Lebe Deinen Traum - Vulkane – schwimmende Pässe und tolle Menschen

Reisebericht

Lebe Deinen Traum - Vulkane – schwimmende Pässe und tolle Menschen

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Lebe Deinen Traum

Kurz vor dem Sommerurlaub des Jahres 2005 fand ich im Internet auf den Seiten unseres bevorzugten Ausrüstungsversands die Ausschreibung zu „Lebe Deinen Traum. Was ist Ihr Traumreiseziel und was wollen Sie dort tun?“

Wir setzten uns am Abend zusammen und jeder machte eine Liste mit seinen Lieblingszielen. Nach längerer Diskussion stand schließlich die Nummer 1 fest: die russische Halbinsel Kamtschatka im fernen Osten. Unser Ziel war es, den größten Fluss dieser Halbinsel, die Kamtschatka, mit dem Faltboot zu befahren. Wir wussten zwar noch nicht so viel über diesen Fluss und auch nicht viel über das Land Kamtschatka, – außer das es dort ziemlich viele Vulkane gibt –, aber die notwendigen Informationen würden wir uns schon beschaffen. Wir füllten die Teilnahmeunterlagen aus, und am nächsten Morgen, dem letzten Arbeitstag vor dem Urlaub, schickte ich unsere Teilnahme ab.

Als wir aus Vancouver und Vancouver Island wieder zurück waren, schaute ich wieder einmal auf der Seite des besagten Ausrüsters im Forum vorbei. Da lief gerade die Abstimmung zu den Vorschlägen der Vorauswahl „Lebe Deinen Traum“. Es gab verschiedene Kategorien und in jeder Kategorie standen 3 Vorschläge zur Auswahl. – Ich traute meinen Augen nicht:. Wir und unser Vorschlag waren in der Kategorie Gruppenreise in die engere Auswahl gekommen. – Am Schluss der Abstimmung hatten wir 1000 € in unserer Reisekasse und die „Verpflichtung“ unseren Traum nun auch wirklich zu realisieren.



Die Vorbereitung

Die Vorbereitung gestaltete sich einigermaßen schwierig. Die Menge an Reiseführern, in denen etwas Substanzielles zu Kamtschatka steht, ist überschaubar: es gibt einen (1) vernünftigen Reiseführer. Einerseits gut, anderseits, hätten wir genau diesen Reiseführer nach unserer Reise gerne selbst geschreiben. Sehr hilfreich waren die Internet-Links und die konkreten Berichte und Erfahrungen einzelner Reisender.

Nach den ersten Mails zeigte sich schnell ein grundsätzliches Problem. Unsere Ansprechpartner konnten sich individuelle Unternehmungen in Kamtschatka einfach nicht vorstellen. Im Folgenden einige Ausschnitte aus Mails, die ziemlich typisch sind. Wir wollen damit niemanden bloßstellen und nennen deshalb auch keine Namen. Die Mails zeigen jedoch das Grundproblem individuellen Reisens in Kamtschatka und, wie wir glauben, auch in Russland insgesamt.


20.02.2006

(…) We provide all variety of transportation services within Kamchatka

(all-terrain 4WD and 6WD passenger trucks, buses, cars, boats,

helicopters), accommodation at hotels and lodges, camping equipment

(if needed), and full board during the course of the trip. We also

offer the services of guides, interpreters, cooks and porters (if

needed), all necessary permits, visa support etc.

(…)

Please mind that an individual trip will cost much more than a joining

to a group. We work with small groups (6-12 people, mostly foreigners

from Europe), so I think you'll enjoy with your Kamchatka travelling a

lot.

Vor allem unser Wunsch, die Kamtschatka mit dem Faltboot zu befahren, erleichterte die Sache nicht gerade. Wir wollten die Kamtschatka von Milkowo bis nach Ust-Kamtschatsk, wo sie in den Pazifik mündet, befahren. Informationen über Wildwasserabschnitte, Stromschnellen u.ä. lagen uns nicht vor.

22.02.2006

(...) Sicherlich gibt es exakte Flusskarten, mir ist noch keine untergekommen, u.U. koennten

sie hier fuendiger werden als vor Ort, also bei verschiedenen Kartenhaendlern anklopfen.

ich habe zufaellig einen sowjetischen Reisefuehrer von Kamtschatka vor mir, darin sind

einige Flusstouren beschrieben, nicht jedoch die auf der Kamtschatka.

Das Visum: dafuer benoetigen Sie eine Einladung: meine Kollegin von (...) wird

Ihnen diese bei Ihren Plaenen nicht ausstellen. Es ist in den vergangenen Jahren immer

wieder zu Todesfaellen gekommen, angekreidet wird es den Tourismusbueros. Diese

Risiko will keiner auf sich nehmen. Somit kann ich Ihnen mit der Variante 'nur Visum -

den Rest machen wir selber' nicht weiterhelfen. Wenn Sie aber ein ganzes Packet kaufen

wollen, dann kann ich Ihnen verraten, dass es horrend teuer wird.

Evtl. erreiche ich einen Ein-Mann Reieveranstalter, der fuer solche Touren zu haben sein

koennte, ich kenne ihn selber nur vom hoeren-sagen.

transport finden Sie ueberall, am einfachsten und weitaus guenstigesten nehmen Sie en

Bus vom 10. Km in der Hauptstadt.

(...)



