Südfrankreich - Touren durch die Haute Provence

Reisebericht

Südfrankreich - Touren durch die Haute Provence

Reisebericht: Südfrankreich - Touren durch die Haute Provence

Die Haute-Provence ist der nördliche, an die Seealpen grenzende Teil der Provence. Die Landschaft ist ein wenig rauer und deutlich weniger besiedelt als die „klassische“ Provence. Natürlich und von der Sonne reichlich bedacht. Tief eingeschnittene Täler und Schluchten wechseln sich hier mit einsamen Hochebenen ab. Der Massentourismus hat das Hinterland der Provence noch nicht erreicht.

Vallée du Grand Vallon

La Batie Neuve

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Am späten Nachmittag erreichen wir nach über 1.100 km unser Ziel, das Städtchen “La Motte du Caire” im idyllischen „Vallée du Grand Vallon“, einem Tal nordöstlich von Sisteron. Der kleine Ort mit nur 500 Einwohnern ist bekannt für seinen Obstanbau und die „Via Ferrata“, einen atemberaubenden Klettersteig mit nepalesischer Hängebrücke.

Da meine Frau und ich wieder einmal zu spät gebucht haben, ist natürlich in der Bikerpension „Maison St. Georges“ (Dieter), wo unsere Freunde nächtigen, alles belegt. Wir sind daher auf dem nahe gelegenen Reiterhof “La Bâtie Neuve” untergekommen, wo ich bereits bei meiner 1. Frankreichtour 2006 genächtigt habe. Unser Zimmer mit Gewölbedecke liegt im ehemaligen Stall und ist urgemütlich. Als wir auf den Hof fahren werden wir schon freudig begrüßt: 2 Hunde, 3 Katzen und 1 kleines Hängebauchschwein wedeln sofort um uns herum.



Vom Marché de Forcalquier zum Signal de Lure

Marktstand Forcalquier

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8.00 Uhr morgens, 6 Grad. Nebel hängt einer dichten Suppe gleich über den Pferdekoppeln von “La Bâtie Neuve”. Der Roller ist klitschnass vom Morgentau. Also erst einmal ausgiebig frühstücken. Kurze Zeit später hat dann auch schon die Sonne wieder die Oberhand gewonnen und brennt von einem strahlend blauen Himmel. Ideal, um einen Markttag einzulegen. Die Provence ist ohne das Flair seiner zahlreichen Märkte kaum vorstellbar. Es geht daher heute zum Markt nach Forcalquier, der das sonst stille Städtchen rund um den Place du Bourguet mit bunten Farben und tausend Gerüchen in einen fast grenzenlosen Basar verwandelt. Das Städtchen Forcalquier mit etwa 4.000 Einwohnern liegt auf einem Hügel zwischen den Hochebenen des Luberon, der Lure-Berge und dem Fluss Durance, der diese provenzalische Gegend der Lavendelfelder und Olivenhaine geprägt hat. Es herrscht bereits reges Treiben, als ich meine Silver Wing 600 am Straßenrand abstelle. Ein verwirrendes Duftgemisch von Gewürzen, Lavendelseife, Honig, kandierten Früchten, Käse, Oliven, Knoblauch und Salami empfängt uns. Unzählige Obst-, Wein- und Gemüsestände neben Schmuck, Kleidern, Keramik, Kunst- und Gebrauchsgegenständen, locken Touristen wie Einheimische gleichermaßen an. Es ist einfach herrlich, hier durch die Gassen zu bummeln. Auch wir versorgen uns für die weitere Tour mit Ziegenkäse, herzhafter Salami und natürlich Baguette. Dann geht es auf der winzigen D12 weiter nach Norden, in die Montagne de Lure. Die Silhouette des langen Gebirgskamms liegt eindrucksvoll vor uns. Kaum besiedelten Hänge, die dem starken Wind ausgesetzt sind.
Vom beschaulichen St. Etienne-les-Orgues schlängelt sich das schmale Teerband recht unspektakulär in immerhin 20 Kehren und vielen teils unübersichtlichen Kurven über den Südhang die Bergkette hinauf, wo uns eine recht karge Gipfelregion erwartet. Am 1.745 m hohen Signal de Lure werden wir dafür mit einem großartigen Rundblick belohnt, der 300 km weit über den Monte Viso (3.148), den Mont Pelvoux (3.946), das Vercors (2.350), die Cévennes (1.600) und den Mont Ventoux (1.912) reicht. Wer noch höher hinauf will, erreicht nach einem kurzen Fußweg und weiteren 80 Höhenmetern den vegetationslosen Gipfelgrat des Sommet de Lure mit seinem imposanten Funkturm. Wenige Km weiter führt uns der wenig bekannte „Pas del la Graille“ (1.597), dessen beeindruckendes Panorama sich durchaus mit höheren Pässen messen kann, in weiten Kehren durch lichten Lärchenwald talwärts zum kleinen Weiler Valbelle im Tal des Jabron. Von hieraus erreichen wir kurz darauf wieder La Motte du Caire.



