Reisebericht

Reisebericht: Abenteuer Island, meine Fahrradreise 2010

 
 
 
 
 
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26.06.2010 Anreise von Hamburg / Keflavik-Reykjavik, 59 km

Mit meinem nun vollzähligen Gepäck verließ ich das Flughafengebäude. Vor der Tür suchte ich den Shuttle- Bus zum Campingplatz. vergebens. Er fuhr mich zum 2 Kilometer entfernten Campingplatz „Alex Camping“. Glücklich, dort angekommen zu sein, buchte ich die letzte Übernachtung (16.07. zum 17.07.2010) meiner Tour. Denn wer dort eine Übernachtung buchte, konnte seinen Fahrradkarton für den Zeitraum der Tour in einem extra Raum deponieren. Nachdem ich die Formalitäten geregelt hatte, begann ich das Fahrrad zu montieren und fuhr meinen ersten Track nach Reykjavik. Um 21:30 Uhr erreichte ich den Campingplatz und telefonierte mit meiner Familie, um ihr meine gesunde Ankunft mitzuteilen.



27.06.2010 Reykjavik-Pingvellir, 76 km

Gegen 8:30 Uhr fuhr ich zurück in das Zentrum von Reykjavik, um an einem Bankautomaten noch Bargeld abzuheben und einige Fotos von der Hauptstadt zu schießen. Die Banken hatten alle geschlossen, es war ja Sonntag, und so dauerte es geraume Zeit, bis ich einen Automaten fand, der frei zugängig war. Gegen 10:45 Uhr verließ ich Reykjavik, ohne GPS undenkbar, da wäre wohl noch eine Stunde hinzu gekommen. Zuerst befuhr ich die Ringstraße Nr.1, um dann auf die S 435 abzubiegen. Die Straße führte durch ein Gebiet mit dem schönen Namen „Moosfeldsheidi“. Eine lange, bis zum Horizont reichende Pipeline, die für Reykjaviks Heißwasser-Versorgung errichtet worden war, säumte die Straße.



Von Pingvellir nach Akureyri / 28.06.2010 Pingvellir-Árbúdir, 115 km

In der Ebene blies mir ein tüchtiger Wind ins Gesicht und in der Ferne sah ich eine Bergformation, die ich zu überwinden hatte. Für einen Flachländer wie mich wurde die erste Bergetappe schon zur Herausforderung. Nach der dritten Steigung mit dem Hinweis 16 % hörte ich auf zu zählen. An zwei Anstiegen musste ich erstmals auf meiner Tour aus dem Sattel, um das Rad über die Anhöhe zu schieben. Auf der weiteren Strecke setzte ich all meine Kräfte ein, um noch rechtzeitig nach Pingvellir zu gelangen, denn mein geplantes Tagesziel lag noch 20 Kilometer weiter östlich, doch das konnte ich an diesem Tag wohl nicht mehr erreichen. Oder? Weiter in Richtung Norden durchfuhr ich den Nationalpark Pingvellir, diese Landschaft entstand hier im Laufe der letzten 9.000 Jahre. Die 10 Kilometer breite und 40 Kilometer lange Senke befindet sich auf der sogenannten „isländischen Dehnungszone“. Hier driften die nordamerikanische und eurasische Platte langsam auseinander. Im Westen befindet sich die Schlucht Almannagja (Allmännerschlucht), bereits ab dem Jahre 930 fanden hier Treffen der isländischen Goden statt, um verbindliche Regeln für das Zusammenleben zu schaffen und hier wurde mit dem Althing eine Art Inselparlament gegründet. Langsam durchfuhr und teilweise schob ich mein Rad weiter in Richtung Norden durch die geschichtsträchtige Schlucht. In Anbetracht der späten Stunde beschloss ich in Pingvellir zu übernachten und fuhr zum Campingplatz. Die Wiese war leer und ich konnte mir einen schönen Platz aussuchen.



 
 
 
 
 

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Das stark besuchte Geysir- Gebiet zählt mit dem Wasserfall Gullfoss und der Schlucht Pingvellir zum sogenannten „Golden Circle“ und gehört damit zu den Highlights einer Islandreise. Geysire, Solfatare und Fumarolen zeugen von der enormen Erdwärme.



 
 
 
 
 

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Also fuhr ich auf der S 35 weiter und erreichte nach 10 Kilometern den spektakulären Wasserfall Gullfoss (Goldener Wasserfall). Auf einem schmalen Pfad ging ich bis zu den Gischt sprühenden Kaskaden, über die das Wasser in die Tiefe stürzte. Dank des guten Wetters konnte ich auch einen Regenbogen in dem Wassernebel sehen. Die Wassermassen werden von dem Gletscher Langjökull gespeist, um sich dann über die 1. Basaltstufe mit 11 m und danach über die 2. Kaskade mit 21 m in den Hvitá Canyon zu graben. Die Schlucht des Hvitá hat eine Tiefe von 70 m und erstreckt sich über 2,5 Kilometer. Am Wasserfall steht ein Gedenkstein zu Ehren einer Isländerin, die den Wasserfall vor dem Verkauf und der Nutzung zur Energiegewinnung schützte. Sie drohte unter anderem damit, sich in die Fluten des Wasserfalls zu stürzen, und ihr ist es zu verdanken, dass das Gebiet zum isländischen Staatsbesitz wurde.



