Weiße Nächte in St. Petersburg

Reisebericht

Weiße Nächte in St. Petersburg

Wir fliegen ab Hannover. Bei herrlichstem Wetter besichtigen wir die Stadt, fahren mit einem Boot die Newa und Fontanka entlang, besuchen Zarskoje Selo und den Peterhof

Wir fliegen an einem Sonntagmorgen Anfang Juni 2007 ab Hannover. Der Flug mit der Tupolev TU-204 dauert gut zwei Stunden. Von der russischen Fluggesellschaft „Rossiya“ hatte ich vorher noch nichts gehört, aber es ist alles in Ordnung und auch der Service von „Sicher Reisen“ in München, wo wir Hotel und Flug gebucht und das Visum beantragt hatten, war wieder einwandfrei.

Warmer Sonnenschein empfängt uns in St. Petersburg und das Thermometer zeigt knapp 30 Grad an. Die Zeitdifferenz beträgt zwei Stunden.

Im Flughafen tauschen wir und erhalten einen Kurs 1:34. Mit reichlich Rubeln im Portemonnaie fragen wir nach Taximöglichkeiten zum Hotel, aber der geforderte Preis von 50,-- Euro ist uns zu teuer und so steigen wir in einen Bus zur U-Bahn-Station Moskovskaja, von dort geht es mit der Metro zum Technischen Institut und den Rest der Strecke fahren wir für 300 Rubel mit dem Taxi. Die gesparten 40 Euro werden wir sinnvoller anwenden.

Unser Hotel „Azimut“ (азимүт) liegt relativ zentral. Man kann zu Fuß ins Zentrum gehen, aber auch die U-Bahn nehmen. Es scheint bei Finnen sehr beliebt zu sein, wie man abends an den Bussen auf dem Parkplatz sehen kann.
Wir nutzen das schöne Nachmittagswetter zu einem Spaziergang und spazieren die Fontanka entlang, bis wir die Isaaks-Kathedrale vor uns haben. Die goldenen Kuppeln glänzen im Sonnenlicht. Einige Jugendliche spielen im Park bei der Kirche Fußball.

Hier ist was los, viele Menschen sind unterwegs und tragen ein Getränk oder ein Eis in der Hand. Sportliche Gäste haben die 562 Stufen nicht gescheut und winken vom Turm herab.

Jetzt ist es nicht mehr weit zum Senatsplatz, der während der Sowjetära Dekabristenplatz genannt wurde. In der Mitte erhebt sich das Denkmal Peters des Großen. Brautpaare lassen sich hier mit ihren Gästen fotografieren und trinken ein Glas Sekt.
Wir spazieren durch den Alexandrowskij-Garten mit der Admiralität und haben einen schönen Blick auf die Peter-Paul-Festung.

Gegen 20.00 Uhr nehmen wir an einer Bootsfahrt auf der Newa teil, leider spricht die Begleiterin nur ganz wenig Englisch und so erfahren die einheimischen Gäste wesentlich mehr als wir über das „Venedig des Nordens“ oder auch der früheren russischen Hauptstadt.
Zunächst geht es am Winterpalast und an der Admiralität mit der goldenen Turmnadel, einem Wahrzeichen der Stadt, vorbei und dann erblicken wir auch schon die Börse an der Spitze der Wassilijewskij-Insel, zu beiden Seiten flankiert von den Rostra-Säulen. Die Haseninsel mit der Peter-Paul-Festung ist unser nächstes Ziel. Natürlich sehen wir auch den Panzerkreuzer Aurora und rufen uns dabei ins Gedächtnis, dass von hier die ersten Schüsse, die die Revolution einläuteten, fielen.

Nun verlassen wir die Newa und fahren auf der Fontanka. Schöne malerische Brücken sind zu unterqueren. Zu unserer rechten erhebt sich der Sommerpalast, wenig später das Ingenieurschloss.