Sie sehen, dass sind recht entmutigende Neuigkeiten, dafuer ehrliche. Natuerlich findet

sich immer ein Weg, aber das dauert manchmal laenger als der eigentliche Urlaub erlaubt.

mehr kann ich Ihnen leider nicht sagen. irgendwie haben sich auf kamtschatka nicht nur

die baerenpopulationen bisher gut gehalten, sondern auch gewissen sowjetische

Buerokratieatavismen...

Mit Genehmigungen sollte man auf keinen Fall scherzen. Ust-Kamtschatsk gehoert zur

Zagranzona, d.h., wird von einem gewoehnlichen Visum nicht mehr abgedeckt, Sie

benoetigen also unbedingt eine Einladung, in der ALLE ihre Reiseorte aufgelistet sind und

diese sollten dann im Antrag akribisch abgeschrieben werden. den Sicherheitskraeften ist

dort gelegentlich langweilig, ausserdem sind die Vorschriften wieder strenger geworden,

was unangenehmen Folgen haben kann.

Angesichts dieser E-Mail kam ich doch etwas ins Grübeln. Die einen konnten sich individuelle Reisen nicht vorstellen und die anderen, argumentierten mit bürokratischen und sonstigen Vorschriften und verstecken sich hinter Haftungsrisiken. Dabei wollten wir das Risiko ausdrücklich selbst tragen.

Dieses Mal wollten wir die Flüge nicht im Internet buchen und suchten nach einem Reisebüro, das auf Russland spezialisiert ist. Da wir unsere Boote mitnehmen wollten, war die Frage des Übergepäcks und dessen Preis ein wichtiger Punkt bei der Kalkulation. Am Rande von Bad-Cannstatt war uns schon öfter ein Reisebüro mit kyrillischer Beschriftung aufgefallen. Bei der Buchung der Flüge sagte man uns hier gesagt, die Termine seien unmöglich. Auf die Frage, ob an diesen Terminen die Flüge ausgebucht seien, erhielten wir die Antwort, das ein Touristenvisum nur 30 Tage gültig sei und unsere Flugtermine diesen Zeitraum überschreiten. Auf die Nachfrage nach einem 3 Monate gültigen Geschäftsvisum, wurde uns gesagt, dies sei unmöglich.

Wir entschlossen uns, zuerst den Flug zu buchen und uns selbst um die Visa zu kümmern.

11.03.2006

I think, that it would be better for you to buy Russian Visa by Internet, in

such a case you don't need to take our guide, but we woun't be responsible

for you. Please, give us the scales (proportions) of your luggage, boats,

and I'll find the transport to Dolinovka and from Ust-Kamchatsk. We can

offer you jeep Toyota - 4 Runner or Mitshubisi - Delica.

Trekking to the Kronotsky National Park will take you 6-8 days one way. I

recommend you to change this part of your tour.

Nun hatten wir drei parallele Baustellen: das Geschäftsvisums beschaffen, unsere Faltboot-Tour auf der Kamtschatka und eine individuelle Tour ins Tal der Geysire organisieren.

Der Punkt mit den Visa konnte mit Hilfe von mein-visum.de schnell und sachkundig geklärt werden, so dass wir Mitte April unsere Pässe mit den eingeklebten Visa wieder in der Hand hatten. Nun waren wir wenigstens nicht mehr auf irgendwelche Einladungen angewiesen, die man uns aus Haftungs- oder sonstigen Gründen nicht geben wollte.

Ein Glücksfall war der Bericht einer Anglergruppe, den ich im Intenet fand. Nicht weil wir unbedingt angeln wollten, sondern wegen einer Adresse in diesem Artikel.

Neben der Aufzählung von Lachsarten, Laichsaison und der Ausrüstung zum Fliegenfischen fanden wir auch den folgenden Abschnitt:

Für Hilfe bei der Besorgung von Visa, Lizenzen und Transport können wir die Firma

Explore Kamchatka wärmstens weiterempfehlen. Die liebenswerte

Leiterin, Frau Martha Madsen, bietet bei Bedarf auch Touren mit

russischen Guides für Fischergruppen an.

Der erste Mailkontakt mit Frau Madsen lies unsere Hoffnung wieder steigen, unsere Pläne doch wie geplant realisieren zu können.

10.03.2006

Thank you for your inquiry. I would be happy to help you with your documents and any other needed logistical questions. Besides an invitation and voucher for getting a visa, you need 2 special permits for entering Ust-Kamchatsk - one from Border Guards and one from FSB (police) as this is a special zone near the military areas. My partner company Diligans Kamchatka can do the documents for you. I will double check on the cost but I think its about $50 US per person. I need to check but you may be required to have a Russian guide with you in those areas. There is a new Kamchatka Kayakers' club that might be able to supply a Russian escort.

Also we have a bed and breakfast at our home and if you need a place to stay in town when you come through, we can help you. The cost is $35 per person.

Unfortunately we have learned that the Kronotsky Preserve no longer will allow any backpacking. However I enclose information on a trip to the Preserve for bear viewing.

Das hörte sich gar nicht so schlecht an. Allerdings: „Ein russischer Begleiter.“ Wozu das? Diese Frage erwies sich in der Folgezeit als nicht einfach zu lösen. Unserem Gefühl und der bisherigen Praxis nach wollten wir allein unterwegs sein, Herr (und Frau) darüber sein, wann wir morgens starten, wann wir Pause machen und wann wir abends unser Zelt aufbauen und den Tag beschließen. Zwischenzeitlich gab es allerdings auch Mails in denen es hieß, wir könnten ohne russische Begleitung überhaupt nicht auf den Fluss.