Signal de Lure



Durch die „Gorges de Daluis“ und über den „Col de la Cayolle“

Gorges de Daluis

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Über Sisteron, dem „Tor zur Provence“ (ab hier wird mit Öl und nicht mehr mit Butter gekocht), Digne-Les-Bains und die recht schmale D 908 über den Col de la Colle-Saint-Michel (1.431) erreichen wir das kleine Bergdorf Méailles, am Rande eines imposanten Kalkfelsens hoch über Ufer der Vaire gelegen. Ein winziges Sträßchen führt uns zunächst über einige Kehren hinunter ins Tal, dann windet es sich eng am Hang wieder zum Dörfchen hinauf. Zeit für einen Cafe. Der Wirtin der kleinen Bar im Ortskern ist ihr eigenes Mittagessen jedoch wichtiger, als der Durst von Motorrad- und Motorrollerfahrern. Es gibt nichts! Im nächsten Ort haben wir auch kein Glück. Soeben noch geöffnet, schließt die einzige Bar, gerade als wir die Motoren abstellen. Es ist eben „Sieste“.

Kurz vor der Daluis-Schlucht machen wir noch einen Abstecher nach Entrevaux. Die mittelalterliche Siedlung (880 Ew.) im Parc national du Mercantour am Fluss Var mit der Brücke aus dem 17. Jh. und der alles überragenden Zitadelle gehört zu den Festungsanlagen, die noch fast im Originalzustand erhalten sind. Das Stadttor von Entrevaux führt in die Altstadt und weiter zur hoch über dem Tal liegenden Festung. Auf Grund der mittlerweile herrschenden Temperaturen und des doch gewaltigen Höhenunterschieds ersparen wir uns jedoch den Aufstieg - wir sind ja Motorroller- und Motorradfahrer und keine Wanderer. Wir stärken uns noch etwas in einem kleinen Bistro, dann brechen wir zur Daluis auf. Zwischen Daluis und Guillaumes bildet die Var einen tief eingeschnittenen Canyon - die Schlucht „Gorges de Daluis“.
Auf teils überhängenden Trassen geht es 12 Kilometer durch ein einzigartiges Naturwunder. Über uns der tiefblaue Himmel der Provence, neben uns steil abfallende Felswände und unter uns das silberne Band der Var. Einfach grandios! Wenn das Sonnenlicht in den späten Nachmittagsstunden schräg einfällt, wirkt das intensive Dunkelrot des Schiefers, gesprenkelt von einigen grünen Farbtupfern, von besonders intensiv. Wir halten immer wieder an, um die herrliche Aussicht zu genießen. Hinter jeder Kurve scheint sich ein neuer Abgrund zu öffnen. Die Straße bohrt sich immer wieder durch schmale, kurze Tunnel und windet sich eng am roten Fels entlang. An einigen Stellen wird der Weg sogar zur Einbahnstraße, dann kurven wir direkt am Abgrund entlang. Spannend, aber nicht unbedingt zur Freude der besten Sozia der Welt.
