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Reisebericht: Es ist schon länger her....
...aber unsere erste Reise nach Sri Lanka unmittelbar nach dem Tsunami ist auch heute noch lebendig in unserer Erinnerung.
- Fahren wir ? Fahren wir nicht ?
- Die Ankunft. Und die ersten Eindrücke.
- Kandy und die Weiterfahrt
- Von Kandy bis Hambantota
- Die Ankunft vor Ort
- Das Oasis
- Das Resort
- Die Anwendungen
- Der Tsunami und seine Folgen für die Menschen hier
- Ausflüge
- Die Wallfahrtstätte Kataragama
- Matara
- Colombo. Und der Abschied. Sowie eine Entschuldigung.
Fahren wir ? Fahren wir nicht ?
Schon im vergangenen Jahr 'stand' der Plan unserer kleinen Gruppe, Ende Januar 2005 nach Sri Lanka zu reisen um dort eine Ayurvedakur zu machen. Dann kam der 26. Dezember und mit ihm die unfassbare Katastrophe, die auch dieses Land heimsuchte.
Schweren Herzens sagten wir unseren Plänen adé und stornierten das Ganze. Dann aber meldete sich unser Hotel und erzählte, dass die (große) Anlage, obwohl direkt am Meer liegend, völlig unbetroffen sei - man habe von dem Desaster selbst erst durch das TV erfahren. Und nun gehe die Befürchtung um dass nach Abreise der letzten Gäste für (zu) lange Zeit keine neuen Gäste mehr kämen. Was dann wohl bedeuten müsse, dass man das Personal mittelfristig nach Hause schicken müsse…
'Kommt doch. Ihr werdet es nicht bereuen. Und Ihr helft uns damit mehr als jede noch so gut gemeinte Spende, die mit zu großer Wahrscheinlichkeit wohl wieder nur die Falschen füttern wird.'
Also sind wir gefahren.
Meine Eindrücke zu dieser Reise in den Süden von Sri Lanka im Februar 2005, 4 Wochen nach dem Tsunami, findet Ihr nun hier, über Eure Kommentare würde ich mich freuen.
Die Ankunft. Und die ersten Eindrücke.
Nach einem langen Flug früh morgens Ankunft in Colombo - gerade geht die Sonne auf. Das Airportgelände ist bereits zu dieser frühen Stunde gesteckt voll von Menschen und Autos, die Luft ist schwer und lässt ahnen, dass die gewohnten Frisch- lufttage des deutschen Winters erst einmal vorbei sind… Es riecht nach Verbrann- tem.
Unsere private Kleingruppe -wir sind neun- wird erwartet von einem Kleinbus des Hotels, in dem wir in Bälde unseren Urlaub verbringen werden. Zunächst einmal aber geht es mit diesem eher nicht für uns Europäer zugeschnittenen Gefährt (es ist sehr eng) auf die Piste in Richtung Hochland. Unser Fahrer entpuppt sich als ein Mann, der das vorausschauende Fahren nie erlernt hat und der in dem mörderischen Links -Verkehr 'Vollstoff' auffährt auf jegliche vor ihm auftauchende Fahrzeuge, ob Busse, Pickups, Threewheeler (Tuk-Tuks) oder Mulikarren, ob Rad- oder Motorradfahrer, ob Fußgänger oder Hunde. Erst einmal bis zur Stoßstange, die Fanfare dröhnen lassen, voll abbremsen, ruckartig ausscheren, sich zwischen den ebenfalls gerade überholenden Gegenverkehr drängen (Da kommt ein Bus !!! Er lacht nur…) und dieses Spiel ohne Unterbrechung beibehalten - bis wir nach 6 Stunden die ersten 150 km (Tatsache !) hinter uns und unser 'Akklimationshotel' im Bergland über Kandy erreicht haben.
Das Tree of Life ist ein wunderbares Haus, noch aus der Kolonialzeit stammend, auf einer Bergkuppe thronend inmitten eines subtropischen Parks, der sich an den Hängen entlang zieht. Unbekannte Eindrücke die Menge - doch ich zumindest muss erst einmal ins Bett; bis zum Abendessen ist da nichts mehr drin in dem ausgepowerten Körper. Am Abend gibt es eine einheimische Hochzeit zu bestaunen, so an die hundert festlich gekleidete Gäste bevölkern an der höchsten Stelle des Geländes das Terassendeck am Pool, Braut und Bräutigam in einheimischer Festtracht - sie in einem kostbaren Sari mit juwelengeschmücktem Kopfputz und er im Smoking zum Sarong. Zwei Nächte bleiben wir an diesem paradiesischen Ort, schlendern durch das Gelände, bestaunen unbekannte Pflanzen, nie gesehene Bäume, wunderschöne Blüten und spazieren über den hauseigenen 'Birds-Watching-Trail'; das im Zimmer ausgelegte Faltblatt zählt über 60 verschiedene Vogelarten auf, die es hier zu sehen gäbe. Wenn man denn die Geduld dazu aufbrächte…. (und all diese englischen Namen der Vögel übersetzt bekäme; leider hat dieses Papier keine Fotos).
Kandy und die Weiterfahrt
Am nächsten Tage besuchen wir die alte Königsstadt Kandy, man versteht jetzt warum unser Reiseführer diesen Ort eher etwas verhalten als enthusiastisch beschreibt. Sie ist für mich, von wenigen Ecken abgesehen, nur noch ein Schmutzfleck mit einigen wenigen 'Muss-man-sehen'-Relikten. Staubig, laut, die Gebäude meist verfallen, vernachlässigt.