 
 
 
 
 

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Bevor ich weiter in Richtung Hochland aufbrach, füllte ich meine Wasservorräte noch auf. Die nächsten Kilometer befuhr ich noch einen asphaltierten Abschnitt der Kjölur- Strecke, das änderte sich jedoch bald und auf der Schotterpiste kam dann das richtige Hochlandgefühl auf. Die Sonne brannte vom Himmel und der Staub kroch in jede Pore, die Landschaft entschädigte aber für die Anstrengungen.



 
 
 
 
 

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Am höchsten Punkt meiner Tagestour, mit seinen 600 Höhenmetern angekommen zu sein, stimmte mich froh, zumal ich am Vortag das Tagesziel nicht mehr erreicht hatte. Anschließend ging es weiter zum Gletscherfluss Hvitá, dort war eine Schutzhütte auf meiner Karte eingezeichnet und es gab eine Brücke über den Hvitá. Der Fluss durch das Hochland wird vom Gletschersee Hvítárvatn gespeist, der von einer Gletscherzunge des Langjökull (950 km²) stammt. Nach einem kurzen Stopp am Gletscherfluss, dort füllte ich meine Wasserflaschen auf, beschloss ich aber weiter zu fahren. Ich fühlte mich gut und somit würden meine Kräfte noch für die nächsten Kilometer reichen, denn mein Tagesziel war die nächste eingezeichnete Hochlandhütte "Arbudir" auf meiner Landkarte.



 
 
 
 
 

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29.06.2010 Árbúdir-Hveravellir, 51 km

Nach Hveravellir waren es 50 Kilometer Hochlandpiste und bei 5 bis 8 km/h zogen sich die Kilometer in die Länge. Auf der Waschbrettpiste schmerzten langsam die Hände von den Schlägen, die sie auf der Hochlandpiste auszuhalten hatten. Nur die weite Landschaft und die Ruhe entschädigten dabei für die Mühen auf der Kjölur-Route.



 
 
 
 
 

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Nach etlichen holprigen Kilometern, die mich auf diesem trotzdem schönen Abschnitt durchgeschüttelt hatten, kam in weiter Ferne das Thermalgebiet in Sicht.



 
 
 
 
 

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Hier im Naturschutzgebiet gab es außer diesem Bach auch einen Hot Pot, der mit warmem Wasser von den Thermalquellen versorgt wurde. Diesen natürlich angelegten Badeteich suchte ich später auf, um meinem geschundenen Körper neues Leben einzuhauchen. Das Wasser hatte eine Temperatur von 35-38° Celsius.



 
 
 
 
 

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30.06.2010 Hveravellir-Varmahlid, 118 km

Zunächst ging es zurück bis zum Hinweisschild, auf der F 35 angekommen, dann weiter in Richtung Akureyri. Die Piste wandelte sich, es war nicht mehr so holprig und es gab mehrere Abfahrten, je weiter ich nach Norden fuhr.



 
 
 
 
 

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An einer orangefarbigen Schutzhütte rastete ich noch, bevor ich die Fahrt in Richtung Blöndulón fortsetzte.



 
 
 
 
 

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Die Landschaft wurde immer grüner und flacher bis zum Áfangafell (Berg am Stausee). Den galt es noch zu erklimmen, damit ich mir einen Überblick über den Stausee und das hinter mir liegende Hochland verschaffen konnte.



 
 
 
 
 

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Von Varmahlid trennten mich nur wenige Kilometer, nach der nächsten Kurve ging es noch einen langen Anstieg, 450 Höhenmeter, hinauf. Also kurbelte ich mich im kleinsten Gang hinauf, es war sehr schweißtreibend, bei sommerlichen Temperaturen. Die Abfahrt wurde, sehr zu meiner Freude, genauso lang und so kam ich mit viel Schwung bis Varmahlid.



