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Reisebericht: Ab in die Wildnis- Ein Monat in Alaska
Eine 15jährige macht Bekanntschaft mit Elchen, amerikanischen Klischees, urigen Einwohnern und vielen Mücken.
Erste Eindrücke
Das Geräusch eines Koffers, dessen Rollen über den Boden holperten, ein Kind das schrie, Menschen die sich unterhielten, auf Deutsch, Englisch, Spanisch.
Alte Menschen, junge Menschen, Menschen mit Büchern, mit Laptops, Leute mit Koffern und welche mit Handtaschen. Und mittendrin - Ich.
Meinen Rucksack zwischen die Beine geklemmt, saß ich im Frankfurter Flughafengebäude und wartete darauf, dass sich mein Gate öffnete. Worauf hatte ich mich da nur eingelassen?
Schon mit 14 wollte ich meine Eltern überreden ein Auslandjahr zu machen, doch sie fanden das etwas viel und so einigten wir uns erst mal auf einen Monat. Im Internet fanden wir dann den "Lions Club International Youth Exchange". Ich sah mir die Liste durch und durch verschiedene Kriterien blieb am Ende Alaska übrig. Niemals hatte ich gedacht angenommen zu werden, doch es hatte geklappt.
Und nun saß ich hier im Flughafen und hatte keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Per E-Mail hatte ich spärliche Informationen von meiner zukünftigen Gastmutter bekommen, ich solle Wanderschuhe und einen Schlafsack mitnehmen, das war alles gewesen. Außerdem wusste ich, dass ich 2 Wochen in einem Camp, mit Jugendlichen aus der ganzen Welt verbringen würde und 2 Wochen in einer Gastfamilie.
Endlich, die Türe ging auf und die Menschen strömten ins Flugzeug.
Nach einem Buch und mehreren verschlafenen Filmen, insgesamt 10 Stunden Flugzeit, landeten wir dann in Anchorage. Ich hatte das Glück, am Fenster zu sitzen und so erwartete mich eine atemberaubende Aussicht über das blauglitzernde Meer in der Sonne, mit Bergen im Hintergrund.
Nach einer weiteren Stunde warten, in der ich mich glücklicherweise mit einer deutschen Studentin unterhalten konnte, ging dann mein Flug von Anchorage nach Fairbanks, der zum Glück nur 45 Minuten dauerte.
Die Kontrollen am Flughafen haben mich überrascht, schon oft hatte ich gehört, dass es bei der Einreise in die Vereinigten Staaten sehr streng zuging, aber im Gegenteil, das Personal war sehr freundlich und ich konnte mir sogar einen Witz über Fingerabdrücke erlauben.
Am Gepäckband traf ich zwei Jungs, die vorhatten mit dem Fahrrad von Alaska bis Feuerland zu fahren- mich würde sehr interessieren was aus ihnen geworden ist!
Als ich dann in die kleine Flughafenhalle von Fairbanks trat, war ich sehr nervös. Wer oder was würde mich erwarten? Was wenn ich nicht abgeholt werden würde?
Aber bald wurde ich beruhigt, als mich eine etwa 50 bis 60-jährige Frau mit einem kleinen Kind auf dem Arm erwartete. Das musste Janice sein, meine Gastmutter.
Sie begrüßte mich recht freundlich und begleitete mich zu ihrem Auto. Dann erzählte sie mir, das am nächsten Tag das Camp beginnen würde und dass in dieser Nacht alle Mädchen des Camps noch bei ihr übernachten würden. Auf dem Weg zu ihr nach Hause, erhielt ich schon einen ersten Eindruck von Alaska. Kaputte, endlose Highways und daneben Bäume, nichts als Bäume. 10 Minuten begegneten wir keinem anderen Auto, dafür sah ich in meiner ersten halben Stunde in Alaska gleich eine Elchmutter mit Kalb. Außerdem erzählte mir Janice viel, zum Beispiel dass das Land um Fairbanks herum so flach ist, weil während der Goldgräberzeit alles umgebuddelt wurde, oder wie die Pflanzen im Winter überleben.
Bei ihr zu Hause traf mich der Schlag. Man muss dazu sagen, dass meine Gastfamilie etwas speziell war, deswegen war das ganze Haus an allen Enden vollgestopft mit ihrgendwelchem Zeugs und es gab gefühlte Millionen DVDs. Janice erklärte mir, dass sie 5 Kinder habe und wenn sie früher mal für ein oder zwei Wochen eingeschneit waren, dann mussten sie ja irgendwie die Kinder unterhalten.
Dann lernte ich auch ihren Mann kennen und das Kind hieß Evey und war die Tochter von Janice und Jim´s Adoptivtochter.
Sofort tischte mir Jim etwas von seinem selbstgefangenen und nach Geheimrezept geräuchertem Lachs auf und ich war im siebtem Himmel.
Danach fuhren Janice und ich Wasser holen. Das heißt, wir fuhren zu einer kleinen Quelle, an der wir Kanister mit Trinkwasser füllten. Janice´ Familie hat 10 Jahre ohne fließendes Wasser gelebt. Mittlerweile haben sie einen großen Wassertank, der Wasser fürs Duschen oder das Waschbecken aufbewahrt. Aber Trinkwasser mussten wir selber holen, es war auch kostenlos, jeder ist einfach gekommen und hat sich Wasser mitgenommen. Sonst gibt es in Alaska viel Soda, wie auch im Rest der USA - Cola, Sprite, Dr Pepper.