Am künstlichen See der berühmte Zahntempel, der (irgendwo in seinem Inneren, für uns nicht zu sehen) als kostbare Reliquie einen Zahn Buddhas beherbergen soll. Diese Anlage ist sicherlich beeindruckend für jemanden, der nicht wie wir buddhistische Tempelanlagen z.B. in Thailand oder Malaysia gesehen hat. Hier der Eindruck : Leider wie alles hier recht verstaubt und für die Pilgerströme etwas zu sehr reglementiert, als dass sie uns besondere Anerkennung abnötigen könnte. Dieses Anwesen kommt mir eher als ein Museum vor als dass es das auslöste ,was solche kontemplativen Anlagen auslösen sollen - Demut. Besinnung. Tiefe innere Ruhe. Bis hin zu Tränen.
Ein wirklich schöner Ort in dieser Stadt ist der zu Recht gerühmte botanische Garten - ein Traum von Landschaftspark, gepflegt, voll von uns unbekannter Flora. Darunter riesigen Bäume – 'Giant Almond Tree' genannt - mit ihren wie Segel aus dem Boden aufragenden riesigen Brettwurzeln. Wunderbare Alleen, gepflegte Blumenrabatte, unbekannte Blüten, die von den Bäumen hängen - wirklich sehr sehenswert.
Von Kandy bis Hambantota
Nach einer weiteren Nacht in diesem schönen Hotel geht es am nächsten Morgen weiter. Unser Fahrer ist 'eingenordet' worden; unser Unwohlsein und die verhaltenen Proteste ob seiner Fahrweise blieben nicht ungehört. Ab hier fährt er so butterweich und rücksichtsvoll, dass es uns wie ein Wunder vorkommt.
Er hat die Route durch das Inland, über die Berge (immerhin bis 2.200 Meter) gewählt weil die Küstenstraße wohl noch nicht völlig befahrbar sein soll - wir vermuten dass man uns zunächst den Anblick der Zerstörungen vorenthalten möchte, was sich im Nachhinein auch als klug erwies.
Von Kandy bis zur Südküste nach Hambantota - dort in der Nähe ist unser Ziel - sind es vielleicht 200 km, für die ein guter Fahrer auf diesen schlechten Strassen, bei diesem Verkehr nahezu 8 Stunden braucht. Acht Stunden für läppische 200 Kilometer, das sagt über das Wegenetz der Insel alles aus. Es gibt eben keine Schnellstraßen - eine solche in den Süden ist wohl geplant und auch dringend erforderlich.
Man kann die Umstände der Anreise zwar verkürzen, in dem man von Colombo aus ein Airtaxi nimmt, das ist auch nicht übermäßig teurer. Wir hören leider erst im Lande davon. Einerseits ließen sich dadurch all diese Anstrengungen der Anreise auf zwei Stunden verkürzen, andererseits hätte man aber nichts mitbekommen vom Leben und Treiben im Inland, von den Landschaften und den Menschen dort. Was sicher sehr schade gewesen wäre…
All diese Ortschaften voller Leben längs der Strasse, all diese wechselnden Landschaftsbilder mit diesen unerhörten Grüntönen, all den Handel und Wandel links und rechts der Strasse, der unter den unglaublichst einfachsten Umständen geschieht. Nach einer also sehr langen Fahrt, vorbei an diesen unterschiedlichsten Vegetationen, vorbei an sattgrünen Reisfeldern bis zum Horizont, mit Wasserbüffeln im Schlamm, Flüsse mit Stromschnellen überquerend, zahllose Ortschaften werden durchfahren (sie scheinen nur aus Gebäuden zu bestehen, die längs der Strasse errichtet wurden, garagenähnlich, höchstens zwei nach vorne offene Räume übereinander, und in jedem dieser Luken ein Geschäft, mit Rolltor und wenn es für ein Tor nicht gelangt hat wird des Abends ein Holzgatter davor gekettet. Es ist einfach unglaublich.)
Die Strassen in den Ortschaften voller Menschen, weniger Männer, mehr Frauen, letztere in einer bewundernswerten stolzen Haltung, hocherhobenen Kopfes und sieht man sie an, lächeln sie ein Lächeln, das einem nicht mehr aus dem Kopf will. Offen, freundlich, kein Anflug von Misstrauen. 'Where you coming from ?' ist die Standardfrage, nahezu jeder hier spricht ausreichend Englisch und viele der einfachen Leute sprechen das zu meiner Beschämung erheblich besser als ich. In den Ebenen, die Strasse ist hier etwas besser, an einer Wegkreuzung - weit und breit ist keine Siedlung zu sehen - ein Marktstand. Wir bitten um eine kurze Pause. Die Marktfrau mit ihren beiden kleinen Kindern lächelt uns entgegen, bietet Erdnüsse, Bananen und die allgegenwärtige Coconut an - diese hochwillkommen, weil durst- löschend und zudem gut schmeckend. Quasi eine Raststätte….
Hinter der Straße eine Böschung, wie ein Deich. Wir erklimmen den und sehen einen großen künstlichen See, der Wasserversorgung dienend. Im Norden des Landes, so lernen wir, haben vor hunderten vor Jahren die Herrscher über eintausend solcher Reservoire anlegen lassen - sie funktionieren heute noch. In den Bergen, bei den Teeplantagen, sieht man heute noch diese ingeniöse Kanalisierung mit Schleusen zur Ableitung des kostbaren Nass in die Felder; sie sind allesamt noch in Betrieb, werden wieder gepflegt.