 
 
 
 
 

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01.07.2010 Varmahlid-Silfrastadir, 20 km

Gegen 8:00 verließ ich Varmahlid in Richtung Akureyri, und diesen Ort wollte ich an diesem Tag unbedingt erreichen. Gegen 9:00, als ich in meine Regensachen stieg, setzte leichter Regen ein und es gab keinen hellen Flecken mehr am Himmel. Noch gut 90 Kilometer bis nach Akureyri hatte ich noch vor mir und radelte schnell voran, um dieses Tal zu verlassen. An der nächsten Kurve bekam ich zu dem Regen noch starken, böigen Wind von der Seite. Es hätte mich einige Male fast vom Rad geholt. Der Wind wurde immer stärker und meine Sachen waren schon total durchnässt. Da kam leichte Verzweiflung auf, gerade erst 20 Kilometer gefahren, geschoben und es war schon 12:00 Uhr, Akureyri konnte ich an diesem Tag vergessen.
So baute ich bei Sturm und Dauerregen mein Zelt auf, brachte noch zusätzliche Sturmleinen an und befestige sie an großen Feldsteinen. Wenn jetzt das Zelt beschädigt werden würde, hätte ich ein riesiges Problem.
Als alle Taschen im Zelt verstaut und die nassen Sachen vom Leib waren, legte ich mich in den Schlafsack und kochte mir Tee. Langsam wurde mir warm. Als ich so da lag, dachte ich über die selbst gewählte Tour nach. War meine Entscheidung, die Insel zu umrunden, richtig? Zweifel kamen auf und gegen 19:30 Uhr wurde mein Zelt noch immer geschüttelt und der Regen prasselte endlos aufs Zeltdach. Meine Gedanken kreisten im Kopf: Sollte ich abreisen oder bleiben? Zur Ablenkung wollte ich telefonieren, aber leider gab es kein Netz in dieser verlassenen Gegend und die Akkus für meine Geräte waren auch schon fast leer. Die Energie kam von meinem E-Werk am Fahrrad, es produzierte aber erst ab 8-10 km/h den nötigen Strom. Auf dem kurzen Stück bis zu dieser Wiese kam nicht genügend Fahrleistung zusammen, so dass die Akkus nicht richtig aufgeladen werden konnten. Was blieb, war meine Hoffnung, mich bald aus dieser blöden Situation befreien zu können.
Bis zum Morgen rüttelte der Sturm an meinem Zelt und der Regen ergoss sich endlos auf mein Zeltdach. An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken.



 
 
 
 
 

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02.07.2010 Silfrastadir-Systragil, 108 km

Am Morgen ließ der Sturm endlich nach und es hörte auf zu schütten. Um 7:00 Uhr fuhr ich los, hier nur noch weg, dachte ich. Die Straße führte in eine von tiefen Schluchten gesäumte Landschaft und eine lange Steigung über den Pass „Öxnadalsheiði“ war zu überwinden. Gegen Mittag traf ich in Akureyri (17.500 Einwohner) ein, auf mich wirkte die Hauptstadt des Nordens sehr gemütlich. Die Stadt Akureyri ist nur 100 km vom Polarkreis entfernt, doch im Sommer herrschen für isländische Verhältnisse milde Temperaturen. Dieses Klima begünstigt den Baumbestand der grünen Stadt, hier findet man Bäume von beachtlicher Größe.



 
 
 
 
 

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Ein Bummel durch die Stadt lenkte meine Betrachtung auf alte Häuser, die zum Teil noch gut erhalten waren. Diese stammen teilweise aus der Zeit, als die Stadt noch dänischer Handelsposten war.



 
 
 
 
 

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Eigentlich war es noch zu früh, um hier mein Zelt aufzuschlagen, so beschloss ich, noch zum nächsten Campingplatz zu fahren. Die R1 führte über viele Kilometer mit einer langen ca. 4% Steigung, bevor ich abwärts zu meinem neuen Tagesziel rollte. Es wurde dann auch 17.00 Uhr, als ich in dem wunderschön bewaldeten Gebiet ankam.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • Corny83 18.02.2012 | 20:16 Uhr

    Ein sehr interessanter Bericht. Vielleicht wäre eine Verlinkung in die Gruppe "Radfreunde" möglich?! :-)

  • RuedigerKonau 19.02.2012 | 07:09 Uhr

    Über eine Verlinkung freue ich mich immer.

    Danke für das Angebot
    Rüdiger

  • Corny83 19.02.2012 | 09:59 Uhr

    Die Verlinkung müssen Sie in ihrem Bericht selbst aktivieren, wenn es in der Gruppe "Radfreunde" erscheinen soll.

  • cirrus 21.02.2012 | 10:44 Uhr

    Voller Bewunderung....
    ( ich bin nur Kurzstreckenradfahrer bei schönem Wetter )
    habe ich Dich begleitet.
    Schöne Bilder und Deine Beschreibungen
    haben mir das Land noch näher gebracht.
    ( Ich liebe die Reiseberichte im TV )

    Danke schön, LG Christel

  • RuedigerKonau 21.02.2012 | 20:11 Uhr

    Liebe Christel,
    vielen Dank für Deine lobenden Worte, sie sind die Belohnung für die Zeit, die für die Aufarbeitung der Reise notwendig war.

    LG Rüdiger

    www.durchgedreht-online.de

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Abenteuer Island, meine Fahrradreise 2010 4.75 8