Durch das immer enger werdende Tal geht es von Guillaumes durch den 230 Meter langen, unbeleuchteten „Tunnel de Bramus“ - heute glücklicherweise frei von Radlern und Ziegen - nach Estenc. Wenige KM später folgen die ersten Serpentinen. Auf schmalem Teerband durchfahren wir ein von Nadelwald eingerahmtes, idyllisches Hochtal mit blühenden Wiesen. Was folgt ist eine Fahrt hart am Abgrund entlang bis zur Passhöhe des Col de la Cayolle (2.326), der lediglich durch einen kleinen Richtungsstein gekennzeichnet ist. Kurz vor dem Gipfel muss ich noch eine kleine Zwangspause einlegen. Die Kühlwasseranzeige steht auf rot - das Kühlwasser kocht!! Ich habe vor lauter Fahrspaß die zahlreichen Kehren wohl doch etwas zu stark angegast. Ein Motorschaden hier in der Wildnis – nicht auszudenken. Vom ADAC wäre hier oben wohl kaum Hilfe zu erwarten. Nach einem Viertelstündchen hat sich dann glücklicherweise wieder alles beruhigt und es geht weiter.
Die Abfahrt der Nordrampe schlängelt sich auf vielen Kehren und Kurven gemächlich durch die Bergwelt. Gelegentlich schrumpft die Straße auf nur eine Fahrspur zusammen; steile Felswände nähern sich bedrohlich, wenn wir imposante Felsüberhänge unterfahren. Das Hauptproblem der Abfahrt ist jedoch der allgegenwärtige Splitt. Tonnenweise wurde dieser auf den Flickenteppich der Teerdecke geschüttet, sodass immer wieder höchste Konzentration gefragt ist. Nur nicht im falschen Moment zu stark bremsen! Kurz vor Barcelonnette weitet sich das Tal dann wieder und die letzten Kilometer werden von langen Geraden dominiert.



Col de la Cayolle



Gorges de la Méouge und Gap

Gorges de Méouge

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Westlich von Sisteron durchquert die D942 die Gorges de la Méouge. Die gemütliche Strecke auf dem Grund der Schlucht ist kurvenreich und durchquert gelegentlich einige kurze, in den Fels gehauene Tunnel. Wir genießen den Blick auf die von einstigen Gletschern zerfurchten Felsen über dem schäumenden Wasserlauf, einem Nebenflusses der Buëch. Diese Schlucht aus graubraunem Kalkgestein ist ein Naturschauspiel, wo sich vom Wasser fein polierte Felsen, kleine Sandbänke und Wasserfälle abwechseln. Leider hat das kleine Bistro unserer netten „Oma“ im winzigen Örtchen „La Calandre“, wo wir noch im vorigen Jahr mit Baguette, Käse und hausgemachter Salami verköstigt wurden, zwischenzeitlich geschlossen. Also kurz noch einen kleinen Aussichtspunkt hinauf, worüber die liebste Sozia der Welt wegen der engen, direkt am Abgrund ansteigenden Straße „not amused“ ist. Das herrliche Panorama über die Schlucht ist dann aber doch eine kleine Entschädigung hierfür.

Durch das Tal der Buëch, entlang unendlicher Apfelplantagen, geht es dann deutlich entspannter nach Gap, der Hauptstadt des Départements Hautes-Alpes. Gap liegt auf 725m Höhe zwischen den Dauphiné-Alpen und den Voralpen und ist die höchstgelegene Hauptstadt eines französischen Départements. Der historische Stadtkern mit den engen, gewundenen Gassen lädt zum Bummeln ein. Besonders sehenswert sind die Balkone des Rathauses und die Kathedrale Notre-Dame-et Saint-Arnoux mit ihrem 77m hohen Turm.