Die Ankunft vor Ort
Wir sind angekommen. Aufatmend, es ist überstanden. Unser Fahrer bekommt sein anständiges Trinkgeld, als er uns wohlbehalten und nicht übermäßig seekrank endlich an unserem Zielort abliefert.
Unser Empfang dort ist mehr als herzlich, Blumengebinde um den Hals und einen frischen Fruchtcocktail in der Hand bestaunen wir die unmittelbare Umgebung. Unser Hotel, es ist das Oasis Ayurveda Beach Resort. (Nicht, dass ich hier exzessive Werbung für das Haus betreiben will. Aber unser aller Begeisterung hielt auch noch bis heute und im Jahr 2009 werden wir das dritte Mal dorthin reisen. Wer nicht daran interessiert ist, zu erfahren, warum wir so schwärmen, mag das folgende Kapitel überschlagen).
Das Oasis
Dieser Geruch.
Schwer, wenn nicht gerade eine Brise vom Meer das zerstäubt eine mitunter betäubende Mischung, sie kommt aus den Blüten all der unbekannten Bäume und Gewächse. Palmen kennt man ja, die hochaufragenden Kokos- und diese teils riesigen schattenspendenen Fächerpalmen, dazu all diese anderen Gehölze, die diesen Park besetzen, vereinzelt, in kleinen Gruppen, über die leicht hügelige Landschaft so geschickt verteilt dass man nach zwei, drei Schritten schon wieder ein anderes Bild vor Augen hat. - all diese verschiedenen Töne des Grünspektrums, ledrige oder faserige oder gezackte Blätter, teils riesig.
Ununterbrochen segeln diese Blätter wie auch die Blüten aus den Bäumen auf den Boden, der besteht durchweg aus Gras- oder Niederbewuchs, und ebenso ununterbrochen werden sie von unauffälligen Menschen aufgesammelt auf dass sie nicht den Gesamteindruck störten. (Diese Leute haben heute sämtlich ein Problem - sie wissen dass sie entbehrlich sind wenn es schlimm kommen sollte für die Hotelleitung und bemühen sich deshalb einerseits so unauffällig , andererseits so fleißig wie möglich zu erscheinen. Manche übertreiben es - wie der Mann, der vor unseren Fenstern bereits um halb sechs mit seinem Rechen über die Wiese schrappt. Bis wir ihm klar machen dass wir doch bitte noch schlafen möchten und er doch vielleicht am anderen Ende des Parks anfangen möge.)
Manchmal mischt sich in diese Kombination der Geruch eines der stark riechenden Öle der Ayurvedabehandlung, die weiter hinten im Gelände stattfindet. Er steckt in den Bademänteln und Kopfhauben der Kurenden, die gerade eine Pause zwischen den Anwendungen nutzen um sich ein wenig zu entspannen. Zu Beginn für mich schwer zu ertragen weil sehr unbekannt, gewöhnt man sich bald daran.
Des Mittags, wenn unter freiem Himmel unter den Schatten spendenden Bäumen das Lunchbuffet aufgebaut ist kommen die Gewürzgerüche hinzu - die der Suppen und die der Sri-Lanka-Currys, die hier für unsere europäischen Gaumen eine noch erträgliche Schärfe haben (normale einheimischen Currys, so schmackhaft sie auch sind, kann ein Gaumen wie der unsere einfach nicht ertragen - es reißt einem schier den Kopf ab und es droht so etwas wie ein lukullischer Erstickungsanfall.) Das sollte aber niemanden davon abhalten, diese unbekannten Gerichte wenigstens einmal zu probieren - da allenthalben zu den Mahlzeiten Buffets aufgebaut werden (nur sehr selten bestellt man sein Essen à la carte) stellt das Probieren ja kein Problem dar.
Manchmal, wenn wieder einmal der Wind falsch steht, trägt der den scharfen Geruch verbrannten Abfalls mit sich, es mischt sich dieser in die bleierne Schwere der Luft, zum Glück gemildert durch den Seewind. Hier, in diesem Paradies, ist das alles aber nur eine Marginalie in dem Fächer der Eindrücke, die einem dieses Land bisher aufgezwungen hat. Man muss sich einfach fallen lassen. Eintauchen.
Die Menschen. Alle Mitarbeiter des Hauses, denen wir begegneten, verdienten es umarmt zu werden. Es kann an dieser Stelle nicht ausreichen, jemanden persönlich zu nennen - alle waren sie liebenswert, niemand war brummig, allenfalls traurig aus bekanntem Anlass. Das Servicepersonal - bis auf eine Dame alles Männer - war hilfsbereit in einer uns völlig unbekannten Weise; Probleme ? Gibt es nicht. Man tut sich schwer, das alles zu vermitten… Ihr müsst das selbst erleben, z.B. die jeden Abend liebevoll von den Zimmerboys dekorierten Bettstätten.
Das Personal im Behandlungshaus - diese dunklen Gesichter, aus denen ein Lächeln strahlt, das einen zunächst unsicher machen kann bis man merkt, dass es für diese Menschen hier einfach ein Bedürfnis zu sein scheint uns anzulächeln. Wie gerne würde man sich mit ihnen unterhalten, irgendwo im Gelände nebeneinander sitzen, auf einem Baumstamm, die Beine baumeln lassen und mehr erfahren von ihnen, ihren Gedanken, ihren Vorstellungen, ihren Wünschen. Es ist nicht möglich; neben der Sprachbarriere setzt das Verständnis der Hausleitung Grenzen; man hat Angst vor Anbiederungen.
