Einmal noch Australien - von Darwin über Alice nach Brissie

Reisebericht

Einmal noch Australien - von Darwin über Alice nach Brissie

Stopover in TaiBei auf Taiwan, dann Flug nach Darwin, Besuch des Kakadu-Nationalparks, mit dem Ghan nach Alice-Springs und zuletzt Relaxen an der Gold Coast bei Brisbane

„Cabin crew, ready for take off“, endlich ertönt das erlösende Kommando des Piloten aus den Bordlautsprechern und eine lang herbei gesehnte Reise kann beginnen.

Warum noch einmal nach Australien? Ja, warum – ist es wegen der herrlichen Landschaft? Wahrscheinlich. Ist es der Reiz, mit dem Ghan die seit kürzlich in Betrieb genommene Nordstrecke zu befahren? Wahrscheinlich. Ist es das Abenteuer Natur? Wahrscheinlich. Bestimmt aber ist es die Freude auf das Wiedersehen mit den lockeren, freundlichen und liebenswerten Aussies.

Am 20.11.2006 geht es los, ich fliege ab Frankfurt mit China Air. Der Flieger startet mit etwa vierstündiger Verspätung. Um die Wartezeit attraktiver zu gestalten, verteilt ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft 15,- Euro-Verzehrgutscheine. Nach 12 Stunden Flug erreichen wir die taiwanesische Hauptstadt.

TaiBei

In der deutschsprachigen Literatur werden auch die Bezeichnungen „Taipeh“ oder „TaiPei“ verwendet, ich orientiere mich an der Schreibweise im Reiseführer.

Die Abfertigung im Flughafen geht relativ zügig vonstatten und mein Abholer wartet bereits auf mich. Schnell noch ein paar Reiseschecks eintauschen, ich erhalte 39 NT$ (New Taiwan Dollar) für einen Euro, und schon fahren wir ins Zentrum, bis zum „Golden China Hotel“ sind es rund 30 km, teilweise geht es über eine gebührenpflichtige Autobahn. Viele Mopeds begleiten uns, die Fahrer haben meistens einen Mundschutz umgelegt. In der Ferne ist der TaiBei 101, das höchste Gebäude der Welt, zu erkennen.

Nach kurzer Erholungspause mache ich mich auf den Weg und beginne die Erkundung der taiwanesischen Hauptstadt. Gut 20 Minuten benötige ich bis zur Metrostation Minquan W. Road, wo ich für die nächsten Tage eine so genannte Easycard erwerbe. Als erstes steht die CKS-Gedächtnishalle auf meinem Besichtigungsprogramm.

Die ChiangKaiShek Memorial Hall liegt fast direkt an einer U-Bahn-Haltestelle und ist in wenigen Minuten erreicht. Zunächst beeindruckt mich das schöne Portal mit den fünf Rundbogen und dem blauen Dach, das „Tor der großen Mitte und perfekten Aufrichtigkeit“ hat immerhin eine Höhe von 30 m. Die Seiten des 250.000 qm großen Parks werden vom Nationaltheater und der Nationalen Konzerthalle flankiert, Gebäude im klassischen chinesischen Stil.
Gegenüber dem Tor erhebt sich dann die Gedächtnishalle. ChiangKaiShek starb 1975 und zum fünften Todestag wurde dieses neue Wahrzeichen der Stadt eröffnet. Das blaue Dach erinnert an den Himmelstempel in Peking. Ein Schattenboxer erregt meine Aufmerksamkeit.

Viele Menschen befinden sich auf dem Gelände, darunter Schulklassen und andere Reisegruppen, der frühere Präsident der Republik China und spätere Konkurrent von Mao sitzt majestätisch auf einem hohen Sockel und wird von Soldaten bewacht, ich habe das Glück, einem Wachwechsel beizuwohnen. Manchmal ertönen dumpfe Schussgeräusche aus den Lautsprechern. Fotografieren ist erlaubt.

Der Platz mit seinen schön angelegten Teichen und Blumenrabatten gefällt mir, auch hier ist das TaiBei 101 wieder wahrzunehmen. Eine Frau mit vier Hunden im Kinderwagen kommt mir entgegen.

Auf dem Weg zur Metro (MRT) komme ich durch einen Gang mit interessanten Gemälden, ein Plakat weist auf das nahe Silvesterkonzert hin: Die Lustige Witwe.

Die SunYatSen-Gedächtnishalle ist mein nächstes Ziel, sie befindet sich auf einem schönen großen Platz mit toller Gartenanlage. Auch hier bewachen zwei Soldaten das Denkmal des Gründers der Republik China. In einem Museum kann sich über das Leben des Dr. Sun informiert werden.

Jetzt noch am Rathaus vorbei und schon lege ich meinen Kopf ganz weit nach hinten und blicke zur Spitze des TB 101. Mit 508 m und 101 Stockwerken, deshalb der Name, ist es das höchste Gebäude der Welt. Das Aussehen dieses Wolkenkratzers wurde einem Bambushalm nachempfunden. Eröffnung des markanten Wahrzeichens der Hauptstadt war 2004.

Zunächst gehe ich durch die unteren Etagen, wo eine Edelboutique neben der nächsten um zahlungskräftige Kundschaft wirbt, und fahre dann mit dem Fahrstuhl vom 4. Stock zur Aussichtsplattform in der 89. Etage. 40 Sekunden benötigt der Lift für die 388 m, vergleichbar mit dem so genannten freien Fall. Der Spaß kostet 350 NT$, einschließlich Audiohörer, für das Außengebiet, das ich aber wegen der vielen Sicherheitsplanken nicht empfehlen kann, sind weitere 100 fällig.

Im Innenbereich kann man durch große Fensterfronten interessante Aussichten auf die Stadt und das Umland genießen. Wieder unten, begebe ich mich in eine Cafeteria, trinke einen Espresso und beobachte das hektische Treiben der vielen, vielen Menschen in diesem riesigen Gebäude. Mit einem Shuttlebus fahre ich dann zurück zur Metro.

