Viti und Annette go China

Reisebericht

Viti und Annette go China

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8. August 2008 - Fortsetzung des Berichts

Liebe Leserinnen und Leser
Aufgrund der nicht immer sehr schnellen Internetverbindungen beginnen wir fuer die Fortsetzung des Berichts eine neue Seite. Ihr findet die Fortsetzung wie folgt:

www.geo-reisecommunity.de/reisebericht/64735/1/Viti-und-Annette-unterwegs-nach-China



1. August 2008 - Geduld

Bishkek, 23.15 Uhr

Wir ueben uns ja gerne in Geduld und moechten Euch auch noch viel mehr Bilder zeigen, aber die Leitungen hier sind zu langsam, nach 2,5 Stunden geben wir es auf...

Die naechsten Tage ziehen wir uns in die kirgisischen Berge zuerueck, uebernachten in Jurten fern von allem Empfang. Daher gibt es zunaechst auch keine Antworten auf Eure lieben Emails und Kommentare, die haben uns sehr gefreut, herzlichen Dank!

Bestenfalls sind wir irgendwann zwischen 8. und 10. August in Kashgar wieder online. Bis dahin wuenschen wir e gueti Zyt
Viti und Annette



31. Juli 2008 – Der Duft der Seidenstrasse

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Im Hotelgarten in Taraz bekamen wir bei angenehmen Temperaturen Frühstück à la carte serviert. Spiegeleier für Viti, Blinis für Annette, Joghurt für Nasgül und Anatoli bestellte gleich wieder eine kühle Okroshka. Vor der Abfahrt Richtung Kirgistan war eine kurze Besichtigung des Mausoleums von Karakhan und seinem Schwiegersohn aus dem 12. Jahrhundert vorgesehen. Die beiden Bauwerke hatten wir bald gesehen, denn sie waren von den Russen anfangs 20. Jahrhundert weniger sorgfältig restauriert worden als das Mausoleum von Aischa Bibi in den vergangenen Jahren (der ganze Bauschmuck war durch einfache Ziegel ersetzt). Nebenan befinde sich noch eine Moschee aus dem 8. und 9. Jahrhundert, von der man die Grundmauern freigelegt habe, erklärte uns Nasgül. Wir betraten ein Ausgrabungsgelände und wurden bald von der Ausgrabungsleiterin begrüsst. Sie erklärte uns auf Englisch, dass wir uns an einem uralten heiligen Platz befänden. Sie hätten herausgefunden, dass das Gebäude schon lange vor der Islamisierung genutzt und später vielfach umgebaut worden sei. Der Raum sei vermutlich als nestorianische Kirche mit 5 Kuppeln überdacht und später von den Karlukken als Verwaltungsgebäude genutzt worden. Nach der Eroberung durch die moslemischen Samaniden im 8. Jahrhundert sei es dann in eine Moschee mit Holzsäulen und Flachdach umfunktioniert worden, das belegten verbrannte Säulenreste. Die kasachische Archäologin versetzte uns mit ihrer Begeisterung in die wechselvolle Geschichte der Orte auf der Seidenstrasse und wies uns auch auf ein Museum hin, das man zum Thema kürzlich in einem nahen Bad aus dem frühen 20. Jahrhundert eingerichtet habe. Dort besichtigten wir zahlreiche Fundstücke aus frühen Jahrhunderten und fühlten durch die Darstellungen und Rekonstruktionen verschiedener Städte auf den alten Handelswegen den Duft der Seidenstrasse, auf der wir nun unterwegs waren.
Erst gegen Mittag machten wir uns dann auf den Weg Richtung kirgisischer Grenze. Bei Tempo 120 wurden wir in den hinteren Reihen unseres VW-Bus zünftig durchgerüttelt, dafür kamen wir gut voran. Kurz vor der Grenze hielten wir in einer Teestube für ein kurzes Mittagessen (diesmal bestellten wir Salat und Schaschlik) und kamen gegen 15 Uhr zum Grenzposten, den wir zu Fuss überqueren mussten. Es hatte kaum Leute und kasachische wie kirgisische Beamte behandelten uns zuvorkommend und kramten sogar ein paar Brocken Englisch oder Deutsch hervor (Sprechen Sie Deutsch, Alpengold [kirgisische Schokoladenmarke], Good bye…). In einer Viertelstunde waren wir durch und unsere beiden Begleiter waren sichtlich erleichtert, dass alles so reibungslos geklappt hatte, sie kennen auch anderes. Nach der Grenze plapperten sie gelöst miteinander, in Vorfreude auf die Ankunft in Bishkek. Annette schlief praktisch durch und Viti stellte fest, dass die Landschaft und die Dörfer nicht viel anders, nur die Besiedlung viel dichter war als auf der kasachischen Seite. Gegen 17 Uhr trafen wir in der kirgisischen Hauptstadt ein und liessen uns in unser Hotel bringen. Der Reiseplan hatte ein „guesthouse“ versprochen, und wir hatten zu unserem Erstaunen ein ganzes Häuschen für uns – rustikal eingerichtet, mit weiteren Schweizern am Pool davor! Wir verzogen uns – für uns war erstmal Siesta angesagt.



Taraz: Mausoleum von Karakhan aus dem 12. Jahrh...

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30. Juli 2008 – Von einer tragischen Liebesgeschichte

Der Pishtak des Mausloleums...

