Reisebericht

Reisebericht: Syrien und Jordanien 2009

Das touristisch selten besuchte, lange Zeit verschlossene Syrien und das viel bekanntere, westlich orientierte Jordanien haben historisch viel gemeinsam, was man bei einer kombinierten Reise eindrucksvoll erfahren kann.
Eine hochinteressante Reise.

REISE NACH SYRIEN UND JORDANIEN 2009

(1.) Montag, 23.02.2009: FLUG NACH DAMASKUS
Wir fliegen von Frankfurt nach Wien, dann mit unserem Reiseleiter Klaus Jeska von dort in ca. 3 Stunden nach Damaskus, wo wir um 14.55 h Ortszeit (1 Stunde vor MEZ) landen.
Die Einreise verläuft problemlos, auch unsere (durchgecheckten) Koffer sind da. Es begrüßt uns der nette syrische Reiseführer Samir, der gut deutsch spricht und uns die ganze Fahrt durch Syrien begleiten wird. Es ist überwiegend sonnig bei ca. 12° C. Per Bus geht es 23 km rein nach Damaskus durch flache, meist grau-sandige, sonst licht-waldige Landschaft.
Zuerst machen wir eine kleine Rundfahrt durch die neue Stadt. Mein Eindruck: viel Beton, unattraktive Geschäftshäuser, starker Verkehr ohne besondere Beachtung von Regeln. An einem Torhaus der alten Stadtmauer, aus dem Paulus - nachdem er durch einen göttlichen Sendstrahl zum Christen geworden war (sog. Damaskus-Erlebnis) - sich auf der Flucht vor wütenden Juden in einem Korb abgeseilt haben soll, steigen wir aus und besichtigen die darin 1939 eingerichtete Paulus-Kapelle (Bab Kisan).
Danach geht es zum zwischen Neu- und Altstadt gelegenen Hotel Carlton. Es mit vertrauten Hotels dieser Kette nicht vergleichbar, aber in Ordnung. Vor dem Abendessen fahren wir bei Dunkelheit zu viert per Taxi in die Altstadt und bummeln durch den Suq (Basar) Al-Hamidiyeh bis zur prachtvoll im Abendlicht erstrahlten Omaiyaden-Moschee. Fasziniert erleben wir das quirlig-bunte exotische Treiben, das Gewirr der Gassen, die Tausende von kleinen, mit Waren vollgestopften Läden, in denen die Händler ohne aufdringliche Anmache Stoffe aller Art, Ober- und Unterbekleidung (Damenunterwäsche bis zur Reizwäsche neben islamischer Kopf- und Körperbekleidung), Nahrungs- und Genußmittel, Schmuck (vor allem aus Gold), Messer, Schuhe und vieles mehr anbieten. Die hier einkaufenden Frauen tragen überwiegend Kopftuch oder schwarze Ganzkörperverhüllung mit (und ohne) Sicht-schlitz, ein seltsames Bild, wenn sie sich farbige Unterwäsche ansehen. Die Gassen sind auffallend sauber.
Kurz vor 19 h bringt uns ein Taxi zum Abendessen zurück zum Hotel. Es sieht sehr arabisch-exotisch aus, schmeckt aber überwiegend gut.

(2.) Dienstag, 24.02.2009: DAMASKUS – MAALULA - HAMA
Der Blick aus dem Fenster zeigt Regen. Nach dem Frühstück fahren wir zunächst in der Neustadt zum Nationalmuseum am kaum noch Wasser führenden Fluß Barada. Da übersehen wurde, daß Syriens Museen dienstags geschlossen sind, besuchen wir statt dessen die Tekkiye Suleijmanije, eine Herberge für arme Mekkapilger aus dem Jahr 1560 mit brunnengeschmücktem Haupthof, zahlreichen kleinen Kuppeln und bleistiftspitzen Minaretten der türkischen Moschee.
Danach bringt uns der Bus durch dichten Stadtverkehr zum im Osten gelegenen christlichen Viertel Bab Tuma. Wir laufen durch die engen Strassen mit kleinen Läden und gehen in eine alte Entarsien-Werkstatt, wo einer der wenigen verbliebenen Handwerker dieser in Arabien verbreiteten Zunft uns die Herstellung der kunstvollen Muster aus zusammengeklebten farbigen Holzstäben vorführt.
Wir besuchen die frühchristliche Kellerkirche St. Ananias, eine der ältesten christlichen Gebetsstätten der Stadt. Der Jude Ananias soll den vom göttlichen Erweckungsblitz erblindeten Saulus auf Gottes Weisung hin wieder sehend gemacht haben (Apostelgeschichte 9,3).
Weiter spazieren wir durch das alte Viertel zu einem Kunsthandwerksladen, in dessen überdachten Innenhof man uns einen Tee serviert, und anschließend durch die engen Gassen zum Osttor (Bab ash Sharqi) der römischen Stadtmauer, von dem eine Strasse mit Säulenresten und römischer Pflasterung in die Altstadt führt.
Außerhalb der alten Stadtmauer erwartet uns der Bus, mit dem wir Damaskus verlassen. Über eine Autobahn geht die Fahrt nach Nordosten. Die Landschaft ist steinig-wüstenhaft. Die Sonne scheint wieder.
Nach 40 km biegen wir von der Autobahn nordwestlich ab und fahren in steilen Kurven bergauf nach Maalula, einem 1600 m hoch im Felsgewirr des Antilibanon-Gebirges malerisch gelegenen kleinen Ort, dessen ältere Bewohner noch Aramäisch, die Sprache von Jesus, benutzen. Oberhalb des Ortes mit seinen an die Felsen gebauten Häusern liegt Mar Sarkis, das Sergios-und-Bacchus-Kloster mit einer in den Felsen gehauenen Kirche aus dem 3. Jh. Bei der Besichtigung rezitiert der Abt vor dem Altar das Glaubensbekenntnis in aramäischer Sprache. Von einem Felsplateau neben dem Kloster hat man eine herrliche Aussicht auf die Felsstadt und die Landschaft. In einem benachbarten kleinen Restaurant nehmen wir einen Mittagsimbiß, dann geht’s per Bus runter und im Ort wieder hoch zum vollständig in die Felsen gebauten griechisch-orthodoxen Frauenkloster Mar Taqla (Thekla-Kioster), in dem wir zum Grab der (vom Papst nicht mehr anerkannten) Heiligen in eine Höhle im Felshang hochsteigen; dort fließt aus einer kleinen Quelle angeblich wundertätiges Wasser.
Um 14.15 h fährt uns der Bus bei Nieselregen wieder zur Autobahn, die entlang der schneebedeckten Bergkette des Antilibanon, vorbei an mühseligen Aufforstungsversuchen beidseits der Route, nach Homs führt.
Die Provinzhauptstadt am Orontes liegt am Kreuzungspunkt der wichtigen antiken Handelsstraßen Damaskus-Aleppo (Nord-Süd) und Mittelmeer-Palmyra (West-Ost). Ihre Einwohner gelten als die Ostfriesen Syriens und Samir erzählt pausenlos entsprechende Witze über sie. Da die Stadt touristisch nichts mehr zu bieten hat, fahren wir an ihr vorbei weiter nordwärts bis Hama. Auf dem Weg dahin wird die Landschaft grün und die aufgeforstete Bewaldung links und rechts der Autobahn dichter.
Gegen Abend kommen wir in Hama an. Die Stadt gilt als Zentrum der Strenggläubigen, fast alle Frauen laufen schwarz und bis auf Sehschlitze (manche auch ohne solche) verschleiert herum. Sie hat auch nicht mehr viel Sehenswertes zu bieten, nachdem die Altstadt bei einem Aufstand der Moslembrüder 1982 gegen die Politik des verstorbenen Staatschefs Hafis al-Assad von dessen Luftwaffe rücksichtslos bombardiert wurde (Tausende von Toten). Ein Zeichen für die fortbestehende Allmacht des Regimes ist es wohl, daß dennoch überall in der Stadt - wie auch sonst in Syrien an allen Orten - Propagandaplakate mit den Bildern des alten Assad (und seines Sohnes und Nachfolgers Baschar) herumhängen.
Berühmt ist sie heute wegen der riesigen jahrhundertealten Wasserräder (Norias), mit denen das Wasser aus dem Orontes nach oben in Bewässerungskanäle gehoben wurde; wegen Wassermangels im heute schmutzigen Fluß stehen sie jetzt still.
Zur Übernachtung fahren wir ins Orient House, einen als Hotel eingerichteten alten Stadtpalast, der recht streng, kühl und unpersönlich wirkt, aber etwas von der alten Zeit in Hama vermittelt. Zum Abendessen an einem langen Tisch gibt es wieder sehr arabische Speisen (typisch sind die vielen Vorspeisen), die wir mit Vorsicht genießen. Frühes Schlafen ist angesagt.