Das U-Bahn-Netz ist gut ausgebaut, die Fahrzeuge sind in einem ordentlichen Zustand. Die einzelnen Wagen sind ohne Zwischentür verbunden und man hat das Gefühl, in einem langen Wurm zu sein.

Gegen 21.00 Uhr gehe ich wieder hinaus, um in einem der zahlreichen Restaurants zu essen, aber es ist gar nicht so einfach, die meisten haben schon geschlossen. Später gönne ich mir noch eine Fußmassage und erfahre anhand des Beizettels, dass ich Probleme im Hals-Rücken-Bereich haben soll. Ein Mann gönnt sich eine Ganzkörpermassage und schreit einige Male vor Schmerz laut auf, meistens dann, wenn der stämmige Masseur mit ganzem Körpereinsatz arbeitet.

Später stelle ich mit Verblüffung fest, dass mir jemand einen Pfennig als Wechselgeld ausgehändigt hat, vielleicht handelt es sich ja um den berühmten Glückspfennig.
Im Telefonverzeichnis auf meinem Hotelzimmer steht noch die Vorwahl der DDR. Gegen Gebühr kann im Fernseher ein Pornoprogramm empfangen werden.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Tempel. Zunächst fahre ich mit der MRT ein paar Stationen nördlich und besichtige den Konfuziustempel. Anfangs bin ich der einzige Besucher, später gesellen sich noch drei Männer zu mir. Eine Mitarbeiterin reicht mir Infomaterial in chinesischer Sprache.

Ein paar Schritte weiter befindet sich der BaoAn-Tempel mit großen Galerien unter dem Dach. Einige Gäste genießen die Morgensonne auf einer der Parkbänke oder lauschen dem Gesang der Vögel. Im Teich schwimmen ein paar kleine Fische, hin und wieder ist eine Ratte zu beobachten.

Dann fahre ich zum Long-Shan-Tempel und hier ist richtig was los. Ein kleiner Wasserfall dient vielen Besuchern als Fotomotiv. Die Gläubigen knien vor einer der zahlreichen Gottesstatuen oder opfern eine Räucherkerze. Über einem Altar schwebt eine richtige Rauchfahne. Erstaunlicherweise braucht man beim Betreten des Tempels die Schuhe nicht auszuziehen.

Wieder draußen auf der Straße wundere ich mich über den Menschenauflauf und dann sehe ich auch schon die geschmückten Autos und Gruppen in farbenprächtigen Kostümen, die an uns vorbeiziehen. Ein Mann schenkt mir eine weiße Schirmmütze mit roter Beschriftung. Hier vor Ort kann mir niemand den Grund des Umzugs erklären, später im Hotel erfahre ich, trotz Zuhilfenahme eines Übersetzungscomputers, auch nicht viel mehr, es soll sich aber um eine politische Demonstration gehandelt haben.

In der Metro fotografiere ich ein junges Mädchen mit einem kleinen niedlichen Hund in der Handtasche, eine Frau strickt im Stehen. Dann lege ich in einer Suppenküche an der Hauptstraße eine kleine Mittagspause ein, das Essen mit Stäbchen funktioniert immer besser. Überflüssiges und nicht mehr benötigtes Papier wird vor den Läden in kleinen Behältern verbrannt.

Es regnet etwas, als ich mich am Abend auf den Weg zum berühmten Nachtmarkt mache. Er befindet sich ganz in der Nähe des Long-Shan-Tempels und ist leicht zu finden. Kleine Apotheken bieten ihre Waren feil, Wurzeln und eingelegte Reptilien. In der so genannten bekannten Snake-Alley muss es früher für europäische Touristen gruselig gewesen sein, konnte man doch zusehen, wie Schlangen, Frösche oder Schildkröten bei lebendigem Leib enthäutet wurden. Heute ist es dank der Intervention von Tierschützern humaner, zumindest vor den Augen der Besucher, und die geschilderte Abhäutung ist nur noch auf Video zu sehen. Geschäfte mit diesen Produkten haben Fotografierverbotsschilder aufgehängt. Ich hatte diese für westliche Augen unverständliche Prozedur vor Jahrzehnten in Kanton in der Volksrepublik China beobachtet.

Geschäftstüchtige Marktschreier haben ein Mikrofon um den Hals gehängt und locken die Gäste in ihre Restaurants, ich hätte gern einmal eine Schlangensuppe probiert, aber der Türsteher ist mir zu dreist und aufdringlich, ich gönne ihm das Geschäft nicht und entscheide mich stattdessen für ein Fischlokal. Die Verständigung klappt nicht besonders und um ein Haar hätte ich den Fisch roh auf japanische Art erhalten. Vor dem Essen wird mir ein heißer Waschlappen zum Säubern der Hände gereicht.

Es schmeckt sehr gut, wenngleich ich den Fisch doch lieber mit Messer und Gabel zerkleinert hätte. Als Beilage gibt es grünes Gemüse und einheimisches Bier. Zum krönenden Abschluss des interessanten Tages gönne ich mir hier im Nachtmarkt noch einmal in einem der zahlreichen Salons eine Fußmassage.

Nun ist also mein letzter Tag in Taiwan angebrochen. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und ich freue mich über die warme Herbstsonne, gar kein Vergleich mit dem grauen Schmuddelwetter an den Vortagen.

Ein Taxi bringt mich für umgerechnet vier Euro zum Nationalpalastmuseum. In seinem Besitz befinden sich etwa 700.000 Exponate, zu sehen sind allerdings nur rund 15.000 und die Ausstellung wird vierteljährlich ausgewechselt. Während meines Rundgangs staune ich über die vielen Kunstwerke aus Bronze und Jade. Die Volksrepublik China erhebt Anspruch auf das Inventar und ist der Meinung, dass es ihr Eigentum sei.