Nach einstündiger Schifffahrt legen wir an und es ist immer noch hell. So schlendern wir weiter zum Schlossplatz, der vom Winterpalast auf der einen und vom halbkreisförmigen Generalstabsgebäude mit dem Triumphbogen auf der anderen Seite umgeben ist. In der Mitte befindet sich die Alexandersäule.

Die Hauptfassade des Winterpalastes mit den grün-blauen Säulen und Statuen ist sehr eindrucksvoll. Im Inneren befindet sich die Eremitage, die wir in den nächsten Tagen besichtigen werden.

Wir orientieren uns in Richtung Newkij-Prospekt, der „Lebensader“ der Stadt, und bewundern zunächst die Kasaner Kathedrale und dann die Erlöserkirche, die, dank ihrer schönen Zwiebeltürme, stark an die Moskauer Basilius-Kathedrale erinnert.

Für die Heimfahrt zum Hotel nehmen wir den Bus Nr. 22, aber er fährt nicht in die gewünschte Richtung, wir sind im falschen Fahrzeug, denn, so erfahren wir später, es gibt diese Nummer sowohl für einen normalen als auch für einen Elektro-Trolleybus.
Der Fahrer und die Gäste verstehen kein Englisch und mit Händen und Füßen versuchen wir, unser Hotel zu erklären. Schließlich meint eine freundliche Frau unser Problem zu erkennen, wir steigen gemeinsam aus und gehen mindestens über einen Kilometer, bis wir vor dem Azimut stehen – welche Gastfreundschaft! Und es ist immer noch hell.

Für mich war es klar, wenn ich St. Petersburg noch einmal besuche, muss es unbedingt zur Zeit der weißen Nächte sein. Ich hatte viel darüber gelesen und war mehr als gespannt, die Stadt in einer Zeit, wo die Sonne fast nicht untergeht, zu erleben. Hartmut und Horst hatten nichts dagegen und so planten wir unsere Reise. Der Flug und die Hotelpreise sind, da hier Hochsaison herrscht, erheblich angezogen, aber es hat sich trotzdem mehr als gelohnt. Wer kann schon von sich behaupten, während seines Urlaubs täglich mehr als 20 Stunden Sonnenschein und blauen Himmel zu haben. Noch spät am Abend flanieren die Menschen auf den Straßen und erst weit nach Mitternacht ist es für kurze Zeit dunkel. Mir fällt auf, dass viele Lokale die Bezeichnung „Bistro“ (БИCTPO) verwenden.

Am nächsten morgen besteigen wir bei der Station Moskovskaja (MOCKOBCKАЯ) den Bus und fahren nach Zarskoje Selo. Der Ort ist gut 20 km von St. Petersburg entfernt. Vor dem Katharinenpalast müssen wir etwa eine Stunde warten und dann dürfen wir hinein. Was ist hier nur los!
Besucher über Besucher, Gruppen über Gruppen, hier eine Erklärung in Russisch, dort in Englisch, nebenan in Deutsch. Die Gehroute ist genau vorgeschrieben und so schließen wir uns einer Besuchergemeinschaft an und schleichen durch das Schloss. Gold und Prunk soweit das Auge reicht.
Der Barock-Palast ist über 300 m lang und auch von außen eine Augenweide. Und endlich, endlich sind wir im Bernsteinzimmer.

Viel hatte ich darüber gelesen und jetzt bin ich mitten drin. Aber nicht nur ich, zusammen mit mir bewundern wohl zeitgleich knapp 100 Gäste dieses einzigartige Kunstwerk. Es fasziniert mich, doch meine Freude ist etwas gedämpft ob der vielen Menschen und der Unruhe. Aber kann man es den anderen Besuchern verdenken?
Die Rekonstruktion dieses Schatzes wurde u. a. von der deutschen Industrie finanziert. Zum 300. Geburtstag der Stadt Petersburg eröffneten Präsident Putin und Kanzler Schröder das neue Bernsteinzimmer feierlich.