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Morgens um 8 Uhr gab es ein reichhaltiges Frühstück. Wir fragten uns alle, ob es wieder so heiss werden sollte. Ein Besucher am Mausoleum sagte, er habe gestern in seinem Auto 45°C gemessen. David war der Meinung, dass dies schon etwas übertrieben sei, aber 40°C war durchaus realistisch. Als wir um 9 Uhr wieder beim Mausoleum waren, war es zumindest noch windstill. Überall beteten die Pilger am Grab des Sufimeisters Achmed Jassawi, und wir hielten jeweils auch inne, hockten uns nieder und gedachten mit den Einheimischen des Heiligen. Dann kam wieder dieser heisse Wind auf – es sollte wieder ähnlich warm werden wie gestern. Nach der Besichtigung machten wir uns auf den Weg nach Schymkent, wo wir ein frühes, fettiges Mittagessen ein (in Zentralasien gilt das Motto, je fettiger, desto besser – alte Nomadentradition). Von Schymkent aus fuhren wir durch schöne Landschaft den Bergen entlang Richtung Aischa Bibi und Taraz. Je näher wir den Bergen kamen, deren höchste Gipfel noch Schnee trugen, desto grüner wurde die Landschaft. Es gab wieder Bäume, klare Bäche flossen durch die Dörfer und Getreidefelder erstreckten sich über die Hügel.
In Aischa Bibi steht das Mausoleum besagter Aischa Bibi, ein wunderschöner Bau aus reich verzierten Ziegelsteinen. Das Schmuckstück erinnerte uns in Proportionen und Gestaltung an das Grab der Samaniden in Buchara. Die Legende besagt, dass sich Karachan, der damalige Herrscher von Taraz, in die Tochter des Herrschers von Samarkand Aischa Bibi verliebte. Als er um ihre Hand anhielt, verbot ihr Vater erzürnt die Beziehung. Heimlich verlobten sie sich. Mit ihrer Dienerin machte sich Aischa Bibi heimlich auf zu ihrem Angebeteten. Kurz vor Taraz wusch sie sich an einem Fluss und legte ihre schönsten Kleider an. Da wurde sie von einer giftigen Schlange gebissen. Der untröstliche Karachan kam zu spät; Aischa Bibi starb in seinen Armen. Zu ihrer Ehre liess er an der Stelle des Dramas ein einmaliges Grab bauen, das in Schönheit keinen Vergleich scheuen sollte. Wir verweilten ein wenig in der schönen Anlage mit Rosengärten und Maulbeerbäumen und genossen die Stimmung. Nach Taraz war es nicht mehr weit. Doch kurz vor dem Ziel gerieten wir in eine Polizeikontrolle. Kirgisische Autonummern seien ein beliebtes Ziel der Polizisten. Der Beamte studierte unsere Pässe, maulte etwas, weil ein Stempel von Annettes Migrationskarte nicht deutlich zu lesen war, konnte uns jedoch nichts anhaben. Wohlbehalten gelangten wir wenig später im Hotel in Taraz an. Eine kühle Dusche war nun göttlich. Am Abend genossen wir die positiven Seiten der Nomadenküche – die Zentralasiaten wissen die besten Stücke Ihres Schaf- und Lammfleisches hervorragend mariniert zuzubereiten: Als Schaschlik gegrillt auf der aromatischen Glut des Saksaul-Strauchs, der nur auf sandigen Böden gedeiht.



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29. Juli 2008 – Ein Wiedersehen mit Hodja Achmed Jassawi

Melonen aller Art werden auf...

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Aus unserem Zugsabteil erlebten wir einen schönen Sonnenaufgang. Um 6 Uhr gelangten wir in Kyzyl Orda an. Hier wurde von den einheimischen Frauen eifrig Fisch aus dem Syr Darya feilgeboten, einem der zwei grossen Flüsse Zentralasiens, die eigentlich bis in den Aralsee fliessen sollten, dies aber wegen der jahrzehntelangen künstlichen Bewässerung in der Gegend nicht mehr tun (Stalin beschloss, dass in Zentralasien Baumwolle angepflanzt werden soll. Baumwolle benötigt viel Wärme und Sonne, was reichlich vorhanden ist, aber auch viel Wasser, was in den Steppen- und Wüstengegenden ein kostbares Gut ist). Wir dösten beide nochmals ein. Zwei Stunden später in Chiili waren tonnenweise Melonen auf dem Bahnsteig zum Verkauf aufgetischt worden. Mangels Tenge konnten wir allerdings nichts erstehen. Unser Frühstück bestand aus unserem letzten Stück Brot, Tomaten und einem extralangen Twix. Es war ein strahlend klarer Tag, und wir begannen uns auf Turkestan zu freuen. Erstaunlicherweise wurde Annette etwas nervös, denn das ist sonst Vitis Part. Würden wir am Bahnsteig auch erwartet von unserem kirgisischen Reiseunternehmer? Wir machten uns startklar und packten unsere Koffer.
Um 11:30 war es soweit; wir gelangten in Turkestan an. Beim Aussteigen traf uns fast der Schlag, so heiss war es. Zudem blies ein starker Wind, der unglaublich warm war. Sicher an die 40°C. Wir rollten unsere Koffer zum Ausgang, da kam uns auch schon ein strahlendes Gesicht entgegen – Nasgül (auf Kirgisisch: nette Blume), unsere kirgisische Reisebegleiterin. Draussen wartete unser Fahrer Anatoli. Beide stöhnten nur so wegen der Hitze, die ja unerträglich sei. Jetzt war erstmals duschen angesagt, denn wir hatten lange kein Wasser mehr gesehen. Anschliessend gingen wir essen, doch leider hatte im Restaurant ein Stromausfall die Küche lahm gelegt und wir mussten uns in einem düsteren, rotbeleuchteten Keller-Imbiss verpflegen lassen (russischer als in Russland: Dort essen sie auch am liebsten im Halbdunkel und bei lauter Musik). Wir schlenderten dann über den Basar von Turkestan und kauften für Annette einen Rock, der den Temperaturen gewachsen war. Für eine Besichtigung war es aber immer noch viel zu heiss und wir verschoben dies auf den Abend. Wir verpennten den vereinbarten Termin, so gingen wir zu zweit los. Das Hotel stand direkt bei der Hauptattraktion von Turkestan, dem Mausoleum des Hodja Achmed Jassawi. Über dem Grab des hochverehrten Sufi-Meisters liess Timur (auch Tamerlan, eroberte und regierte im 14. Jahrhundert gewalttätig eines der grössten Reiche von der Mittelmeerküste bis Indien und ganz Zentralasien) Ende des 14. Jahrhunderts ein mächtiges und prachtvolles Mausoleum bauen, das seinesgleichen sucht. Ein typisch timuridischer Bau mit blauen Kuppeln und reich verzierten Fassaden. Dieses Monument haben wir uns schon 2005 auf unserer Zentralasienreise angeschaut und es war schon auf dieser Reise ein Höhepunkt. Nur haben wir damals die ganzen Monumente Usbekistans und Persiens erst später gesehen. Würde es uns immer noch so gefallen und steht wirklich hier der schönste gekachelte Mihrab? Unsere Erinnerung hatte nicht getäuscht – kurz gesagt, es war fantastisch. Die schöne Stimmung, die gewaltigen Dimensionen der Kuppeln und des Pishtakts, der riesige überkuppelte zentrale Innenraum mit seinen Muqarnas und der einzigartige Mihrab der Moschee überwältigten uns wieder. Die Gefühle bestärkten uns in unserer Meinung, dass hier eines der eindrücklichsten Bauwerke des Islam steht. Uns kamen buchstäblich die Tränen vor den gewaltigen Eindrücken.