Dann fahre ich mit der Metro zurück, gebe die Fahrkarte ab und erhalte das restliche Geld zurück. Die Stationen werden zweisprachig angezeigt und es erfolgt außerdem eine Ansage in Englisch. Auch die Zielorte an den Bussen sind sowohl chinesisch als auch in Druckschrift ausgezeichnet.

In einem Café verbringe ich die nächste Zeit, Raucher müssen ihrem Laster hinter einer Glasscheibe frönen. Und dann ist es auch schon Zeit, zum Flughafen zu fahren. Hier gebe ich meine restlichen NT$ aus, trinke ein paar Bier und esse eine Kleinigkeit. Die riesigen Hallen sind blitzsauber und der Fußboden glänzt im Schein der Lampen.

Pünktlich um 22.00 Uhr hebt der Flieger ab, die Sicherheitsbelehrung erfolgt per Bildschirm, auch in Gebärdensprache. Obwohl reichlich Platz vorhanden ist, das Flugzeug ist nur zu 1/3 belegt, schlafe ich schlecht. Die Beinfreiheit bei China Air ist wohl mehr den Körpermaßen der einheimischen Bevölkerung angepasst, ich jedenfalls weiß nach kurzer Zeit schon nicht mehr, wie ich meine Beine halten soll.

Nach langen 8 ¼ Stunden Flugzeit landen wir in Brisbane. Australien ist endlich erreicht.


AUSTRALIEN

Die Flughafenuhr zeigt gut 8.00 Uhr an, jetzt beträgt die Zeitdifferenz zu Deutschland neun Stunden. Das Hotel „Ibis“ hatte ich für die nächsten Tage angedacht und der Stadtbus, den ich im Flughafen genommen habe, hält auch direkt vor dem Eingang. Doch was muss ich hören, das Haus ist fast vollständig ausgebucht und für ein kleines Einzelzimmer werden über 300,- australische Dollar (AUD oder AU$) verlangt, ein Vermögen! Ein Euro entspricht etwa 0,64 AUD.

Man zeigt mir den Weg zu anderen Backpacker-Hostels, doch dort erfahre ich nichts Neues, alle Zimmer sind auf Tage hinaus voll. Was ist passiert?
Derzeit finden in Brisbane die Ashes statt, das Kricket-Turnier zwischen England und Australien, das etwa so populär ist wie in Deutschland die Fußball-WM und die Stadt ist voll von sportbegeisterten Besuchern. Was kann ich tun?

Im Transit-Center erkundige ich mich noch einmal generell nach Unterkunftsmöglichkeiten, aber der Mitarbeiter schüttelt nur mitleidig seinen Kopf und nimmt mir jegliche Hoffnung.
Mein ursprünglicher Plan ist, von hier nach Alice Springs zu fliegen und dann weiter mit dem Ghan nach Darwin zu fahren, warum also die Route nicht ändern oder umdrehen? Der Gedanke, weiter ans Meer an die Gold Coast oder Sunshine Coast zu reisen, kommt mir nicht in den Sinn.

Ein Flug nach Alice wäre am übernächsten Tag möglich, eine Busfahrt dauert rund 2,5 Tage. Allerdings wäre im Flugzeug nach Darwin, Abflug heute Abend, noch genügend Platz. Ohne lange zu überlegen buche ich und zahle mit Kreditkarte. Der Preis ist akzeptabel und meine Urlaubskasse um 131,- Euro leichter.

Jetzt habe ich noch viele Stunden Zeit, deponiere meinen Rucksack in einem Schließfach und mache einen ausgiebigen Spaziergang durch Brisbane. Allerdings kann ich der Stadt nicht sehr viel abgewinnen, der Frust ist noch nicht verarbeitet, die Nacht im Flugzeug fast ohne Schlaf steckt mir in den Knochen und das Thermometer zeigt vormittags schon über 30 Grad an. Vorsorglich reserviere ich telefonisch ein Zimmer im „Palm City Resort“, Darwin, für eine Nacht werden 67,- Euro verlangt.

Um viele Tassen Kaffee, getrunken in diversen Cafeterias und Bars, reicher, steige ich gegen Abend in den Zug und fahre zurück zum Flughafen. Ein Mitarbeiter der Airline „Virgin Blue“ ist mir behilflich beim automatischen Check in. Während des Wartens spreche ich mit einem jungen Mann aus Ostdeutschland, der im Auftrag einer einheimischen Firma Handy-Verträge verkauft.

In der Boeing 737 sind noch viele Plätze frei, pünktlich startet sie in die australische Nacht zum Flug über den halben Kontinent. Getränke und Snacks sind im Preis nicht inbegriffen.
Nach vierstündigem Flug erreichen wir Darwin, aufgrund der Zeitverschiebung muss ich meine Uhr eine halbe Stunde zurückstellen. Ein Shuttlebus setzt mich genau vor dem gewünschten Hotel ab. Obwohl es schon weit nach Mitternacht ist, sitzen noch viele Leute vor und in den Bars und meine Laune hebt sich merklich. Schnell checke ich ein, stelle alle Air-Condition-Schalter auf Vollgas und gehe hinaus, es sind bestimmt noch über 30 Grad.


Darwin und Umgebung

Es ist Samstag und die Stadt ziemlich leer. Auf vielen Fernsehkanälen wird permanent Kricket gezeigt. Jetzt am Tage halte ich mich lieber in klimatisierten Räumen auf, frühstücke ausgiebig, kaufe ein und trinke hier und da eine Kleinigkeit. Der Verkäufer in einem Drug-Store, ein gebürtiger Holländer, erzählt mir alle Details vom CL-Spiel Werder gegen Chelsea.

Am späteren Nachmittag mache ich einen längeren Spaziergang, besichtige den Hafen und gehe ans Meer. Das Ufer ist recht steinig und ein Strandleben im eigentlichen Sinne nicht vorhanden. Baden soll aber wohl auch gefährlich sein, denn, so erzählt mir eine Frau im Uhrengeschäft, vor einigen Tagen wäre ein Hund, der mit seinem Herrchen am Ufer Gassi ging, fast von einem Krokodil geschnappt worden.