Grand Canyon du Verdon

Im Departement Alpes-de-Haute-Provence treffen wir auf eine großartige, wenn nicht sogar die spektakulärste, Schlucht Europas. Der bis zu 700 Meter tiefe - allein das Hinunterschauen kann eine leichte Übelkeit verursachen - „Gorges du Verdon“ („Grand Canyon du Verdon“), zählt zu den größten Canyons der Welt. 21 Kilometer phantastische Landschaft und einer der schönsten (Stau-)Seen Südfrankreichs, der türkisfarbene Lac de Sainte-Croix,….ups, das habe ich schon in meinem Reisebericht Alpes de Haute Provence 2010 beschrieben. Also schaut einfach dort noch einmal nach.
Die folgende kleine Episode soll dennoch nicht unerwähnt bleiben: Moustiers-Ste.-Marie, ein Ort wie aus dem Bilderbuch. Vor einer steil aufragenden Felskulisse drängen sich mehrere dutzend alte Häuser auf engem Raum zusammen. Ein Wildbach trennt den Ort in zwei Hälften, die dahinter liegende Schlucht wird von einer 227 Meter langen Kette mit einem goldenen Stern überspannt. In diesem idyllischen Ort droht mit der Sprit auszugehen. Also die nächste Tankstelle, eine Mischung aus Hinterhofwerkstatt und Schrottplatz, angefahren. Ich kippe die Siwi auf den Seitenständer, schraube den Tankdeckel ab - schon steht der Tankwart mit gezückter Tankpistole vor mir. Ich deute ihm an, dass ich die Siwi selber betanken möchte. Ein kurzes Zögern, eine abwehrende Handbewegung, ein barsches „ Au Revoir“ - es ergießt sich noch ein kurzer Redeschwall über uns, den wir auch ohne Französischkenntnisse verstehen und weg ist er. Ein Erlebnis der besonderen Art ! Zur Ehrenrettung der Franzosen muss an dieser Stelle allerdings auch gesagt werden, dass wir sonst nur gute Erfahrungen gemacht haben und die Menschen stets sehr freundlich waren



Grand Canyon du Verdon



Umzug nach Clamensane

Pension in Clamensane

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Meine Frau und ich haben beschlossen, unseren Urlaub noch ein paar Tage zu verlängern. Leider ist in La Bâtie Neuve jedoch alles ausgebucht. Wir finden jedoch im Haus des Bürgermeisters des winzigen (Nachbar-)Örtchens Clamensane (155 Ew.), ca. 6 km entfernt, noch ein Zimmer und ziehen um. Das Zimmer ist frisch renoviert, die Vermieter sprechen sogar ein paar Worte deutsch - besser als wir französisch - und sind ausgesprochen freundlich. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl und nutzen den sonnigen Tag zu einer Erholungspause.