Tiefblauer Himmel am Mausoleum des Hodja...

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28. Juli 2008 – Orenburg – Aralsk: Die endlose Steppe ist da

Die folgende Nacht verlief unruhig. Etwa um 2 Uhr stellten wir fest (Annette schaute zum Fenster raus, David hörte es), wie wir bei Orenburg über die Brücke des Flusses Ural fuhren. Kurz darauf sollten wir die russisch-kasachische Grenze überqueren. In der Tat wurde um 3 Uhr an unsere Tür geklopft, wir machten Licht und bereiteten unsere Pässe und gesammelten russischen Aufenthaltspapiere vor. Viti hielt die Stellung aber Annette döste sofort wieder ein. Als die russischen Grenzbeamten endlich auftauchten, war es schon hell. Das ganze zog sich etwa über eine Stunde hin. Unsere Pässe wurden eingesammelt, und irgendwann tauchte ein gut gelaunter Beamter in unserem Abteil auf und wollte etwas mit uns Plaudern, um in Erfahrung zu bringen, was wir Exoten in dem Zug überhaupt machen (so hatten wir zumindest den Eindruck). Jedem, der es wissen wollte, gab er Auskunft „Schwaizzarja“… Wir verstanden leider kein Wort seiner Fragen, konnten aber verständlich machen, dass wir bis nach Turkestan fuhren (ein Mausoleum anschauen), und dann nach Kirgistan (in die Berge) und China (Grosse Mauer etc.) weiterreisen wollten. Wieso, warum? Sein Kichern deutete an, dass eh nicht nachzuvollziehen sei, was wir europäischen Touristen an all diesen Orten überhaupt wollten. Erst als er erfahren hatte, dass wir von China aus dann wieder zurück nach Hause fliegen würden, gab er sich zufrieden und zog von dannen. Von den ganzen Papieren, die David sorgfältig gesammelt hatte, hatte niemand etwas wissen wollen. Der Zug fuhr etwa eine Stunde weiter, und dann folgte ein ähnliches Schauspiel an der kasachischen Grenze, nur dauerte es mindestens zwei Stunden. Auch hier die Beamten freundlich und die Verständigung schwierig. Ein Zollbeamter schaute in einen Koffer rein, murrte etwas und war wieder verschwunden. Als wir auch hier erklärt hatten, dass wir von Kitai (China) wieder zurück fliegen wollten, kriegten wir unseren Stempel und die Sache war erledigt.
Als unser Zug schliesslich nach Kasachstan hinein fuhr, wurde die Landschaft karger und die Böden sandiger, das grün wurde von immer mehr gelb und braun abgelöst und irgendwann waren auch keine Bäume mehr zu sehen. Die Temperatur im Abteil stieg, draussen herrschte Gluthitze. Die seltenen Dörfer der russischen Weiten wurden abgelöst von einer noch spärlicheren Besiedlung der Steppe. Einzelne Lehmhütten mit wenig Vieh – Schafe oder Ziegen, manchmal Kühe, selten Kamele oder Pferde. Am Nachmittag passierten wir die letzten Ausläufer des Ural. Die Hügelkette war am Zug entlang mit Holzgittern versehen, die wir als Schneefänger interpretierten – kaum vorstellbar, dass hier im Winter Schnee liegen soll, uns rann der Schweiss nur so herunter. Später gab es teilweise kaum mehr Vegetation, nur noch Gestrüpp, das auf salzverkrusteten Böden gedeihen kann. Der Abend kam früh, die Sonne senkte sich tief orange vor einem klaren Himmel – nach unserer Uhr etwa um 19.30, was in Lokalzeit vermutlich 21.30 Uhr entsprach (so genau wussten wir das nicht, denn Bahnhofsuhren gab es entweder nicht oder es war unklar, ob sie überhaupt funktionierten). Eine Stunde später in Saksaulsk brannte nur in wenigen Häusern Licht. Auf dem Bahnsteig herrschten mit geschätzten 30 Grad langsam angenehmere Temperaturen und auch für uns war es eine gute Zeit zum Schlafengehen. Das Fenster unseres Abteils gab den Blick auf einen sagenhaften Sternenhimmel frei (unser Zug war in der endlosen Steppe die einzige Lichtverschmutzung weit und breit). Was hätte man sich Schöneres erträumen können?