(3.) Mittwoch, 25.02.2009: HAMA – KRAK – TARTUS - LATAKIA
Morgens es ist leicht bewölkt, es fällt kein Regen. Der Bus fährt um 8.30 h ab, zunächst zum Orontes-Ufer in der Stadt mit Blick auf weitere Wasserräder vor einer Moschee. Dann geht es auf der Autobahn wieder südwärts, zurück Richtung Homs und westlich an der Stadt vorbei durch die sog. „Homser Pforte“, einen Durchbruch des Antilibanons, zum Krak des Chevaliers auf einem Berg-rücken des Jebel Ansariya. Diese schönste und größte Kreuzfahrerburg des Orients, riesig und gut erhalten, wurde 1031 von Mohammedanern erbaut, während der Kreuzzüge aber 1110 von Franken erobert und bis 1202 von den Johannitern ständig weiter ausgebaut, bis sie nach vielen vergeblichen Belagerungen durch Saladin 1271 vor den Mamelucken kapitulierte.
Die Burg ist von einem hohen äußeren Mauerring mit dicken halbrunden Türmen umgeben. Ein Wassergraben mit daraus aufsteigendem hohen Glacis schützte die innere Burg. Wir kraxeln zwei Stunden durch die vielen Gänge, Hallen, Höfe und über Wehrmauern, von denen es steil in die Tiefe fällt. Das Mittelalter wird wieder lebendig.
Nach der Besichtigung gibt’s ein viel zu reichhaltiges Mittagsessen in einem nahe der Burg gelegenen Restaurant.
Weiterfahrt durch immer grüneres Land (Gemüse und Obstanbau) - man sieht bereits Gebiete des nördlichen Libanon - zur Mittelmeerküste bei Tartus. Die kleine Stadt hat nicht mehr viel Sehenswertes, sie ist eine geschäftige Hafenstadt; viele Frachtschiffe ankern vor der Küste und warten auf Entladung. Wir besuchen die bis 1200 erbaute frühgotische Kathedrale Notre Dame, die von außen wie eine Wehrkirche wirkt; innen ist sie ein Museum mit vielen Fundstücken aus römischer Zeit.
In stärker werdendem Regen geht’s auf der Küstenstrasse nördlich. Links hinter die Sicht störender Bebauung ahnt man das Mittelmeer, rechts liegt das Alawitengebirge; aus dieser Gegend stammt die staatstragende Familie Assad. Wir kommen wir durch unattraktive nordsyrische Küstenorte, die unfaßbar häßlich bebaut und verschandelt sind, nichts erinnert hier an idyllische Mittelmeerregionen. Das Land ist mit nissenhüttenartigen plastikbespannten Gewächshäusern vollgepflastert, in denen Tomaten gezüchtet werden. Nach 70 km erreichen wir die größte syrische Hafenstadt Lattakia, die nur 50 km vor der türkischen Grenze liegt.
Weil es schon dämmerig wird und immer noch regnet, verschieben wir die für heute vorgesehene Ausgrabungsstätte Ugarit auf morgen und fahren zum luxuriösen Hotel Cham Côte d’Azur, das direkt am Strand, aber in einer heruntergekommenen Umgebung liegt. Wir Vier machen noch bei Nieselregen und Wind einen Bummel über den Hotelstrand und durch die häßliche Hotel-Umgebung, bis es um 19 h Abendessen gibt.

(4.) Donnerstag, 26.02.2009: LATAKIA – UGARIT – APAMEIA – EBLA - ALEPPO
Der Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen zeigt Schnürlregen, beim Aufbruch (diesmal schon um 8 h) strahlt aber die Sonne. Wir fahren 10 km nördlich nach Ugarit (Ras Shamra). Der Ort war schon im 7. Jahrtausend vC besiedelt und wurde ab 2000 vC zu einem bedeutenden Stadtstaat mit Königspalast und separatem Tempelbezirk auf einer Akropolis. Hier wurde um 1350 vC – bahnbrechend angesichts der verwirrenden Zeichenvielfalt vorher - ein auf 30 Zeichen verkürztes Keilschriftalphabet erfunden, das bei Ausgrabungen in einem riesigen Tontafelarchiv wiederentdeckt wurde. Nach der Eroberung durch die sog. Seevölker 1175 vC geriet die Stadt bald in Vergessenheit.
Wir wandern durch die eindrucksvollen Mauerreste des Palastes und des Residenzviertels, die aber nur ein schwaches Bild der einstigen Pracht und Stärke zeigen. Vieles ist noch unausgegraben.
Nach einer Erholungspause in einem Straßencafé geht es zurück durch das abstrus häßliche Häusergewirr von Lattakia (meist 8- bis 10-stöckige Betonwohnhäuser, dicht an dicht, versperren den Blick auf's Meer) und auf der Küstenstraße südlich bis vor Jebla, wo wir östlich ins Alawitengebirge abbiegen. Die Strecke führt durch steiniges, dicht mit Macchia (tw. auch mit niedrigen Aleppo-Kiefern) bewachsene Berghänge. Nach deren Überwindung breitet sich östlich des Gebirges eine weite grüne Hochebene aus, auf der junges Getreide sprießt.
Nördlich abbiegend erreichen wir auf Nebenstrassen Apameia. Zunächst machen wir eine Mittagspause an einem kleinen Restaurant. Dann folgt ein zweistündiger Spaziergang in der Sonne durch die berühmte Kolonnadenstrasse, als niemand außer uns (und einer kopfreichen fröhlichen Araberfamilie) sich dort aufhält. Der Eindruck ist faszinierend, für mich der großartigste in Syrien. In über 2 km Länge und 36 m Breite ziehen sich beidseits der antiken Pflasterung der Straße Reihen von weißen, griechischen Säulen durch die Einsamkeit des Hochplateaus, auf dem sich im 3. Jh. vC die große Residenzstadt des makedonischen Alexander-Nachfolgers Seleukos I. Nicator (321-281 vC) mit wohl 500.000 Einwohnern erstreckte. Aus dieser Zeit ist kaum ein Gebäude erhalten, die eindrucksvollen Säulen stammen alle aus nachchristlicher Zeit (2. Jh.), nachdem der römische Kaiser Trajan die von einem Erdbeben 115 nC zerstörte Stadt hatte wieder aufbauen lassen. Danach wurde sie Bischofssitz und blühte reicher und schöner. Nach der Eroberung durch den persischen Sassaniden-Herrscher Chosrow I. 573, der 292.000 Einwohner in die Gefangenschaft abgeführt haben soll, begann der Niedergang. Bei den Syrien heimsuchenden schweren Erdbeben des 6. Jh. nC Sie stürzten die Säulen mit den dahinter gebauten Geschäfts- und Wohnhäusern erneut ein. Die heute sichtbaren Pfeiler mit ihren schönen Kapitellen wurden bei den Ausgrabungen im 20. Jh. so gut es ging wieder aufgestellt.
Gegen 14 h fahren wir weiter über kleine Nebenstrassen durch ärmliche Orte und weite, von jungem Winterweizen grüne Felder zur Autobahn bei Khan Shaykhun, auf dieser dann 50 km nördlich nach Ebla (Tell Mardikh). Die Ausgrabungen im Gebiet dieser uralten Stadt (mit 2500 vC älter als Ugarit) begannen erst 1975 und sind immer noch in den Anfängen. Man sieht den riesigen Wallring, die von Sand überdeckte ehemalige Lehmziegelmauer, welche die Stadt schützte. An einigen Stellen sind Reste von Palastanlagen ausgegraben. Da alle Häuser - über Steinfundamenten – nur aus Lehmziegeln gebaut wurden, sind die Reste schlecht erhalten und zerfallen wegen mangelnder Betreuung immer mehr. In den bisher ausgegrabenen Teilen (das weitaus meiste ist noch unberührt) wurde ein großes Keilschriftarchiv aus 17.000 Tontafeln gefunden.
Bei beginnender Dunkelheit fahren wir in die nördlich gelegene Millionenstadt Aleppo ein. Mitten im Zentrum übernachten wir im Hotel Mandaloun, einem vornehmen alten Herrschaftshaus mit großem, sich über alle drei Stockwerke erstreckendem Innenhof. Wir (U&H) haben eine große, sehr arabisch ausgestattete Suite, deren Fenster nur in den Innenhof gehen.
Nach dem Einchecken bummeln wir Vier bis zum Abendessen durch Straßen im Verkehrschaos des Zentrums. Auffallend sind wieder die vielen verschleierten Frauen, die man auch in modischen Boutiken beim Einkauf sieht. Brigitte meint, sie kleiden sich - auch recht freizügig – nur für Zuhause ein.
Um 19.30 h sind wir zum Abendessen in einem an den überdachten Innenhof grenzenden Kellerraum wieder im Hotel.

