Fürststift Kempten

Reisebericht

Fürststift Kempten

Reisebericht: Fürststift Kempten








Über viele Jahrhunderte war Kempten im Allgäu eine rivalisierende Doppelstadt. Die Freie Reichsstadt und die vom Fürstabt regierte Stiftsstadt lebten in einem Spannungsverhältnis zwischen offener Feindschaft, Koexistenz und bedingter Kooperation. Die Gegensätze verschärften sich, nachdem sich Kempten vom Fürststift völlig frei gekauft und 1527 protestantisch geworden war. Im Dreissigjährigen Krieg wurden Stift und Stiftskirche durch schwedische Truppen niedergebrannt und als erste monumentale Klosteranlage Deutschlands ab 1651 neu errichtet. Beide Gemeinwesen verloren durch die Säkularisation ihre Eigenstaat-
lichkeit und wurden bayerisch ( historische Daten sind übernommen )

Fürststift Kempten

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Kemptens Stadtbild ist auch heute noch geprägt
von dem Nebeneinander der ehemaligen Reichs-
stadt und Fürstabtei deren Prunkräume zu den
Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen und gleich-
zeitig an Hildegard, dritte Ehefrau Karl des Grossen,
erinnern, die als Stifterin des Klosters und als Volks
heilige verehrt wird



Stadtgeschichte

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WANDBILD IN DER EINGANGSHALLE DER
RESIDENZ Bildidee, Entwurf und Ausführung von
Josef Löflath, Maler, Graphiker und Architekt aus
Wangen im Allgäu


Am unteren Bildrand der Dreissigjährige Krieg mit
all seinen Schrecknissen - darüber sich feindlich
gegenüberstehend Bürgermeister und Fürstabt,
dazwischen Hildegard mit erhobenen Armen, als
wolle sie ihr Kloster vor dem Jahrhunderte währen-
den Streit der Nachbarn bewahren



Königin Hildegard

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HILDEGARD
war die Tochter des schwäbischen Grafen Gerold
aus dem Geschlecht der Agilolfinger und Imma de
gente Suaborum aus einem alten alemannischen
Adelsgeschlecht. Lioba von Tauberbischofsheim,
die als Lehrerin Germaniens in die Geschichte ein
ging, vermittelte ihr religiöse Bildung und geist-
lichen Rat. Hildegards Vater gehörten weitläufige
Besitztümer im Herrschaftsgebiet Karlmann I.,
König der Franken und jüngerer Bruder Karl des
Grossen, was die Ehe von Karl mit Hildegard zur
bedeutsamsten machte, da Karl der Grosse so
seine Position in den Gebieten östlich des Rheins
stärken und den alemannischen Adel an sich bin-
den konnte



Prunkräume

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Hildegard machte Schenkungen an die Klöster St.
Denis und St. Martin in Tours, Hauptstadt des fran-
zösischen Départements Indre-et-Loire in der Re-
gion Centre, und übergab dem ehemaligen Kloster
in Kempten ihre Besitzungen im Illergau und Angst
gau, die ihr als mütterliches Erbe zugefallen waren
Kaiser Karl der Grosse nahm die neue Stiftung in
sein vollsten Schutz und gewährte ihr Befreiung von
aller weltlichen Gerichtsbarkeit. Gemeinsam gaben
sie das Godescalc-Evangelistar, eine karolingische
Bilderhandschrift in Auftrag. Durch das gemein-
same Unterzeichnen von Urkunden fand Hildegard
als erste Frau ausdrückliche Erwähnung. Anno 783
starb die Königin kurz nach der Geburt ihrer Tochter
Hildegard, die ihr bald darauf folgte

EPITAPHIUM HILDEGARDIS REGINAE - Hier ruht Hildegard, einst Karls glückliche Gattin, die durch ihren Liebreiz, noch mehr aber durch die Vorzüge ihres Herzens die anderen Frauen übertraf. Ihr grösster Ruhm aber ist das Wohlgefallen eines solchen Mannes, wie Karl ist, erregt zu haben. Sie allein war würdig Königin eines so mächtigen Reiches zu sein. Jetzt beklagen ihren Tod alle Nationen und selbst trotzige Krieger können der Tränen sich nicht enthalten. Schmerz verzehrt das Herz des Gatten. Nur der eine Trost ist allen geblieben, dass sie im Himmel ihren Lohn finden wird

GODESCALC-EVANGELISTAR - nach dem Schreiber Godescalc benannt. Das Evangelistar ist mit sechs ganzseitigen Miniaturen, ornamentalem Schmuck, Initialen und Zierseiten illuminiert, stilistisch weist es noch deutlich Elemente der insularen Buchmalerei auf. Die ganzseitigen Miniaturen, der thronende Christus, die vier Evangelisten sowie der Lebensbrunnen streben jedoch bereits nach realer Körperlichkeit und einer logischen Verbindung zum dargestellten Raum und wirkten stilbildend für die folgenden Werke der Hofschule. Heute befindet sich die Handschrift in der Pariser Bibliothèque nationale unter der Signatur Ms. nouv. acq. lat. 1203 ( wikipedia )



Fürststift Kempten

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PRUNKRÄUME
1732 bis 1742 erfolgte unter Anselm von Reichlin-
Meldegg die Ausstattung der fürstäbtlichen Wohn-
räume im Südflügel des Fürststifts. Franz Georg
Hermann als künstlerischer Leiter, Aegid Verhelst
als Bildhauer und der Stuckateur Johann Georg
Üblher zählen zu den Künstlern