Nachdem ich an dem Tag 27 Stunden am Stück wach war (meiner Meinung nach das beste Mittel gegen Zeitverschiebung, einfach wach bleiben!) fiel ich dann erschöpft in mein Bett. Ich kann übrigens jedem empfehlen, bei einer Reise nach Alaska an eine Schlafmaske zu denken, da es dort im Sommer ja kaum dunkel wird.
Paraden, Schlamm und Chai Tea
Nachdem wir uns recht gut im Camp eingelebt hatten, übrigens ohne fließendes Wasser, da die Leitungen im Winter kaputt gegangen waren und wir nun immer im Schwimmbad Fairbanks duschen mussten, fuhren wir am ersten Samstag nach Fairbanks, wo ein Umzug stattfinden sollte. Bei den sogenannten "Golden Days" ziehen verschiedene Vereinigungen und Clubs durch die Stadt, während die Bewohner am Straßenrand stehen. Besonders schön, fand ich den Oldtimerzug.
Wir zogen auch mit und haben Amerikaflaggen verteilt (die in China produziert wurden, welche Ironie).
Während in Deutschland vor allem das Design eines Autos zählt, zählt in Alaska eher die Leistung. Jede Familie die ich dort getroffen habe, besaß einen Pick-Up und ich habe kein Auto gesehen, dass nicht einen Riss quer durch die Windschutzscheibe hatte. Carglas hätte dort einiges zu tun. Das kommt vor allem durch die harten Winter, in denen nun mal mit Split gestreut wird.
Eine besondere Erfahrung machte ich an einem Sonntag Nachmittag, als unsere Gruppe zum "Offroad" gegangen ist. Immer zu zweit oder zu dritt wurde uns ein Jeep mit Fahrer zugeteilt und dann ging es abseits der Straßen weiter. Die Gruppe der Fahrer versprach uns, dass sie uns irgendwo hinführen würden, wo es keine Anzeichen menschlichen Lebens gab und sie hielten ihr Versprechen. Nach mehreren Bergen, Kurven und Jeeps, die im Schlamm stecken blieben standen wir auf einem Hügel und sahen nichts weit und breit, außer Bäume.
Zwischendurch konnten wir auch Blaubeeren pflücken, die sich in Alaska überall durchgesetzt haben.
Sonst wachsen dort ja kaum Früchte oder Gemüse, fast alles muss importiert werden.
In der Universität Fairbanks wird fleißig geforscht, welche Pflanzen man wie anbauen könnte und wann. Die Universität ist eine der drei Universitäten Alaskas und berühmt für ihre Steinforschung, Astrologie und Meeresbiologie. Dort gibt es auch ein Museum mit allerhand Informationen über die Geschichte Alaskas oder über bestimmte Tierarten. Im Obergeschoss war eine Kunstausstellung und ein ziemlich interessanter Raum, der "die Klänge der Natur" wiedergibt. Sehr entspannend war es dort, ich wollte den Raum eigentlich nicht verlassen, aber bin dann doch zu den anderen in die kleine Museumsbar gegangen.
Und dort habe ich dann Ihn getroffen- den besten Chai Tea, den ich bisher getrunken habe. Natürlich habe ich noch nicht besonders viele Chai Teas in meinem Leben getrunken und ich bin mir sicher, dass sie in Asien weitaus besser sind, aber dieser hier war mit Abstand der Beste, den ich je probiert hatte. Es lohnt sich also, einen kleinen Abstecher in die University of Fairbanks zu machen.
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Das ist ja vielversprechend. Wenn Du mit 15 schon so schreibst, dann werden wir sicher noch öfter von Dir hören bzw. lesen.
Liebe Grüße Friederike -
Da hast Du ja unglaublich viel Tolles erlebt. Schüleraustausch o.ä. gibt es ja inzwischen sehr viel, aber dass jemand nach Alaska fährt -- das ist mutig und verdient echt Respekt.
Auf Deiner nächsten Reise wirst Du auch viele beachtenswerte Erfahrungen machen und unvergessliche Eindrücke mitbringen, doch werden sie gaaaaaaaaaaaanz anders sein. Ich wünsche Dir dafür jetzt schon alles Gute und freue mich auf Deinen Bericht.
Liebe Grüße Ursula -
SUPER Bericht, sehr gefühlvoll niedergeschrieben.
Danke dir fürs mitnehmen. LG Moni -
Hallo, der Bericht ist wirklich sehr anschaulich. Du hast eine Art zu schreiben, die einen wahrlich mitreisen lässt. Weiter so und bis zum nächsten Bericht. Lg Christian:)
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Klasse Reportage! Und stilistisch hätte ich niemals gedacht, dass dieser Text von einer 15-16jährigen stammt...wirklich toll. :-)
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Danke euch, für die vielen Kommentare, ich bin richtig gerührt :)
@ Ursula: Deswegen habe ich mein nächstes Reiseziel auch ausgewählt, um komplett andere Erfahrungen zu machen. Ich hoffe, ich werde auch dann wieder einen Bericht schreiben können!
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Alaska ist schon lange ein Reiseziel von uns, aber bisher hat es noch nicht geklappt. Um so mehr habe ich mich von Deinem Bericht einfangen lassen. So gut und lebendig geschrieben, es hat Freude gemacht, ihn zu lesen. Ein paar mehr Fotos hätten es noch sein dürfen. Für die nächste Reise wünsche ich Dir wieder tolle Erlebnisse und freue mich jetzt schon auf Deinen Bericht. Viele Grüße
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