(5.) Freitag, 27.02.2009: ALEPPO – SIMEONSKLOSTER - ALEPPO
Als wir um 8.30 h starten, ist der morgendliche Regen vorbei, es bleibt aber trüb. Wir fahren südwestlich in das Gebiet der sog. Toten Städte. Die flache oder leicht hüglige Landschaft kennzeichnen unendliche Olivenbaumfelder, gelegentlich unterbrochen von (noch nicht grünenden) Pistazien- und Mandelbäumen.
Bei Ariha (südlich Idlib) biegen wir von der Hauptstrasse ab und fahren über kleine Nebenstrassen im Nordsyrischen Kalksteinmassiv. Durch einsame, felsübersäte Landschaft kommen wir nach Serjillah, einer der größten der sog. Toten Städte. Es handelt sich um einst bedeutende Siedlungen, die im 1. Jh. nC in den Bergregionen zum Anbau von Olivenplantagen reicher Landbesitzer entstanden und im 4. Jh. nC mit der Ausbreitung des Christentums anwuchsen. Als sich die Wirtschaftsgrundlage änderte, gaben immer mehr Großgrundbesitzer ihre Höfe auf, und nach Erdbeben und islamischer Eroberung der Gegend wurden die Orte schließlich ab dem 7. Jh. nC ganz verlassen.
Wir erreichen die grandiose Ruinenstadt bei – passend - wolkenverhangenem Himmel im Nieselregen. Vor uns liegt ein graues Trümmermeer. Einzelne Kirchen und Häuser aus gewaltigen grauen Steinquadern sind recht gut erhalten, das meiste aber liegt kreuz und quer durcheinander. Viele der dunklen Quader sind schön verziert, einzelne Türpfosten tragen Kreuz- und Sternrosetten. Wir streifen lange durch die Trümmerlandschaft, in deren erhebendem Verfall sich die Vergänglichkeit alles Irdischen auf beeindruckende Weise vermittelt.
Anschließend geht es wieder nach Norden. Viele der Siedlungen, durch die wir kommen, haben wegen des Feiertags (es ist Freitag) wenig Betrieb, man sieht die Männer zu den Moscheen gehen (die Frauen bleiben zuhause). Die kleinen Orte sind unattraktiv wie alle syrischen Dörfer, man sieht viele unfertige Häuser mit in den Himmel ragenden Stahlbetonpfeilern und aus diesen herausragenden Monierdrähten auf den Dächern; in diesem Zustand verbleiben die Bauten offenbar über Jahre, ob den Bauherren das Geld fehlt oder - wie in Ägypten - steuerliche Gründe die Ursache sind, konnte uns während der ganzen Reise nicht zufriedenstellend erklärt werden; häßlich ist dies allemal. Die "fertigen" Häuser sind aus grauem, meist unverputztem Beton und wild in die Gegend gesetzt. Typisch für den Baustil sind garagenartige Rechteckgebilde mit Rolltoren, die die ganze Frontfläche verschließen. Wenn ich in Syrien eine Firma gründen wollte, würde ich Rolltore herstellen.
Bei Sonne erreichen wir Qala'at Samaan, das berühmte Simeons-Kloster am Nordrand der Kalksteinlandschaft, kurz vor der türkischen Grenze. Diese schönste und größte frühchristliche Wallfahrtsanlage liegt auf einem langgestreckten Hügel und wurde nach dem Tod des asketischen Heiligen Simeon, der angeblich 42 Jahre auf einer Säule stehend zubrachte, gebaut. Der Säulenheilige starb um 429 nC und genoß schon zu Lebzeiten großes Ansehen.
Die kreuzförmige Basilika wurde – so will es die Legende - zentral über seiner Säule, von der heute ist nur noch ein Stumpf im Kreuzmittelpunkt steht, errichtet. Auf der Klosteranlage, die wir nach einem Picknick am Eingang betreten, tummeln sich an diesem syrischen Feiertag viele junge Menschen, auch muslimische Araber. Von oben hat man einen weiten Blick bis in den früher syrischen, heute zur Türkei gehörenden Sandschak um Antiochia, der auf syrischen Landkarten immer noch zum Land gehörig gezeichnet wird.
Zurück nach Aleppo fahren wir gegen 15.30 h durch die felsbrockenbesäte Landschaft. Zwischendurch biegen wir auf einen klei-nen Feldweg ab und fahren hoch zur Basilika von Mushabbak, einer dreischiffigen Kirchenruine aus dem 5. Jh. nC, in Blickweite zu syrischen Panzer- und Artilleriestellungen gegenüber der türkischen Grenze. Die guterhaltene Kirche war in byzantinischer Zeit ein bedeutender Wallfahrtsort, heute leben dort nur noch arme Nomaden mit ihren Schafen und Ziegen.
Gegen 17 h sind wir wieder in Aleppo am Hotel zu einer kleinen Siesta, nach der wir um 19.15 h zu Fuß ins Armenische Viertel durch enge Gassen zu dem feinen, arabisch gestalteten Lokal Sissi laufen. Es ist hübsches Etablissement mit einem unterirdischen, in den Fels unter Aleppo gehauenen Bar-Keller. Nach dem Essen bummeln wir noch etwas durch die pittoreske nächtliche Altstadt.

(6.) Sonnabend, 28.02.2009: ALEPPO
Morgens Nieselregen. Wir fahren deshalb zunächst zum Nationalmuseum und sehen uns dort sehr bemerkenswerte Kunstgegenstände, Statuen und Keilschrifttafeln aus den Ausgrabungen von Ugarit, Mari und anderen Orten der Zeit vor 4000 Jahren (und älter) an.
Dann geht es per Bus entlang der alten Stadtmauer aus dem 14. Jh. und durch das mächtige Antiochia-Tor (Bab Antakiye) zu den Suqs westlich der Zitadelle, die wir stundenlang durchstreifen. Es herrscht ein faszinierend buntes, fremdartiges Geschäftstreiben überall. Händler sitzen in kleinen, oft winzigen Läden des überdachten, kilometerlangen Basars dicht an dicht und verkaufen Stoffe, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren, Schmuck, Nüsse und Früchte aller Art, kurz: alle Gegenstände des täglichen Bedarfs, aber erfreulicherweise keine touristischen Souvenirs und keine Elektronikartikel. Man schiebt sich in den engen Gassen durch Massen von verschleierten Frauen, Männern mit Beduinen- und anderen Kopftüchern (auch Burnus) - aber keinen (westlichen) Touristen. Recht oft sprechen uns Händler auf Deutsch an, niemals jedoch anreißerisch.
Außerhalb des Suq-Bereichs besuchen wir das alte Krankenhaus Bimaristan Nuri von 1150, eine Stiftung Nuredins, die heute Museum ist. Es ist bemerkenswert zu erfahren, wie fortschrittlich die damalige Medizin Arabiens war.
Dann sehen wir eine Karawanserei (Khan Jumrok) von 1570 – früher das größte Handelshaus Aleppos, heute nur noch heruntergekommener Parkplatz und Lager für Händler.
Wir gelangen zur berühmten Omaiyaden-Moschee (Große Moschee) mit ihrem imposanten quadratischen Minarett von 1095. Der Hauptteil wurde nach seiner Zerstörung durch Brand 1169 von Nuredin wieder aufgebaut. Vor Betreten des spartanischen Innenhofs müssen alle die Schuhe ausziehen, die Frauen sich noch zusätzlich in braunen Kapuzenumhängen verstecken. Die vielfach aus- und umgebaute Moschee ist innen nicht besonders schön, aber besucht von vielen Gläubigen.
Außen um die Moschee herum geht es, vorbei an Häusern mit hübschen geschlossenen Holzbalkonen aus ottomanischer Zeit, wieder durch einen Suq bergauf zur gewaltigen Zitadelle, die auf dem Burgberg hoch über der Stadt thront. Sie ist umgeben von einem Graben, einem mächtige Glacis und oben einem krönenden Mauerring, alles aus dem 15. Jh. Es ist recht kalt und sehr windig.
Über die steinerne Zugangsrampe und durch das mit Drachen- und Löwenreliefs geschmückte Haupttor laufen wir hoch. Oben sind nur wenige Gebäude erhalten, das meiste ist ein riesiges Gewirr aus Steinquadern. Es gibt ein Freilufttheater, Tempel, große Zisternen und eine ehemalige Moschee (Großes Makam) von 1213, die den Platz markiert, an dem Abraham seine Kuh gemolken haben soll („Aleppo“ heißt arabisch „die Gemolkene“). Der Blick von der Burgmauer auf die Stadt ist großartig.
Auf dem Weg nach unten gehen wir durch den noch heute als Festsaal benutzten Thronsaal von 1472 mit seiner reich bemalten und verzierten Holzdecke, dann haben wir eine gute Stunde Zeit für einen erneuten Bummel durch den Suq.
Um 16.15 h fährt uns der Bus bei erneut einsetzendem Nieselregen zurück zum Hotel. Abendessen im Kellerrestaurant des Hotels.

(7.) Sonntag, 1.03.2009: ALEPPO – RESAFA – ZENOBIA – DEIR EZZOR
Bedeckt, kein Regen. Wir fahren östlich aus Aleppo hinaus. Die Schnellstrasse führt durch eine flache; intensiv landwirtschaftlich genutzte Gegend (grün, Schafe) in Richtung auf den Assad-Stausee des Euphrats. Wir machen in Khirbad Uqlah am Damm eine kurze Fotopause.
Auf der Weiterfahrt beginnt bald die Wüste. Anfangs sieht man überall – oft vergebliche - Versuche einer Aufforstung, später nur noch braunen, meist recht festen Sandboden (keine Dünen). Es ist, soweit das Auge reicht, flach. Nur selten gibt es in der eintönigen grau-braunen Landschaft Siedlungen, schlecht sichtbar zudem, weil sie aus demselben Material (insb. Lehmziegeln) - gebaut sind. Die Bewohner sehen ärmlich aus, leben vor allem von Schafzucht.
Nach 200 km biegen wir von der Hauptstrasse zum Euphrat ab, nun kommen die gewaltigen Ruinen von Resafa, des byzantinischen Sergiopolis, in Sicht. Man kann kaum fassen, daß in dieser trockenen, menschenverlassenen Gegend bis zum Ende der Herrschaft von Byzanz im 13. Jh. eine große Verwaltungsstadt existierte, die in ihrer Blütezeit im 5., 6. Jh. nC um 6000 Einwohner hatte und , weil hier der Märtyrer Sergios enthauptet wurde, große Pilgerscharen anzog; 434 nC wurde sie von Byzanz zum Bistum erhoben.
Die 12 m hohen Wehrmauern sind noch fast vollständig erhalten und umgrenzen quadratisch einen riesigen Innenbereich, in dem fast nichts mehr intakt steht. Die Häuser sind vollständig zerfallen, von den verschiedenen Kirchen, die teils aus Sandstein-, teils aus Quarzitquadern gebaut wurden, ist noch einiges stehen geblieben. Wir wandern lange herum, sehen auch die Reste großer Zisternen und von Palästen. Man kommt unweigerlich wieder ins Nachsinnen um die Vergänglichkeit der Welt.
Nach der Besichtigung nehmen wir in der Sonne vor einem einfachen Straßenrestaurant vor der Mauer einen schmackhaften arabischen Imbiß zu uns, den unser Fahrer Mohamed gekonnt zubereitet hat (250 syr. Pfund p.P.).
Weitere 150 km östlich entlang des Euphrats durch die Wüstenlandschaft liegen vor uns. Bei Al Mansura biegen wir links ab auf eine ungepflegte Nebenstraße nach Halabiyeh, dem antiken Zenobia am Euphrat. Auch hier sind wir die einzigen Besucher. Die Stadt soll von der palmyrenischen Königin Zenobia (266-270 nC) gegründet worden sein und wurde später von den Römern als Grenzbollwerk ausgebaut. Die zerfallenen Grenzschutzanlagen ziehen sich vom Fluß bergauf, wir klettern darin herum. Die erhaltene Befestigung stammt aus dem 6. Jh., sie wurde von Justinian an Stelle der 610 nC von den Sassaniden 540 nC zerstörten Mauern errichtet.
Weiter geht’s, mal entfernter, mal näher am Euphrat entlang durch deutlich grüner werdende Landschaft bis Deir Ezzor alias Dayr az Zawr alias Deir Az Zur, wo wir in der Dämmerung noch über die alte Fußgänger-Kettenbrücke aus der Franzosenzeit schlendern, von der aus man den Fluß mit seinen Schilfufern in der sinkenden Sonne bewundern kann.
Übernachtung im 3-Sterne-Hotel Badia Cham, ein etwas wenig attraktives Haus der Kette.