Die Notwendigkeit eines Guides im militärischen Sperrgebiet zwischen Kljutschi und Ust-Kamtschatsk mussten wir (schweren Herzens) einsehen. Diligans, die Partneragentur von Martha besorgte die Genehmigungen des FSB für das militärische Sperrgebiet. Zugegebenermaßen wollten wir keine nähere Bekanntschaft mit russischen Gefängnissen machen. Zumal unsere Russisch-Kenntnisse gerade mal einen VHS-Kurs umfassten.

Wir einigten uns mit Slawa, dem Präsidenten des Kamtschatka Kajak Klubs darauf, das er uns auf der Strecke zwischen Kozyrevsk und Ust-Kamtschatsk begleitet. Die Strecke von Milkowo bis Kozyrevsk wollten wir im Alleingang zurücklegen. Martha erwies sich dabei als unverzichtbare Helferin und verständnisvolle Organisatorin, die zumindest im Ansatz, unser Begehr nachvollziehen konnte.

Nachdem wir endlich Anfang Juli die Flugtickets die Visa und die GPS Koordinaten für den Treffpunkt mit Slawa hatten, ging es um unsere Pläne für den Kronotsky Nationalpark und das Tal der Geysire. Wir wussten, wir brauchen einen Inspektor als Begleiter, wenn wir individuell im Park unterwegs sein wollen. Auch die Kosten für den Inspektor von 2400 Rubel / Tag waren uns bekannt. Wir wollten allerdings mit einer Gruppe einfliegen, einige Tage individuell wandern und mit einer anderen Gruppe wieder ausfliegen, um mindestens die Kosten für den Helikopter in erträglichen und für uns bezahlbaren Grenzen zu halten. Die Preise, die uns angeboten wurden, lagen bei knapp 3000 US$ (pro Person). Das überstieg unser Budget bei weitem. So beschlossen wir, die endgültige Entscheidung darüber, was wir nach unser Kajaktour machen wollten, direkt vor Ort zu treffen. Das hatte den Vorteil, dass wir die Sache mit Martha direkt und persönlich und nicht nur per Mail besprechen konnten. Langsam wurde auch die Zeit für die weitere Vorbereitung knapp. Der Termin für den Hinflug war der 3. August 2006.

Inzwischen hatten wir einen Großteil unseres Gewinns bei Globetrotter in Ausrüstung und Trockennahrung investiert. Das entlastete unser Budget erheblich.

Zwei Tage bevor es nun endgültig losging begann die „finale Packorgie“. Am Schluss lagen da zwei in ihren Rucksäcken verstaute Faltboote, zwei bis zum Rande beladene Trekking-Rucksäcke und ein verschnürtes und verklebtes Paket mit zwei Paddeln.



Unser Gepäck für Kamtschatka



Der Beginn

Am 3. August, nach einem gemütlichen Frühstück, ging es los in Richtung München. Der Abflug war erst abends nach 23 Uhr. Wir hatten uns mit Annettes Schwester und ihrem Freund auf dem Münchner Flughafen verabredet. Sie sollten dann unser Auto mit nach München nehmen.

Die erste (böse) Überraschung erlebten wir dann beim Einchecken des Gepäcks. Im Reisebüro hatte man uns einen Preis von 6,80 Euro pro kg Übergepäck genannt. Hier am Flughafen München verlangte man 10,50 Euro pro kg von uns und das auch nur bis Moskau. Doch es half nichts, wir wollten ja schließlich unser gesamtes Gepäck mitnehmen.

Bei der Ankunft in Moskau mussten wir das Terminal wechseln. Die internationalen Flüge kommen an Terminal I an und die innerrussischen Abflüge sind von Terminal II. Zwischen den Terminals verkehrt ein Bus. Allerdings wollen auch die ganzen Taxifahrer von dem Kuchen etwas abhaben. So war es nicht ganz einfach, den Taxifahrern klarzumachen, dass wir den Bus benutzen wollen und kein Taxi brauchten. Zumal wir bis zu unserem Weiterflug zwölf Stunden Zeit hatten. Leider zuwenig, um mit unserer Menge an Gepäck einen Abstecher in die Stadt zu machen. Nachdem wir unser Gepäck im Bus untergebracht hatten und uns mit allen anderen sardinenmäßig in den Bus quetschen ließen, ging es los zu einer halsbrecherischen 3o minütigen Fahrt zum Inlandsterminal des Flughafens Scheremetjevo. Dort angekommen, stellten wir fest, dass es hier, im Gegensatz zu sonstigen Flughäfen, keine Gepäckwägen gab. Zur größeren Sicherheit wurde hier schon direkt am Eingang des Flughafens das Gepäck durchleuchtet. Ohne Gepäckwagen war das eine ganz schöne Schinderei. Zum Glück zeigte die Durchleuchtung außer einigen Batterien nichts wirklich Verbotenes. Nachdem wir unser Gepäck in eine etwas ruhigere Ecke geschafft hatten, machte ich mich auf die Suche nach einem Kaffee. Schließlich war es mittlerweile 7 Uhr morgens und geschlafen hatten wir in dieser Nacht keine Minute.
Der Versuch, in einer Ecke mit dem Kopf auf einem Rucksack ein Mindestmaß an Schlaf zu finden, war leider nur teilweise erfolgreich. Wir kramten recht bald Bücher heraus um die Zeit halbwegs sinnvoll zu nutzen. Eine weitere Möglichkeit war das Treiben auf dem Flughafen zu beobachten. An mehreren Stellen konnte man sein Gepäck in Plastikfolie verpacken lassen. Mir war zwar nicht klar, was das bringen soll, aber der Verbrauch an Plastikfolie war gigantisch.