Die Tiere.
Unbekannte Vögel, mit gelbem Gefieder an den Schwingen und mit blauer Brust, die in einer Fagottstimme immer dieselbe Tonfolge in Moll singen und sehr scheu sind. . Die farbigen Watvögel, handspannengroß mit knallroten Beinen und einem gelben Schnabel, sie lassen Dich nahe herankommen, offenbar haben sie keine schlechte Erfahrung gemacht bisher. Die Menge von schneeweißen, reiherähnlichen Vögeln, die diese Wiesen bevölkern, geradezu majestätisch stolzierend und dabei den langen Hals mit dem Kopf in einer unnachahmlichen Weise nach vorne und wieder nach hinten bewegend, wie ein mechanischer Gestängeantrieb. Sie sind etwas scheuer.
Für diese Vögel werden ganze Bereiche der Anlage leicht unter Wasser gesetzt; spätestens dann, wenn man einmal meint eine Abkürzung nehmen zu können, merkt man das an seinen eigenen nassen Füssen. Einen Eisvogel sah ich, er heißt hier Kingfisher, einmal einen Pirol. Über dem See vor dem Haus steht eines Morgens ein Seeadlerpaar, majestätisch umkreisen sie sich mit hellbraunen Schwingen. Und jeden Tag in der Morgen- und der Abenddämmerung der Mollruf jenes 'Fagott'-Vogels, dessen Namen man mir nur auf singalesisch nennen konnte, was mir naturgemäß nicht viel sagt und was ich nicht behalten kann.
Und dann die allgegenwärtigen Glanzkrähen - unbeliebt bei den Einheimischen, immer in Gruppen, suchend nach Nahrung und sehr lernfähig. Zu vergleichen mit der europäischen Taubenplage, jedoch im Gegensatz dazu sind diese Tiere schlau, lernfähig, clever. Wie sie nach scharfer Beobachtung aus ihrem Ansitz im Sturzflug auf das aufgebaute Frühstücksbuffet abtauchen - nachdem sie geortet haben wo denn das Weißbrot (das salzgebutterte, das andere lassen sie liegen. oder wo die kleinen Küchlein zu finden sind, die mit dem gerippten Backpapier, manchmal noch warm aus dem Ofen. Die vorsichtshalber gegen den Raub angebrachten Abdeckfolien gehen sie mitunter in Arbeitsteilung an - eine zieht sie, wenn denn nicht gestört, mit einem oder mehreren Rucken herunter, die andere stibitzt das Diebesgut, der Krähenschnabel ist groß genug für die Beute. Unbeeindruckt vom Gewese der Menschen da unten sitzen sie in den Bäumen und verzehren die Beute sichtlich genüsslich. Krrraa, Krrraaa.
Was hinunterfällt, wird sofort von einem der hier geduldeten drei streunenden Hunde aufgenommen, diese Tiere haben Asyl auf dem Gelände und wissen genau, dass sie einen imaginären Kreis um diese (ja völlig frei liegende) Terrasse nicht überschreiten dürfen. Es ist faszinierend zu sehen wie sie -nicht immer- um die Terrasse und das im Halbkreis aufgestellte Büffet ihre Kreise ziehen, manchmal nahezu unterwürfig in die Mitte schielend, mit eingeklemmtem Schwanz. Mitunter hat man den Eindruck dass diese Hunde ebenfalls genervt sind von den Krähen, manchmal nämlich jagen sie die Tiere sogar mit Hochsprung. (Das Haus hat für die Fütterung der Hunde hinten im Gelände extra eine Stelle eingerichtet, mit sauberen Schüsseln und mit Wasseranschluss und bittet die Gäste. diese Tiere, wenn es denn sein muss, ausschließlich dort zu 'bewirten'. Sonst kümmert sich niemand um diese Tiere, dementsprechend ist natürlich auch deren Zustand, der, man kann sich das vorstellen, bei mitfühlenden Gästen Handlungsreflexe auslösen könnte, die aber nicht angebracht wären.) Zum Thema Hunde sei noch angemerkt dass es Millionen davon auf der Insel gibt, die niemanden gehören, die von niemanden gefüttert, geschweige denn gepflegt werden und die trotzdem irgendwie existieren, mager, voller Zecken, oft mitten auf der Strasse liegend - man tut gut daran seine Tierliebe zu zügeln. Merkwürdig (und wegen des allgemeinen Desinteresses an diesen Tieren schon erstaunlich) ist das Verhalten der Autofahrer gegenüber diesen Streunern - sie, die sie jegliche andere Verkehrsteilnehmer als potentielle Gegner ansehen, die es zu bekriegen gilt, nehmen in einer Weise Rücksicht auf diese armen Geschöpfe die für uns Europäer in keinem nachvollziehbaren Verhältnis steht. Ein Aufkleber 'Ich bremse nur für Hunde' wäre vielleicht eine Geschäftsidee. Gerade wegen der Hunde tut man als Beifahrer man gut daran die Straße vor einem im Auge zu behalten um rechtzeitig auf unweigerliche bevorstehende Manöver, meist abrupte, reagieren zu können…
Der Park unseres Resorts ist auch Heimstatt anderer Tiere, Backenhörnchen mit ihren weißen Rückenstreifen flitzen von Ast zu Ast, besonders exotisch für uns eine Waranfamilie, die gelassen ihrer Wege zieht, mit jenen erheiternden Bewegungen der kleinen Beinchen. Auch Schlangen wurden gesehen, offenbar aber keine Bedrohung darstellend, denn die Angestellten ließen sie in Ruhe ihres Wegen ziehen. Am Abend die lautlosen Fledermäuse; ihre schwarzen Schatten kreuzen über die mit Kerzenlicht beschienenen, auf dem großen Rasen aufgestellten Esstische.