Abends speise ich in einem urigen und gut gefüllten Lokal Fisch unter freiem Himmel, es ist zwar sehr romantisch, aber das Essen gefällt mir nicht, schade. Viele junge Menschen sind unterwegs, häufig Mädchen in kleinen Gruppen, sollte es hier einen Frauenüberschuss geben?

Wir sind etwa 20 Personen, die zusammen im Bus eine Tour in den Kakadu-Nationalpark unternehmen. Pat, eine Engländerin, zwei Australierinnen, die ich später im Ghan wieder treffen werde, eine Familie von den Kanarischen Inseln, Andalusier, Japaner, Holländer und ein Italiener. Die sympathische Frau aus meinem Hotel hatte leider bei der Konkurrenz gebucht.

Bis zum Parkeingang sind etwa 200 km zurückzulegen. Paul, unser stämmiger Fahrer, erzählt in einer Tour, zuerst nervt es mich etwas, später weiß ich seine langsame, bedächtige und verständliche Sprachweise sehr zu schätzen. Zwei Tanks mit Trinkwasser sind an Bord.
Wir fahren an langen Mangrovenwäldern vorbei, sehen viele Kängurus, manchmal auch tote am Straßenrand, Wildschweine und riesige Termitenhügel. Vermutlich sind viele „rechtsverkehrgewöhnte“ Besucher mit Mietwagen unterwegs, denn einige Male mahnt ein Schild an einer Kreuzung bzw. in einem Kreisverkehr „wrong way go back“.

Der Park gehört wegen seiner kulturellen und natürlichen Werte zum UNESCO-Welterbe. Er enthält eine der interessantesten und schönsten Sammlungen an Felsmalereien. Mit seinen rund 20.000 qkm ist er Australiens größter Nationalpark von der Größe her vergleichbar mit Rheinland-Pfalz. Er verfügt über eine immense Flora und Fauna, über eine einmalige Aboriginal-Kultur und über eine großartige Landschaft mit spektakulären Schluchten, ausgedehnten Feuchtgebieten, weitläufigen Wäldern, grandiosen Steilwänden und malerischen Wasserfällen. Da wir diese Fahrt in der so genannten „Build-Up“-Zeit veranstalten, in der Zeit vor dem Einsetzen des Monsunregens und nach der Trockenzeit, sind die meisten Flüsse versiegt und die idyllischen Wasserfälle erst in einigen Wochen wieder zu bewundern. Die Verwaltung des Parks obliegt den Aboriginals als Eigentümer und den angestellten Mitarbeitern.

Viele Hinweisschilder warnen vor Krokodilen und weisen auf die Gefahr des Schwimmens hin. Paul erzählt, dass etliche Straßen während oder nach der Regenzeit nicht passierbar sind.
Unseren ersten Stopp legen wir am Anbangbang Teich oder Anbangbang Billabong ein. Obwohl mir die beiden australischen Frauen von ihrem Fliegenspray abgegeben haben, brauche ich meine Mütze mehr zum Abwehr der kleinen lästigen Tierchen als zum Sonnenschutz.

Wir wandern zum Nourlangiefelsen und bewundern die über 20.000 Jahre alten Felsmalereien der Ureinwohner. Es ist erstaunlich, was die Aboriginals früher geleistet haben, welche Kunstfertigkeit sie hatten. Beeindruckt bin ich auch von der jeweiligen Auswahl der Felswände, sie sind meistens unter einem kleinen Überdach und so vor Sonne, Wasser und Wind geschützt. Paul informiert uns über die Herstellung der Zeichnungsfarbe. Nach dem Aufstieg zum Gunwarddehwardde-Aussichtspunkt werden wir mit einem fantastischen Blick auf die Abbruchkante und die gesamte Landschaft belohnt.

Beim Luch komme ich mit Pat und den Australierinnen näher ins Gespräch. Pat wohnt in Nottingham, sie ist viel auf Reisen, denn ihre Tochter wohnt in Sydney und ihre Schwester in Kapstadt, welche Voraussetzungen!
Die beiden anderen Damen kommen aus Melbourne und lieben es, ihre Heimat zu bereisen und über die Schönheiten Australiens zu sprechen.

Und dann geht es auf zur Yellow Water Billabong Cruise, beim Einsteigen auf das Boot kommt mir die Frau aus dem Hotel entgegen. Es ist eine sehr schöne Fahrt, wir sehen viele Vögel, deren englische Namen ich mir notiert habe, Enten aller Art und Störche. Besonders interessant ist der Hochzeitstanz von einem Kranichpaar. Unser Bootsführer erklärt, dass jährlich etwa 20 % des Waldbestandes abgebrannt werden muss, meistens wird das Feuer vom Hubschrauber aus angezündet. Auch während unserer Rundfahrt sehen wir häufig mächtige Rauchfahnen in der Ferne. Natürlich haben wir auch das Glück, einige Krokodile zu bewundern. Die Tiere liegen bedächtig im Wasser und jeder der Mitreisenden hat genügend Zeit, diesen Moment digital festzuhalten. Bei der Weiterfahrt halten wir gierig unsere Köpfe in den Fahrtwind, um wenigstens ein klein wenig der schwülen Hitze zu entgehen. Gekühltes Wasser steht jederzeit an Bord zur Verfügung.