Im Herzen der Haute-Provence

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Bereits nach wenigen Km auf der D1 verengt sich das recht unberührte Vallée de la Sasse. Hinter dem auf einem Felssporn gelegenem Clamensane wird die Landschaft stetig karger und wilder. Von beiden Seiten schnüren die Felswände die Straße immer enger ein, die sich ihren Weg durch die plötzlich auftauchende schluchtartige „Clue de Bayons“ bahnt. Eine erste Doppelkurve kündigt die Serpentinen „Les Tourniquets“ an. Recht eng sind die Radien der Kehren; immer wieder geht der Blick nach oben, ob keiner herunterkommt. Ein kurzer Kurvenreigen führt uns schnell auf 1.000m Höhe. Hochgebirgsgefühl kommt auf - Motorrollerfahren kann ja so schön sein. Nach der letzten Kehre wandelt sich die Landschaft dann völlig. Statt kahler Felsen liegen plötzlich Almwiesen vor uns und schon bald überwinden wir den Col des Sagnes (1.182) am Rande des Bergmassivs um die Grande Gautière (1.825). Hinter Turriers, das sich malerisch gegen die umliegenden Berge abhebt, wird die Straße merklich schlechter. Eine Symbiose von Buckelpiste und Flickenteppich. Langsam steigt die Straße zum Col des Garcinets (1.250) auf. Die Passhöhe selbst ist lediglich ein breiter Durchbruch im Felsgestein. Ein Passschild, ein kleiner Parkplatz, das war`s. Was folgt, ist eine Schutthalde, in die eine schmale, holperige Straße eingefräst wurde. Rechts die schwarz-graue, geschieferte Felswand; links am Abhang liegen der Schutt, der hin und wieder vom Berg rutscht und offenbar nur beiseite geschoben wird, um als Fahrbahnbegrenzung zu dienen. Auf der Fahrbahn liegen immer wieder Felsbrocken. Einsam ist es hier; da möchte man keine Panne haben. Nach einigen Kilometern lassen wir diesen unwirtlichen Teil hinter uns und es wird wieder etwas grüner. In Seyne folgen wir einem kurvenreichen Sträßchen zum Col du Fanget (1.459). Den schönsten Blick hat man hier nach Norden ins Blanche Tal über dem sich der Dormillouse (2.505) und die Montagen de la Blanche (2.739) erheben. Am Horizont die Berge des Gapencais und des Parpaillon-Massivs. Bei der Abfahrt gibt es wieder reichlich Splitt auf der Strecke; dafür wird die Landschaft immer beeindruckender. Gebirgsflüsse haben in die Felskämme aus Kalkstein tiefe Täler gegraben, die sich dann zu so genannten "Clues" verengen. Wir kurven durch die enge „Clues de Verdaches“ mit ihren hoch aufragenden Steilwänden, durch die die Straße geschlagen wurde, dann folgt auch schon die malerische „Clues de Barles“, die sich wie ein dünner Riss durch die Felsen zieht. Eng drängt sich die Straße an den Fluss. Atemberaubend; diese Strecke ist unbedingt einen Abstecher wert!
In Digne-Les-Bains holt uns die Zivilisation dann wieder ein. Viele Autos, Lkw's, Lärm, Gestank, alles prallt wieder auf uns ein. Also schnell wieder runter von der Hauptstrasse. Über die schmale D3 im Tal der Bléone schwingen wir uns zügig den kleinen Col du Pas de Bonnet (886) hinauf. Die Strecke ist schmal, der Belag bis auf einige Unebenheiten gut. Kurz hinter dem mittelalterlichen Örtchen Thoard wird unsere Fahrt jäh unterbrochen. Schafe werden umgesiedelt. In Wellen ergießen sich hunderte von Tieren aus LKW`s auf die Straße. Es geht nicht mehr vor und zurück. Schafshirten und ihre Hunde versuchen, die Schafe auf eine nahe gelegene Weide zu treiben. Schließlich können wir unsere Fahrt vorsichtig fortsetzen. Auf dem dampfenden Asphalt liegt ein Belag wie Schmierseife. Sch….; aber dennoch war es ein imposantes Schauspiel.

Durch den Forêt de Fontbelle mit seinen dichten Nadelwäldern gelangen wir über den Col de l´Hysope (1.236) auf der schmale „Route du Temps“ mit zahlreichen Haarnadelkurven zum Col de Fontbelle (1.304). Rundum öffnet sich die hochalpine Landschaft des Vallée Sauvage. In Authon machen wir einen kleinen Zwischenstopp. Zu schön ist das „Panorama de Lebre“ 5 Bergreihen liegen in leichtem Dunst vor uns. Unser Blick schweift über die Montagne de Mélan (1.708), Les Monges (2.115), den Géruen (1.880) und zahlreiche weitere Bergspitzen. Unter uns erstreckt sich das Tal des Riou de Jabron. Durch die enge Clou „Défilé de Pierre-Écrite“ - die Schlucht des beschriebenen Steins; so genannt wegen einer römischen Inschrift an der Felswand - erreichen wir bald darauf Sisteron und unsere Pension.