Ach ja, und dann die Ameisen. Meine Güte - ich habe aufgehört die Arten zu zählen, Allgegenwärtig ziehen sie ihre Bahn, die großen roten, bis einen Zentimeter lang, haken sich auf der Tischdecke fest und lassen sich nicht einfach wegwischen. Wird die Zuckerdose nicht wieder ordentlich verschlossen oder die Schütte mit dem Palmsirup - kann man deren Inhalt vergessen… Man erzählt, dass bei den gelegentlichen, dann aber sehr starken Regengüssen der gesamte Boden der Anlage bedeckt ist mit aus den Bäumen gespülten Kleingetier, Käfern und so etwas. Was davon den Absturz nicht überlebt hat wird sofort von regelrechten Marschblöcken, gebildet aus diesen Ameisen, weggeschafft; da, wo die Wege aus der rötlichen Erde bestehen sei das ein denkwürdiger Anblick von scheinbar über dem Boden schwebenden leblosen Kleintieren, einem großen Schwarzglanzkäfer zum Beispiel.
Es wird Zeit, etwas zu erzählen zu diesem Resort.
Das Resort
Man stelle sich bitte vor : Wir stehen imaginär draußen, auf dem Meer, und blicken auf den Landsaum. Das Meer, das ist hier der indische Ozean, der Golf von Bengalen. Die Wellen sind mächtig, es gibt schwere Unterströmungen, zum Strand hin an dieser Stelle keine Allmählichkeit sondern ein direkter Abfall des Landes. Es ist hier Baden nicht erlaubt, wohl auch lebensgefährlich. Das wiederum bedeutet, dass der Strand menschenleer ist, abgesehen von ein paar streunenden Einheimischen, die Ausschau halten nach den reichen Weißen um dann auf Tuchfühlung zu gehen. Ceylons Menschen kennen keine Distanz. Sie leben in engsten Räumlichkeiten mit vielen Menschen zusammen und haben deswegen kein Verständnis für uns, die wir gerne bitte unbehelligt sein möchten. Das allgegenwärtige 'where you coming from' mag hier, an dieser Stelle und an diesem Ort noch wirklich interessiert sein, aber meist kommt, insbesondere nach der Tsunamikatastrophe, dann doch noch das Lied von der Bedürftigkeit, ein Lied, das (wie man uns eindringlich erklärte) den lernfähigen Ceylonesen sehr schnell über die Lippen geht; mancher Besucher hat auf diese Weise ungewollt die Trunksucht des Vaters finanziert, wenn nicht die Drogenprobleme des Bruders.
Die hübschen, manchmal gar schönen Gesichter der Kinder am Strand lächeln so zauberhaft. Sieht man etwas genauer hin, endet das Lächeln an den Augen. Wir lernten, dass es nicht des Tsunamis bedurft hatte um das Alimentieren der Bevölkerung zu forcieren. 'Seid bitte gescheit', sagt man uns. 'Geht hin und unterstützt die, die wirklich betroffen sind. Wir sagen Euch, wer das ist.'
Aber zu diesem Thema später mehr; jetzt ist noch dieses Paradies an der Reihe. Vom Meer aus gesehen, hinter dem Naturstrand (er ist überraschend sauber, nur natürliche Anspülungen und auch davon ist recht wenig zu sehen) steigt das Gelände etwas an, vielleicht zwei, drei Meter - eine dicht bewachsene, mit Buschwerk und kleinen Bäumen verfilzte Düne. Sie also war es, die auf einer Breite von nahezu zwei Kilometern die Flut abhielt von diesem Anwesen, währenddessen rechts und links davon das Wasser ungehindert manchmal mehrere Kilometer landeinwärts alles niederriss, was sich ihm in den Weg stellte.
An diesem Abschnitt der Küste war das nicht viel, was im Wege stand - gemessen an anderen Stellen der Süd- und der Westküste, die wir später sahen. Dieses 'nicht viel' aber bedeutet für die armen Dorfbewohner die Vernichtung ihrer Existenz - von den Toten und den Verletzten und den Traumatisierten nicht zu reden. Eine Kate vielleicht. Das kleine Auslegerboot. Ein vielfach geflicktes Netz. Alles weg, zerschlagen, zermalmt. Das Boot vielleicht jenseits der Küstenstraße im Reisfeld abgesetzt - es kann ja problemlos gerettet werden, wer aber (und wie) holt den kleinen Motorkutter aus dem Palmenwäldchen ?
Aber bitte erst einmal weiter mit unserem Paradies, unsere Oase der Friedlichkeit und des Wohlergehens. Durch diesen Dünenhügel führt der schmale Weg, vorbei an einem Wachhäuschen, ständig besetzt von einem der beiden einsamen Burschen, die in Uniform uns freundlich anlächeln, aber Ungebetene nicht auf das Grundstück lassen. Sie freuen sich über jedwede Ansprache.