Pope auf dem Moskauer Flughafen

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Ankunft in Petropavlovsk

Endlich war es Zeit zum Einchecken für unseren Flug nach Petropavlovsk-Kamtschatski. Dieses Mal kostete uns unser Übergepäck „nur“ 7000 Rubel – ein Freundschaftspreis. Beim Einsteigen konnte man am Rumpf noch erkennen, wo früher die sowjetische Flagge mit Hammer und Sichel angebracht war. Irgendwie sehen die Farben Russlands provisorisch aus. Als wir dann in der Maschine saßen, verstrich der Abflugzeitpunkt, ohne dass etwas passierte. Die Durchsagen in Russisch verstanden wir nicht und das Englisch des Personals war ziemlich lausig. Etwa zwei Stunden später rollten wir dann auf die Startbahn und die Iljuschin, die fast bis auf den letzten Platz besetzt war, nahm Kurs auf den fernen Osten Russlands, auf Kamtschatka. Die Flugzeit sollte 8 Stunden betragen. Der Zeitunterschied zu Mitteleuropa beträgt +11 Stunden.

Martha hatten wir noch in Deutschland mitgeteilt, dass wir am 4. August um 10.10 Uhr in Petropavlovsk ankommen würden.

Als uns Martha am Flughafen abholte, meinte Sie, dass Sie uns eigentlich schon am Vortag erwartet hätte. Wir beharrten erst einmal darauf, keinen Fehler gemacht zu haben und so wie angekündigt, angekommen zu sein. Später merkten wir, dass wir uns wirklich um einen Tag vertan hatten. Es war also schon der 5. August und nicht wie wir dachten, der 4. August. So konnten wir fürs erste nur einen kleinen Streifzug durch Jelizovo machen.

Deshalb ging es gleich am nächsten Morgen mit dem Bus weiter nach Milkowo. Am nächsten Morgen, der Bus sollte um 9.30 Uhr abfahren, waren wir schon ganz aufgeregt und wollten los, denn unsere Uhr zeigte 9 Uhr. In Wirklichkeit war es allerdings erst 8 Uhr. Wir hatten gestern die Uhr falsch gestellt. Marthas Mann brachte uns mit unserem ganzen Gepäck zum Busbahnhof. Obwohl wir so gut wie kein Russisch sprechen und er genauso wenig Englisch, verständigten wir uns so gut es ging mit Händen und Füssen. Er verabschiedete uns mit einer herzlichen Umarmung.

Leider mussten wir die alte Frau, die während der Wartezeit auf den Bus, ein Gespräch mit uns anfangen wollte, enttäuschen. Wir verstanden Sie leider nicht. Unsere Angst, den richtigen Bus nicht zu erkennen, erwies sich als unbegründet. So weit reichte unsere Kenntnis der kyrillischen Buchstaben. Als viel schwieriger erwies sich, unser gesamtes Gepäck unterzubringen. Was nicht mehr in den Laderaum des Busses passte, musste im Gang untergebracht werden.



Der Markt von Jelizovo

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Die Tour auf der Kamtschatka – oder: Wie Pässe schwimmen lernen

Die Fahrt nach Milkowo sollte etwa vier Stunden dauern. Die ersten 100 Kilometer und die letzten 30 sind asphaltiert, dazwischen staubtrockene Piste, auf der trotzdem halsbrecherisch gefahren und überholt wird. Den Gegenverkehr sieht man durch die Staubwolke schon ziemlich früh.

Milkowo liegt nicht ganz am Fluß, sondern ca. 10 – 20 km dahinter. Ich hatte noch mitbekommen, dass wir die Brücke über die Kamtschatka passierten. Nun ist unser Russisch nicht so, das wir in der Lage gewesen wären, dem Busfahrer mitzuteilen, dass wir hier aussteigen wollen.

Deshalb standen wir wenige Minuten später mit unserem ganzen Gepäck im Zentrum Milkowos. Hier gab es einen kleinen Supermarkt (Μагазин) und eine „Kneipe“ altsowjetischer Prägung. Aber wie sollten wir an den Fluss kommen?

Irgendwie gelang es uns, zwei Männern, die mit demselben Bus angekommen waren, verständlich zu machen, was und wohin wir wollten. Sie hielten daraufhin ein Auto an (Lada) und erklärten dem Fahrer wortreich unser Problem. Der meinte, nach einem Blick auf unser Gepäck, er müsse erst noch zu einem Freund, wolle aber in einer Viertelstunde zurück sein und uns helfen.

Da standen wir nun und hofften, alles richtig verstanden zu haben. Es war ziemlich heiß an diesem Mittag und das alte Mütterchen (Бабужка) das in der Kneipe und den Toiletten nach dem Rechten sah, kümmerte sich rührend um uns.

Wirklich, nach etwa 20 Minuten, kamen zwei Autos, wir luden unser gesamtes Gepäck ein, Annette fuhr mit dem einen, ich mit dem anderen Auto und zurück ging es bis zur Brücke über die Kamtschatka. Auf dieser Brücke gibt es einen Checkpoint der Verkehrspolizei, die jeden Wagen anhält und kontrolliert. Wir bogen schon vorher ab und fuhren Richtung Flussufer. Dort luden wir unser gesamtes Gepäck wieder aus, bedankten uns bei unseren Helfern in unserem rudimentären Russisch und mit einigen Rubelscheinen.