(8.) Montag, 2.03.2009: DEIR EZZOR – DURA EUROPOS – MARI - PALMYRA
Meist Sonne, aber sehr kalt. Die Fahrt geht auf der Hauptstrasse 90 km südlich-östlich entlang des Euphrat bis Dura Europos, einer riesigen Ruinenanlage oberhalb des Flusses. Gegründet wurde die Stadt in hellenistischer Zeit um 280 vC. Sie gehörte später den Persern und Römern, die sie zur Grenzbefestigung gegen die Parther und Sassaniden ausbauten. Erobert und zerstört wurde sie 256 nC vom Sassanidenkönig Schapur I., seitdem verfiel sie. Heute ist nur noch wenig zu sehen. Wir betreten die weitläufigen Reste durch das noch stehende Palmyra-Tor und wandern mit Herrn Jeskas sachkundigen Erläuterungen lange in den Trümmern herum.
Auf derselben Hauptstrasse (eine andere gibt es nicht) fahren wir weiter Richtung irakische Grenze. Die Dörfer, durch die wir kommen, sind ärmlich und wirken – leider völlig zu Unrecht - wieder wie Neubaugebiete: zahllose gerade angefangene oder unvollendete Rohbauten, meist im "Garagenstil": rechteckige, ebenerdige Schachteln aus Hohlblocksteinen, schmal oder wie Mehrfachgaragen aneinandergebaut, mit einem Rolltor davor und auf dem Dach in die Höhe ragenden Stahlbeton-Pfeilern mit Moniereisenbekrönung. Hinter den Straßendörfern beginnt auf der dem Fluß abgewandten Seite die Wüste aus grau-braunem kieseligem Sand, neben den Häusern aber liegen oft tiefgrüne bewässerte Felder. Die breiten Bürgersteige sind unbefestigt. Man sieht viele alte Autos, wenig Pkws. Je tiefer wir in den Süden kommen, desto breiter werden die landwirtschaftlich genutzten Gebiete. Man sieht auch Kühe.
Am südöstlichsten Punkt unserer Reise, nur noch ca. 15 km vor der Grenze zum Irak bei Albukmal entfernt, gelangen wir nach Mari (Tell Hariri), einer uralten Palastanlage aus dem 4. Jahrtausend vC, weit älter als Dura Europos. Es gehörte zu den frühgeschichtlichen Stadtstaaten Mesopotamiens hier herrschten die Sumerer, die Babylonier. Der riesige, prächtige Palast des Königs Zimri-Lim war zu seiner Zeit im ganzen Orient berühmt. Nach der Eroberung durch Hammurabi 1759 vC verlor die Stadt ihre Bedeutung.
Wir wandern durch die ausgegrabenen, unter Erdniveau liegenden Palastteile und lauschen den wie stets bestinformierten Erläuterungen Jeskas, aber es fällt schwer, aus den stark geschädigten und mangels zureichender Schutzmaßnahmen weiter zerfallenden Gebäudeteilen sich ein annäherndes Bild vergangener Pracht und Größe zu machen. Die Wände wurden aus Lehmziegeln errichtet, die auf leichten Fingerdruck sofort zerbröseln. Oben, in Höhe der Erdoberfläche, ist kaum noch etwas zu sehen. Wertvolle Objekte, die Ausgräber fanden, stehen in Museen - vor Ort ist nicht viel investiert worden und wohl noch vieles nicht ausgegraben. Sehr schade um das Kulturdenkmal, das so verrottet.
Nach der Besichtigung kriegen wir einen ausgiebigen Imbiß in dem kleinen offenen „Restaurant“ des Ruinenwächters. Er hat 2 Frauen und 12 Kinder, die mit den Enkelkindern ebenfalls anwesend sind. Das frugale Essen - Suppe, diverse Salate und arabische Vorspeisen, Kartoffeln, Quark usw. hat wieder unser Fahrer bereitet.
Um 13.45 h fahren wir auf derselben Straße die 120 km zurück bis Deir Ezzor. Der Himmel ist jetzt bedeckt. Wieder hat man oft angesichts der syrientypischen Massen von Plastikabfall, Unrat und liegengelassenen Bauteilen am Straßenrand den Eindruck, durch einen Müllabladeplatz zu fahren.
In Deir Ezzor biegen wir rechts ab und fahren westlich 205 km durch die Große Syrische Wüste. Vor Beginn nehmen wir noch einen (wie immer mit Kardamom parfümierten) türkischen Kaffee in einem Straßencafe an einer Tankstelle, dann geht es durch unendlichen, grobkörnigen Sand, ohne Dünen. Es begegnet uns eine Kamelherde mit Hirten. Nach blutrotem Untergang der Sonne kommen wir bei Dunkelheit in Palmyra an.
Übernachtung im recht luxuriösen Hotel Dedeman nahe den Ruinen.

(9.) Dienstag, 3.03.2009: PALMYRA
Ein ganzer Tag zur Besichtigung des antiken Palmyras, meist zu Fuß. Die berühmte Oasenstadt lag jenseits der heutigen Stadt Tadmor. Das riesige Ausgrabungsgelände befindet sich nahe unserem Hotel.
Wir fahren - leider bei bedecktem Himmel - zunächst ins Tal der Gräber außerhalb der antiken Stadt zu einem der vielen Grabtürme, in den damals die wohlhabenden Bewohner ihre Verstorbenen in Fächern übereinander beisetzten. Wir besichtigen den zweistöckigen Grabturm des Elabel von 103 nC. Auch wenn Grabräuber und später (aus religiösen Gründen) Moslems das Figurenwerk im Inneren schwer beschädigten, ist die Art des Totenkultes in den erhaltenen Schmuckteilen der Wände noch gut erkennbar.
Der zweite Besichtigungspunkt ist eine unterirdische Beisetzungsstätte (Hypogaeum), das Grab der Drei Brüder von 160 nC, das schöne, leider sehr verblassende Fresken im syrisch-hellenistischen Stil aufweist.
Der Bus bringt uns nun ins antike Stadtgelände, wo wir zuerst zum Baal (Bel)-Tempel laufen, dessen Bau im 1. Jh. nC begann. Die gewaltige Anlage im Innenbereich des Tempelhofes mißt 200 x 200 m und hatte 11 m hohe Außenmauern, von denen nur noch wenige stehen. Im Innengelände sind einige Säulenreihen und vor allem der eigentliche Baaltempel erhalten, massenhaft liegen Säulentrümmer und Giebelstücke herum. An einigen Stellen haben spätere moslemische Herren die Außenmauer durch abgetrennte Säulenstücke als Wehrmauer verstärkt.
Dann laufen wir zur großen Kolonnadenstrasse, die 1300 m lang von West nach Ost durch die alte Stadt lief und so eindrucksvoll, wie sie erhalten blieb, aus dem 2. und 3. Jh. nC stammt. Wir erreichen das an der Strasse gelegene, vollständig erhaltene kleine römische Theater von 130 nC, das noch heute als solches benutzt wird.
Nahe liegt die Agora aus derselben Zeit, auf deren säulenumstandenen offenen Innenhof gehandelt und Stadtpolitik betrieben wurde. Eine an einer Wand befestigte Inschrift nennt zweisprachig die von Händlern zu zahlenden Nutzungsgebühren.
Weitere Stationen unseres Spaziergangs sind der Brunnenplatz (Nymphaeum), das das Stadtzentrum markierende Tetrapylon (ein Karree von je 4 quadratisch angeordneten Säulen und der parthische Baal-Schamin-Tempel (Ba'alshamin) in frühchristlichen Stil.
Zum Abschluß machen wir eine Teepause auf der Terrasse des Zenobia-Hotels mit herrlichem Blick auf die Ruinen.
Danach bringt uns der Bus in das heutige Palmyra, das Tadmor heißt. Wir bummeln durch die ärmliche Shopping Street, wo wir Mitbringsel erwerben. Dann besuchen alle das kleine Stadtmuseum, das (wenige) schöne Ausgrabungsfunde besitzt.
Schließlich fahren wir im Bus hoch zur mittelalterlichen arabischen Burg auf einem Berg über der Stadt, von der aus wir einen weiten Blick über die Oase, das antike Gelände und die Neustadt haben.
Danach laufen wir zu Fuß bergab nachhause.