Zurück in Petersburg fahren wir zur Haltestelle Avtovo (ABTOBO) und besteigen einen öffentlichen Bus, der uns zum „Peterhof“ bringt. Viele, meist ältere, Frauen stehen an den U-Bahn-Eingängen, so auch hier, und verkaufen Blumen. In der Metrostation hatten wir nach Fahrmöglichkeiten gefragt und ein freundlicher Mann konnte uns im besten Englisch weiter helfen. Damit wir später keine Probleme haben, schreibt er unser Ziel noch auf kyrillisch in den Notizblock. Auch diese Anlage ist etwa 25 km von der Stadt entfernt.

Die Busfahrten gefallen mir. Das Fahrgeld wird von hinten nach vorn durchgereicht und manchmal erhält man auf umgekehrtem Weg auch ein Ticket zurück. Kontrollen habe ich während unserer Touren nicht erlebt, allerdings hat der Chauffeur einen Gast hinauskomplimentiert, als er nicht bezahlen wollte oder konnte.

Aber auch das Weiterkommen mit der Metro macht Spaß, immer wieder brauchen wir einen Moment zur Orientierung. Und wenn wir dann gar nicht mehr weiter wissen, fragen wir einen der Passanten oder zeigen mit dem Finger auf die gewünschte Haltestelle und erfahren die richtige Antwort. Die meisten Passagiere lesen in der U-Bahn. Manche Stationen strahlen im Marmorglanz und man meint, sich in einem Palast zu befinden. Auf der Rolltreppe habe ich manchmal das Gefühl, dass die mir entgegen kommenden Menschen sich entweder zurücklehnen oder vorbeugen.

Wieder sind wir mehr als angenehm überrascht. Zwei junge Mädchen vergnügen sich beim Schattenspiel. Die Schlossanlage Peterhof war im Krieg zerstört worden und erstrahlt jetzt im früheren Glanz. Bei einer kleinen Stärkungspause verrät uns ein Kellner, dass der Besuch des Parks ab 17.00 frei ist und wir nehmen seinen Tipp dankend an.

Die Gartenanlage mit den Figuren in Gold und den Brunnen ist fantastisch, begeistert gehen wir an dem kleinen Kanal entlang bis zum Finnischen Meerbusen. Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf St. Petersburg. Aber die Fontänen sind abgestellt und gerade dieser Effekt soll, so hat es mir John, der vor zwei Jahren hier war, erzählt, den Reiz von Peterhof ausmachen. Später erfahren wir, dass dieses Schauspiel nur bis 17.00 Uhr dauert. Jetzt wissen wir auch, warum wir keinen Eintritt entrichten mussten
Sogleich ist mir klar, dass ich am nächsten Tag wiederkommen werde.

Nach dem Frühstück, das wie immer etwas kompliziert ist, da entweder Geschirr, Besteck oder Kaffee fehlt, fahren wir mit der U-Bahn zum Newskij-Prospekt, um die Eremitage zu besichtigen. Hartmut und Horst planen danach einen Schaufensterbummel durch die Hauptstraße. Mein Ziel heißt jedoch Peterhof.

Im Jahr 1978, meinem ersten Besuch der Stadt, die damals noch „Leningrad“ hieß, hatten wir die Eremitage natürlich auch besichtigt und wurden von einer Führerin durch die Räume geleitet und mit notwendigen Informationen gefüttert, an Details vermag ich mich aber nicht mehr zu erinnern.
Jetzt sehe ich mir zuerst im Erdgeschoss die Ausstellungsstücke aus Ägypten an, Mumien, Särge und Bestattungsbeigaben, und gehe dann nach oben. Hier sind alle europäischen Meister ausgestellt, sei es Rubens, van Dyck oder Rembrandt, Monet oder Cézanne. Angeblich sollen über 2,5 Mio. Inventarnummern vergeben sein, rund 65.000 Exponate sind derzeit in den über 400 Sälen ausgestellt. Ein andächtiges Anschauen und Bewundern der Kunstwerke ist wegen des Menschenandrangs leider nicht möglich. Viele Erklärungen sind nur in russischer Sprache zu lesen.