Kaum waren unsere Helfer verschwunden und wir allein am Fluss, erschien das „Auge des Gesetzes“, das natürlich die gesamte Aktion beobachtet hatte und wollte unsere Papiere sehen. Pässe, Visa, Registrierung alles war in Ordnung und der Milizionär fragt uns nach unseren Plänen, die wir versuchten ihm halbwegs verständlich zu machen. Da die Boote noch nicht aufgebaut waren, gelang uns das nur ansatzweise.

Nachdem das Zelt aufgebaut und der Hausstand soweit verstaut war, machte Annette es sich im Zelt bequem und ich begann die Boote aufzubauen. Das gelang mir sogar ziemlich gut und schnell. Schon bald zeigte sich, dass die stechenden, beißenden und saugenden Insekten Kamtschatkas etwas ganz besonders fieses und gemeines sind. Einige der Viecher schafften es immer wieder, unter das Moskitonetz zu gelangen. Ich erschlug in den ersten Stunden hunderte davon, doch es wurden nicht weniger. Wir hatten auf ein chemisches Mittel verzichtet und uns auf die Moskitonetze verlassen. Dies ist hier in Kamtschatka ein Fehler.

Im Laufe des Nachmittags kam eine junge Frau vorbei und wollte uns Fisch verkaufen. Nun, ich dachte, dass die Bärengefahr hier unter der Brücke von Milkowo nicht besonders groß sei. Als sie jedoch eine Stunde später zurückkam, entpuppte sich der versprochene Fisch als (Lachs)-Kaviar. Sosehr wir Fisch mögen, sowenig mögen Annette und ich Kaviar. Allerdings ist dies den Russen einfach nicht verständlich zu machen. Für sie ist Kaviar einfach das größte und beste. Dafür werfen sie sogar den Fisch weg. Ich hatte einige Mühe, der Frau, Tanja, klarzumachen, dass ich zwar gern Fisch hätte, das ich allerdings überhaupt keinen Kaviar wollte. Sie hatte nur Kaviar. Also konnte aus dem Handel nichts werden.

Mittlerweile war es schwül und gewittrig geworden. Die Moskitos wurden immer schlimmer. Ich musste ins Zelt flüchten und so gab es an diesem Abend nichts zu essen. In der Nacht und am nächsten Morgen regnet es. Wir beschlossen, noch einen Tag länger unter der Obhut der Miliz zu bleiben. Die Moskitos setzten mir ziemlich zu. Meine Arme und Beine waren richtig angeschwollen und heiß.
Im Laufe des Tages verpackten wir das meiste in die Kanusäcke. Da wir auch noch unsere Wanderrucksäcke dabei hatten, müssen auch diese irgendwie in den Booten verstaut werden.

Am nächsten Morgen, als ich gerade Frühstück machte, kam der ältere Milizionär und lud uns zu Tee bzw. Kaffee ein. Ich versprach ihm, dass wir später kommen würden. Allerdings schienen unsere Zeitvorstellungen etwas zu differieren. Während wir (wegen der Moskitos) im Zelt frühstückten, kam er nochmals. Wir packten Bild-Wörterbuch und Sprachführer ein. Ich steckte auch noch unsere Pässe in die Innentasche meiner Fleecejacke. Sobald wir auf dem Weg zur Brücke asphaltierten Boden erreichen, nahm die Anzahl der stechenden Ungeheuer schlagartig ab. Der Empfang war sehr herzlich und wir versuchten, uns irgendwie zu verständigen. Beim Kaffee wurde unser kleiner Sprachführer (Bildwörterbuch) von beiden Seiten als untauglich bewertet. Aber irgendwie, mit Händen und Füssen ging es doch. Nachdem uns die Miliz freundlicherweise noch mit Mückenmittel versorgt hatte, machten wir uns endgültig ans Zusammenpacken. Gegen 12.30 Uhr hatten wir alles in und auf den Booten verstaut. Diese waren sozusagen „ heavily loaded “.

Als ich Annettes Boot ins Wasser geschoben hatte, stellte ich fest, dass der Fluss sehr schnell sehr tief wird, so dass ich das Boot drehen und gegen die Strömung einsteigen musste. Nachdem ich im Boot saß, erinnerte ich mich noch, das hinter mir die Fleece-Jacke lag und warf sie ins Cockpit zwischen meine Beine. Der Fluss floss hier ziemlich schnell. Eine Messung mit dem GPS ergab eine Geschwindigkeit von ca. 7 – 8 km/h. D. h. mit Paddeln kamen wir auf Geschwindigkeiten von 10 – 11 km/h. Den Bären, den Annette meinte gesehen zu haben, konnten wir durchs Fernglas nicht ausmachen. Vielleicht war er ja schon weitergezogen. Der Otter oder Biber, der gegen die Strömung am Ufer entlangschwamm war, um ihn durchs Fernglas zu beobachten, zu schnell.

Stellenweise brauste und gurgelte das Wasser an Baumstämmen, Ästen und sonstigen Hindernissen im Wasser. Man musste teuflisch aufpassen, denn die Strömung war ziemlich stark.