(10.) Mittwoch, 4.03.2009: PALMYRA - DAMASKUS
Start um 8 h bei strahlender Sonne zur 230 km langen Reise nach Damaskus. Gleich nach Verlassen der Oasenstadt beginnt die Wüste. Links (östlich) ist es flach bis zum Horizont, rechts begleitet uns ein gleichfarbig-brauner trockener Bergzug.
Wir passieren ein Phosphor-Abbaugebiet, hier beginnt auch eine Eisenbahnlinie zum Abtransport. Ab und zu sieht man Hirten mit einer Schafsherde und fragt sich, wie die Tiere sich hier ernähren können.
Der erste Stop ist eine Teepause am plötzlich in der öden Landschaft auftauchenden Bagdad Cafe, ein Etablissement wie aus dem gleichnamigen Kultfilm: ein klappriges Straßencafé in beduinenhaftem Outfit, zwei Stein-Trulli dahinter, ein Beduinenzelt, die Besitzer bieten Tee und Kaffee an - pittoresk.
Weiter (9.30 h) durch unendlich weite, z.T. leicht hügelige Wüstenlandschaft aus steinigem, festen Sand. Es wird neblig, wohl weil der Regen der vergangenen Nacht verdampft.
30 km vor Damaskus wird die Landschaft industrialisiert, Fabrikansiedlungen, überall Hochspannungsmaste, Wohnblöcke. Um 11 h fahren wir in die 5-Millionen-Stadt ein.
Als erstes geht es zum Nationalmuseum, in dem wir uns speziell die Räume mit reichhaltigen Funden aus einigen der von uns besuchten Ausgrabungsstätten ansehen: aus Dura Europos eine kompletten Innenausstattung der Synagoge mit wundervollen Wandmalereien von 246 nC (Darstellungen aus dem Talmud); aus Palmyra ein Hypogaeum mit allen Grabplatten und Statuen; aus Ugarit einen kleinen Prinzenkopf von 1600 vC, als berühmtestes Exponat das kleine (ca. 8x2 cm große) Tontäfelchen mit dem ältesten Alphabet der Welt (Keilschriftreform auf 30 Zeichen), Baalfigürchen, Vasen, Tierfiguren; weitere Funde aus Ebla und Mari (vor allem Priester- u Frauenstatuetten).
Danach laufen wir durch den Suq zum Azem-Palast, einem wunderschönen orientalischen Palast von 1749 des damaligen Gouverneurs von Damaskus, As'ad al-Azem, der ganz aus weißem und buntem Marmor gebaut wurde.
Weiter geht es zur Omaiyaden-Moschee von 705 nC, der größten Moschee Syriens. Sie hat einen sehr großen Innenhof mit ständig blankgeputztem Marmorfußboden und drei runden, auf Pfeilern stehenden Objekten, dem Glockenpavillon, dem Waschungsbrunnen und dem Schatzhaus (Beit al-Mal). Drei Minarette - darunter eins mit dem Namen Jesus-Minarett (Madhanat Isa) - stehen an den Außenmauern, an deren Innenwänden großartige Mosaiken mit Stadt- und Landschaftsbildern (natürlich islamgemäß ohne Menschen oder Tiere) – wohl als Paradiesdarstellungen zu deuten - angebracht sind.
Nach Besichtigung des großen, recht schmucklosen Gebetsraums laufen wir zur Saladin-Moschee an der Rückseite. Dort stehen zwei Särge, in dem einem - mit grünem Gebetstuch zugedeckt - liegt der Sultan, den anderen hat Wilhelm II gestiftet.
Zurück bummeln alle für sich durch den großen Suq, in dem man sich verlaufen kann. Wie immer ist alles darin chaotisch, aber sehr sauber. Der Bus wartet bei Dunkelheit um 18 h außerhalb am Saladin-Reiterdenkmal. Die Gegend ist vom Verkehrschaos umbrandet, keiner kümmert sich um die lauter als der Autolärm aus zahllosen Lautsprechern tönenden Gebetsrufe der Muezzins.
Zum Abschluß fahren wir hoch auf den Stadtberg Kassioun und genießen einen herrlichen Blick über die nächtliche Stadt.
Die Fahrt endet am uns schon bekannten Hotel Carlton, gegenüber dem Quartier des Geheimdienstes.

(11.) Donnerstag, 5.03.2009: DAMASKUS - BOSRA
Sonne, diesig.
Um 9 h verlassen wir Damaskus auf der Autobahn Richtung Süden (Jordanien). Die Gesamtstrecke bis Bosra, unserem heutigen Ziel, beträgt 130 km. Zunächst geht es lange an häßlichen Industriegebieten vorbei, dahinter begleitet uns die schneebedeckte Bergkette des Antilibanon, deren Südteil das Hermongebirge (Golan) ist.
Die Autobahn nach Amman führt durch steinige rotbraune Wüste, steigt leicht an in den sog. Hauran, ein früher unzugängliches Bergland, in dem viele Drusen wohnen. Hier hat es nachts kräftig geregnet, es beginnt überall zu grünen. Wir kommen in weites, intensiv landwirtschaftlich genutztes Land mit Oliven, Wein, Getreide. Von den Bergen ist jetzt nichts mehr zu sehen.
28 km vor unserem Ziel biegt der Bus von der Autobahn ab und fährt östlich. Um 10.30 h erreichen wir Bosra (Unesco-Weltkulturerbe). Die Stadt liegt in einer fruchtbaren Ebene und war in der Antike ein bedeutender, wohlhabender Warenumschlagplatz zwischen Arabien und dem Mittelmeer. Die Nabatäer hatten hier im 1. Jh. eine Residenz, die Römer erhoben sie 106 nC zur Provinzhauptstadt und Garnison, um 300 wurde sie Bischofssitz. Im 7. Jh. wurde sie islamisch erobert, blieb aber bedeutend. Erst Anfang des 20. Jh. begann mit dem Bau der Hedschas-Bahn, die die Wege der Mekka-Pilger veränderte, der Verfall.
Wir besuchen zuerst das alte römische Theater, das Kaiser Trajan um 120 nC in eine nabatäische Burg hineinbauen ließ und das später von den islamischen Eroberern in eine Festung zurückverwandelt wurde. Es ist sehr gut erhalten, gebaut aus dunklem Vulkangestein. Wir steigen zum Oberrand der Zuschauerränge empor und hören unten im vom nächtlichen Regen überfluteten Chorraum Herrn Jeska mit hochgerollten Hosen Klassisches deklamieren, zur Demonstration der guten Akustik. Die Bühne schmücken hohe korinthische Säulen aus gelb-weißem Stein, die sich hell von dem dunklen Basalt des Hintergrunds abheben.
Anschließend laufen wir zur Birket al Hasch, einer großen quadratischen Zisterne aus römischer Zeit, die noch immer als Trinkwasser-Reservoir in Betrieb ist; in ihrer offenen Ummauerung wird Wasser aus der Umgebung gesammelt; diesmal ist seit langer Zeit (so Jeska) mal wieder Wasser drin und strömt durch eine Röhre weiter zu, die am Becken spielenden Schulkinder sind ganz begeistert. Dann gibt es am Busparkplatz vor einem kleinen Straßenrestaurant wieder einen frugalen vom Busfahrer zubereiteten, wunderbar schmeckenden Mittagsimbiß aus arabischen kalten und warmen Speisen.
Nach kurzer Fahrt kommen wir zum großen 4-Sterne-Hotel Bosra Cham Palace, in dem wir sehr gut untergebracht werden und so gut wie die einzigen Gäste sind.
Nach einer Siesta starten wir um 15 h zu einem ausgedehnten Rundgang durch die Reste der antiken Stadt. Das Besondere an Bosra ist, daß die zweitausendjährigen Ruinen über die Jahrhunderte vollständig von den arabischen Bauern für ihre ärmlichen Wohnbedürfnisse okkupiert, umgebaut und benutzt wurden. Wohin man blickt, sieht man Wohnquartiere und Stallungen, die in antike Häuser und Mauern, zwischen Säulen und Schmucksteinen eingepaßt wurden, natürlich ohne Rücksicht auf alte Baukunst und unter Zerstörung der früheren Strukturen, aber als lebendiges Beispiel einer über so lange Zeit bewohnten Stadt. Zwischen den benutzten Bereichen begegnen uns größere Gebäude und Säulenreihen in besserem Erhaltungszustand: Thermen, ein Königs- oder Bischofspalast, eine Basilika, eine zur Moschee umgebaute Kirche (Omar-Moschee), Stadttore. Wir laufen über die noch immer mit den Steinquadern aus römischer Zeit gepflasterte Kolonnadenstrasse vom Bab al Hawa (Westtor) über das Tetrapylon (4-Bogen-Monument) zum Nabatäischen Tor, von dort vorbei an in die Stadtmauern eingebauten kleinen Läden zum Hotel.
Vor dem Abendessen nehmen wir zu viert noch einen Drink in der Lobby, um 19.15 h gibt es arabisches Abendessen im Kellerrestaurant des Hotels.