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27. Juli 2008 – Moskau – Buzuluk: Die Seele baumeln lassen

Als wir gegen 23 Uhr in der grossen Halle des Kasaner Bahnhofs standen, hatten wir das Gefühl, das Abenteuer gehe nun langsam los. Viel zentralasiatisches Volk mit zahlreichen Gepäckstücken drängte sich auf dem Bahnsteig und die Dame am Eingang unseres Wagons sprach kein Wort Englisch. „Restoran niet“ reichte uns aber, um zu verstehen, dass wir entgegen unseren Erwartungen an eine 1. Klasse-Bahnfahrt für unsere Verpflegung die nächsten drei Tage selbst zu sorgen hatten. So wurde in aller Eile der Bahnhof nach Proviant abgesucht und reichlich Wasser, Brot, eine Büchse Fisch, Tomaten und etwas zum Knabbern eingekauft. Unterwegs würden wir ja sicher von fliegenden Händlerinnen noch etwas bekommen, allerdings blieben uns dafür gerade mal 250 Rubel (ca. 10 Franken) übrig. Na wir würden ja sehen.
Wir bezogen unser Abteil, diesmal etwa 1,75 x 2,5 m (ohne Lavabo) und versuchten unsere Riesenkoffer irgendwie unterzubringen. Es war stickig heiss, kam uns etwas eng vor und roch nicht besonders, aber das vergassen wir schnell. Um 23.25 Uhr ging es pünktlich los. Bald kam die freundliche Zugbegleiterin, versah unsere Tickets mit einem Riss und gab uns zu verstehen, dass wir bei ihr Tee und Kaffee kriegen könnten – den „Samowar“ (ein Ungetüm, das heisses Wasser produzierte) hatten wir draussen im Gang schon gesichtet. So bereiteten wir unser Nachtlager und fanden bald Schlaf, gespannt auf die Dinge, die da kommen sollten.
Wir konnten herrlich ausschlafen und fanden unser abgekühltes Abteil am nächsten Morgen sehr gemütlich. Wir genossen es, einfach mal nichts zu tun als aus dem Fenster zu schauen oder nach Belieben wieder einzudösen. Augen, Seele und Geist labten sich an der vorbeiziehenden Landschaft, der Verstand hatte Musse, irgendwelchen Gedanken nachzuhängen oder über die Lebensumstände der ansässigen Bevölkerung zu sinnieren. Über weite Strecken sah man kaum eine Siedlung, nur ab und zu eine Ansammlung der bekannten Holzhäuschen. Der Rest war nicht unberührte Landschaft – Wälder, Wiesen und Felder werden durchaus bewirtschaftet, nur hat die Natur da einfach viel mehr Platz als bei uns.
Bei Syzran wurden auf dem Bahnsteig statt Beeren und eingemachten Pilzen und Gurken plötzlich geräucherte Fische verkauft – wir waren an der Wolga. Dank einem Fahrplan und einer Russlandkarte konnten wir uns jeweils orten und stellten fest, dass der Zug sehr pünktlich unterwegs war. An der Wolga gab es Industrie und grössere Städte, und bei Samara überquerten wir dann den Fluss (beziehungsweise Strom wäre wohl angemessen hier). Zwischendurch liessen wir uns von einer Hörspielfassung von Lev Tolstois Krieg und Frieden begleiten und fühlten uns in die Sorgen und Nöte der russische Aristokratie zu Zeiten Napoleons versetzt (herzlichen Dank Andrea!). Abends genossen wir eine Instant-Nudelsuppe, die wir an einem Kiosk in Samara erstanden hatten und erfassten die tiefere Bedeutung der chinesischen Bezeichnung „fangbian mian“ (bequeme Nudeln). So ein Gericht ist in einem Zug mit kochendem Wasser à discrétion wirklich äusserst praktisch und schmackhaft! Beim Eindunkeln hielt der Zug in Buzuluk, wo wir uns von einem Mütterchen warme Piroshki leisteten, leckere frittierte Teigtaschen mit Kartoffeln gefüllt. So ging unser erster Tag im Zug glücklich zu Ende.



Einfach mal nichts tun und zum Fenster...

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26. Juli 2008 – Sieben Schwestern Stalins und Paläste für das Volk

Viti und Annette vor dem...

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Wir liessen uns nochmals das Frühstück auf unser Zimmer bringen (alle Wünsche betreffend dem Buffet waren zwecklos, da der Frühstücksraum noch im Bau war). Dann aktualisierten wir unseren Blog, so dass wir mit ruhigem Gewissen unsere nächste Etappe in Angriff nehmen konnten. Wir hatten nochmals einen ganzen Tag Zeit in Moskau. Wir wollten uns noch die berühmten Metrostationen anschauen und wenn möglich, noch einige der stalinistischen Hochhäuser, die sieben Schwestern genannt. Die Metrostationen waren eindrücklich in ihrer Gestaltung mit Marmor und Stuck und im Vergleich zu Metros anderer Metropolen sicher einmalig. Genauer angeschaut haben wir uns die Station Komsomolskaja. Die Halle erinnert eher an einen Ballsaal als an eine Metrostation und wird dem sozialistischen Anspruch, „Paläste für das Volk“ zu bauen in ihrem Sinne wohl gerecht. Von dort aus gingen wir zu Fuss ein Stück, um die ersten Bauten der sieben Schwestern anzuschauen. Das Hotel Leningrad ist heute ein Hilton und sieht eigentlich wenig spektakulär und original aus. Anders war da schon das Gebäude des Transportministeriums. Dieser Bau widerspiegelt ziemlich eindrucksvoll die Gigantomanie und den Repräsentationswillen der Stalinära anfangs der 50er Jahre. Wir machten nochmals eine Metrofahrt und schauten uns weitere Stationen an. Dann waren nochmals zwei Stalinhochhäuser an der Reihe, ein Wohnhaus und das Aussenministerium. Dann fanden wir, dass nun das Besichtigungsprogramm in Moskau auch für uns abgeschlossen sei. Im Viertel Arbat assen wir eine Kleinigkeit. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen, um uns noch ein wenig auszuruhen. In Moskau wimmelt es nicht gerade von gemütlichen Parkanlagen mit Bänken und so. Wir beschlossen deshalb, mit der Metro zum Neujungfrauen-Kloster zu fahren. Da gab es einen kleinen See, an dem wir es uns gemütlich machten, Musik hörten und die Aussicht auf das Kloster genossen, das sich nun schön in der Abendsonne im Wasser spiegelte. Um halb acht machten wir uns auf für das Nachtessen. Wir beschlossen, nochmals das tibetische Restaurant zu berücksichtigen. Das essen war dort gut und lag nahe an unserem Hotel, wo wir die Koffer noch eingestellt hatten. Unser Gepäck holten wir gegen 10 Uhr ab und rollten mit den Koffern zur Metro und weiter bis zum Kasanskaja Woksal.