Gegen 17.00 Uhr erreichen wir Jabiru. Die meisten von uns übernachten im „Gagudju Crocodile Holiday Inn“, dass von seiner Form her an ein Krokodil erinnert, ich steige in der wesentlich preiswerteren „Kakadu Lodge“ ab, stelle die AC ein und springe sofort in den Pool, selten hat mich ein Bad so erfrischt. Das Bier ist relativ teuer, aber Alternativen für die Abendgestaltung bieten sich nicht.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Ubirr-Rock und erfreuen uns wieder an den einmaligen eindrucksvollen und gut erhaltenen Felszeichnungen. Auch hier fällt mir wieder auf, welcher Wert auf den Platz der Zeichnungen verwendet wurde. Große überdachte Felsterrassen bieten auch hier Schutz und sorgen dafür, dass diese Kunstwerke nach vielen Jahrhunderten noch so gut zu erkennen sind.
Wir klettern auf die Bergspitze und haben eine wunderbare Aussicht auf die weite Umgebung mit den Nardab Überschwemmungsgebieten. In dieser Gegend wurden, so Paul, auch Aufnahmen für den Film „Crocodile Dundee“ gemacht. Einmal sehen wir ein paar Rock Wallabies in der Farbe des Felsens.

Gegen Mittag steigen wir wieder auf ein Boot und fahren auf dem East Alligator River, der die Grenze vom Kakadu Nationalpark zum Arnhem Land bildet, entlang. Auch jetzt sind viele Vögel am Ufer zu bewundern und ein Krokodil. Der Guide spricht sehr schnell und ich kann kaum etwas verstehen, jetzt wird mir bewusst, was wir an Paul haben, aus seinem Mund verstehe ich fast jedes Wort. Am Ende der Strecke verlassen wir das Boot, betreten Arnhem Land und erhalten Informationen über alte Speere und Wurftechniken.

Geluncht wird am Flughafen, Pat steigt währenddessen in einen Flieger und genießt die Aussicht. Auf dem Nachhauseweg halten wir noch an einer Lagune, wo wiederum etliche Wasservögel zu beobachten sind. Der Ausflug hat sich gelohnt, ich hatte ihn im Hotel gebucht und musste einschließlich Einzelzimmer 450 AUD bezahlen.

Abends sitze ich draußen in einer lauschigen Bar, trinke etwas, esse eine Kleinigkeit und unterhalte mich mit einer Kellnerin aus Brasilien. Einige Gäste schauen immer zu einem Baum hinauf, dann kann ich es erkennen, ein Opossum hat es sich auf einem Ast gemütlich gemacht.

Der nächste Tag ist ohne größere Besonderheiten, ich schlendere durch die Stadt, schreibe Ansichtskarten, kaufe hier und da ein paar Souvenirs und versuche, auf einem Didgeridoo zu blasen, aber der Erfolg ist eher bescheiden. Die Kundenberaterin verrät mir, dass ein Instrument erst gut ist, wenn Termiten das Innenholz abgefressen haben.

Mit dem Ghan gen Süden

Endlich ist es soweit, heute besteige ich den legendären Ghan, um südwärts bis Alice Springs zu fahren. Im Bus, der uns pünktlich vom Hotel abholt, sehe ich wieder die beiden Damen aus Melbourne. Der Bahnhof liegt außerhalb von Darwin und mich überfällt ein ganz starkes Gefühl, als ich den unvorstellbar langen Zug in der Ferne vor mir erkenne. Nach einigen Fotos steige ich als erster ein und nehme den für mich reservierten Platz in Beschlag. Viele, zumeist ältere, Reisende haben ihr Gepäck aufgegeben, ich verfrachte meinen Rucksack ins Gepäcknetz. Angenehme und passende Countrymusik unterhält uns aus den Lautsprechern.

Der Zugbegleiter begrüßt uns und erklärt die örtlichen Begebenheiten, zeigt uns den Trinkwassertank, zeigt, wo die Duschen sind und die Handtücher liegen, wo Müll zu entsorgen ist und erklärt, dass man ein Tischchen vor den Sitzen befestigen kann. Uns als Reisende der preiswerten Kategorie stehen eine Lounge und ein Speisewagen „Red Kangaroo“ zur Verfügung, die Gäste der 1. Klasse dürfen den Luxus „Gold Kangaroo“ genießen.

Langsam setzt sich der Zug in Bewegung, die ersten Kilometer schleicht er ruhig dahin, seine Spitzengeschwindigkeit liegt bei 85 km/h.
Ich versuche ein Gespräch mit einem deutschen Ehepaar, das mir aber zu überheblich tut und alles schon vier Mal erlebt hat. Später unterhalte ich mich eine ganze Weile mit einem sympathischen jungen Franzosen, der auf seiner ersten Auslandsreise und dann gleich am anderen Ende der Welt ist.

Aber auch der Blick aus dem Panoramafenster ist unvorstellbar schön, riesige Landschaften, hin und wieder ein Känguru, mal ein Rind, dann und wann ein paar Schafe. Mal ist es ein Fluss, der meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, dann wieder die unendliche Weite.
Auf der Mattscheibe im Abteil wird ein Rittervideo gezeigt, im gesamten Zug herrscht Rauchverbot.

Nach vier Stunden dann der erste Halt: Katherine. Auch dieser Bahnhof liegt weit außerhalb der Stadt. Wir haben einige Stunden Zeit und die örtlichen Veranstalter bieten eine Bootsfahrt im Katherine-Nationalpark an, einen Hubschrauberflug, eine Kanutour oder auch nur eine Fahrt in die Innenstadt. Ich habe keine Lust, die ganze Zeit im Zug zu warten und buche einen Flug.

Der Landeplatz ist sehr exklusiv, immerhin steht ein Wartehäuschen mit Holzbank und Trinkwassertank zur Verfügung. Insgesamt sind wir vier Passagiere, geflogen wird jeweils zu zweit in zwei Etappen. Wir sind rund 20 Minuten in der Luft, haben eine prächtige Aussicht und der Pilot gibt sich viel Mühe, uns über Kopfhörer mit den wichtigsten Informationen zu versehen. Ich persönlich genieße den Flug sehr und freue mich, in diesem Punkt nicht gespart zu haben.

Während wir in einem Park auf die Teilnehmer der Bootsfahrt warten, haben wir Gelegenheit, rund 10 Kängurus beim Äsen zuzusehen. Sie scheinen an Menschen gewöhnt zu sein und die übliche Scheu abgelegt zu haben. Graziös lassen sie das Fotografieren über sich ergehen.