(12.) Freitag, 6.03.2009: BOSRA – GERASA - AMMAN
Ganztags Sonne, anfangs sehr windig.
Abfahrt um 9.45 h in einem neuen Bus, der uns nur bis Amman bringen wird. Erst geht es westlich über die Autobahn hinaus bis zur alten Grenzstation Dera'a. Im Außenbereich der Stadt bestehen 4/5 der Häuser aus den bekannten Neubau-Ruinen, dann folgt der etwas bessere Teil. Um 10.30 h sind wir an der Grenze, die der Fluß Yarmuk bildet. Nach einer halben Stunde haben wir die ausgiebigen Paßkontrollen der Syrer überstanden und können zu den Jordaniern weiterfahren. Diese kontrollieren noch weit umständlicher; wir müssen die Koffer aus dem Bus holen und über Durchleuchtungsbänder laufen lassen, dann weiter warten. In der Zwischenzeit können wir Geld (zu einem sehr schlechten Kurs: 1 € = 0,84 Dinar) tauschen. Um 11.50 h endlich dürfen wir weiterfahren, zusammen mit einem jordanischen Reiseführer namens Abed und einem Polizisten der sog. Touristenpolizei - für die gesamte Reise in diesem Land.
Die Autobahn führt bergauf durch grüne Gegend von 300 m auf ca. 800 m. Auch in Jordanien grinsen der jetzige Staatschef (Kö-nig Abdallah) und sein Vater (König Hussein), allein oder gemeinsam, ständig von Polit-Plakaten, bisweilen sogar die ganze haschemitische Ahnenreihe. Manchmal kreuzen Hirten mit Schafen die vierspurige Autobahn. Die Landschaft wirkt mit ihren Pinien und der sonstigen Vegetation wie Südfrankreich.
Um 12.45 h sind wir an unserem Ziel Jerash, der antiken römischen Provinzstadt Gerasa. Die Stadt wurde lange vor Christus gegründet und unter Pompejus 63 vC in die neu errichtete Provinz Syrien einbezogen. Ihre Blütezeit erlebte sie im 2. Jh. nC mit dem Besuch von Kaiser Hadrian, dem sie 129 nC einen Triumphbogen errichtete, der noch heute den Eingang zum Ausgrabungsgebiet ziert. Nach der Eroberung durch die Araber wurde die Stadt 747 nC durch ein schweres Erdbeben vernichtet, danach verfiel sie stetig.
Zu einem langen Rundgang bei sengender Sonne starten wir um 12.45 h am Ehrenbogen für Hadrian. Nacheinander sehen wir dann: das ebenfalls vor der Stadt gelegene Hippodrom (260 x 75 m) / das Südtor - hier machen wir eine Teepause in einem Restaurant / das große ovale Forum (1. Jh.), eingerahmt von 56 hohen ionischen Säulen / das imposante, guterhaltene Südtheater (1. Jh.) mit 4000 Sitzplätzen - wo wir die Vorführung einer dreiköpfigen Militärkapelle mit Dudelsackmusik erleben / Reste von drei christlichen Kirchen aus der 1. Hälfte des 6. Jh., eine mit prächtigem Mosaikfußboden / das Hauptheiligtum Gerasas, der ausgedehnte hellenistische Artemis-Tempel, von dem viele Säulen wieder aufgerichtet wurden / das Propylaeum mit den bergab verlaufenden Zugangstreppen zum Tempel / die Kolonnadenstrasse Cardo maximus am Fuß des Tempels zum Forum, von 250 Säulen gesäumt / das Nymphaeum (Pracht-Brunnenanlage) von 191 nC.
Um 15.45 h starten wir zu den letzten 40 km Richtung Amman. Die Autobahn windet sich durch die Aljounberge, eine dicht bewaldete Berglandschaft. Vor der Hauptstadt gibt es baumfreie Hügel mit zersiedelter Bebauung, bergab geht es durch ärmliche Palästinenserbauten in die Innenstadt.
Gegen 17 h checken wir im luxuriösen Marriot-Hotel ein. Beste Unterbringung, hervorragendes Essen.

(13.) Sonnabend, 7.03.2009: AMMAN – MADABA – KERAK - PETRA
Aufbruch aus Amman um 8.30 h bei voller Sonne. Wir fahren in einem neuen (dritten) Bus gen Süden auf der Autobahn Richtung Madaba. Die Gegend ist flach, zersiedelt; viel Landwirtschaft. Am Straßenrand liegt deutlich weniger Plastikabfall als in Syrien.
In Madaba aus biegen wir hoch auf den 800 m hohen Berg Nebo. Von hier aus soll Moses vom Herrn das Heilige Land gezeigt worden sein, bevor er dort starb; sein Grab sucht man immer noch. Auf dem Gipfel steht eine byzantinische Basilika, in der in einem kleinen Museum Mosaike und andere antike Funde gezeigt werden. In einem Ziegenhaarzelt befindet sich eines der schönsten frühchristlichen Mosaike, der Boden eines Taufbeckens von 531 nC aus der Basilika mit Tieren und Jagdszenen. Vom Aussichtspunkt hat man einen weiten Blick auf das tief unter Meereshöhe liegende Jordantal (Westbank) bis Ramallah, Jericho und das Nordende des Toten Meers. Leider ist es recht diesig. Auf dem Rückweg zum Bus treffen wir einen deutschen Franziskaner des Klosters, der sich heftig darüber ausläßt, wie brutal und rechtswidrig die Israelis mit den Arabern und dem Orden umgehen; er meint, wenn der Papst nicht dagegen protestiere, brauche er gar nicht zu seinem (für Mai 209) angekündigten Besuch in Israel kommen.
Um 10.45 h halten wir an einer der vielen dortigen Mosaiken-Werkstätten. Zunächst sehen wir uns eine Replik des ersten Landkarten-Mosaiks an, die Palästinakarte des 6. Jh.s aus der St. Georgskirche aus Mastaba. Dann besuchen wir die Werkstatt und sehen die heutige Mosaikherstellung durch begabte Handwerker.
Es ist um 26° C warm. Unten in dem quirligen Ort Mastaba laufen wir zur vorgenannten griechisch-orthodoxen Kirche, um das Original des Landkarten-Mosaiks anzusehen; es wird leider sehr schlecht präsentiert. In den kleinen Läden der Stadt werden Mosaiken aller Art angeboten.
Um 12.30 h verlassen wir in der Mittagshitze Mastaba und fahren auf der sog. Königsstraße (Kings-Highway) südlich. Die Straße wird flankiert von einem schmalen Baumstreifen aus Aleppo-Kiefern. Auf dem Land dahinter ist anfangs zartes Grün zu sehen, dann wird es kahl, felsig, grau-braun. Plötzlich öffnet sich vor uns der gewaltige Canyon des Wadi Mujib. Die Straße windet sich atemberaubend abwärts, wir machen einen Fotostop und haben einen spektakulären Ausblick in die trockene Schlucht und auf den Staudamm, der das gelegentliche Oberflächenwasser auffängt. Über die Dammkrone geht’s auf die andere Seite und in vielen Kurven wieder bergauf. Fast oben, machen wir eine kleine Teepause in einem kuriosen Straßenimbiß unter Strohdach mit Schluchtblick.
14.45 h Weiterfahrt auf die jetzt graue, vegetationsarme Hochfläche. Die Dörfer, durch die wir kommen, sehen so grau und menschenleer aus wie das umgebende, kaum bewirtschaftete Land. Die Menschen leben von Olivenanbau, Schaf- und Ziegenzucht. Auch hier sieht man wie in Syrien viele Häuser mit Betonpfeilern auf dem Dach, aus denen Moniereisen in den Himmel ragen.
Vor Kerak (Al-Karak), der einzigen größeren Stadt der Gegend, wird die Landschaft zersiedelt und etwas grün. Auf einem Bergrücken inmitten der Stadt liegt die Ruine einer Kreuzritterburg aus dem 12. Jh.. Sie wurde zur Kontrolle des Handels- und Pilgerverkehrs zwischen Damaskus und Mekka errichtet und von Saladin nach mehrfacher vergeblicher Belagerung 1188 erobert. Danach nutzten sie die Araber weiter. Wir besichtigen die erhaltenen Teile, es sind nicht allzu viele. Von oben hat man schöne Ausblicke auf das Wadi al-Karak, in dem die Stadt liegt.
Um 16.30 h fahren wir weiter, erst 30 km östlich durch ein wüstenartiges Hochplateau, dann auf die neue Nord-Süd-Autobahn Desert Highway, die wir durch steinige Wüste südwärts befahren. Bald nach einer Rast an einer "Stempelstelle" geht die Sonne unter, die Fahrt führt in die Dunkelheit. Bei Ma'an biegen wir westlich von der Autobahn ab und erreichen nach ca. 40 km Wadi Musa, in dessen Nähe sich Petra befindet. Wir tauchen die Hände in die in einer kleinen Moschee am Ortseingang fließende Moses-Quelle, dann hält der Bus um 19.30 h oberhalb von Wadi Musa vor dem luxuriösen Hotel Marriot.