Schafe on Tour



Die Reise ins Ockerland

Gordes

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Frisch geteerte Nebenstrassen führen uns durch das „Valle du Jabron“ südwestlich von Sisteron über eine sanfte Hügellandschaft durch eine fast menschenleere Gegend gen Westen. Zwischen kargen Feldern einige verstreute kleine Dörfer, verlassene Weiler und uralte Kapellen. Über den Col de la Pigière (968) und den Col de Macuègne (1.068) erreichen wir, in Sichtweite des Mont Ventoux (1.909), dem sog. „Riesen der Provence“, das (Kur-)Örtchen Montbrun-les-Bains, eines der schönsten Dörfer zwischen Sisteron und Avignon, dessen kleine Häuser wie Orgelpfeifen an den steilen Felshängen kleben.

In Sault, einem gemütlichen Ort auf einem Felsvorsprung mitten im - leider bereits abgeernteten - Lavendelland, legen wir am idyllischen Marktplatz unter knorrigen Kastanienbäumen eine kurze Rast ein und genießen einen Cafe au Lait bis - ja bis die ersten Kastanien von oben in den Tassen aufschlagen. Also weiter geht`s ! Tipp: Von Sault einen Abstecher durch die „Gorges de la Nesque“ machen. Die Nesque, im Sommer nur ein kleines Bächlein, hat sich im Lauf der Zeit ein bis zu 300 m tiefes Tal gegraben. Die Schlucht gilt als einer der landschaftlichen Höhepunkte der Region.

Steineichen, Kiefern, Lärchen und beinahe undurchdringliches Unterholz begleitet uns auf unserer einsamen Fahrt durch das malerische „Plateau de Vaucluse“, eine in Ost-West-Richtung verlaufende Felskette, nach dem das gesamte Département benannt ist. Wir erreichen bald darauf die „gallische Akropolis“ Gordes. Die kleine Stadt thront wie ein Adlerhorst malerisch hoch über dem Tal des Calavon zwischen dem Vaucluse-Plateau und den Bergen des Lubéron. Schon von weitem erkennen wir das massive „Chateau de Gordes“, welches den Ortskern mit seinen engen Gassen und hohen, schmalen Häusern überragt. Gordes wird gerne als das kleine Paradies der Provence bezeichnet. Viele Künstler wie Chagall und de Chirico lebten einst hier. Der traumhafte Blick geht weit über das Tal. Die Landschaft hat sich völlig gewandelt. Unter uns Zypressen, Weinberge und die erdfarbenen Dächer uriger Bauernhöfe. Nirgendwo sonst zeigt sich die Provence derart vielfältig und farbenprächtig wie in dieser Region. Für einen Moment wähnt man sich nicht mehr in Frankreich sondern inmitten der Toskana.

Nur wenige Kilometer von Gordes entfernt, am Fuße des Luberon-Massivs, liegt das farbenprächtige Dörfchen Roussillon, von den Römern „vicus russulus“ - rotes Dorf - genannt und eines der „Plus beaux villages de France“. Die engen Gassen und schmalen, malerischen Häuschen mit ihren roten bis gelblichen Fassaden verleihen dem Ort, der sich harmonisch in die Landschaft einfügt, ein pittoreskes Ambiente. Roussillon liegt mitten im „Ockerland“ auf einem imposanten, steil abfallenden Ockerfelsen. In der Nachmittagssonne reicht das Farbenspiel der Sandsteinfelsen von feurigem Karmesin und grellem Safrangelb bis hin zu dunklem Violett und sattem Weinrot. Der Kontrast zwischen den unzähligen Nuancen des Ockertones, dem azurblauen Himmel und dem Grün der Bäume machen die Ockerfelsen von Roussillon zu einer einzigartigen Augenweide. Das wissen auch die mehr als 120.000 Besucher, die den Ort jährlich überschwemmen. Anfang Oktober ist hiervon jedoch glücklicherweise kaum etwas zu spüren.