Nach kurzer Shoppingpause in der Innenstadt, wo sich meiner Meinung nach viele Aboriginals aufhalten, fahren wir endlich wieder zum Bahnhof, auf einem Gehöft steht eine alte Dampfmaschine. Im Ort wundere ich mich über die australischen Autofahrer: Man braucht nur in die Nähe eines Zebrastreifens zu kommen und schon reduzieren sie die Geschwindigkeit oder halten an.

Dann sind wir am Zug, ich zähle außer den zwei Lokomotiven 24 Wagen und einen Autoanhänger. Jetzt ist es Zeit zum Abendessen und zusammen mit dem Franzosen gönne ich mir Chicken mit Gemüse, wir verzehren es in der Lounge. Langsam legt sich schwere Dunkelheit über das Land.

Später bleibe ich noch allein sitzen, schaue aus dem Fenster, bin bester Stimmung und beobachte einen älteren Herrn mit einer Flasche Rotwein, hin und wieder hebt er sein Glas und trinkt genüsslich einen Schluck. Er bemerkt mein Interesse und winkt mich zu sich heran.
Sogleich verfallen wir in ein angeregtes Gespräch und bestellen gleich eine weitere Flasche und ein zusätzliches Glas. Dr. Garth D Pettit, mein Trinknachbar, ist Direktor eines Unternehmens in der Zahnmedizin. Er arbeitet in Katherine und will seine in Adelaide wohnende Ehefrau besuchen.

Später gesellen sich noch Dean, ein Australier im Internetbusiness, und seine türkische Ehefrau zu uns. Beide wohnen in der Türkei und sind auf Urlaubsreise. Schnell werden weitere Flaschen bestellt. Garth versucht mit mäßigem Erfolg das deutsche Lied „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ zu singen und ist mir für jede stimmliche und textliche Hilfe und Unterstützung dankbar. Später tanzt er noch ausgiebig mit unserer Tischnachbarin.
Wir sind uns alle einig: Wären alle Menschen Fremden gegenüber so aufgeschlossen wie wir, würde es niemals Kriege geben. Rotwein in Mengen genossen macht halt philosophisch …
Ein für mich unvergesslicher wunderschöner Abend neigt sich dem Ende zu.

Über Nacht hat sich die Landschaft verändert, rote Erde soweit das Auge reicht. Pünktlich um 9.00 Uhr erreichen wir Alice Springs. 1.415 km Entfernung liegen hinter uns, einschließlich aller nötigen oder unnötigen Pausen haben wir die Strecke in gut 23 Stunden geschafft.

Im Red Country

Mit dieser Pünktlichkeit muss wohl niemand gerechnet haben, denn die Pickups der Hostels treffen erst nach und nach ein, ich entscheide mich für Annie´s Place und belege hier einen Platz im Sechsbettzimmer.
Nach kurzer Erfrischung gehe ich hinunter ins Büro und buche dort für den nächsten Sonntag per Internet einen Flug nach Brisbane. Dann schlendere ich in die Stadt. Aber es ist mir einfach zu heiß, selbst draußen im Schatten fühle ich mich nicht wohl, heute zeigt das Thermometer 43 Grad an. Glücklicherweise ist das Reisebüro, wo ich eine Tagestour zum Ayers Rock buche, gut klimatisiert. Und es dauert etwas, bevor wir handelseinig werden, denn die konventionellen Touren gehen über zwei Tage und schließen den Kings Canyon mit ein, aber die Vorstellung, bei dieser Hitze in die Schlucht hinabzuklettern und wieder hochsteigen zu müssen, ist mir ganz und gar nicht genehm und außerdem war ich dort vor acht Jahren schon einmal. Nach erfolgter Buchung schenkt mir die freundliche Frau einen Internet-Gutschein.

Die Stadt kommt mir doch noch sehr bekannt vor, an mehrere Lokale kann ich mich gut erinnern, auch an den Bojangle-Saloon, in dem es heute recht kühl ist und wo ich mich geraume Zeit aufhalte. Getränke werden immer an der Theke bestellt, bezahlt und empfangen bzw. später von einem Kellner serviert. Auf einem zentralen Platz spielt ein Trio anlässlich des Welt-Aids-Tages.
Mein Zimmer teile ich u. a. mit einem Paar aus Süd-Korea, einem Iren und einem Kanadier. Die dann folgenden Nächte verbringe ich etwas komfortabler im Hotel „Aurora“.

Die beiden Männer, die uns zum Uluru-Kata Tjuta Nationalpark begleiten wechseln sich mit dem Fahren ab, der jeweils andere ist für die Information und Unterhaltung zuständig. Aber die permanente Beschallung im Bus bin ich ja schon gewöhnt. Von Alice bis zu den Olgas sind immerhin rund 500 km zu bewältigen. Die Kamelfarm, die ich von meinem letzten Besuch kenne, lassen wir buchstäblich rechts liegen. In Australien gibt es angeblich 700.000 dieser Tiere.

Eine erste Pause wird an der Abzweigung zum Kings Canyon eingelegt, einige Touristen, die den Canyon gestern besucht haben, steigen zu uns und erzählen, dass sie die Schlucht nur von oben gesehen haben und wegen der Temperaturen nicht hinab gestiegen sind. Ein Kameltreiber schließt sich uns ebenfalls an, verlässt den Bus aber schon wieder an der nächsten Kreuzung, wo seine beiden Tiere seelenruhig auf ihn warten.

Später halten wir an einer Stelle mit hervorragendem Blick auf den Mt. Connor, den einige Mitreisende, wie auch beim letzten Mal, schon als Ayers Rock identifizieren. Nach kurzer Rast im Uluru Visitor Center geht es zu den Olgas (Kata Tjuta).
Heute haben wir nur 39 Grad, trotzdem versorgen wir uns mit ausreichend Trinkwasser, bevor wir einen 45-Minuten-Weg zur Olga Gorge beginnen. Kata Tjuta heißt übersetzt „viele Köpfe“, denn die Formation besteht aus 36 einzelnen Erhebungen mit einer Maximalhöhe von 546 m, das Alter wird auf mehrere Millionen Jahre veranschlagt.