(14.) Sonntag, 8.03.2009: PETRA
Ganztags Sonne.
Um 8.30 h fahren wir mit dem Bus vom Hotel abwärts zum Besuchercenter. Von dort laufen wir weiter abwärts zum Stadteingang des antiken Petra. Die Stadt wurde von den Nabatäern um 100 vC an einer versteckten Stelle der jordanischen Felswüste als ihre Hauptstadt gegründet. Das seltsame Volk, das aus der arabischen Halbinsel kam, als Händler auf dem Karawanenweg der Weihrauchstraße zu Wohlstand und Bedeutung gelangte, seine wirtschaftliche und kulturelle Blüte in den beiden Jahrhunderten um die Zeitenwende hatte, verschwand im 3./4. Jh. nC in der Vergessenheit.
Am linken Ufer des Wadi Musa liegt außerhalb der Stadt die erste der grandiosen prachtvollen Felsengrabstätten, für die Petra berühmt ist. Das sog. Obeliskengrab, ein aus dem Felsen herausgehauenes monumentales Grab, wie alle aus dem 2. Jh. nC. Es wird von vier Obelisken bekrönt, darunter liegt das sog. Barocktriklinium, ein mit griechischen Pfeilern mit dorischem Fries geschmückter Bau.
Der Stadtzugang verläuft durch eine 1,2 km lange enge Felsschlucht, den Sik. Er windet sich eindrucksvoll durch dicht heranrückende Felswände aus verschiedenfarbigem Sandstein, die sich 80 m hoch senkrecht in den Himmel heben. An den Seiten verlaufen in den Fels geschlagene Wasserrinnen, die das Wasser aus der Mosesquelle in die Stadt leiteten. Auf halber Strecke steht ein Felsklotz mit eingemeißelten Augen, auf den früher eine Götterstatue (wohl der nabatäische Hauptgott Dushara) stand.
Kurz vor dem Ende der Klamm taucht plötzlich, unwirklich schön, in rosa leuchtendem Sandstein das besterhaltene Monumentalgrab Petras auf, das sich auf allen Abbildungen findet. Es wird "Schatzhaus des Pharao" (Khazneh el-Faroun) genannt, weil man in der auf der Spitze stehenden Urne einen Schatz vermutete. Das Grab hat einen prächtigen, reich verzierten Portikus mit 6 Säulen, die einen friesverzierten Giebel tragen, und ein Obergeschoß mit einem runden Tempelchen mit Spitzdach in der Mitte. Vor dem Grab lassen die Felsen einen geräumigen Platz frei, auf dem sich Touristen, sonstige Kamele und ihre Treiber tummeln.
Durch einen breiteren Felsenweg geht es rechts zu einem sich weit öffnenden großen Tal, in dem die Stadt Petra lag. Von den Häusern und der Kolonnadenstrasse gibt es fast nur noch Trümmer, sehr faszinierend aber sind die sich hoch an den Felswänden angebrachten Grabstätten, an denen wir - nach einer kleinen Teepause – entlang wandern.
Zunächst aber gehen wir zum Theater der Stadt, das um die Zeitenwende erbaut und von den Römern erweitert wurde. Die in den Fels geschlagenen halbkreisförmigen Sitzreihen boten 8000 Zuschauern Platz.
Wir steigen hoch auf die andere Felsseite zur Königswand, in deren monumentalen, mit großartigen Fassaden geschmückten Grabstätten Mitglieder des nabatäischen Königshauses beigesetzt wurden. Zunächst zum sog. Urnengrab, benannt nach einer Schmuckurne in der Spitze der Fassade. Vor der Grabkammer liegt ein großer Säulenhof, von dem aus man einen schönen Blick ins Tal hat. Der in den Felsen gehauene Innenraum, der im 5. Jh. als Kirche geweiht wurde, ist sehr groß (17 x 18 m) und hat eine von den bunten Farben der Felsenstruktur fantastisch marmorierte hohe Steindecke.
An weiteren großartigen Felsgräbern gehen wir außen vorbei: dem Seidengrab (benannt nach seinen unglaublich farbigen Felsformationen), dem Korinthischen Grab (dessen Säulen aber keine korinthischen, sondern nabatäische Hörnerkapitelle tragen), dem Palastgrab (Prachtfassade leider recht verwittert).
Dann geht’s abwärts zur Talsohle, wo in römischer Zeit quer durch die Stadt vom profanen Bereich zum Tempelbezirk eine lange Kolonnadenstraße verlief, von der heute nur noch am Rand gelagerte einzelne Säulenscheiben übrig sind. Noch bevor wir diese erreichen, sehen wir uns auf dem Hang eine erst 1991 in den Trümmern gefundene byzantinische Kirche aus dem Ende des 5. Jh. an, eine 25 m lange Basilika, deren Seitenschiffe wunderschöne Bodenmosaike haben (vor allem Tiermedaillons).
Am Talende machen wir Mittagsrast in einem Restaurant bis 13.50 h, dann folgt ein Besuch eines kleinen archäologischen Museums.
Einige von uns steigen eine ¾ Stunde steil bergauf zum ed-Deir (arabisch "Kloster"), einem weiteren monumentalen Felsbau, der wohl kein Mausoleum (im Inneren fehlen Grabnischen), sondern ein Tempel war. Ich bleibe, weil mir das in der Mittagshitze zu mühselig ist, unten und vertreiben mir die zweistündige Wartezeit mit langsamen Bummel über die ehemalige Kolonnadenstraße Cardo maximus zurück zum Schatzhaus. Ich sehe mir das Hauptheiligtum der Nabatäer Qasr el-Bint , den Tempel ihres obersten Gottes Dushara an, dessen Cella-Mauern noch 24 m hoch in den Himmel ragen. Ich passiere das noch gut erhaltene Kemenos-Tor, einen Triumphbogen von 114 nC, und steige über eine Freitreppe hoch zu den monumentalen Resten des Großen Tempels, dessen wieder aufgestellte Säulenreihen beeindrucken.
Gegen 16.50 h treffen die "Bergsteiger" ein. Der lange Rückweg bergauf durch den Sik und am Wadi Musa entlang bis zum Bus fällt erschöpfungshalber schwer. Gegen 17.30 h werden wir in der Dämmerung zum Marriot zurückgefahren.

(15.) 9.03.2009: PETRA – WADI RUM - AQABA
Start um 8.28 h, wieder bei Sonne, aber diesiger Sicht.
Es geht über eine kurvige, durch menschenleere, vegetationslose Felswüste führende Bergstrecke in ca.1300 m Höhe. Es ist kalt, am Straßenrand liegen ab und zu Schneereste. Das ist immer noch der Kings Highway. Nach 40 km biegen wir südlich auf die neue Autobahn Desert Highway ab, die nach Aqaba läuft. Von nun an geht es abwärts, denn nicht weit links von uns verläuft unterhalb der Meereshöhe die Senke Wadi Aqaba oder Araba, die wir am Ende der Reise erreichen wollen. Weiterhin begleitet uns rechts und links anfangs steinige, dann feinsandige, rötlich-gelbe Wüste.
Um 10 h biegen wir östlich ins Wadi Rum ab. Überall rosa Sandwüste, mit kleineren und mittelgroßen sog. Salzsträuchern. Am Besuchercenter treffen wir erstmals auf mehrere andere Touri-Gruppen. Wir steigen vom Bus in drei uralte klapprige Pickups um, auf deren Ladefläche wir in tollem Tempo, durchgeschüttelt fast bis zum Bandscheibenvorfall, durch die rosa Sandwüste brausen. Durch eine armselige Beduinensiedlung geht es vorbei an hohen windgeschmirgelten, abenteuerlich geformten Bergen (darunter den vom hier immer noch verehrten Lawrence von Arabien so genannten "7 Säulen der Weisheit"), Kamelen, feinsandigen Sandbergen. Wir halten an einem Felsblock mit nabatäischen Schriftzeichen, dann an einer Felsquelle und laufen zu einem schwarzen Beduinenzelt, wo wir einen Tee trinken.
Um 12.45 h verlassen wir mit unserm Bus das Wadi und fahren zurück auf die Autobahn, um die letzten 40 km nach Aqaba zurückzulegen. Die Stadt ist klein und recht langweilig. Wir bummeln etwa eine Stunde durch recht unattraktive Straßen in der Nähe der Uferpromenade am Roten Meer, von der aus man bis zum israelischen Eilat und zum ägyptischen Taba blicken kann.
Am frühen Nachmittag kommen wir im 5-Sterne-Hotel Radisson SAS Tala Bay Resort an, das 10 km südlich der Stadt kurz vor dem saudiarabischen Grenzübergang liegt. Es ist ein breit an den Strand gebautes, großes Luxushotel mit z.Zt. nur wenigen Gästen. Ein eigenartiges Gefühl, so plötzlich am Strand des Roten Meeres zu sitzen! Ulrike hält die Füße ins Wasser, es ist recht kalt. Auch sonst wird die heiße Sonne durch kalten Wind stark abgekühlt.
Von der Veranda einer Open-Air-Bar erleben wir und HP/Brigitte den Untergang der roten Sonne hinter den Bergen Ägyptens.