Auf manchen Sandbänken sahen wir Angler die mit Schlauchbooten unterwegs waren. Von den Häusern Milkowos war vom Fluss aus nichts zu sehen, doch die Rauchfahne des Kohlekraftwerks begleitete uns die nächsten Stunden über. Die nächste und letzte Brücke über die Kamtschatka kommt erst in Dolinowka. Langsam gewöhnten wir uns an den Rhythmus auf dem Fluss. Hindernisse sind hier schon von weitem zu hören. Allerdings verlangt der Fluss fortwährende Aufmerksamkeit. Wo hatte ich Ähnliches schon einmal gelesen? Ach ja, in einer Flussbeschreibung über den Yukon, auf dem ich 1997 unterwegs war. Damals hatte der Yukon allerdings so wenig Wasser, dass keine Gefahr bestand. An einer Sandbank, an der wir eine kurze Pause machten, sahen wir die ersten Bärenspuren. Allerdings vom Bären keine Spur. Na ja, wir wollten ihn schließlich nicht erschrecken und auf einen „Alarmstart“ legten wir auch keinen gesteigerten Wert.

An einer Kiesbank in einer Rechtskurve komme ich zu weit in seichtes Wasser. Die Strömung zieht das Boot über Steine. Bei einem Faltboot ist das nicht ganz ungefährlich. Ein Loch in der Bootshaut kann ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Ich muss aussteigen, um das Boot wieder in tieferes Wasser zu bekommen. Es gelingt mit viel Mühe und Kraft. Nachdem ich wieder im Boot sitze und befreit durchatmen will, sehe ich eine Menge Treibholz direkt auf mich zukommen. Ich war einen Paddelschlag zu langsam. Das Boot neigt sich, kentert, und da ich keine Spritzdecke anhabe, falle ich mehr oder weniger aus dem Boot. Prustend tauche ich wieder auf und versuche, schwimmend aus der Hauptströmung ans Ufer zu kommen. Schwer atmend schaffe ich es, einen Ast zu ergreifen und mich Richtung Ufer zu hangeln. Zu der Zeit ist es etwa 15.15 Uhr. Ein Fischer, der mich beobachtet hat, fragt etwas, das ich mit „Ja“ beantwortet, dann paddelt er weiter. Ich stehe da. Wo Annette ist, weiß ich in diesem Augenblick nicht. Ich weiß nur, das Sie in ihrem Boot vor mir war. Ich warte. War mein Boot unter das Holz gedrückt worden? Ich kann es nirgends sehen. Der Fluss teilt sich hier in zwei Arme. Welches ist der Richtige, auf dem Annette weitergepaddelt ist?

Gegen 16 Uhr traf ich dann eine (wie sich herausstellte: leider falsche) Entscheidung und folgte dem linken Flussteil. Dieser Nachmittag muss ein Festtag für die Moskitos gewesen sein. Auf dem Weg dort, fiel mir dann auch ein, dass unsere Pässe in meiner Fleece Jacke waren. Mist! Ohne Papiere in einem Land wie Russland. Gegen 18 Uhr traf ich dann auf einen Fischer, der mir erklärte, dass ich dem falschen Flussteil gefolgt war. Er brachte mich mit seinem Boot erst ans andere Ufer, dann zu seinem Versteck für sein Boot im Wald, dann weiter durch den Wald zu seinem Auto und zur Miliz nach Milkovo.

Dort wurde dann nach einigen mir unverständlichen Telefonaten, der Fischerei-Inspektor eingeschaltet, der die weitere Suche in die Hand nahm. Zum Glück sprach der Fischerei-Inspektor einigermaßen Englisch. Gegen 20 Uhr war das große Schlauchboot aufgepumpt, der Außenbordmotor angebracht und justiert und wir konnten das Boot zu Wasser lassen. Es war für mich gar nicht so einfach, jetzt, im veränderten Licht, die Stelle wieder zu finden an der ich gekentert war. Aber plötzlich sahen wir auf einer Kiesbank, Annettes Boot liegen. Von Annette allerdings keine Spur. Der Fischerei-Inspektor und ich stiegen aus, die anderen sind weitergefahren. Der Fischerei-Inspektor entdeckte dann am anderen Ufer eine Gruppe von drei Personen und dirigierte das Boot hinüber. Kurze Zeit später kamen sie mit Annette (und meinem Boot) wieder. Ich war ungeheuer froh, Annette wieder zu sehen.

Soweit meine eigene Schilderung der Vorgänge. Zum Vergleich Ausschnitte von Annettes Darstellung in unserem Reisetagebuch:

„Ich habe gesehen, dass Reinhold zu weit in Richtung Sandbank abgetrieben ist und Probleme hatte wieder ins schnellere Wasser zu kommen, allerdings war ich im Hauptstrom, also war es unmöglich irgend etwas zu tun, ohne mich der Gefahr des Kenterns auszusetzen. Voraus lag ein riesiges Baumhindernis, das den Fluss auf 1/3 seiner Breite reduzierte, staute und rasend schnell machte. Direkt hinter dem Baum fuhr ich ins Kehrwasser und habe auf Reinhold gewartet. Er kam nicht – also mussten seine Probleme relativ groß sein. Nach einiger Zeit stieg ich aus, packte meine Bärenglöckchen und wollte die Sandbank entlanggehen. Gerade in diesem Moment kam Reinholds Kajak gekentert den Hauptstrom entlang. Mich ergriff Panik – sofort rein in mein Boot – der erste Versuch zu starten misslang (ich war auf einer Sandbank). Raus aus dem Boot, weg mit Fleece und Bärenglöckchen, ein neuer Startversuch und hinter Reinholds Boot her. Diesmal ging es gut, dreihundert Meter weiter gelang es mir, Reinholds Boot zu fassen und Richtung Ufer zu drängen. Verzweifelt habe ich versucht, es umzudrehen, meine Spritzdecke war offen und im Nu war mein Boot voller Wasser. Eine Kenterung ließ sich nicht mehr verhindern. Das Aussteigen klappte ganz gut, aber die Strömung drückte mich unter Reinholds Kajak. Es gelang mir unter dem Boot durchzutauchen. An den Ästen entlang zog ich mich Richtung Ufer. In einem Schlauchboot kam der Angler, den Reinhold gesehen hatte. Die letzten drei Meter zum Ufer musste ich schwimmen. Der Mann zog Reinholds Boot aus dem Fluss und gemeinsam zogen wir es aufs Ufer und leerten es aus.(...)