Unser Weg führt durch dichtes Buschwerk, undurchdringlich, doch plötzlich öffnet sich der Blick : Eine weite, leicht hügelig angelegte gepflegte Parklandschaft (das hauseigene Gelände misst 50.000 qm !) und im Hintergrund, hinter dem Pool, leuchtet das nur zweistöckige Gebäude, in der Mitte die Lobby mit dem gläsernen Durchblick auf die Vorderfront, dahinter die Auffahrt, dahinter ein Wiesengrund, der leicht abfällt zu einem großen Binnensee - am anderen Ufer sieht man, weit entfernt, die Hauptstraße mit ihrem regen Verkehr.
Links und rechts an das Lobbygebäude schließen sich zwei Flügel mit den Zimmern an, es gibt 50 Zimmer, allesamt mit Balkon oder Terrasse zum Park hin. Das Meer ist nicht zu sehen, nur zu hören, das ewige Rauschen. Links vom mittigen Pool der Freiplatz für Frühstück und Lunch; das Abendessen wird teils hier, teils aber auf der rechten Seite des Geländes inmitten einer großen Wiese eingenommen, bei Kerzenschein, unter dem Sternenhimmel und über unseren Köpfen jagen lautlose Fledermäuse nach den Nachtinsekten.
Aus unsere Sicht, wir stehen immer noch mit dem Rücken zum Meer, aber schon innerhalb des Hotelgeländes, steigt links ein kleiner Hügel an. Auf dem steht eine überdachte erhöhte Plattform, gedacht für Meditation, Yoga oder Tai Chi-Übungen. Eine wunderbare Ruhe hier oben und von hier aus sieht man auch das Meer und am Abend einen dieser Wahnsinns-Sonnenuntergänge. Bequeme Stühle laden ein, der ideale Ort zum Lesen oder zum Träumen. Niemand spricht hier.
Über das Gelände verstreut weiße Liegen; der Bademeister und sein Gehilfe bringen sie Euch plus Auflagen und Badetücher dahin, wo Ihr sie hin haben möchtet - und sei es am anderen Ende des Geländes. Legt nur ja nicht selbst Hand an ! Die Leute hier sind froh, einen Job zu haben, insbesondere angesichts der derzeit ja noch ausbleibenden Gäste und der damit drohenden Gefahr, nicht mehr gebraucht zu werden.. Das Haus beschäftigt 160 Mitarbeiter, vom Laubkratzer und Blütenaufleser über ein Dutzend Köche, der Serviermannschaft, den Masseuren, Bademeistern bis hin zu unserem liebenswerten Arzt Dr. Sarath, der sich, wenn es sein muss, 24 Stunden bereit hält.
Die Anwendungen
Die Anwendungen
Links, von unserem Standpunkt aus, schließt sich an den Hausflügel ein kleiner Parkgarten an, in dem in zwei Reihen acht Einzelbungalows stehen; sie sind alle während unseres Aufenthaltes unbelegt. (In der ersten Woche sind wir, unsere
Gruppe der Neun, ja die einzigen Gäste in diesem Hotel - dementsprechend ist die uns zuteil werdende Aufmerksamkeit.) Die hintere Reihe dieser Bungalows blickt von den Terrassen aus über einen vorbeiführenden Weg und über die umzäunte Grundstücksgrenze auf den schon genannten, ziemlich ansehnlichen See, auf dem ein einsamer Fischer angelt und schon einmal, vorne im Seichten, ein junger Wasserbüffel sich aalt.
Der genannte Weg führt weiter nach links zum Haus der Anwendungen, ein luftiger Bau von zwei Etagen, mit eingesetzen Kabinen links und rechts des Mittelganges, einem Untersuchungsraum, Massagetischen, Wannenbäder und diese, wie mittelalterliche Folterbänke aussehenden Ungetüme, genannt Steam-Bath, ein Dampfbad im Liegen in einem sargähnlichen Gebilde, nur der Kopf ragt heraus und einer der Therapeuten (so werden hier die Girls und Boys genannt, die uns betreuen, und behandeln) sitzt ständig neben einem. Jenseits dieses Hauses schließt sich noch ein kleiner Bau an - die 'Hexenküche', in der unter anderem die Medizinen zusammengestellt werden die wir täglich zweimal, um 8 und um 16 Uhr, vor dem Haus auf einem kleinen Sitzplatz unter Beobachtung einzunehmen haben. (Beobachtung, stelle ich mir vor, ist wohl auch notwendig weil : Gäbe man den Gästen die Medizin zum Einnehmen mit, verschwände vermutlich manches in den Toiletten…) Keine Ahnung, wofür das Einzunehmende gut ist, es schmeckt unbekannt, besteht (so unser Doc) aus-schließlich aus Natur, aus Kräutermix, aus Honigen, aus Gewürzen, hat teils eine pastose, zu löffelnde Konsistenz, ist teils eine dunkelbraune Flüssigkeit die fast wie ein Fernet Branca schmeckt. Manchmal gibt es auch ein Pülverchen oder kleine schwarze Kügelchen, die verdächtig viel Ähnlichkeit mit Kaninchenkötteln haben. Man vertraut Dr. Sarat eben, was bleibt einem auch übrig. (Dass dieses Zeugs seine Wirkung hat, lernen wir schnell, wenn wir wegen anderer Wehwehchen um Hilfe kommen, Halsschmerzen oder Husten oder wegbleibende Stimme oder ein umgeknickter Fuß; auch wenn es mit der Verdauung nicht so funktioniert. Alle diese Sächelchen helfen.