Über Apt, der „Welthauptstadt der kandierten Früchte“, entlang der „Montagne du Luberon“ geht es dann auf alten Platanenalleen wieder zu unserer Unterkunft zurück.



Roussillon



Prieuré de Ganagobie

Die Abtei „Notre Dame de Ganagobie“, berühmt für die herrlichen Mosaike im Altarbereich der Klosterkirche, erhebt sich, umgeben von steilen Felsklippen, auf einem schmalen Plateau zwischen Manosque und Sisteron, hoch über der Durance. Das Benediktinerkloster wird noch heute von Mönchen bewohnt. Eine kleine Straße schlängelt sich durch einen duftenden Kiefernwald in zahlreichen Serpentinen bergauf zum Hochplateau.
Vom Parkplatz geht es erst einmal 2 Km in Motorradklamotten durch die brennende Mittagssonne zum eigentlichen Kloster. In unseren Stiefeln dampft es. Überall fast undurchdringliche Maquis (Macchia), durchzogen von alten Pfaden. Ungewohnte Stille ringsum. Bald sehen das Kloster vor uns - dann die Enttäuschung: Besichtigung nur von 15.00 - 17.00 Uhr. Also bleibt uns notgedrungen nur die Außenansicht. Wir folgen links des Gotteshauses auf felsigem Grund der „Allée des Moines“ an deren Ende, wenige Meter vom Abgrund entfernt, ein mächtiges weißes Holzkreuz gen Himmel ragt. Von hieraus genießen wir einen herrlichen Ausblick über das Tal der Durance, das Plateau von Valensole und die Préalpes des Dignes.

Am Nachmittag machen wir noch einen kleinen Ausflug nach Sisteron, der „Perle der Haute Provence“. Die Wahrzeichen Sisterons sind der riesige, bizarre Kalkfelsen „Rocher de la Baume“ am Ufer der Durance und die gewaltige, alles überragende Zitadelle. Wir bummeln noch ein letztes Mal durch die malerische Altstadt der mittelalterlichen kleinen Stadt. Dann heißt es „Au revoir - Auf Wiedersehen Frankreich!“



Kreuz Ganagobie



Bilder

Weitere Bilder meiner Motorrollertouren finden Sie unter >>> http://motorroller-info.magix.net/album


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Kommentare

  • ingepeter (RP)

    ...obwohl nicht Motorrad- oder Rollerfahrerin macht Dein Reisebericht Lust und neugierig diese Region zu besuchen, Märkte und alte kleine Örtchen, wilde Natur - was will der Individualist mehr! Gruss Inge

  • Schalimara

    Frankreich ist immer wieder eine Reise wert - nach diesem Bericht möchte man gleich los fahren ;-)
    Gruss Schalimara

  • Zaubernuss

    ich kenne das Hinterland der Provence von unseren Autoreisen und werde durch Deinem interessanten Bericht daran erinnert, dass es an der Zeit ist, wieder einmal dorthin zu fahren... Danke und liebe Grüsse: Ursula

  • Ralf53

    Freut mich, dass euch der kleine Reisebericht gefällt :-)
    Nächstes Jahr geht es auf Wunsch meiner Frau im Juli (heiß) wieder dorthin - zur Lavendelblüte.

  • freeneck-farmer

    Sehr schön beschrieben und obwohl wir Wohnmobilfahrer sind waren wir fast überall wo ihr wahrt auch schon. Einfach Wunderschön diese Gegend.
    Im Sommer nicht nur Heiss aber auch voll. Im Frühjahr blüht der Lavendel auch schon.
    LG Anneken

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