöse Hotels, in deren blühenden Gärten die Marionetten-Theater ihre Puppen tanzen lassen, und exotische Ethnien wie aus einem Völkerkunde-Museum. Myanmar ist ein Reiseziel, das erholsamen Urlaub an fast menschenleeren Stränden oder Trekkinggelegenheiten in einsamen Bergregionen einerseits, ungezählte Fotomotive, Shoppinggeschäfte mit zahlreichen Souvenir-Einkaufsmöglichkeiten andererseits und kulturelle Sehenswürdigkeiten bietet, die ihresgleichen suchen.
Auch für Aktivurlauber erschließen sich immer neue Möglichkeiten: Bergsteiger können im Norden des Kachin-Staates Fünftausender bezwingen, Taucher die unbekannten Tauchgründe des Myeik-ArchipeIs erforschen. Nahezu unerschöpflich ist die Zahl der Trekkingrouten. Von einfachen Spaziergängen bis zu mehrtägigen Wanderungen ist alles im Angebot. Ob eine Tour in die Naga-Berge im hohen Nordwesten, durch das Gebiet am Dreiländer-Eck im Nordosten oder durch Pa-O-Dörfer westlich des Inle-Sees - zu Fuß lernt man die ethnische Vielfalt Myanmars hautnah kennen. Und über allem ziehen feine Dunststreifen, die das Licht weich machen und alles wie in einen zarten Schleier einhüllen.
Selbst für Genießer hat Myanmar etwas zu bieten. Immer mehr Reisende fahren gemütlich auf dem Ayeyarwady durch das Land, befinden sich doch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an diesem mächtigen Fluss. Gediegenen Luxus bieten Schiffe wie die »Road to Mandalay« oder die »Pandaw«. Und wer könnte schon einem Drink an der Bar des geschichtsträchtigen »Strand Hotel« in Yangon widerstehen? Trotz aller wirtschaftlichen Armut und politischen Unterdrückung ist Myanmar faszinierend und exotisch wie kaum ein anderes Reiseziel in Asien - vielfältig und bunt, stark von religiös-kulturellen Einflüssen geprägt, aber auch voller Gelassenheit. In Myanmar kann man aus unmittelbarem Erleben erfahren, wie es einem geschundenen Volk trotz widrigster politischer und wirtschaftlicher Umstände mit stoischer Gelassenheit und gewinnendem Lächeln gelingt, der hektischen und lauten globalisierten Welt eine beeindruckende Alternative an stiller Heiterkeit, innerer Anmut und natürlichem Charme entgegen zu setzen.
(c) Rainer Waterkamp
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Sehr einfühlsamer Bericht mit wunderschönen Bildern. Ich kann mich nur voll und ganz anschließen. Unsere Reise nach Myanmar liegt schon einige jahre zurück, aber ich bin immer noch fasziniert von diesem Land und würde jederzeit wieder hinfahren.
LG Ute -
Sehr gut beschrieben und bebildert. Dieses Land wächst einem einfach an's Herz. Die Menschen sind so herzlich und neugierig, es lässt einem nicht mehr los. Wir waren im Februar da und würden sofort wieder hingehen.
LG, Ursi -
Schöner Bericht mit stimmungsvollen Fotos.
LG Schalimara -
Da kommt das Fernweh wieder... Ich war im März und April für vier Wochen in Myanmar unterwegs - und es wird wahrscheinlich das erste Land sein, das ich zweimal bereisen werde, und zwar nächstes Jahr wieder, pünktlich zum Wasserfest. Lebensfreude pur...
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Hallo Rainer!
Wieder ein informativer Bericht von Dir, geschmückt mit interessanten Bildern! Da bekommt man Lust auf dieses Land! Ich denke, man sollte mit einem Besuch nur nicht mehr zu lange warten, denn sonst hat der Tourismus schon wieder viel von der Ursprünglichkeit genommen.
LG Susi -
Ein Reisebericht, der Lust auf Myanmar macht... Danke für die guten Informationen und die tollen Bilder!
LG: Ursula -
Eine gut gewchriebene Liebeserklärung an Myanmar. Bald, sehr bald sollte man hinreisen, bevor die Internetcafes und Müslibuden sich allgegenwärtig im Strassenbild etablieren.
Ich war 1985 dort und es war traumhaft schön, und einsam was Touristen angeht.
Schon in den letzten Jahren hat das militäreregime kräftig in den Tourismus investiert, 60 % der Tempel in Bagan sind erst in den letzten 15 Jahren entstanden !! Zwar nach alten Plänen, aber nicht immer mit passenden Materialien. Ist trotzdem schön geworden und ein Sonnauf oder -untergang lässt immer noch das Herz höher schlagen.
Und du hast Recht: Viel, viel Zeit sollte der Reisende mitbringen, aber das ist eigentlich überall so.
LG, Herbert -
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Ein Bericht, der sofort wieder in mir die Bilder meiner letztjährigen Reise nach Myanmar hervorruft. Auch wenn ich vielleicht zu denen gehöre, die durch das Land "gehetzt" sind, so gehört der Besuch dieses Landes zu meinen ganz besonderen Erlebnissen. Irgendwann einmal hier mehr dazu. LG Brigitta
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