Metrostation Komsomolskaja

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25. Juli 2008 – Und nochmals ein Weltkulturerbe

Wir wachten im 20. Stock in unserem Zimmer mit Aussicht auf. Das WDNCh-Gelände und der Turm von Ostankino standen tiptop in der Sonne – es sollte wiederum ein Tag mit wunderbarem Wetter geben. Wir machten uns auf den Weg in die Frühstückshalle. Hier war dann eine richtige Massenabfertigung. Aber all die Leute der fast 1500 Zimmer müssen erstmal versorgt werden. Wir hockten uns an einen Tisch und verspeisten ein üppiges Frühstück. Anschliessend machten wir uns auf den Weg, um das Hotel zu wechseln. Im Budapest hatten wir ein Zimmer reserviert. Der Abstieg in die Metro stellte sich als sehr mühsam heraus, da die Rolltreppe ausgefallen war. Nun zeigte sich das volle Gewicht unserer Koffer, da wir diese nun erstmals tragen mussten und nicht rollen konnten. Unten angekommen strömte der Schweiss nur so in Strömen. Doch die Russen zeigten sich als hilfsbereit und halfen tragen. Dann gab es keine grossen Hindernisse mehr und wir gelangten gut bei unserem Hotel an. Mit Einchecken war noch nichts, dazu waren wir zu früh da. Wir machten uns gleich auf die Socken und liefen über den Roten Platz Richtung Metrostation Novokusnezkaja. Um diese Station entdeckten wir ein nochmals anderes Gesicht von Moskau. Nicht so schick und protzig wie in der Gegend unseres Hotels. Und wir entdeckten noch eine Option für das Abendessen. Die Metrostation war in typisch Sowjetischem Stil gebaut mit verschiedensten Anpreisungen der Heldentaten von Partei und Arbeiterschaft. Wir fuhren dann drei Stationen in den Süden, zum Park von Kolomenskoe. Hier stand im 17. Jahrhundert der legendäre Holzpalast von Zar Aleksej Michajlowitsch. Am Eingang erstanden wir ein teures Eintrittsbillet. Zum ersten Mal wurden die Preise für Einheimische und Fremde unterschiedlich angegeben und wir zahlten das Dreifache. Vom einstigen Zarenpalast steht nichts mehr. Heute muss man sich mit einem Holzmodell begnügen. Imposant ist aber die Himmelfahrtskirche mit dem ersten und gleichzeitig höchsten Steinzeltdach in Russland. Deshalb wurde die Kirche auch zum Weltkulturerbe erklärt. Der Park war ganz schön angelegt direkt an der Moskwa und die Touristenscharen hielten sich in Grenzen. Wir fanden das ganz gemütlich und legten uns ein wenig hin, um das Wetter, das Monument und die Aussicht zu geniessen. Es war dann bereits vier Uhr, als wir uns auf den Heimweg machten. Wir gönnten uns aber vorher noch eine feine Kartoschka. Dann bezogen wir unser Hotelzimmer. Wir wurden sogar noch upgraded in ein wirklich riesiges Zimmer. Da liess es sich liegen für eine kurze Siesta. Mit der Metro fuhren wir dann zur Station Novokusenzkaja und steuerten gradlinig das Schesch Besch an, eine Restaurantkette mit aserbeidschanischer Küche. Da waren wir gespannt darauf, wie das wohl schmecken wird. Wir könnten das Essen als Mix zwischen türkischer und iranischer Küche beschreiben.



Ausblick von Zimmer 2023

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24. Juli 2008 – Zurück in Moskau