Weiter flussaufwärts war ein rotes Boot und Menschen zu sehen – ob hier Hilfe war? Das Boot kam herauf, Uniformierte auf dem Boot, wir luden das Gepäck ein und es ging los, im Boot sagte der Polizist ‚your husband is alive’ und auf der Sandbank stand er dann. (...).“

Nachdem zuerst unsere Sachen und dann wir nach Milkovo zurücktransportiert worden waren, war dann auch ein Dolmetscher zur Stelle. Für diese Nacht wurden wir im Hotel Dolina untergebracht. Auf der Fahrt ins Hotel gab es noch eine kleine Stadtrundfahrt mit Lenin-Denkmal und „Strasse des Sieges“. Nach dem Einchecken organisierte uns unser Dolmetscher im neben dem Hotel liegenden Supermarkt Brot, Käse und Bier. Viel geschlafen haben wir in dieser Nacht allerdings nicht, zu sehr steckte uns die noch in den Gliedern.

Am nächsten Morgen wurden wir um 10 Uhr von Michail, unserem Dolmetscher, abgeholt. Es ging wieder zum Fischerei-Inspektor. Die Suche nach meiner Fleece-Jacke, bzw. den Pässen hatte noch nichts ergeben.

Der Inspektor unterbrach seine Arbeit um uns zum örtlichen (Heimat)-Museum zu fahren, damit das Warten für uns nicht zu langweilig sei. Die Führung dort fand auf Russisch mit Zeigestock statt und Michail übersetzte ins Englische. Im Museum gibt es unter anderem das Zimmer des Direktors der Sowchose, in dem ein Bild Stalins an der Wand hängt. Dann ging es zurück ins Büro, die Warterei nervte. Da auch beide Kameras Wasser abbekommen hatten, wollten wir in Petropawlowsk nach Ersatz suchen. Zudem hat Martha Kopien von unseren Pässen. So fuhren wir mit dem 12 Uhr Bus (der glücklicherweise etwas verspätet war) nach Petropawlowsk.

In Petropawlowsk angekommen, wollten wir zuerst Martha anrufen. Ein öffentliches Telefon war schnell gefunden. Allerdings nur mit Telefonkarte. Erst nach längerem Suchen gelang es uns, an einem Kiosk eine Telefonkarte zu erstehen und nach einigem Probieren gelang es uns auch noch, die Karte erfolgreich einzusetzen und Martha anzurufen.

Nachdem wir Martha unsere Geschichte erzählt hatten, griff sie als erstes zum Telefon und führte einige Gespräche. Sie erklärte uns, dass wir dringend morgen einige Ämter aufsuchen müssten und das wir insgesamt bis jetzt unverschämtes Glück gehabt hätten. Papiere seien in Russland nach wie vor etwas sehr wichtiges. Wir erfuhren von Ihr, dass zwei Deutsche die auf der Avacha gekentert waren, sofort in den Flieger zurück nach Deutschland gesetzt wurden. Wir aber waren noch immer da und wollten wieder zurück auf den Fluss, zumal am 16. August der zweite Teil unserer Flusstour von Kozyrevsk nach Ust-Kamtschatsk mit unserem Guide Slawa starten sollte.

Als erstes stand am nächsten Tag ein Besuch beim Fundbüro in Petropawlowsk an. Martha hatte uns eine Dolmetscherin organisiert, ohne die wir zugegebenermaßen ziemlich hilflos gewesen wären. Mit der Bescheinigung über den Verlust unserer Pässe ging es dann zum Amt für Pässe und Visa. Allerdings nicht am gleichen Tag, da das Fundamt täglich nur von 17 – 18 Uhr geöffnet hat. – Ein winziges Kabuff mit Gitterschutz. Dahinter ein Uniformierter mit „Dienstkatze“. Die Bestätigung über den Verlust war ca. 10x10 cm groß und kostete 100 Rubel. Der Besuch beim Amt für Pässe und Visa am nächsten Tag mit Lena, der Chefin von Diligans, war für uns dann erst einmal weniger erfreulich. Es drohte uns nämlich, dass wir früher nach Hause zurück mussten, wie uns Lena (auf russisch) und unsere Dolmetscherin auf Englisch zu erklären versuchten. Danach waren wir erst mal ziemlich geknickt. Allerdings kam am gleichen Abend noch die Nachricht von Martha, dass es möglich wäre erst wie geplant, am 3. September, zurückzufliegen. Wir haben an diesem Abend dann noch die deutsche Botschaft in Moskau angerufen, die uns versprochen hat, uns Ersatzpässe auszustellen und alle Formalitäten für unsere Ausreise in die Wege zu leiten. Danach mussten wir am nächsten Tag noch Passbilder machen lassen und die Passanträge, die uns die deutsche Botschaft zumailen wollte, ausfüllen und mit den Bildern nach Moskau schicken.