(16.) Dienstag, 10.03.2009: AQABA – TOTES MEER – WÜSTENPALÄSTE - AMMAN
Weil die heutige Tour um eine 200 km lange Fahrt entlang des Toten Meers erweitert wurde, starten wir schon um 8 h. Die Sonne scheint am klaren Himmel, die gegenüberliegenden ägyptischen und israelischen Gebiete sind jetzt gut zu sehen.
Es geht am Handelshafen vorbei, viel Betrieb ist weder auf dem Meer noch im Hafen zu sehen. Durch die palmengesäumten Hauptstraßen von Aqaba fuhrt der Weg nordwärts. Ein kurzer Stop, um unseren Polizisten wieder aufzunehmen, dann raus in die weite, grau-steinige Wüste. Kaum Siedlungen. Nach 15 km werden wir an einer Zollstation kontrolliert - Aqaba ist Freihandelszone. Kurz danach passieren wir eine Kontrollstelle der Armee, wie später noch weitere.
Die Steinwüste des Wadi Aqaba (Araba) wird sehr breit, an den Rändern verlaufen beidseits Bergketten, die israelische Grenze liegt etwa in der Mitte. Sie soll durch Stacheldrahtrollen markiert sein, zu sehen sind keine.
Bei Rahma gibt es eine Strecke mit Baum-Anpflanzungen (Palmen, Mimosen, Eukalypten), dann wird es wieder vegetationslos. Hinter al-Risha, einer trostlosen Ansammlung von garagenartigen wüstenfarbenen Häusern, weichen auf der israelischen Seite die Berge zurück, es öffnet sich die Negev-Wüste. Eine kurze "Damen-Pause" um 10 h am Straßencafe Madhkur.
Die Straße verläuft - mal ganz nah, mal etwas weiter weg - parallel zur Grenze. Die israelische Seite ist landwirtschaftlich mehr kultiviert. 40 km vor dem Toten Meer wird es aber auch auf der jordanischen Seite grün durch intensive bewässerte Bodenbewirtschaftung, Tomaten, Gemüse und sogar Bananen sind angepflanzt und werden bereits geerntet.
Am Südende des Meers hört das plötzlich auf, es wird wieder kahl. Hier stehen Fabriken, in den die von der Sonne getrockneten Meeresablagerungen zu Salz und Pottasche verarbeitet werden. Unsere Straße verläuft 5 bis 20 m oberhalb der Wasserfläche, die mit 418 m unter Meereshöhe der tiefste Punkt der Erdoberfläche ist. Das Meer (Salzgehalt 31,5 %) ist in dieser kargen Landschaft unwirklich schön, blau und still in der strahlenden Sonne, mit vom Salz weiß gesäumten Felsufern. Man hat einen guten Blick auf die steil abfallenden Felskulisse der von Israel okkupierten Westbank-Seite.
Von der Straße gibt es keinen Zugang zum Wasser. Als wir einen Fotostop machen, klettere ich steil runter und schlage Brocken der harten, spitzrandigen Salzkruste ab. Einen weiteren Stop machen wir am Durchbruch des Wadi Mujib, von dem wir Tage zuvor den Staudamm befahren haben, und überqueren ihn zu Fuß auf der Brücke.
Am Nordende des Toten Meeres haben sich zahlreiche große Hotels angesiedelt, die direkten Wasserzugang bieten. Kurz vor Jericho (Westbank) biegen wir rechts ab und fahren östlich bergauf Richtung Amman, wobei wir die Null-Meter-Markierung (See-höhe) passieren. Wir sehen von unten zum Berg Nebo hoch. Hier ist die ganze Gegend grün wie in Südeuropa, intensiv bebaut bzw. zersiedelt.
Um 12.45 h erreichen wir die Stadtgrenze von Amman, fahren aber nur durch die südöstlichen Stadtteile, um zu den "Wüstenschlössern" rund um Azrak 100 km östlich der Hauptstadt zu gelangen. Es herrscht starker Verkehr, die Straße ist voll mit Schwerlastwagen, von denen viele in den Irak rasen. Daneben ein Gewirr von Kleintransportern, Pkws, Menschen vor den unendlichen Reihen von Reparaturwerkstätten, Lagerfirmen, Läden usw.
Als wir das alles endlich hinter uns haben, sind wir wieder in der Wüste. Nach ca. 50 km, gegen 13.45 h, liegt rechts in der gelbbraunen Ödnis eine gut erhaltene, ebenso farbene quadratische kleine Festung, Qasr al-Harrana. Die Funktion der zweistöckigen, um 700 nC von den Omaiyaden errichteten Anlage ist unklar, die meisten halten sie für eine Karawanserei (Khan). Wir erholen uns erst etwas in einem großen Beduinenzelt aus schwarzem Ziegenhaar mit schwarzem süßen Tee, dann laufen wir zu dem Bau hoch. Durch den Eingang gelangt man in einem kleinen Innenhof, um den herum sich die Stockwerke mit den Räumen erheben, in denen noch hübsche bauliche Verzierungen erhalten sind.
Um 14.30 h geht’s 15 km weiter zu dem Weltkulturerbe Qasr Amra. Es handelt sich um eine einsam in der endlosen Steinebene liegende Wüstenresidenz aus dem frühen 8. Jh., von der nur ein kleiner, aber reizender Teil übriggeblieben ist: eine Empfangshalle mit angebauter Thermenanlage. Das Besondere: ausgeschmückt sind die Decken und Wände mit kunstvollen, leider sehr beschädigten Fresken, die berühmte Herrscher, Tiere, Jagdszenen, aber auch nackte (!) badende Frauen darstellen - alles unglaublich bei dem Bilderverbot und der Körperfeindlichkeit des Islam. Außerhalb der mit Kuppeln versehenen Gebäude steht noch ein Brunnenbau, von dem aus die Therme mit Wasser versorgt wurde.
Um 15 h fahren wir zum dritten "Schloß" Qasr Azrak, mitten in der Oase Azrak gelegen. Es ist ein von den Römern aus schwarzem Lavagestein errichtetes Kastell, das von den Omaiyaden im 8. Jh. als Burg umgebaut wurde. Stolz wird am Eingang erwähnt, daß auch Lawrence von Arabien 1917/18 vor seinem Sturm auf Damaskus hier mit seinen Beduinenkämpfern gewohnt hat. Wir besichtigen die wenigen Reste von Baulichkeiten in der Burg, darunter auch eine kleine aus römischen Resten errichtete Moschee.
Um 16.15 h fahren wir die 100 km Wüstenstraße zurück nach Amman, wo wir fast bei Dunkelheit um 18 h am Hotel Marriot ankommen.

(17.) Mittwoch, 11.03.2009: AMMAN – GADARA – PELLA - AMMAN
Start um 8.30 h, die Sonne läßt die "weiße Stadt" Amman hell erstrahlen. Unglaublich dicht sind die recht einheitlich aussehenden Wohnhäuser der 7 Hügel Ammans aneinandergebaut. Es geht nördlich aus der Stadt heraus, an den Ausfallstraßen stehen Tagelöhner und warten auf Arbeit. In den Außenbezirken wohnen mehrheitlich Palästinenser in deutlich heruntergekommenen Häusern.
Unsere heutige Reise führt in einen wichtigen Teil des "Heiligen Landes" der Christen, in dem angeblich Jesus an vielen Orten wundertätig herumgewandert sein soll. Der einzige z.Zt. für Touristen geöffnete Grenzübergang befindet sich hier im nördlichen Jordanien (Scheich Hussein-Brücke über den Jordan).
Es geht durch bewaldete Gegend (Kiefern), fast ständig bergab, aber immer hoch über der links sichtbaren Jordansenke. Bald wird die Vegetation spärlicher, nur niedrige Büsche und Gras. An dem uns bereits bekannten Jerash vorbei fahren wir weiter nördlich bis zu einer Autobahnkreuzung, dann westlich nach Irbid. Die Universitätsstadt wirkt sauber und amerikanisiert. Hier wie überall im Land wird gebaut und gebaut, als wären die Leute erst vor kurzem zu Geld gekommen bzw. würden (was eine Erklärung für die vielen nur teilvollendeten "Betonträger-auf-Dach"-Bauten wäre) immer nur weiterbauen, wenn sie ein paar Dinar beisammen haben.
Hinter Irbid fahren wir über ein grünes Hochplateau nordwestlich nach Umm Qais. dem antiken Gadara. Der Ort liegt am Dreiländereck Jordanien-Syrien-Israel, man hat von seiner Anhöhe (378 m) einen fantastischen Überblick auf die von Israel okkupierten Gebiete, die Golanhöhen und das Westjordanland. Wir schauen in die Ferne bis zum See Genezareth mit Tiberias und dem schneebedeckten Berg Hermon, in die Nähe auf die UNO-Kontrollposten auf dem südlichen Golan und die israelischen Krokodilsfarmen im Tal des Yarmuk vor uns. Von den Ruinen der antiken Stadt, die in hellenistischer Zeit von großer Bedeutung war, von den Römern 63 vC erobert und unter den Omaiyaden bei einem Erdbeben im 8. Jh. zerstört wurde, besichtigen wir nicht viel: einen Säulenhof mit dunklen Basaltsäulen, den oktogonalen Boden einer byzantinischen Kirche und ein Theater mit 3000 Sitzplätzen.
Die Weiterfahrt führt in Kurven bergab zum Grenzfluß Yarmuk, der ein enges Tal grün und fruchtbar werden ließ. Der besetzte Golan ist zum Greifen nahe. Der Bus wird alle 100 m durch Kontrollposten des jordanischen Militärs in schwerer Bewaffnung (Pickup mit aufgepflanztem Maschinengewehr) aufgehalten. Offenbar traut man dem Friedensschluß mit dem westlichen Nachbarn nicht sehr - auch wenn mir unserer jordanischer Guide Abed auf Befragen erklärt, das alles richte sich nicht gegen Israel, sondern "Unruhestifter" aus dem Irak und Syrien. Leider ist das Fotografieren auf der ganzen interessanten Strecke verboten.
Der ohnehin nur wenig Wasser führende Yarmuk gelangt gar nicht mehr zu seinem natürlichen Endpunkt, der Mündung in den Jordan, sondern verschwindet vorher in Bewässerungsröhren.
Im Jordantal geht es südwärts der Sonne entgegen. Wir kommen durch viele belebte Orte, um die herum intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Ständig geht der Blick auf die nahen, ebenso grünen Gebiete der Westbank. Es ist Mittag, Schulschluß (12.30 h), deshalb laufen viele uns fröhlich zuwinkende Kinder am Straßenrand nachhause.
Beim Dorf Tabaqat Fahl biegen wir bergauf zur Ausgrabungsstätte Pella ab, die wunderschön in grünen Blumenwiesen liegt, aber archäologisch (noch?) nicht viel zu bieten hat - jedenfalls so wenig, daß wir nichts besichtigen, sondern nur in einem Ausflugslokal mit großartigem Ausblick ins Jordantal einen Drink zu uns nehmen und von oben auf einige Trümmer schauen.
Um 13.10 h geht’s weiter durch das grüne, dichtbesiedelte Jordantal. Fast das gesamte Land ist hier mit Plastik-Gewächshäusern zugedeckt, und selbst hier haben sie noch Militärposten.
Bei Muthallat al-Arida biegen wir links auf eine steile Bergstraße ab und fahren östlich hoch ins Aljoun-Gebirge. Wir klettern von -200 m auf rund 1000 m hoch, durch braune Felslandschaft. Über den Vorort Suwaylih hoch über Amman, in dem attraktive Wohn- und Geschäftshäuser betuchter Stadtbewohner stehen, gelangen wir um 14.50 h runter in die Hauptstadt.
Wir besichtigen dort das kleine Nationalmuseum, den Zitadellenhügel mit wiederaufgebauter Omaiyaden-Moschee und die Reste des dazugehörigen Palastes. In den Ruinen einer byzantinischen Kirche halte ich im Namen aller eine kurze Dankesrede auf unseren Reiseleiter Jeschka. Dann sehen wir uns noch die gewaltigen Säulen eines Tempels vor dem wunderschönen Hintergrund des von der Abendsonne beschienenen Amman an, wobei wir ein nettes Rencontre mit einer urigen Arabergruppe aus Kuwait haben.
Unten im alten Stadtzentrum nehmen wir einen Kaffee vor der Fassade des römischen Theaters. Dann geht’s zurück zum Marriot, wo wir uns mit Obolus von Fahrer und Abed verabschieden. Nach dem Abendessen nehmen wir vier noch einen Abschiedstrunk in der Bar, dann warten alle in den Zimmern auf den Aufbruch um 0.30 h.
Pünktlich werden wir durch die nun fast autofreie Stadt in unserm Bus zum 30 km außerhalb von Amman gelegenen Queen Alia International Airport (benannt nach der ersten Frau des verstorbenen Königs Hussein) gefahren. Einchecken und Kontrollen sind problemlos. Das Flugzeug der Lufthansa (LH 693) soll um 2.55 h starten und tut dies auch 5 min. später.



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Stadt: Damascus

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