Das Besondere der Zimmer liegt zum einen in der
Einbringung sakraler Architektur- und Dekorations
elemente und zum anderen in den kräftig, warmen
Farben, die den Eindruck von Wohnlichkeit, Behag-
lichkeit und Heiterkeit erwecken

Der über fünf Fensterachsen und zwei Geschosse reichende Festsaal ist durch ein subtiles architektonisches System gegliedert und mit aufwendigen Stuckkompositionen ausgestattet.
Das Deckenbild spiegelt die Verherrlichung des Fürststift und seine Geschichte wieder



Hildegardplatz

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HILDEGARDPLATZ
Berühmt, wurde das Fürststift durch den letzten Hex-
enprozess anno 1775. In seinem Gutachten kam
Landrichter Johann Franz Wilhelm Treuchtlinger zu
dem Ergebnis, dass auf der Grundlage der Carolina
und unter Berufung auf Benedikt Carpzov sowie an-
derer Autoritäten, das Geständnis von Anna Maria
Schwägelin, ein Bündnis mit dem Teufel und der
verübten Unzucht, bereits hinreichend sei, um die
Verhängung der Todesstrafe zu begründen und plä-
dierte auf Hinrichtung durch das Schwert


Diesem Votum schlossen sich die weltlichen Mitglieder des Hofrats und Fürstabt Honorius Roth von Schreckenstein an. Während ältere Forschungen noch vom Vollzug des Urteils ausgingen, ist inzwischen bewiesen, dass es nicht dazu kam. Offenbar wurde die Hinrichtung kurzfristig durch den Landesherrn ausgesetzt. Einem Klebezettel auf einem Porträt in der Sammlung des Allgäu-Museums Kempten zufolge könnte die überraschende Wendung auf das Eingreifen des Beichtvaters des Fürstabts zurückzuführen sein. Da Nachforschungen keine neuen Fakten zutage brachten, kam das behördliche Verfahren zum Stillstand. Zu einer förmlichen Begnadigung konnte man sich aber auch nicht entschliessen und Anna Maria Schwägelin verblieb im Gewahrsam des Gefängnisses. Die Sterbematrikel für die Pfarrei S. Lorenz vermerken für den 07.02.1781 den Tod der A.M. Schwägelin im Kemptener Stockhaus. Die Berichtigung, dass die Angeklagte in Wahrheit nicht hingerichtet wurde, sondern im Stockhaus eines natürlichen Todes starb, gelang erst 1995 durch Recherchen in den Pfarrmatrikeln

Anno 1803 wurden Im Rahmen der Säkularisation Fürststift und Kloster aufgelöst. Ein Teil der Bibliothek ging nach Augsburg, die restlichen Bücher verkamen auf dem Dachboden. Überreste werden heute im Staatsarchiv Augsburg aufbewahrt. Die Residenzräume werden heute von der Staatsanwaltschaft sowie vom Amts- und Landgericht Kempten genutzt



St. Lorenz

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ST. LORENZ
noch während des Dreissigjährigen Krieg begann
Abt Giel von Gielsberg die Vorbereitungen zum Kir-
chenbau. Mit dem Neubau von Stift und Stiftskirche
erhielt Baumeister Micheal Beer seinen ersten Auf-
trag. Die 1969 von Papst Paul VI. in den Rang einer
Basilica Minor erhobenen Hauptkirche des Allgäu
wurde 1990 bis1996 im Inneren restauriert



St. Lorenz

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Die Altäre weisen die Entwicklung von Barock bis
Rokoko auf. Der Ablösealtar im nördlichen Chor mit
dem Bild der Kreuzabnahme Christi ist der einzige
Altar aus der Entstehungszeit der Kirche



Hildegardplatz

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HILDEGARDPLATZ – am 13.04.2014
Dieser Platz sei der Schönste von allen in Kempten und
im Grossen und Ganzen ein Superplatz – hiess es an-
lässlich der Eröffnung nach der Umgestaltung.
Es ist ihr Platz, der von Ihnen gestaltet wurde, sagte
bei der Einweihung OB Dr. Ulrich Netzer. Ein Platz zum
Menschsein geworden, so der katholische Dekan
Dr. Bernhard Ehler und segnete den Platz.
Über zehn Jahre Diskussion über die Neugestaltung
gingen laut OB Netzer der Fertigstellung, 4,9 Millionen
Euro, voraus. Mit dem Hildegardplatz habe man beim
Innenstadtkonzept den gestalterischen Schlusspunkt
gesetzt ( Quelle: Allgäuer Zeitung, am 12.April 2014 )


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Kommentare

  • agezur

    Wieder ein Beweis, dass auch in naher (diesmal nicht unbedingt für mich:-))) ) Umgebung viele Schätze und Sehenswürdigkeiten zu entdecken sind. Wie immer exzellent recherchiert, bebildert und zusammengefasst.
    Danke dafür!
    LG Christina

  • ursi67

    Vielen Dank für Deinen super Bericht und die schönen Bilder, diese Gegend kenne ich gar nicht. LG, Ursi

  • Blula

    Liebe Venus! Ich bin in früheren Jahren schon öfter mal durch Kempten gefahren. Dein wieder so guter Bericht zeigt mir, was mir dabei entgangen ist. Ich werde beim nächsten Mal sicherlich mal einen längeren Halt machen. Danke, auch für die guten Fotografien.
    LG Ursula

  • hilarmont

    Auch hier mal wieder einige Urheberrechtsverletzungen (-> Kopie fremder Texte)

  • venus

    Dieser Bericht basiert auf dem Artikel Wikipedia aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU / Lizenz für freie Dokumentation

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