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Der Himmel strahlte uns wieder blau entgegen und wir statteten der Klosteranlage einen morgendlichen Besuch ab. Wir hatten noch einen ruhigen Moment und genossen das Morgenlicht. Kaum war 10 Uhr vorbei, strömten die Touristengruppen wieder in Scharen heran. Wir machten uns auf den Weg zurück nach Moskau, diesmal im klimatisierten Bus. Beim Hineinfahren in die Riesenstadt wurde uns bewusst, wie schön und erholsam die Tage auf dem Land gewesen waren. Hier reihte sich der Verkehr in immer mehr Spuren neben dem Bus und die Aussicht wurde zunehmend von riesigen Plattenbauten geprägt. Irgendwo müssen die 11 Millionen Moskauer ja leben. Die Dimensionen der Metropole wurden uns auch von unserem Hotelzimmer aus schön vor Augen geführt.
Kurz nach Mittag hatte uns der Bus direkt vor dem Hotel Kosmos abgestellt, wo wir noch unsere Bahnbillete für die Transkasachische Eisenbahn abholen mussten. Wir nutzten die Gelegenheit, uns in diesem ehemaligen Intourist-Hotel-Komplex einzuquartieren. In der Tat atmete das Zimmer 2023 noch Sowjet-Atmosphäre und der Blick auf die Stadt war einmalig.
Wir sahen direkt auf das Gelände der sogenannten WDNCh, der „Allrussische Ausstellung der wirtschaftlichen Leistungen des Volkes“ (Wystanka dostishenij narodnogo chosjajstwa). Dieses Überbleibsel stalinistischer Ära, wo die Errungenschaften der verschiedenen Sowjetstaaten in landestypischen Pavillons präsentiert worden waren, wollten wir uns nicht entgehen lassen. Heute beeindruckt vor allem die propagandistische Architektur der Pavilions, Brunnen und Triumphbogen. Die Ausstellung ist mittlerweile kapitalistisch verkommen und wird als Vergnügungspark für Jung und Alt genutzt. Auf dem gesamten Gelände wird man musikalisch beschallt, und an Imbissständen und Vergnügungsangeboten aller Art mangelt es nicht. Wir schlenderten gemächlich bis zur Wostok-Trägerrakete am Ende des Geländes (uf Baernduetsch: mer si gmüetlech gschlärpelet) und setzten uns auf dem Rückweg auf eine Bank (hier hatte es reichlich davon) und schauten dem bunten Treiben zu. Kamel- und Eselreiten, Gokart und Inline-Skating waren beliebt, und wir disputierten vergnügt darüber, ob die Skates wohl gemietet seien oder nicht. So liess es sich herrlich am Schatten verweilen und wir genossen so etwas wie einen Ruhetag. Zurück im Hotel wollten noch verschiedene Tagebucheinträge redigiert und Bilder aufbereitet sein, nur der Upload funktionierte mit der Drahtlosverbindung nicht wie gewünscht. So vertagten wir das ganze und fuhren mit der Metro zu unserem Lieblingsrestaurant (siehe 20. Juli) und liessen es uns schmecken. Der Borschtsch und die Okroschka (prickelnd erfrischende Suppe aus Gurken, Radieschen, Kartoffeln, Kräutern, Siedfleisch und Kwas – leicht angesäuertes Getränk auf Brotbasis) waren wieder einmalig.



Blick auf den Hotel-Komplex Kosmos (warum...

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23. Juli 2008 – Nochmal über Land unterwegs

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Nach einer letzten Nacht in Wladimir wollten wir via Aleksandrow nach Sergiew Possad, unserer letzten Station auf dem Goldenen Ring. Wir erreichten wie geplant nach einem hastigen Frühstück den Bus um 8.45 (der nächste wäre erst 12.10 gefahren), und nachdem wir noch zwei Extratickets für unser „Bagage“ erstanden hatten, durften wir einsteigen. In dem ausrangierten deutschen Stadtbus, von dem wir lieber weder Spritverbrauch noch Abgaswerte wissen möchten, gondelten wir etwa 2,5 Stunden durch die Rus. Wunderschöne Landschaften wieder, sanfte Hügel, Wiesen, Birken- und Kiefernwälder, und ab und zu ein paar farbige Holzhäuschen. Aus dem Busfenster entdeckten wir auch den wohl einzigen Reichtum dieser Gegend: Pilze – vielerorts wurden Eierschwämme gesammelt, wie wir sie gestern genossen hatten.
Der Busbahnhof von Aleksandrow bestand tatsächlich nur aus einem Container auf einem schlammigen Platz, aber wir konnten ihn leider nicht sofort wieder verlassen, weil unser Regionalzug nach Sergiew Possad erst zwei Stunden später fuhr. So installierten wir uns in der nahen Parkanlage (oder so was ähnlichem, unterhalten war sie leider nicht und Bänke sind hier kaum bekannt) im Schatten des Monuments für die unbekannten Soldaten von Aleksandrow. So konnten unsere patentierten Rollkoffer heute zum ersten Mal so richtig ihre Geländegängigkeit beweisen. Über ungeteerten Strassen, Bahnhofplätze, holprige Trottoirs und Sandplätze haben sie sich bewährt, und den Strassenarbeitern von Wladimir fielen fast die Augen aus dem Kopf, als wir damit den Hügel heruntergerollt (die Koffer) kamen.



Container des Busbahnhofs (Autowoksal) von...

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Gegen halb zwei fuhr unser Zug von Aleksandrow Richtung Moskau los. Während Annette bei der Hitze wie eine tote Fliege vor sich hin döste, wurde Viti zusehends ungeduldiger, da der Zug an jedem Misthaufen hielt und öfter lange stehen blieb. Das heisst, Misthaufen ist hier eigentlich nicht das richtige Wort, da sich die Leute hier höchstens einzelne Kühe leisten können, zudem liegen die Haltestellen jeweils eher irgendwo im Wald und heissen mangels Ortschaft „Km 83“ oder so. Irgendwann erreichten wir dann doch den ersehnten Pilgerort, sahen schon von weitem die goldenen Kuppeln leuchten, aber hatten erstmal keine Ahnung, wo unser reserviertes Hotel liegen könnte. Am Bahnhofskiosk konnten wir einen Ortsplan erstehen und waren bald darauf im „Russki dworik“ angelangt, kaum 200 m von unserer Sehenswürdigkeit entfernt. Bei strahlend blauem Himmel waren wir natürlich sofort wieder unterwegs und erkundeten bald die ehemals mächtige Klosteranlage. Wir waren auch von ihrer heutigen Ausstrahlung sehr angetan und genossen das Treiben zwischen den verschiedenen Kirchen, Kathedralen, Wirtschaftsgebäuden (heute Souvenirläden) und dem Brunnenhäuschen. Nebst Touristen tummelten sich vor allem Pilger, die sich das heilige Wasser in grosse Flaschen abfüllten, und Priester oder Mönche huschten in ihren langen schwarzen Kutten von einem Gebäude zum nächsten. Die Stimmung in von Kerzenduft, Weihrauch und Gesang erfüllten Gotteshäusern war einmalig, und wir verweilten lange und genossen die abendliche Stimmung auf dem Klosterhof.
Zum Abendessen gab es einen feinen Schaschlik mit Salat im Gartenrestaurant mit Sicht auf das Kloster.