Am Samstagvormittag haben wir nochmals Passbilder machen lassen, die Passanträge ausgefüllt und per Express-Post nach Moskau geschickt. Die Postangestellte war so nett, Anschrift und Absender in kyrillischen Buchstaben aufzuschreiben.

Nachmittags riefen wir dann noch Michail in Milkowo an und baten ihn, uns ein Zimmer im Hotel Dolina zu besorgen. Als wir abends ankamen, holte er uns an der Bushaltestelle ab und brachte uns ins Hotel gebracht. Dieses Mal hatten wir kein „deluxe“ Zimmer, dafür kostete es auch nur die Hälfte, und es war völlig in Ordnung.

Da am Sonntag weder der Fischerei-Inspektor noch seine Leute erreichbar sind und unsere Sachen dort in der Garage eingeschlossen waren, verbrachten wir den Sonntag in Milkowo mit Schlafen und Spazieren gehen. Am Montagmorgen waren wir wieder beim Fischerei-Inspektor. Auch in der Zwischenzeit waren unsere Pässe nicht gefunden worden. Zum Glück hatten wir mit Martha schon alles Notwendige veranlasst. Während ich die Boote zusammenpackte, besorgte Annette die Originale der Berichte vom Fischerei-Inspektor und der Miliz. Gegen halb zwölf musste es dann ziemlich schnell gehen, da der Bus nach Kozyrewsk um 12 Uhr abfahren sollte. Er fuhr dann allerdings erst nach 13 Uhr und um unsere etwa 100 kg Gepäck befördern zu können, mussten zwei der Ersatzreifen zurückbleiben. Kurz vor der Abfahrt kam noch Sergej, der Milizoffizier vorbei, um uns eine gute Reise zu wünschen.

Etwa 35 km hinter Milkowo – gab es einen Schlag und man hörte, wie der Reifen platzte. Der Busfahrer ignorierte das Geräusch auf den nächsten 10 Kilometern, doch vor der folgenden Gefällstrecke stiegen die beiden Fahrer aus und ihr Stirnrunzeln verriet: es bleibt keine Wahl als den Reifen zu wechseln.

Vor Kozyrewsk ging es per Fähre über die Kamtschatka. Die Busse mußten rückwärts auf die Fahre, um vorwärts herunterfahren zu können. Gegen 17.45 Uhr waren wir in Kozyrewsk. Der Versuch, auch hier jemanden zu finden, der uns mit unserem Gepäck zum Fluss bringt, war zunächst nicht von Erfolg gekrönt. Es hatte uns zwar jemand mit Motorrad versprochen vorbeizukommen, aber nachdem wir eine halbe Stunde gewartet hatten, machte ich mich mit Annettes Boot auf den Weg in Richtung Fluss. Im Gegensatz zu Milkowo war es in Kozyrewsk nicht allzu weit bis zum Fluss. (Etwa 1 km). Als ich zum dritten Mal unterwegs war, Annette wartete an der Bushaltestelle, hielt dort ein Motorrad mit Seitenwagen und fragte sie, wo wir denn seien. Er brachte Annette mit dem restlichen Gepäck dann zum Fluss, wo ich schon dabei war, das Zelt am Flussufer aufzubauen. Der Bauer, der Annette geholt hatte, lud uns ein, unser Zelt in seinem Garten aufzubauen. Die Einladung zum Tee haben wir gern angenommen. Den angebotenen Kaviar haben wir ausgeschlagen, den luftgetrockneten Lachs aber gerne angenommen. Es ist unmöglich den Russen verständlich zu machen, dass wir keinen Kaviar mögen. Nachdem er dann die zweite Flasche Selbstgebrannten aufgemacht hat, versuchten wir uns in Richtung unseres Zeltes abzuseilen. Der Selbstgebrannte, Annette konnte als Frau dankend abwinken, hatte meines Erachtens mindestens 60% Alkohol. Zudem waren da noch irgendwelche Kräuter drin. Mehr als ein Glas war nicht möglich. Der Hausherr konnte das allerdings nicht richtig verstehen und ich konnte es ihm nicht in der gebotenen Höflichkeit erklären. Aber es war auch ein Lehrstück in Sachen russische Gastfreundschaft, die wir nun schon zum wiederholten Mal erleben durften und die uns ein Stück weit ein „schlechtes Gewissen“ verursachte.

Am nächsten Tag habe ich wieder unsere Boote aufgebaut. Einhelliger Kommentar aller die vorbeikamen: kein Motor und viel zu klein für den großen Fluss. Unser Ziel, nämlich Ust-Kamtschatsk, wurde milde belächelt. Zum Glück verstanden wir die meisten Bemerkungen und Kommentare nicht. Vieles war sicherlich nicht unbedingt schmeichelhaft für uns.



Die Brücke über die Kamtschatka bei Milkowo

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Kommentare

  • Raudi

    Das war ja ein echter Abenteuer Urlaub ! Den ich trotz aller Probleme als gelungen bezeichnen möchte. Es war schön euch auf eurer Reise begleiten zu dürfen !

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Lebe Deinen Traum - Vulkane – schwimmende Pässe und tolle Menschen 3.67 6

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