Zurück beim Bus angekommen fülle ich erst mal meine Wasserflasche wieder auf. Wir fahren zum Besuchercenter neben dem Ayers Rock (Uluru), später entferne ich mich von der Gruppe und mache einige Bilder. Zusammen gehen wir dann an den Monolith heran und bewundern u. a. die Felszeichnungen. An einigen heiligen Stellen ist das Fotografieren verboten. Ayers Rock darf heute nicht bestiegen werden, da es gestern zu einem größeren Unfall gekommen ist. Ein Ire versuchte den Aufstieg, wegen der großen Hitze, es waren immerhin 45 Grad, schmolzen seine Sohlen, später verbrannten seine Füße und er musste mit Hubschrauber evakuiert werden. Dieser Vorfall ist vielen Zeitungen eine fette Schlagzeile wert. Ich persönlich hätte aus Respekt vor der Religion und Kultur der Aboriginals den Uluru auch nicht bestiegen, für sie ist er schließlich ein Heiligtum. Diese sportliche Herausforderung ist auch gar nicht mal ungefährlich, denn wenn man fällt, ist man zum Tode verurteilt. Es gibt nichts, was den Fall aufhält, verringert oder verhindert, kein Baum, kein Strauch und keine Bodendelle. Bisher sind 36 Menschen bei der Besteigung umgekommen.

Es regnet etwas und wir eilen zum Bus. Der Niederschlag verstärkt sich und dann werden wir Zeuge eines ganz seltenen Naturschauspiels: Vom Uluru fällt das Wasser in wahren Sturzbächen herunter. Unsere Begleiter haben Wasserfälle in dieser Heftigkeit in 27 Berufsjahren noch nicht erlebt. Sie stellen sich mutig in den Regen und versuchen, dieses einmalige Ereignis mit ihrem Fotohandy festzuhalten, danach rufen sie alle Bekannten in der Nähe an, damit die sich dieses Phänomen nicht entgehen lassen. Gut gelaunt und etwas stolz ob des Erlebten fahren wir zum Aussichtspunkt.

Es ist noch sehr hell und wir haben genügend Zeit für ein gemütliches Spätmittagessen. So nach und nach stellen sich auch die anderen Busse und Geländewagen ein, wir waren uns heute schon einige Male begegnet, auch ein paar Gäste von Annie´s Place gehören dazu, später treffe ich noch Dean und seine Ehefrau.

Die unterschiedliche Farbe des Ayers Rock, der mit seinen 348 m Höhe jetzt majestätisch vor uns steht, ist sehr eindrucksvoll. Je nach Sonneneinfall zeigt er ein anderes Gesicht, ich bin fasziniert. Kurz vor Sonnenuntergang ziehen dicke Wolken auf und wir bereiten uns auf die Heimreise vor. Ein Trachtenchor aus Polen stellt sich noch fotogen in Pose.
Gegen Mitternacht erreichen wir Alice Springs und ich beende diesen schönen und interessanten Tag gebührend im Bojangle-Saloon.

Bis zum Weiterflug habe ich noch ein paar Tage Zeit und somit ausreichend Gelegenheit, die Stadt zu erwandern, zu lesen, im Internet zu surfen und es mir gut gehen zu lassen. Vorsorglich buche ich für Gold Coast schon ein Hotelzimmer, es bedient mich Susanne aus Deutschland. Als kleines Dankeschön darf ich in Ihrem Büro kostenlos Emails versenden.
Im Shopping Center bietet ein Weihnachtsmann seine Dienste als Fotoobjekt an.

Abends gönne ich mir Krokodil als Vorspeise und Känguru als Hauptgang. Im Hintergrund läuft eine englische Version von „Herbei o ihr Gläubigen“ und vermittelt etwas Weihnachtsatmosphäre. Später in einer Bar wird auf Fox Sport das Ende der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland übertragen: Der damalige Bundespräsident Walter Scheel überreicht Mannschaftsführer Beckenbauer die begehrte Trophäe. Jim, der Kellner, der mich beim Abendessen bedient hat, betritt das Lokal und meint lapidar, dass man sich in Alice immer wieder über den Weg läuft.

Ein Shuttlebus mit Gepäckanhänger bringt uns zum Flughafen, ich sehe einige bekannte Gesichter. Zwei Engländer, die ich auf der Uluru-Fahrt kennen gelernt habe, warten auf den Weiterflug nach Adelaide. Sie sind wegen der Kricket-Veranstaltung in Australien.
Unter einem Schattendach hindurch gehen wir zum Flugzeug. Der Flug dauert 2 ¼ Stunden.


An der Gold Coast

Mit dem Sky Train fahre ich über Brisbane zur Station Nerang, von dort weiter mit dem Bus, die letzten 100 m zu Fuß durch strömenden Regen, und dann habe ich das letzte Ziel auf dieser Reise erreicht, das Hotel „Iluka Beach Resort“. Es liegt direkt am Ozean, man braucht nur die Straße zu überqueren. Von meinem Zimmer habe ich einen einmaligen Blick auf den Strand und das Meer, einfach traumhaft.

Die Gold Coast erstreckt sich über viele Kilometer, mein Hotel befindet sich zentral im Bereich „Surfers Paradise“. Ganze Heerscharen von Jugendlichen sind unterwegs, denn vor einigen Tagen war Schulentlassung und jetzt wird kräftig gefeiert. Vor jeder Bar und jeder Disco stehen Securitys und achten pedantisch auf die Daten im Personalausweis. Im Hotel muss vorsorglich ein Kreditkartenbeleg unterschrieben werden, falls durch alkoholbestimmte Ausgelassenheit etwas zerstört wird. Diese Unterschrift wird nicht nur von den Schülern verlangt, sondern von allen Gästen, also auch von mir.
Polizisten sind überall präsent, auch am Strand bis spät in die Nacht hinein.