Blick auf die mächtige Klosteranlage von...

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22. Juli 2008 – Dörfliche Idylle

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Uns begrüsste ein strahlend blauer Himmel. Wir frühstückten und schritten anschliessend voller Elan Richtung Busbahnhof. Bei der Demetrios-Kathedrale legten wir nochmals einen kurzen Halt ein, um die Figuren an den Apsiden zu studieren. Am Busbahnhof fanden wir dann schnell die richtige Bushaltestelle. Mit Handzeichen ist es uns dann auch gelungen, uns ein Billet für einen Sitzplatz nach Susdal zu ergattern. Der Bus stellte sich als richtige Klappermühle heraus. Prall gefüllt (der Bus) fuhren wir dann übers Land. Ab und zu hielten wir irgendwo im Nirgendwo und es stiegen noch mehr Leute zu, und nicht nur Schlanke und Ranke. Kaum eine Stunde später gelangten wir dann in Susdal an. Das Dorf zählt zusammen mit Wladimir zum Weltkulturerbe und besticht durch über hundert Kirchen und Klöster. Eine erstaunliche Anzahl angesichts der kleinen Einwohnerzahl. An fast jeder Ecke waren da Türmchen von Kirchen zu sehen. Wir spazierten dann erstmals Richtung Euthymios-Kloster. Das stellte sich als gewaltiges Wehrkloster heraus, das mit mächtigen Mauern umschlossen ist. Da haben wir uns ein sehr teures Billet geleistet. Wir schlenderten durch das Areal und besichtigten die Kathedrale. Diese war innen vollkommen mit Fresken aus dem 17. Jahrhundert ausgemalt. Nicht gerade unser Stil, doch war das ganze trotzdem ziemlich imposant. Eindrücklich war dann auch das Glockenspiel. Die Holländer können da einpacken. Wir stärkten uns mit Blinis und spazierten danach weiter dem Fluss entgegen. Am Fluss eröffneten sich malerische Ausblicke: Die Dorfjugend badete im seichten Wasser, Hühner und Gockel gackerten durch die Vorgärten der Holzhäuschen und hier und da graste eine Ziege. Russische Dorfidylle pur. So spazierten wir über Wiesen an verschiedenen Kirchen und Klöster vorbei Richtung Kreml. Dies ist ein weiteres Wahrzeichen von Susdal. Die Kreml-Kirche wird mit blauen Kuppeln mit goldenen Sternen gekrönt und ziert so manchen Prospekt. Nach dem Kremlbesuch gönnten wir uns noch eine Glace und passten dann ein Taxi ab. Wir wollten noch unbedingt ins nächste Dorf namens Kidekscha. Dort steht die älteste Kirche der Rus, deren Besuch vom Dumont-Kunstreiseführer mit zwei Sternen angepriesen wird. Mit dem Taxi fuhren wir dann praktisch bis in die Kirche hinein. Der Abstecher erwies sich aber eher als Flop. Zu sehen gab es da kaum was. Am Schönsten waren noch die Lage über dem Fluss und die lustigen farbigen Häuser des Strassendorfes. Gerade billig war die Taxifahrt auch nicht – die Einwohner nehmen das Geld auch von den lebenden. Wir liessen uns dann gleich beim Busbahnhof von Susdal abstellen, der relativ weit ausserhalb des Dorfes liegt. Zehn Minuten später hockten wir auch schon im Bus zurück nach Wladimir. Im Restaurant unseres Hotels haben wir dann am Abend sehr gut russisch gegessen, unter anderem feine hausgemachte Pilz-Nudelsuppe, gefüllte Hühnerbrust und Kartoffeln „Puschkin“, auch mit Pilzen gebraten.



Dörfliche Idylle am Fluss Kamenka

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21. Juli 2008 – Ausflug in die russische Pampa

Viti und Annette posieren mit...

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In unserer Naivität erwarteten wir einen strahlend schönen Morgen. Doch es begrüsste uns ein wolkenverhangener Himmel, der nichts Gutes erahnen liess. Im Hotel gab es nun endlich ein richtiges Frühstück mit Blinis. Das erfreute uns. Auf dem Programm stand für Heute ein Ausflug nach Bogoljubowo. Dort soll die schönste Kirche ganz Russlands stehen. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Es stellte sich die Frage, wie man dahin kommt. Kaum aus dem Hotel, entdeckten wir schon einen Bus, der nach Bogoljubowo fuhr. Doch wir wollten zuerst noch auf die Touristen-Information. Die hat aber Montags geschlossen. Wir liefen dann der Hauptstrasse entlang, immer in der Hoffnung, dass uns auch eine Bushaltestelle für die Nr. 152 nach Bogoljubowo begegnen würde. Wie zu Fahrkarten kommen, war uns auch noch ein Rätsel. Schlussendlich nach längerem Marsch erreichten wir den Bahnhof, von wo auch die Überlandbusse abfahren. Doch nirgends ein Bus nach Bogoljubowo. Um unsere Nerven zu schonen, entschieden wir uns kurzerhand für ein Taxi. Die zwölf Kilometer nach Bogoljubowo kosteten uns dann 250 Rubel (etwa 10 Franken), was wir durchaus verkraften. So waren wir nun super schnell angekommen. Das Kloster direkt an der Hauptstrasse liessen wir rechts liegen und machten uns auf den Fussweg zur Mariä-Schutz-Kirche an der Nerl. Bald schon führte uns ein wunderschöner Weg über Wiesen; in der Ferne sahen wir unser besagtes Ziel schon vor Augen. Das kleine Kirchlein, ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert und somit aus vormongolischer Zeit (die Mongolen fielen 1238 über die Rus her und schlugen alles Kurz und Klein, was ihnen in den Weg kam) liegt wirklich malerisch an einem kleinen Teich inmitten einer schönen Wiesenlandschaft. Ein Anblick, der uns super gefiel, zumal wie auf Bestellung die Sonne durch die Wolken hindurch blickte. An die russische Romanik könnten wir uns noch gewöhnen, dachten wir. Gemütlich liessen wir das Kirchlein auf uns wirken. Als wir dann später wieder zurück an die Hauptstrasse nach Bogoljubowo gingen, fiel Annette ein Menschenhäuflein am Strassenrand auf. Die warten sicher auf den Bus nach Wladimir, und so war es auch. Kaum zwei Minuten später kam der Bus auch schon. Besseres timing ist nicht mehr möglich. Zurück in Wladimir regnete es leicht. Wir wollten nun noch in die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, die wir uns noch für Heute aufgespart hatten. Doch diese war entgegen allen Aussagen des Reiseführers geschlossen – Pech gehabt. Dafür hatten wir nun Zeit für eine ausgedehnte Siesta. Inzwischen klarte der Himmel auf und wir machten uns nochmals auf die Piste, denn wir waren hungrig geworden. Im Restaurant Traktir (in Russland anscheinend immer ein guter Tip) assen wir Schaschlik vom Fisch und vom Kalb. Auf der Aussichtspromenade genossen wir dann die Abendstimmung, mit Blick auf die Ebene und dem örtlichen Güterbahnhof (71 Wagen war die Rekordlänge).