Das Ganze beginnt mit einer Eingangsuntersuchung durch Dr. Sarat. Martina, unsere Betreuerin übersetzt. Diese Untersuchung ist für jemanden, der das noch nicht kennt und erlebt hat schon merkwürdig : Der Arzt fragt nach dem Geburtsdatum. Sonst fragt er nach nichts. Er misst den Blutdruck, er notiert das Gewicht und - er fühlt den Puls. Stumm sitzt er da, sein Blick geht nach innen, der Druck seiner Finger ist schwach. Ab und zu spricht er leise zu Martina, die dann übersetzt : Sie haben Rückenprobleme, aber nicht an der Bandscheibe. Eine Feststellung, keine Frage. Dann : Gallensteine, aber noch nicht problematisch. (Diese Diagnose hat mir mein Hausarzt eine Woche vor Abreise erstmals gestellt). Und : Heftige Probleme mit den Bronchien. (Wie recht der Mann hat und ich habe in seinem Beisein noch nicht einmal gehustet). Alle seine Feststellungen werden notiert, aus ihnen wird sich zusammen mit der Geburtsdatenkonstellation der (Dosha-) Typus herausstellen den ich nach der auyurvedischen Lehre eingangs der Behandlungen verkörpere :
Vata, Pitha oder Kapha.
Danach also folgt das, was nach der ayurvedischen Lehre 'Panchakarma' heißt - eine Reinigung unseres Innenkörpers, was uns allen eine nicht gerade angenehme, teilweise gar dramatische Nacht beschert. 'Dr. Sarat steht jederzeit auf Anruf hin zur Verfügung, nur die Null wählen' wird uns gesagt - aber was nutzt das dem, der sich zwischen Ohnmacht und Kreislaufversagen entscheiden muss zwischen dem Telefon neben dem Bett oder dem Klo am anderen Ende des Zimmers ? Dramatisch wird es bei den Eheleuten unter uns, wer darf jetzt und 'Nu mach doch, bitte…' Anscheinend sind für einige für uns die uns ausgehändigten Mittel viel zu stark.
Am nächsten Morgen ist der Frühstücksplatz ziemlich leer… Später folgt danach auch noch eine Nasenreinigung durch Inhalation eines Öles; wer dem Therapeutenwunsch 'tief, tiefer einatmen' folgt, dem kann schon einmal so sein als ob ihm der Schädel platzt. Alles das, was vermutlich seit Jahren in Nasengängen, Nebenhöhlen etc. haften blieb soll dadurch ausgeschieden werden; das avisierte 'befreite' Glücksgefühl hält sich bei mir allerdings angesichts der laufenden Tränen in Grenzen. Und doch - spätestens am nächsten Tag glaubt man an den Sinn des Ganzen. (Wir hören, dass der Kurverlauf in Sri Lanka bei weitem nicht so problematisch ausfällt wie zum Beispiel in Indien; hier werde das Ganze erheblich schonender angegangen.)
Wir haben durchschnittlich am Tag 6 bis 7 Anwendungen, was angesichts der Tatsache, dass wir neun in der ersten Woche die einzigen Gäste sind, bei den Behandlern keinerlei Terminprobleme aufwirft. Etwas anderes mag es sein wenn am Tage um die 50 Personen durchgeschleust werden müssen, wie es zu normalen Zeiten der Fall gewesen sein wird. Uns jedenfalls wird, wie man so schön sagt, der Hintern hinterher getragen, nicht nur bei der Kur, sondern am gesamten Ort. Die Therapeuten, allesamt junge Leute, vornehmlich Männer, aber auch ein paar junge Frauen, wissen genau was sie tun. Diese Massagen! Hier lernt man an seinem Körper Stellen kennen, von denen man bislang keine Ahnung hatte, dass dort Stellen sein könnten. Es werden insgesamt hektoliterweise Öle verwendet, sie riechen zunächst nicht besonders freundlich, aber man gewöhnt sich daran. In der Regel beginnt der Tag mit einer Kopfmassage; im Anfang hatte ich Angst, mein Masseur trennt mit die Kopfhaut vom Schädel. Was haben diese Leute für Kraft in den Händen ! Meist schließt sich dann das 'Body-Treatment' an, eine wunderbare, wohltuende Totalmassage, die in den Bereichen Arme und Beine synchron von zwei Masseuren gleichzeitig ausgeführt wird, wie menschliche Maschinen laufen die Bewegungen der beiden parallel gleichzeitig ab. Eine Warnung an Neulinge : Jede Bewegung auf dem hohen Massagebock ist bitte mit Vorsicht durchzuführen, weil Korpus und Untergrund durch das viele Öl keinerlei Haftung mehr aufweisen - das Aufstehen geschieht bei uns Älteren immer unter Hilfestellung.
Wenn nicht noch Akupunktur angesagt ist schließt sich jedes Mal an ein Kräuterbad, lauwarm und sehr unbekannt duftend. Das Bad bewirkt auch, dass ein Großteil des am Körper haftenden Öls abgewaschen wird, der Rest verschwindet dann im Zimmer im Abfluss der Dusche. Das aber erst nach einer Ruhestunde auf dem Bett, für das es extra eine Bastmatte gibt ,damit man nicht sein eigenes Bett gut einölt. Später wird die Kopfmassage ersetzt durch den berühmten Stirnguss aus abwechselnd warmen und heißen Öl, die Augen sind verdeckt durch ein Tuch und das alles ist wirklich sehr, sehr angenehm. Die leichte Brise, die durch das offene Haus streicht, bläht die Vorhänge vor den Kabinen und kühlt den erhitzen Körper. (Zu Hause würden wir vom schädlichen Durchzug reden; hier nimmt man die Erkältungsgefahr inkauf, weil das ja ohnehin nicht änderbar ist.)