Später nehme ich wieder einen Bus, der mich in einer guten halben Stunde direkt zum Eingang des Peterhofs bringt. An der Stadtperipherie befinden sich große Parkanlagen. Etliche Anwohner genießen das warme Frühlingswetter und den blauen Himmel. Sie haben ihren Badeanzug angezogen und nehmen ein Sonnenbad.
Im schon bekannten Bistro kaufe ich mir etwas zu trinken. Der Kellner freut sich über das Wiedersehen und schenkt mir eine Tafel Schokolade. „Die russische ist die beste der Welt“, so sagt er.

Dieses Mal erwerbe ich eine Eintrittskarte und betrete wiederum die Parkanlage. Es ist ein Traum! Die einzelnen Fontänen, das Wasser, die Anlage, ganz egal, man mag nichts hervorheben, der Peterhof als Ganzes ist eine Pracht sondergleichen. John sei Dank, dass er mir dieses Ziel so hartnäckig empfohlen hat. Hübsche Frauen stellen sich für ein Erinnerungsfoto in Pose und ein Regenbogen legt sich über die Wasserspiele.
Abschließend statte ich noch einer dem Peterhof schräg gegenüber liegenden Kirche einen Besuch ab. Auf der Heimfahrt werden im Bus Zeichentrickfilme gezeigt.

Abends essen wir auf Empfehlung einer Hotelmitarbeiterin im Restaurant Оxomнuҹья Избa. Das Lokal ist nicht weit vom Hotel entfernt, rustikal ausgestattet und angeblich typisch russisch.
Es schmeckt ausgezeichnet. Bedient werden wir von Katja oder Katharina, die sich allerdings mit dem englischen Namen Kate vorstellt.

Später gehe ich noch in den Nightclub beim Azimut, aber es ist mir zu teuer und außerdem sind fast keine Gäste da. So verbringt jeder von uns die letzte Nacht individuell.

Am frühen Morgen gegen 4.00 Uhr klingelt der Wecker und wir fahren mit einem im Hotel bestellten Taxi zum Flughafen. Der Preis beträgt lediglich 900 Rubel.

Wir sind uns einig: Petersburg ist immer eine Reise wert.



Ein paar Basisinformationen

Peter der Große gründete die Stadt im Jahre 1703 und orientierte sich als Vorbild an Amsterdam. Die Entstehung, der Bau im sumpfigen Newa-Delta, kostete viele Menschenleben, man spricht von etwa 30.000 Toten.

Petersburg ist mit ca. 5 Mio. Einwohnern zweitgrößte russische Stadt und nördlichste Millionenstadt der Erde.
Rund 35 % der Petersburger wohnen in Abbruchhäusern und viele Menschen leben aufgrund der immer noch vorherrschenden Wohnungsnot in Gemeinschaftswohnungen, in so genannten Kommunalkas.
Gebaut auf 44 Inseln verfügt die Stadt über 165 km Wasserwege, die von etwa 600 Brücken überragt werden.

Die Restaurierung bzw. der Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Gebäude ist so gut wie beendet. Es ist bestimmt nicht nachteilig für die Stadt, dass Putin hier beheimatet ist.

Einige Preisbeispiele:

Metro: 14 Rubel
Bus nach Zarskoje Selo: 25 Rubel
Bus zum Peterhof: 30 Rubel
Eintritt Park Zarskoje Selo: 160 Rubel
Eintritt Schloss Z. Selo: 520 Rubel
Eintritt Peterhof: 300 Rubel
Eintritt Eremitage: 300 Rubel


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Kommentare

  • luyoma

    Vielen Dank. Das war für meine Reiseplanung recht hilfreich.

  • stefanius

    Vielleicht ein Tipp zum Visum:
    Wen jemand individuell fährt und nur das Visum braucht, ist Sicher Reisen SEHR teuer! Besser und nur halb so teuer ist www.russland-visum.de !
    Stefanius

  • babette

    Sehr guter Reisebericht! Danke.

  • promotours

    wenn ich nicht St.Petersburg bereits lange auf meiner Wunschliste stehen gehabt hätte, würde ich es nach diesem tollen Reisebericht sofort nachholen. Danke

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