Mitten in der russischen Pampa (bei Bogoljubowo)

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20. Juli 2008 – Busfahrt nach Wladimir, der alten Hauptstadt der Rus

Viti und Annette posieren vor...

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Am Vorabend haben wir hervorragend gegessen. Borschtsch, Okroshka und Kaninchen gab es, und zum Dessert süsse Blinis. Wir überlegten uns, dies als Tip auf unserem Blog zu veröffentlichen: „Diskreter Charme der Bourgeoisie“ (uliza Bolschaja Lubjanka 24). Am Morgen genügten wir uns nochmals an unserem Frühstück im Zimmer und checkten anschliessend aus. Wir rollten unsere Koffer Richtung Metro, mit der wir zum Kurskaja-Bahnhof fuhren. Von dort aus sollte ein privates Busunternehmen Fahrten nach Wladimir unternehmen. Tatsächlich war das auch so und um 11 Uhr fuhren wir los. Auf schnurgeraden Strassen fuhren wir durch die russische Landschaft. Teilweise regnete es – ein gutes Wetter für eine Busfahrt. Wir nahmen unseren Ipod hervor und lauschten Wenedikt Jerofejews Reise nach Petuschkij. Kurz nach zwei Uhr erreichten wir Wladimir. Zum Glück hielt der Bus auch am Goldenen Tor, nahe an unserem Hotel. So waren wir super schnell einquartiert. Entgegen allen unseren Erwartungen besserte sich das Wetter nun rasch und die sonnigen Abschnitte wurden immer länger. Das war dann der Todesstoss für die Siesta und wir gingen sofort auf Besichtigungstour. Wladimir gehört auch zum Unesco-Weltkulturerbe und ist berühmt für seine vormongolischen Kirchen. Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale war bald erreicht und wir betrachteten die ehemals wichtigste Kirche der Rus erstmal von Aussen. Zudem genossen wir von der Panoramaterrasse den weiten Blick in die Landschaft. Wenige Schritte weiter gelangten wir zur Demetrios-Kathedrale. Die Schönheit und Ausdrucksstärke der Fassadenreliefs dieses kleinen Kirchleins überwältigte uns als Romanik-Begeisterte. Dazu das schöne Wetter und die tolle Stimmung. Wir waren vollends begeistert. Wir beide kamen zum Schluss, dass für unseren Geschmack dieser Bau den gleichen Stellenwert einnimmt, wie etwa das Mausoleum der Samaniden in Buchara (d.h. es ist kaum zu toppen). Wir spazierten im angrenzenden Park herum, liessen die einzelnen Reisegruppen durch den Innenraum schleusen, bevor wir dann, als der Rummel vorbei war, die Kirche betraten. Schmuck und fein war auch das Innere. Glücklich über das erlebte schlenderten wir Hand-in-Hand nach Hause.



Demetrios-Kathedrale, ein Bijou aus dem 12....

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Kommentare

  • ralf.houven

    Hallo Annette und Viti,

    na da freue ich mich auf den kompletten Reisebericht - der wird wohl so umfangreich wie ein Versandhauskatalog! Hoffentlich klappt alles mit den Papieren. Ich wünsche Euch gute Reise!

    Schöne Grüße
    Ralf

  • Rewy

    Hallo Annette und David

    Bald geht's los! Wir wünschen euch gute Reise und freuen uns auf Neuigkeiten aus Zentralasien.

    Liebe Grüsse

    Regula und Philipp

  • tautau006

    Dann wünsche ich euch viel Spaß auf der Reise und möge alles so klappen wie ihr es euch Erhofft. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung eures Berichtes

  • LangerLappi

    Hallo Annette,

    ich bin beeindruckt, das sind ja schon eine ganze Reihe richtig guter Beiträge! Schön, dass Ihr die Zeit findet, uns Zurückgebliebenen mit Bildern und Geschichten zu versorgen.

    Liebe Grüsse
    Sebastian

  • Anibell

    Hallo Annette und David,

    es ist schwierige Lektione für mich zu lesen und verstehen alles... die Bilden sind sehr guten. : ) Wir wünschen gute Reise, viele Glück und alles gut!

    Liebe Grüsse
    Ági und Levente und Familie Dano

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