Eine weitere Behandlung bedingt merkwürdige Vorbereitungen. In den Kabinen haben wir uns schon gefragt, was die in dem kleinen Regal stehenden Pfannen und Kochtöpfe eigentlich bedeuten, es sieht so aus als ob sich die Therapeuten hier zwischen-durch ein Essen zubereiten könnten.
Tatsächlich wird in zwei übereinander stehenden Dampfgarern auf einer Elektroplatte Reis gekocht, der dann in kleine faustgroße Säckchen gefüllt wird, die in der erhitzten Pfanne unter Temperatur gehalten werden - die beiden Masseure bearbeiten damit klopfend den Körper, jeder an seiner Seite wiederum synchron, in einer bestimmten Abfolge, vermutlich sind das Meridiane, die uns unbekannt sind. Das Ganze dauert gut eine halbe Stunde, Vorder- und Rückseite, wobei die Bauchlage dadurch vereinfacht wird, dass man das Gesicht in eine ovale, handtuchbekränzte Öffnung steckt - sehr angenehm. Man blickt in einen Holzkasten mit Fliesenboden, dessen Türe geöffnet bleibt während der Massage; geschlossen wird sie wenn eine Inhalation angesagt ist. Dann steht dort unten tatsächlich ein Kochtopf aus Messing, mit leicht schräg gestelltem Deckel aus dem es dampft was das Zeug hält. Wie befangen man ist !
Der leichten Anwandlung von Beklemmung, dem Ausgeliefertsein hätte man ganz leicht begegnen können durch das Anheben des Kopfes, auf diese Idee kommt man aber erst später… Aber das Einatmen tut unendlich gut. Unsere Damen berichten, dass ihre Therapeuten ihnen gerne eine Blüte auf den Fliesenboden des Kastens legen, die sie sich dann während der Rückenbearbeitung betrachten können. Eine liebenswürdige Marginalie, gewiss - sie ist aber tatsächlich alles andere als berechnend. All diese Anwendungen geschehen nahezu lautlos; es wird nicht laut gesprochen, wenn überhaupt, wird geflüstert. Draußen flöten unbekannte Vögel und der Seewind raschelt in der Palmwipfeln vor den Fenstern.
Am letzten Tage der Kur steht das berühmte Flowerbath - eine Gigantomanie an Dekoration eines an sich normalen Wannenbades, etwas parfümiert mit Jasminöl. Das Wasser wird bedeckt durch eine handspannendicke Schicht der unterschiedlichsten Blüten, abgestuft in den Farben, frisch ge-pflückt von Büschen und Bäumen der Anlage und jede der Wannen ist anders gestaltet. Wannen-rand, Kopf- und Fußende sind dekorativ verziert ebenfalls mit Blüten und auf dem Handtuch eine Besonderheit : Eine dieser riesigen Blütenstände des Flamboyantbaumes. Der Gärtner muss in der Art eines Kokosnuspflückers in die Krone dieses sehr hohen Baumes gestiegen sein…
Die vielen 'Aah´s und Ooh´s' erfreuen die Therapeuten sichtlich. Klar, dass jedermann nach seiner Kamera ruft…
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Vielen Dank für diesen Bericht aus Sri Lanka. Ich war selbst bereits 3x dort (Februar 2004, Februar 2006 und Juli 2007) und ich liebe dieses Land. Ich habe auch nicht an die großen Organisationen gespendet sondern das Geld lieber einem buddhistischen Mönch, der in Wien das Dhammazentrum leitet und aus Sri Lanka stammt, gegeben. Er wußte, was die Menschen dort brauchen und hat vielen in Sri Lanka geholfen. Im Juli 2007 hat der Verein des Dhammazentrums Wien endlich das Kinderheim "Mudita" in Sri Lanka eröffnet, wo nicht nur Tsunami-Waisen, sondern auch andere Kinder armer Familien, wohnen, lernen und spielen können. Wenn Sie mehr Infos hierzu möchten, schicke ich Ihnen gerne den link zur website.
Liebe Grüsse aus Wien
Nina -
Ein sehr schöner, gut geschriebener und informativer und vor allem ehrlicher Bericht, den Du hier geschrieben hast! Deine Bilder zeign was Du gesehen hast - als wäre man dabei!
Hat mir sehr gut gefallen!
LG Robert -
Ausgesprochen guter Bericht. Insbesondere die treffende Beschreibung der Ayurveda-Kur als auch die reale Schilderung der Situation vor Ort durch den Tsunami.
Wir haben seinerzeit, wie im Bericht der Schweizer, mit gesammelten Spendengeldern Direkthilfe vor Ort geleistet und versucht sinnvolle Projekte anzuschieben. Einige sind bis heute nachhaltig, z.B. Patenschaften für Tsunami-Waisen vor Ort, also durch begüterte Sri Lanka Leute. Von den gewaltigen Summen die die Organisationen eingesammelt haben, ist bei vielen Opfern bis heute nichts angekommen. Die Singhalesen nennen im Gespräch sogar die Namen der Politiker in Colombo, bei denen sie große Summen davon vermuten.
Gruß, der Jürgen
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