In den nächsten Tagen werde ich häufiger im angenehmen Meerwasser schwimmen, lange Strandspaziergänge unternehmen und mich an dem kilometerlangen weißen Sand erfreuen. Die Gastroszene ist sehr vielseitig und man hat als Gast nichts auszustehen. Ich esse vorwiegend Fisch und Meeresfrüchte. In den Lokalen herrscht Rauchverbot.

Unter den Gästen sind sehr viele Asiaten. Einmal amüsiere ich mich über drei junge Japanerinnen, die im „Condom Kingdom“ verschiedene Ausstellungsstücke in die Hand nehmen und gar nicht mehr aufhören zu kichern.

Einige Abende verbringe ich in der „Avenue“, manchmal wird Lifemusik angeboten, ansonsten kann man hier ganz gut mit anderen Menschen ins Gespräch kommen und das gute Victoria Bitter (VB) genießen. Mein Versuch, eine Sängerin anzusprechen schlägt allerdings fehl, stattdessen unterhalte ich mich lange mit einer Frau von den Salomon-Inseln.

Die Saison für whale watching ist vorbei, aber man hat eventuell Glück auf einer Dolphin Wild Cruise Delfine oder Schildkröten zu beobachten. Ich will es probieren.
Mit dem Minibus fahren wir am nächsten Morgen bis Redcliffe, dort besteigen wir ein Boot und brauchen etwa 90 Minuten für die 25 km bis zur Insel Moreton.

Das Wetter ist phantastisch und die Sonne brennt vom tiefblauen Himmel. Ein paar Schiffwracks liegen vor der Küste. Wir legen unsere Schnorchel an und schwimmen durch die rostigen Hinterlassenschaften hindurch, vorsorglich haben wir Handschuhe angezogen. Es ist ganz interessant und es kommen auch einige bunte Fischschwärme an uns vorbei.

Danach lunchen wir und haben Zeit für einen Spaziergang. Das Essen ist köstlich, wir werden mit Gambas, Krebsfleisch, Hähnchen und Salat verwöhnt. Später laufe ich am Strand entlang und beobachte ein paar junge Leute, die mit einer Art Schlitten die Düne heruntergleiten.

Später fahren wir an der Insel entlang und sehen zwei Schildkröten im Wasser, Delfine tun uns nicht den Gefallen und machen uns leider nicht ihre Aufwartung, ich bin etwas enttäuscht. Zum Höhepunkt des Tages wird ein Netz hinter das Boot gehängt und wir können uns darin festkrallen und über das Meer treiben. Es ist ganz spaßig, kann aber bei höherer Geschwindigkeit auch schmerzhaft sein. Einige unserer jüngeren Mitreisenden haben nicht das rechte Vertrauen zum Boomnetting und klettern vorzeitig auf das Schiff zurück.
An Bord unterhalte ich mich länger mit einem Herrn aus Malaysia, er hatte sich vor Jahren mal eine Rheintour gegönnt und kennt einige europäische Städte. Mein anderer Sitznachbar ist taiwanesischer Herkunft, er arbeitet jetzt bei der Deutschen Bank in New York. Ein Fischer hat einen Brim gefangen und säubert ihn am Strand.
Auf der Heimfahrt unterhalte ich mich mit einer Frau aus Indien, die jetzt für einige Jahre in Dubai wohnt und arbeitet.
Abends macht sich ein kleiner Sonnenbrand bemerkbar, aber auf der Tanzfläche im „Avenue“ bei flotter Oldiemusik denke ich nicht mehr daran.

Leider heißt es nun Abschied nehmen, ein schöner Urlaub neigt sich dem Ende zu. Zum Flughafen geht es mit einem Shuttlebus, er kostet etwas mehr als der Sky Train, dafür werde ich aber direkt im Hotel abgeholt und vor der Abflughalle abgesetzt.

Über den Rückflug decke ich den Mantel des Schweigens, 8,5 Stunden bis Taiwan, vier Stunden warten im Flughafen, 14, 5 Stunden bis Frankfurt ohne die Beine strecken zu können.

„Cabin crew, ready for landing“, selten habe ich mich über eine Bordansage mehr gefreut.


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Kommentare

  • evachen

    Danke für den schön geschriebenen und anschaulichen Reisebericht!
    Noch eine Erklärung für Ihre Beobachtung in Taibei-City. Sie schrieben "Überflüssiges und nicht mehr benötigtes Papier wird vor den Läden in kleinen Behältern verbrannt". - Was Sie gesehen haben, war allerdings keine private Form der "Müllverbrennung". Zu verschiedenen Terminen im Jahr verbrennen die Taiwanesen ein speziell zu diesem Zweck hergestelltes "Papiergeld" (kein echtes Geld!). Es wird für die Seelen der Verstorbenen verbrannt, die damit im Jenseits versorgt werden. Anders als z.B. in der christlichen Jenseitsvorstellung ist es im chinesisch geprägten Buddhismus-Taoismus-Ahnenkult notwendig, die Vorfahren regelmäßig mit "Geld" zu versorgen, denn auch im Himmel ist nichts umsonst. Durch den Verbrennungsrauch steigt es zu den Seelen in den Himmel auf.

    Während des "Geistermonats" kommen die Seelen der ruhelosen Geister (Seelen) für einen Monat lang von der Unterwelt zur Erde zurück. Dann verbrennen die Taiwanesen das Papiergeld für diese Seelen, die keine lebenden Angehörigen mehr haben und daher nicht mehr regulär "versorgt" werden. Grund davor ist einerseits das Verantwortungsgefühl für diese Seelen, auf der anderen Seite auch die Furcht vor den auf der Erde weilenden "Besuchsgeistern", die allerhand Unglück und Missgeschicke verursachen können, und daher milde gestimmt werden müssen.

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